Strategien und Gefahren für den Weg aus der Krise analysiert Thomas Krautzer, Leiter des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Uni Graz, in seinem Gastbeitrag für „SPIRIT of Styria“.

Die gute Nachricht: derzeit liegt Österreich in der gesundheitlichen Schadensstatistik von Covid 19 sehr gut. Das hätte nicht so sein müssen. Es gibt ausreichend Beispiele für andere Verläufe. Die schlechte Nachricht: was absehbar und logisch war, ist eingetreten. Der staatlich verordnete Shutdown hat einen gleichzeitigen Angebots- und Nachfrageschock ausgelöst. Die daraus folgende Rezession ist massiv und wird trotz Erholung einzelner Branchen kein kurzer Spuk bleiben. Die große Frage ist, ob sie sich auf die Gütermärkte eindämmen lässt oder weitere Kreise infiziert. Große Krisen wirken über Jahre und betreffen wirtschaftshistorisch meist auch Finanzmärkte (Börsen), Banken, Staatsfinanzen und Währungen. Am schlimmsten haben sich bisher immer Bankzusammenbrüche ausgewirkt. Gegenüber 2008 sind unsere Institute aber weitaus stabiler aufgestellt, sie vermitteln in dieser Krise eher Stabilität. Die Finanzmärkte haben bereits heftig reagiert, aber (noch?) keine Verwerfungen verursacht. Das große Fragezeichen werden mit Fortdauer der Krise die Staatsfinanzen und Währungen sein. Hier haben jene einen großen Vorteil, die mit moderater Verschuldung in die Krise gegangen sind. Eine hohe Schuldenlast vor Corona bedeutet jetzt hingegen eine Thrombosegefahr für die Zahlungsfähigkeit. Die Risikogruppen der Eurozone sind gut bekannt. Alles wird bei uns jetzt davon abhängen, ob die Zahl an Firmen- und Privatkonkursen einzudämmen ist. Die Banken dürfen keine zu hohen Ausfälle haben und der Staat darf nicht für zu viele Ausfälle haften müssen. Selbstverständlich wäre Austerität jetzt völlig falsch. Aber: „Koste es, was es wolle“ klingt zwar heroisch, wäre hingegen keinesfalls verantwortungsvoll. Weh dem, der in der ersten Schlacht seine Reserven verheizt, er müsste schon beim zweiten Angriff kapitulieren. Dementsprechend absurd ist es, wenn derzeit jede Interessenlobby Angst hat, zu wenig vom scheinbar warmen Geldregen abzubekommen. Das reicht von Sportvereinen bis hin zum Ruf nach Erhöhung des Arbeitslosengeldes. Hier wird die Sozialpartnerschaft zeigen können, ob sie ihren guten Ruf verdient: nämlich das gemeinsame Schultern von Last und Verantwortung statt Vorteile für die eigene Klientel zu ergattern. Was muss also getan werden?

Aktives Risikomanagement betreiben und konsequent den Wirtschaftskreislauf wiederbeleben ohne Infektionscluster für eine zweite Welle zu schaffen. Ausarbeitung von strategischen Programmen, die die derzeitigen Nothilfen ab Sommer ersetzen müssen. Man wird nicht überall engagiert bleiben können. Eine gemeinsame Sicht auf jene Zeit entwickeln, in der die Schuldenlast wieder eingedämmt werden muss – fair aber auch ökonomisch verantwortungsvoll. International muss dafür gesorgt werden, dass Grenzen insbesondere für Güter und Dienstleistungen geregelt aufgehen. Nichts wäre schlimmer, als ein Aufflammen eines nationalen Separatismus, der schon in den 1930er Jahren alle in den Abgrund gezogen hat.

 

Thomas Krautzer, Univ.-Prof. für wirtschaftliche Standortfragen, Leiter des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Uni Graz