Die Welt, Österreich und somit auch Graz befinden sich dank COVID19 in einer bis vor kurzem nicht vorstellbaren, äußerst herausfordernden Situation. Eine Situation, die wir aber überstehen werden. Eine Frage wird aber immer brennender: Wird es auch unsere Wirtschaft überstehen?

„Viele Menschen sehnen sich bereits danach, wieder ein Leben wie vor dem Virus führen zu können. Wenn aber nicht umgehend etwas passiert, wird dies nicht möglich sein, weil Graz sich nachhaltig verändert haben wird: Wir werden viele uns allen bekannte Geschäfte und Lokale verlieren und damit auch eine Vielzahl an Arbeitsplätzen!“, richtet Regionalstellenobmann Paul Spitzer einen dringenden Appell an die Politik.

Paul Spitzer, Regionalstellenobmann Graz

Paul Spitzer, WKO-Regionalstellenobmann Graz, richtet einen dringenden Appell an die Politik

 Am 13. März 2020 hat die Bundesregierung beschlossen, das soziale Leben auf ein Minimum zu reduzieren. Um das zu gewährleisten, ist es den meisten Händlern, allen Gastronomen und vielen Dienstleistungsunternehmen seit mittlerweile 17 Tagen behördlich untersagt Umsätze in Ihren Geschäften zu machen. Bereits am 18. März wurde ein 38-Milliarden-Euro Hilfspaket präsentiert, um die Wirtschaft zu unterstützen. Leider ist davon bisher kaum etwas in den Betrieben angekommen.

„Viele Grazer Betriebe haben um Kurzarbeit angesucht, weil sie ihre Verantwortung gegenüber ihren MitarbeiterInnen wahrnehmen. Es muss jedoch einmal zum Ausdruck gebracht werden, dass die Betriebe nicht nur alle Löhne vorfinanzieren müssen, sondern auch nach der Beihilfe des AMS rund 20% der Personalkosten beim Unternehmen bleiben, und das obwohl die meisten ja derzeit keinen Umsatz machen können.“, erläutert Regionalstellenleiter Viktor Larissegger die dramatische Lage in der Wirtschaft.

Verschärft wird die Situation, weil ja auch zur Zeit gestundete Mieten, Steuern und Sozialversicherungsbeiträge irgendwann bezahlt werden müssen.

Speziell im Handel kommt noch dazu, dass viel – teilweise noch nicht bezahlte – Ware in den Lagern liegt, die bald nicht mehr verkäuflich sein wird (Stichwort: Frühjahrsmode). Es fehlt somit der Umsatz, um Lieferverbindlichkeiten nachzukommen und erst recht, um neue Waren zu bestellen. Garantien auf Kredite helfen da zwar vielleicht kurzfristig, die Tilgungen würden aber nötige Investitionen in der Zukunft unmöglich machen. Dies trifft in der Folge wiederum Gewerbebetriebe, da Aufträge ausbleiben und somit der Wirtschaftskreislauf insgesamt stark leidet. Viele Insolvenzen werden daher somit nur hinausgezögert und Menschen, die jetzt in Kurzarbeit sind, werden spätestens dann ihren Job und somit ihre Lebensgrundlage verlieren.

Um dieser Abwärtsspirale zu entrinnen, gibt es aus Sicht der Regionalstelle Graz nur einen Ausweg:

1 Den betroffenen Unternehmen muss spätestens nächste Woche zumindest ein halber Monatsumsatz unbürokratisch als nicht rückzahlbare Unterstützung ausbezahlt werden.

Unterstützung im Rahmen des Nothilfefonds angekündigt, die Umsetzung geschieht aber zu schleppend“, so Spitzer und ergänzt: „Von dem angekündigten 38-Milliarden-Paket ist, abgesehen von den Auszahlungen in Höhe von € 500.- oder € 1.000.- an Kleinstunternehmer durch die Wirtschaftskammer, noch nichts bei den Betrieben angekommen. Wenn die Frage des Wiederaufsperrens im April oder Mai nicht eine rein theoretische sein soll, muss sich das umgehend ändern!“

2 Es braucht eine Perspektive, wann wieder Umsätze gemacht werden dürfen!

Bei aller Dramatik, die das Corona Virus mit sich bringt, darf nicht vergessen werden, dass unsere heimischen Unternehmen mit ihren Arbeitsplätzen zehntausende Existenzen sichern. WIFO und IHS haben bereits vor einer Woche bekräftigt, dass ein „shutdown“ über den April hinaus für die Wirtschaft nicht vorstellbar ist. Unsere Erfahrungen aus zahlreichen Gesprächen mit unterschiedlichsten Unternehmerinnen und Unternehmern in den letzten 17 Tagen bestätigen diesen Befund“, berichtet Spitzer.

Die WKO Graz fordert daher einen Zeitplan ein, wie weiterhin gefährdete Menschen geschützt werden können, gleichzeitig aber den geschlossenen Handels- und Dienstleistungsbetrieben sowie Lokalen nach Ostern zumindest schrittweise und mit Auflagen wieder die Möglichkeit gegeben wird, ihren Geschäften nachzugehen.

Die WKO Regionalstelle Graz betreut insgesamt 18.669 aktive Mitgliedsbetriebe, davon rund 7.000 Arbeitgeberbetriebe, die insgesamt rund 115.000 Personen einen Arbeitsplatz bieten.

Die von der aktuellen Krise besonders betroffenen Sparten Handel sowie Tourismus und Freizeitwirtschaft zählen in Graz aktuell 4.552 (Handel) bzw. 2.257 (Tourismus & Freizeitwirtschaft) aktive Mitglieder und beschäftigten gemeinsam 33.744 Personen.

 

TEXT: Aussendung WKO Steiermark, Regionalstelle Graz

FOTO: Foto Fischer