Der renommierte Grazer Architekt Hermann Eisenköck ist der Mastermind des Quartiers Zwei (Q2) im Stadtteilentwicklungsprojekt Reininghaus. Der Mitbegründer der Architektur Consult ZT GmbH zeichnet nicht nur für den Entwurf verantwortlich, sondern auch für das Projektmanagement. Dafür hat er jetzt gemeinsam mit seinen Partnern internationale Investoren gewonnen.

Hermann Eisenköck hat ein Faible für große Projekte. Nicht nur, was die architektonische Gestaltung betrifft. Der Grazer hat nämlich auch eine gute Hand, wenn es darum geht, große Investoren zu gewinnen. Das gilt auch für eines seiner jüngsten Projekte, das Q2 im neuen Stadtteil Reininghaus. Das Stadtteilzentrum hat Eisenköck gemeinsam mit den Architekturbüros Coop Himmelb(l)au und Delugan Meissl geplant. Aber nicht nur das. Eisenköck hat mit Partnern das Grundstück erworben und ist auch gemeinsam mit Baukaufmann Peter Kothgasser und Architekt Herfried Peyker Entwickler des 200-Millionen-Projekts. „Das Q2 ist das städtebauliche Zentrum des Viertels“, sagt Eisenköck. „Dort wird es alles an Infrastruktur für ein neues Viertel wie Geschäfte, Cafés und Restaurants, Ärztezentrum, ein oder zwei Hotels und Büros geben.“ Das Gebäude-Ensemble jedenfalls sei so flexibel, dass mehrere Nutzungsmöglichkeiten denkbar seien. Eisenköck würde in den oberen Stockwerken auch gerne servicierte Penthouse-Wohnungen errichten. „Dieses Angebot richtet sich natürlich an ein sehr schmales Kundensegment“, sagt er. „Aber es gibt eine immer größer werdende Nachfrage nach diesen Wohnungen, bei denen man sich um nichts kümmern muss.“

Wie auch immer die endgültige Nutzung des Q2 formgegeben sein wird, die Verhandlungen mit den Investoren stehen kurz vor dem Abschluss. Wenn alles so funktioniert, wie Eisenköck und seine Partner das geplant haben, kann nächstes Jahr mit den Bauarbeiten begonnen werden. Das Q2 mit seinen gegeneinander gedrehten Türmen wird jedenfalls nicht zu übersehen sein und könnte zum Wahrzeichen von Reininghaus werden. Obwohl die beiden Türmen mit 78 Metern nicht so hoch werden, wie die Architekten Hermann Eisenköck und Wolf D. Prix von Coop Himmelb(l)au das gerne gewollt hätten.

Rendering Q2 Reininghaus: Eisenköcks Kooperation mit den Architekturbüros Coop Himmelb(l)au und Delugan Meissl.

Rendering Q2 Reininghaus: Eisenköcks Kooperation mit den Architekturbüros Coop Himmelb(l)au und Delugan Meissl.

Leicht war es trotz der architektonischen Qualität des Konzepts nicht, Investoren für das Projekt zu finden. „Graz ist bei großen internationalen Investoren nicht die erste Adresse“, sagt Hermann Eisenköck. „Allerdings gibt es auch in Wien nicht mehr viele Projekte, die für internationale Fonds interessant wären.“ Weil der Grazer Markt noch „einigermaßen günstig“ sei, ließen sich hier noch immer Renditen um die fünf Prozent erzielen, ein Prozentsatz, den große Investoren bei Immobilien nun einmal erwarteten. Dass man sich bei Projekten von Eisenköck auch auf die wirtschaftliche Dimension verlassen kann, hat der Grazer schon zu Beginn seiner Laufbahn unter Beweis gestellt. 1981 ist er nach dem Studium in das Büro der Architektur-Legende Günther Domenig eingetreten.

„Vor Domenig haben damals viele eine panische Angst gehabt“, erzählt Eisenköck. „Man sagte, Domenig sei ein Künstler, dem die Kosten egal seien.“ Was wohl auch mit dem Ruf der Branche zu tun hatte, dass Architekten nicht aufs Geld schauen würden. Das Duo Domenig-Eisenköck trat jedenfalls mit dem Neubau des Resowi-Zentrums der Karl-Franzens-Universität in Graz den Gegenbeweis an. 1985 hatten die beiden die Ausschreibung des damals mit einer Milliarden Schilling größten öffentlichen Bauprojekts in Österreich gewonnen. Das Projekt wurde wohl auch wegen der stattlichen Kosten zum Politikum und zum Match Wien gegen die Steiermark. Eine gut geplante Lobby-Kampagne steirischer Regierungsmitglieder, des Landeshauptmanns Josef Krainer und der Studenten der Universität Graz war notwendig gewesen, um das Projekt in der Bundesregierung durchzusetzen. „Der damalige Wirtschaftsminister Wolfgang Schüssel mit seiner großen Affinität zur Steiermark hat das Projekt entscheidend unterstützt“, erinnert sich Eisenköck. Das Budget wurde genehmigt und Domenig und Eisenköck blieben im Budget. „Zehn Jahre nach dem Wettbewerbsgewinn haben wir den Bau mit einer Kostenüberschreitung von gerade einmal eineinhalb Prozent übergeben“, sagt Eisenköck. Weitere erfolgreiche Projekte, bei denen die beiden im Finanzrahmen blieben, folgten. Das von Domenig und Eisenköck konzipierte LKH Bruck an der Mur war bei der Endabrechnung sogar um 40 Millionen Schilling billiger als veranschlagt. Heute ist das Kostenthema ein entscheidender Faktor. „Wir planen gerade gemeinsam mit Delugan Meissl in Wien die Medizinische Universität und da wird einem bei den Kosten sehr auf die Finger geklopft.“ Im Wiener Büro der Architektur Consult sind drei Mitarbeiter nur damit beschäftigt, laufend die Kosten zu berechnen. „Es kommt ja bei so einem Projekt laufend zu Änderungen und zusätzlichen Wünschen und der Bauherr will dann gleich wissen, wie sich das auf die Kosten auswirkt“, berichtet Eisenköck.

Drei Jahre nach der Übergabe des Resowi-Zentrums im Jahr 1995 gründeten Domenig, Eisenköck und Herfried Peyker das Büro Architektur Consult ZT GmbH. Das Büro versteht sich als Anbieter und Umsetzer von Komplettlösungen. Von der Standortuntersuchung, der Projektsteuerung, vom Controlling und der Bauleitung bis hin zur Wirtschaftlichkeitsprüfung bietet Architektur Consult alle baurelevanten Leistungen an. Und das mit großem Erfolg, auch bei herausfordernden Projekten wie dem Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt mit Coop Himmelb(l)au „Damals haben wir gesehen, dass nur sehr wenige Firmen in der Lage waren, so ein komplexes Gebäude zu errichten“, konstatiert Eisenköck. „Das Haus musste abhörsicher und vor Terroranschlägen bestmöglich geschützt sein.“ Aber nicht nur das. Für jedes System, von der Steckdose bis zur Belüftung war ein Backup vorzusehen, was die Planung einigermaßen aufwendig machte. Für dieses „Hochsicherheitsgefängnis“, wie Eisenköck es nennt, hat die Europäische Zentralbank im Jahr 2004 eine Totalunternehmerausschreibung gemacht, die gründlich schiefgegangen ist. Nur ein einziges Angebot war gelegt worden und das zu einem stark überhöhten Preis. „Es hat wohl Absprachen gegeben“, vermutet Eisenköck. Die Architekten wollten dies jedoch nicht hinnehmen. „Wir haben das Vergabe-Verfahren für die Errichtung des von Coop Himmelb(l)au konzipierten Gebäudes neu aufgerollt“, berichtet er. Neben der Architektur Consult haben zwei weitere Büros die Kosten neu berechnet und kamen zu nur um drei Prozent voneinander abweichenden Ergebnissen. „Dann haben wir erneut ausgeschrieben und bekamen Angebote, die genau dort lagen, was wir errechnet hatten“, erinnert sich Eisenköck. Beim Bau selbst sei es dann richtig losgegangen. „Die Firmen haben damals ein beinhartes Claim-Management betrieben“, sagt Eisenköck. „Manchmal waren mehr Anwälte als Bauarbeiter auf der Baustelle.“

Wie sehr wirtschaftliche Überlegungen heute von Planern und Architekten mitgedacht werden müssen, hat sich auch beim Bau des Styria Media Center in Graz gezeigt. Beim Bau des Hauses in der Conrad-von-Hötzendorf-Straße musste die Architektur Consult durchaus einige Abstriche machen, damit die Renditenerwartungen vom Eigentümer, der Grazer Wechselseitigen, erzielt werden konnten.  Projekte, bei denen es um das Prestige eines Landes und nicht nur um das Geld gehe, gäbe es heute selten. „Das Linzer Musiktheater war für uns so eine Ausnahme“, erklärt Eisenköck.

Ein anderes Projekt, bei dem die architektonische Qualität des Entwurfs den Ausschlag gab, war das T-Center in Wien. Der damalige Chef des Mobilfunkanbieters Max Mobil, Georg Pölzl, war mit dem Entwurf der hauseigenen Planer der Konzernmutter T-Mobile nicht zufrieden gewesen. Pölzl wollte ein aufsehenerregendes Haus, das zum Image von Max Mobil, dem Hecht im Karpfenteich der Mobilfunker, passte. „Die Vorgabe war ein spektakuläres Gebäude, das man sich merkt“, berichtet Eisenköck. „Wir haben einen plastischen Baukörper entwickelt, und nachdem wir damals nicht in die Höhe bauen durften, haben wir das Hochhaus einfach umgelegt.“ Das Haus an der Wiener Südost-Tangente sollte den freien Blick auf die denkmalgeschützten Gebäude des St. Marxer Schlachthofs erhalten und auf dem langen, schmalen Grundstück dennoch eine hohe Bebauungsdichte erreichen.

 

Architektur Consult ZT GmbH

Geschäftsführer:
Arch. DI Hermann Eisenköck
Arch. DI Herfried Peyker

Gesellschafter:
Arch. DDI Christian Halm
Arch. Georg Böhm AA Dipl.
Arch. DI Martin Priehse

90 Mitarbeiter
Büros in Graz, Wien, Klagenfurt, Berlin und München

Ständige Partnerschaften mit COOP HIMMELB(L)AU Wolf D. Prix & Partner ZT GmbH, Delugan Meissl Associated Architects, LOVE architecture and urbanism ZT GmbH

Projekte (Auswahl):

Pavillon der Kunst Biennale Venedig 2017
MedUni Campus Wien (mit Delugan Meissl)
RESOWI Zentrum der Karl-Franzens-Universität Graz
Styria Media Center Graz
Kunsthaus Graz (ausführende Planung)
Europäische Zentralbank Frankfurt (ausführende Planung)
T-Center Wien St. Marx
Musiktheater Linz (ausführende Planung)
Fischapark Wiener Neustadt

Funktionen von Hermann Eisenköck im Kunst- und Kulturbereich:
Vorstand Österreichischer Skulpturenpark
Vorstand Österreichische Designstiftung
Aufsichtsrat Steirischer Herbst
Vizepräsident des Vereins der Freunde am Landesmuseum Joanneum

Hermann Eisenköck ist zudem Aufsichtsratsvorsitzender der international tätigen Klinger-Gruppe.

 

„Das Q2 wird das städtebauliche Zentrum des Stadtteils Reininghaus.“

 

Foto oben: Der Architekt und leidenschaftliche Kunstsammler Hermann Eisenköck vor einer Skulptur von Manfred Wakolbinger

 

Text: Barbara Hoheneder
Fotos: Oliver Wolf, Architektur Consult