Der Münchner Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Hans Kilger setzt mit nachhaltigem Wein und gehobener Gastronomie neue kulinarische Standards in der Südsteiermark. Mit dem jüngsten Kauf des Loisium-Ressorts will er die Region auch einem internationalen Publikum nahebringen.

Hans Kilger ist ein Spätberufener. Nicht als erfolgreicher Chef einer Münchner Steuerberatungsfirma, sondern als Landwirt. Vor gut elf Jahren hatte er das Bedürfnis verspürt, etwas Langlebiges und Dauerhaftes aufzubauen. Etwas, das er weitergeben kann, etwas, das Bestand haben wird, das nachhaltig ist. Der Naturliebhaber begann sich umzusehen und fand im rumänischen Siebenbürgen wunderschöne Landschaften, wo er zusammen mit einem Partner zunächst Wildschweine und Rotwild unterbrachte. Weil ihn die Landschaft an den amerikanischen Westen erinnerte, wurden 30 Bisons gekauft. Büffel folgten. Der Steirer Rudolf Karner betreute die Tiere und brachte Hans Kilger in die Südsteiermark. „Ich kannte als Weinliebhaber natürlich die Topwinzer der Region, wie Walter Polz oder Manfred Tement“, erzählt Kilger. „Aber die Verbindung zur Region Südsteiermark hatte ich nicht.“

Der erste Besuch in der Heimat des von Kilger besonders geschätzten Sauvignon Blanc sollte schwerwiegende Folgen haben. Der Münchner Unternehmer verliebte sich in die Landschaft und in ihre Menschen. „Die Südsteiermark wird oft mit der Toskana verglichen“, sagt er. „Für mich ist der Süden der Steiermark aber nicht nur schöner, sondern auch klimatisch angenehmer.“ Deshalb beschloss er in die Region und in ihren Wein zu investieren. 2014 erwarb er das erste Weingut in der Südsteiermark. Aber nicht etwa, um als Hobbywinzer sein Glück zu versuchen, sondern um mit erfahrenem Personal die Sache professionell aufzuziehen. Kilger hat seine Kindheit auf einem kleinen Bauernhof verbracht. „Dort habe ich gelernt, wie man es nicht macht“, erinnert er sich. Viel Arbeit und wenig Ertrag, das mache nun einmal keinen Sinn. Deshalb investierte Kilger weiter in Weingüter und Gaststätten in der Steiermark. „Wenn man nachhaltig arbeiten und dabei wirtschaftlich erfolgreich sein will, dann braucht es eine kritische Größe“, sagt Kilger. „Die Betriebe sollen an die nächste Generation weitergegeben werden und von einem Manager geführt werden können.“

Wein- und Gastro-Imperium

Inzwischen beschäftigt Kilger auf seinen Standorten in der Süd- und Weststeiermark, im Burgenland und in Siebenbürgen rund 250 Mitarbeiter. Die Domaines Kilger hält in Österreich 200 Hektar Grundbesitz und 80 Hektar Weinflächen, dazu kommen 2700 Hektar Weideland in Rumänien. Zu Kilgers Domäne gehören u.a. die Gastronomiebetriebe Jaglhof in Gamlitz, der Stupperhof in Kitzeck, das langfristig gepachtete Schloss Gamlitz und seit kurzem auch das Loisium Wine, Design & Spa in Ehrenhausen. Mit dem Loisium hat Kilger eine besondere Freude. „Ich habe selbst oft in diesem Haus übernachtet“, erzählt er. „Das Loisium ist ein Haus mit internationalen Standards, das den Namen Ressort verdient.“ Vor den Voreigentümern zieht er dann auch den Hut: „Hier in dieser Region so ein Haus zu etablieren, dazu hat schon großer Mut gehört“, sagt Kilger.

Hans Kilger mit seinem 2016er Sauvignon Blanc Kranachberg Reserve, der Unlängst die Frankfurter Weintrophy gewann.

Mit dem Loisium und dem Ausbau des Weinkellers im Schloss Gamlitz will Kilger vor allem Gäste aus Deutschland für die Südsteiermark begeistern. „Für dieses Gästesegment hat die Südsteiermark sehr viel zu bieten“, so Kilger. „Die Region ist in wenigen Stunden erreichbar und bietet ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das weltweit seinesgleichen sucht.“ Immer wieder habe Kilger die Erfahrung gemacht, dass Geschäftspartner nach einer Einladung nach Gamlitz von der Region in höchsten Tönen geschwärmt hätten. „Wer einmal hier war, die außergewöhnliche Landschaft und das ausgezeichnete kulinarische Angebot kennengelernt hat, der kommt wieder“, ist Kilger überzeugt.

Kooperation mit Johann Lafer

Wer in einem seiner Häuser absteigt, der kann nicht nur Kilgers mehrfach ausgezeichnete Weine genießen, sondern auch feinste Charcuterie von Bison und Co. verkosten. Denn Kilger beliefert mit seinen außergewöhnlichen Produkten vor allem seine eigenen Häuser und die gehobene Gastronomie. „Ich gehe bei meinen Produkten ausschließlich auf Qualität und nicht auf Masse“, sagt Kilger. „Deshalb wird es meine Produkte auch nicht im Supermarkt geben.“ In Wien und München hat Kilger Gaststätten eröffnet, bei denen die Kunden auch einkaufen können. Derzeit ist er gerade damit beschäftigt, für die DACH-Region einen Online-Handel aufzubauen. Dafür hat Kilger den renommierten TV-Koch und Gastro-Unternehmer Johann Lafer gewonnen. Der Steirer war bei Kilger zu Besuch und von dessen Wein und Fleischprodukten derart begeistert gewesen, dass die beiden beschlossen, zusammenzuarbeiten. Dieses Jahr werden die ersten Weine der Edition Lafer abgefüllt, ein Sauvignon Blanc, ein Roter und ein Rosé. Was den Koch und den Unternehmer so gut miteinander harmonieren lässt, hat alles mit der Arbeitsweise der beiden zu tun. Kilger setzt wie Lafer auch auf ehrliche Handarbeit. Das gilt für den Weinbau ebenso wie für die Fleischverarbeitung. „Wir verstehen uns als Manufaktur“, erklärt Kilger. „Ein ethisch verantwortungsvoller Umgang mit der Natur ist uns wichtig.“

Freiheit auf 27 Quadratkilometern: Hans Kilgers Bisonherde in Siebenbürgen

Kilgers Bisons und Büffel genießen ein Leben in Freiheit. Sie fressen Gras und Heu und sind das ganze Jahr über im Freien. Mit knapp drei Jahren werden die Stierkälber geschlachtet. Und zwar auf eine Art, die tierfreundlicher nicht sein könnte. Nach dem Abschuss auf der Weide werden die Tiere in einer Schlachtbox ausgeweidet und in einem rumänischen EU-Schlachthof überprüft. Das Fleisch wird dann im Kühltransport in die Steiermark transportiert, wo erfahrene Fleischermeister die Tiere weiterverarbeiten. Ähnlich achtsam geht Kilger auch in den Weingärten zu Werk. „Wir verzichten so weit wie möglich auf den Einsatz von Chemie“, sagt er. Um eine Biozertifizierung hat sich Kilger dennoch nie bemüht. „Ich glaube nicht, dass biologisches Arbeiten in der relativ feuchten Südsteiermark möglich und sinnvoll ist. Im Burgenland geht das aufgrund der klimatischen Bedingungen etwas leichter.“ Er verzichtet lieber auf künstliche Bewässerung. Ganz einfach deshalb, weil der Wein-Connaisseur bei einem Besuch in Neuseeland gesehen hat, wie sehr sich Bewässerung auf die Qualität der Trauben auswirkt. „Ich habe dort gelernt, dass der Verzicht auf Bewässerung zwar in den ersten Jahren einen massiven Einbruch bei der Menge bedeutet, aber danach sucht der Rebstock mit seinen Wurzeln die Tiefe auf und nimmt die Mineralik auf, die den Wein ganz besonders macht.“

Hans Kilger ist mit seinen Plänen noch lange nicht am Ende. Er denkt gerade darüber nach, ob er mit den Büffeln in Rumänien nicht auch Mozzarella herstellen könnte. In Rumänien halten viele Kleinbauern diese Büffel zuhause im Stall. Diese Tiere sind ans Melken gewöhnt, Kilgers wildlebende Herde allerdings nicht. Er würde also zahme Tiere brauchen und eine Infrastruktur für die Käsemanufaktur. Große Pläne hat Kilger auch mit den Winzern Christian Reiterer in der Steiermark und Uwe Schiefer im Burgenland. Die beiden Winzer teilen mit Kilger die Lust am Experiment und an der gegenseitigen Befruchtung. Im Südburgenland bauen Schiefer und Kilger Welschriesling im Holzfass aus. Das Ergebnis ist überraschend: „Niemand wäre bei der Verkostung auf die Idee gekommen, dass er es mit einer Welschriesling-Traube zu tun hat“, schmunzelt Kilger. Ganz einfach deshalb, weil Schiefers Wein rein gar nichts mit dem üblichen Wein für Mischungen zu tun hat.

Vom Steuerberater zum renommierten Weinproduzenten: In Kilgers Weinbergen wird Nachhaltig und naturnah gearbeitet.

Kilger experimentiert und ermutigt weiter. Mit Wildbacher-Trauben in der Weststeiermark ebenso wie mit schweren Roten aus dem Burgenland. Hans Kilger hat sich den Traum vom nachhaltigen Wirtschaften erfüllt und bewiesen, dass man damit auch wirtschaftlich sehr erfolgreich sein kann. „Sonst würde ich es nämlich nicht machen“, sagt er und schmiedet immer neue Pläne, wie er seine geliebte Südsteiermark auf der Weltkarte der Weinliebhaber und Genießer einen noch prominenteren Platz verschaffen kann.

 

„Für mich ist der Süden der Steiermark nicht nur schöner, sondern auch klimatisch angenehmer als die Toskana.“ Hans Kilger, Domaines Kilger

„Wir verstehen uns als Manufaktur. Ein ethisch verantwortungsvoller Umgang mit der Natur ist uns wichtig.“ Hans Kilger, Domaines Kilger

 

DOMAINES KILGER

Gegründet 2015

250 Beschäftigte

Weingüter Südsteiermark:
Gut Kranachberg, Gut Schloss Gamlitz, Gut Eichberg i. Saggautal

Weingüter Weststeiermark:
Gut Feisternitz, Gut St. Ulrich, Gut Lamberg, Gut Riemerberg

Weingüter Burgenland:
Weingut Schiefer & Kilger, Toplage Eisenberg, Toplage Königsberg, Toplage Lutzmannsberg

Siebenbürgen:
800 Bisons, 300 Büffel, 1000 Stück Rotwild

Domaines Kilger Gastronomiebetriebe:
Loisium Wine & Spa Hotel (Ehrenhausen), Jaglhof (Gamlitz), Schloss Gamlitz, Kilgers Franziskanergasse (Graz), Kaminstubn (Deutschlandsberg), Ratschen (Deutsch-Schützen), Fuchswirt (St. Stefan ob Stainz), Stupperhof (Kitzeck), Loarmoar (Gamlitz), Krawall Bar (Wien), Weinhäusl (München)

 

Text: Barbara Hoheneder
Foto: Conny Pail