Hollywood, Hightech und Haustierrassen: Mit ihrer „Digitalen Praxis“ und einer innovativen Methode zur Zahnregulierung ist die Grazer Kieferorthopädin Dr. Justina Sabukoschek Vorreiterin der Digitalisierung auf ihrem Gebiet. Die Zahnmedizinerin im großen Interview über die Behandlung der Zukunft, den Umgang mit Krisen und ihre Vision als Bio-Bäuerin.

Zwischen Hollywood-Glanz und dem Tuckern eines Steyr-Traktors liegt manchmal nur ein Lächeln. In diesem Fall jenes von Dr. Justina Sabukoschek. Schon im Stiegenaufgang ihrer Praxis in der Grazer Innenstadt reihen sich Stars der Traumfabrik wie Marilyn Monroe, Cary Grant, Audrey Hepburn und Grace Kelly auf großformartigen Bildern. „Hollywood-Praxis“ nennt die Kieferorthopädien ihre Ordination folgerichtig. „In meiner Kindheit träumte ich davon Hollywoodstar zu werden. Heute kann ich meinen Patienten helfen, mit ihren Zähnen wie Hollywoodstars zu strahlen“, erklärt Sabukoschek – mit einem Lächeln.

Die Zahnmedizinerin ist Pionierin in der Anwendung der Aligner-Therapie, die – aus den USA stammend – die Kieferorthopädie zur Zeit revolutioniert und sich als „unsichtbare Zahnspange“ auch hierzulande steigender Nachfrage erfreut. Von den Vorteilen („schnell, schmerzlos und bequem“) gegenüber herkömmlicher Brackets ist Sabukoschek derart überzeugt, dass sie nach knapp drei Jahrzehnten konventioneller Zahnkorrekturen beschloss, ihre Praxis zur metallfreien Zone zu erklären, vollends auf die „Invisalign Methode“ umzustellen und dabei gleich den gesamten Praxisbetrieb weitgehend zu digitalisieren. Auch für Sabukoschek persönlich ein Riesensprung: „Bis vor vier Jahren hatte ich nicht einmal ein Smartphone und heute arbeite ich mit einer hochkomplexen Computersoftware – das war mit großem Lernaufwand verbunden. Aber die Bereitschaft zur Veränderung gehört zum Leben dazu!“ Ein lehrreiches Beispiel gelebter Disruption in einem Bereich, der nicht zu den klassischen Digitalisierungsbranchen zählt. Sabukoschek beweist: Das Tempo der digitalen Revolution macht nicht nur staunen – sondern auch lächeln. „Smile Revolution“ mittels moderner 3D-Methoden. Zahnmedizinisches Handwerk, perfektioniert durch Hightech. Zu Hollywood und Hightech kommt noch eine dritte Dimension im Leben von Justina Sabukoschek. Die Ärztin bewirtschaftet einen kleinen Bio-Bauernhof in den steirischen Bergen – als Überzeugungstäterin in Sachen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft.

Manche Menschen wählen einen Beruf, andere folgen einer Berufung. Wie war es bei Ihnen?

Sabukoschek: Das Wort Berufung oder Selbstverwirklichung war zu meiner Zeit vollständig unbekannt. (lacht) Mein Vater war schon erfolgreicher Kieferorthopäde, daher lag ein Medizinstudium nahe. Dennoch hatte ich Zahnheilkunde zu Beginn völlig ausgeschlossen. Ich war voll Idealismus und wollte Menschen heilen. Zu jener Zeit galten Ärzte ja noch als Götter in Weiß. Doch gegen Ende meines Studiums und nach 22.000 Seiten Lehrbuchwissen musste ich erkennen, dass ich für das tägliche Leiden und Sterben von Menschen zu sensibel war. Und so habe ich mich dann doch für Zahnmedizin entschieden. Für mich heute ein Glücksfall: Denn als Kieferorthopädin habe ich das Privileg, dass alle Patienten in einem besseren Zustand wieder aus der Ordination hinausgehen, als sie hereingekommen sind. Das kann keine andere Arztgruppe von sich behaupten.

Ist ein guter Arzt automatisch ein guter Unternehmer?

Sabukoschek: Nein, sicher nicht! (lacht) Von Unternehmertum oder Betriebsführung habe ich in meinem Studium gar nichts gehört – und ich denke, daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Alles, was man an wirtschaftlichem Know-how braucht, von Praxismanagement bis zu der Personalführung, muss man sich selbst aneignen – klassisches Learning by Doing. Es ist wie ein zweiter Job, denn der Arztberuf ist ja bereits Fulltime-Job.

Wie positionieren Sie sich auf dem Markt der Kieferorthopädie? Womit schaffen Sie Unverwechselbarkeit?

Sabukoschek: Als ich ein kleines Mädchen war, wollte ich immer so schön sein wie Audrey Hepburn oder Grace Kelly und ein großer Hollywoodstar werden. Nun, bis nach Hollywood bin ich nicht gekommen. (lacht) Aber ich habe mir meinen Traum von der Hollywood-Praxis verwirklicht. Die Idee dahinter: Ich will meine Patienten mit ihrem strahlenden Lächeln zum Star auf ihrer persönlichen Lebensbühne machen. Um das zu erreichen, habe ich mich vor drei Jahren entschieden, mein Behandlungskonzept von Grund auf zu verändern und fortan eine „Aligner only“ Praxis zu führen. Damit gehören wir zurzeit noch zu den wenigen Praxen auf der Welt, die sich zu 100 Prozent dieser Technologie verschrieben haben.

Was bedeutet diese Umstellung für Ihre Ordination?

Sabukoschek: Erst einmal bedeutete sie ein wirtschaftliches Risiko, da die „Invisalign Methode“ bei uns noch nicht so bekannt ist, wie in Amerika, wo viele Stars wie zum Beispiel Tom Cruise, Katherine Heigl, Justin Bieber oder Oprah Winfrey damit erfolgreich ein tolles Lächeln erreicht haben. Die Methode wurde vor 25 Jahren in den USA von zwei Studenten entwickelt, die mit dieser Form der unsichtbaren Zahnkorrektur den Brackets ihren Kampf angesagt haben. Anfangs war es damit möglich, nur kleinere Korrekturen durchzuführen. Heute haben wir dank der Digitalisierung die Möglichkeit, auch sehr komplexe Fehlstellungen zu behandeln. Hinter dem System steht eine hoch innovative Software, daher war die Umstellung mit erheblichen Investitionen verbunden. Im Zuge dessen haben wir auch in einen 3D-Scanner investiert. Dadurch müssen die Patienten bei uns keine unangenehmen Abdrücke mehr machen.

 Was überzeugt Sie an der neuen Methode?

Sabukoschek: Ganz einfach: die Vorteile für die Patienten. Die Behandlung ist schnell, schmerzlos und bequem. Und sie ist „unsichtbar“ – alles Dinge, die ich mit festsitzenden Regulierungen nicht bieten konnte. Daher ist die „Invisalign Methode“ die Behandlung der Zukunft und ich bin überzeugt, dass Brackets früher oder später aussterben werden. Wir können längst auch schwere Fehlstellungen behandeln, die wir früher nicht für möglich hielten. Dadurch kann ich auch viele neue Patienten, vor allem Unternehmer, Manager und Selbstständige, für eine Behandlung gewinnen. Ich habe selbst dreieinhalb Jahre Brackets getragen und weiß sehr gut, dass das eine große Beeinträchtigung des Lebenskomforts darstellt. Daher habe ich mit meinen Patienten immer mitgelitten. Jetzt sind meine Patienten glücklich, entspannt und schmerzfrei – es ist eine Revolution, eine „Smile Revolution“! Daher ist es für mich auch völlig unverständlich, dass die Kosten für die „Gratiszahnspange“ von unserem Kassensystem derzeit nur für Brackets übernommen werden. Nicht einmal eine Aufzahlung ist möglich. Das finde ich sehr schade. Aber das Muster kennt man ja von vielen neuen Technologien. Erst werden sie belächelt, dann bekämpft – doch am Ende setzen sie sich durch.

Ein Blick in die Zukunft: Was wird künftig noch alles möglich durch die Digitalisierung?

Sabukoschek: Die Digitalisierung macht weder vor der Medizin Halt noch vor der Kieferorthopädie. Wir müssen glücklich sein über die Segnungen der Digitalisierung, denn ich bin sicher, dass sie uns noch viel Großartiges bescheren wird. Schon heute bringt die Aligner-Technologie inklusive 3D-Scanner unsere Arbeit in eine neue, dritte Dimension. Wir planen unsere Behandlungen nun 3-dimensional und vollständig digital. Soeben haben wir ein ganz neues, ortsunabhängiges Monitoring-System bei uns installiert. Damit scannt der Patient wöchentlich seine Zähne und mittels Handy-App, schickt er die Daten in eine Software und wir überprüfen den Behandlungsfortschritt – inklusive Rückmeldung an den Patienten – sozusagen ein digitaler Hausbesuch! Dadurch reduziert sich die Frequenz, mit der Patienten zu uns in die Ordination kommen müssen. Diese Software könnte künftig in jedermanns Haushalt sein und den Menschen sagen, ob sie zum Zahnarzt müssen, da etwa Zahnfleischentzündungen oder oberflächlicher Karies erkannt wurde. Und noch eine Innovation steht ante portas: Mit einer neuartigen Lösung werden wir Zahnärzte künftig in der Lage sein, eine Behandlungs-Simulation live im Gesicht des Patienten abzubilden. Das heißt, ein Patient kommt zu uns mit schiefen Zähnen und wir können nach einem Scan quasi per Knopfdruck zeigen, wie das Ergebnis im Mund des Patienten nach der Behandlung aussehen könnte – einfach großartig!

Der Markt für Zahnkorrekturen mit Alignern boomt gerade im Internet. Wie kann ein Kunde Qualität von weniger seriösen Angeboten unterscheiden?

Sabukoschek: Es gibt tatsächlich Geschäftsmodelle, die mit Vorsicht zu genießen sind. Einige Anbieter kooperieren mit Zahnärzten, die bloß den Scan zu Beginn machen, den Patienten danach aber nie mehr wiedersehen. Oder sie schicken den Kunden die Abdrucksets nachhause an den Küchentisch. Als Medizinerin kann ich vor Do-it-yourself-Schienen aus dem Alignershop nur warnen. Für ein perfektes Ergebnis braucht es einen erfahrenen Kieferorthopäden. Die „Geiz ist geil“-Mentalität bei Zähnen und der Zahngesundheit ist kein guter Ratgeber und kann sehr teuer und schmerzhaft werden. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet eine gute Qualität zu einem niedrigen Preis. Umgekehrt: Wer in ein strahlendes, attraktives Lächeln investiert, schafft sich ein Riesenkapital – und eine dauerhafte Rendite. Das Tolle an diesem Kapital: Man kann davon so viel hergeben, wie man will, es wird nicht weniger, sondern mehr.

Wie wichtig ist Schönheit im Leben bzw. Business?

Sabukoschek: Schönheit erregt Bewunderung, das war immer so und wird immer so sein. Menschen, die sich schön fühlen, fühlen sich wohler und damit fühlt sich auch das Gegenüber wohler. In der Kieferorthopädie geht es aber nicht nur um Schönheit, sondern auch um Gesundheit. Schöne Zähne sind gesund und gesunde Zähne sind schön.

Welche Rolle spielt Fort- und Weiterbildung in der Branche?

Sabukoschek: Eine große Rolle, aber ich bin der Überzeugung, dass neben der fachlichen Fortbildung auch der Bereich der Persönlichkeitsentwicklung maßgeblich ist. Erfolg steht für mich auf drei Säulen: Neben der Karriere zählen dazu Beziehungen, Familie und Partnerschaft sowie Körper und Geist. Für das Unternehmen „Erfolgreiches Leben“ braucht es Skills, die wir weder in der Schule noch im Studium mitbekommen. Wenn wir das gigantische menschliche Potenzial der Persönlichkeitsentwicklung in absehbarer Zeit nicht freisetzen, werden wir für die Herausforderungen der Zukunft keine adäquaten Lösungen haben. Ich selbst stelle mich immer wieder neuen Herausforderungen und bin überzeugt, dass Wachstum nur außerhalb der Komfortzone stattfinden kann. Zuletzt bin ich barfuß über 1000 Grad heiße Kohlen gegangen und konnte feststellen: Der menschliche Geist kann ziemlich viel. (lacht) Als nächstes steht ein Tandemsprung aus dem Hubschrauber am Plan.

Wie stark haben Sie die Auswirkungen der Corona-Krise getroffen?

Sabukoschek: Zunächst: Für mich ist eine Krise ein höchst kreativer Prozess, wenn man ihm den Beigeschmack der Katastrophe nimmt. Nun, wie reagiert man in einer Krise? Ärmel hochkrempeln, in die Hände spucken, danach desinfizieren (lacht), und anpacken, ohne zu jammern, dafür mit einem Lächeln auf den Lippen! Für den Betrieb in der Ordination haben wir rasch und umfassend reagiert: Wir haben den Betrieb inside out gecheckt, Online-Videoberatungen und ein komplett neues Hygieneprotokoll mit sterilem Einmal-Instrumentarium eingeführt. Wir haben alles getan, damit sich unsere Patienten auf jeden Fall sicher fühlen können.

Kreislauf der Natur: Justina Sabukoschek mit bedrohten Haustierrassen auf ihrem Bio-Bauerhof im Ennstal. „Natur ist für mich: Stille hören, Finsternis sehen und das Lächeln der Erde spüren.“

Kreislauf der Natur: Justina Sabukoschek mit bedrohten Haustierrassen auf ihrem Bio-Bauerhof im Ennstal. „Natur ist für mich: Stille hören, Finsternis sehen und das Lächeln der Erde spüren.“

Sie bewirtschaften auch einen Bio-Bauernhof. Wie kam’s dazu?

Sabukoschek: Meine Familie besitzt seit über 100 Jahren einen kleinen Waldbauernhof im Ennstal. Seit meiner Kindheit verbringe ich meine Freizeit dort. Seit einigen Jahren bewirtschafte ich den Hof gemeinsam mit meinem Mann. Wir produzieren hauptsächlich für den Eigenbedarf und schlachten auch selbst. Die eigenen Tiere zu schlachten, ist das höchste Maß an Respekt, den man Tieren erweisen kann – natürlich geschieht dies schnell und schmerzlos. Die Landwirtschaft erfordert neben meinem Fulltime-Job viel Zeit und Aufwand, aber wir tun es aus Überzeugung und mit Leidenschaft. Der Hauptgrund war, dass ich meinen Kindern zeigen wollte, dass Fleisch und Gemüse nicht im Supermarkt wachsen und wie viel Mühe es kostet, bis ein ausgezeichnetes Essen auf dem Teller liegt. Wir halten alte, vom Aussterben bedrohte Haustierrassen – Schweine, Schafe und Hühner. Diese sind zwar völlig ungeeignet für die Massentierhaltung, aber perfekt angepasst für ein artgerechtes Leben in der Natur. Das Gleiche gilt für alte Obst- und Gemüsesorten. Dieses alte Kulturgut ist so kostbar, dass ich der Meinung bin, dass es für die Menschheit gerettet werden muss.

Was haben Arzt und Bauer gemein?

Sabukoschek: Beide sind ganz nah dran am Leben. Arzt und Bauer haben viel zu tun mit Wachsen und Gedeihen, mit Werden und Vergehen. Der Bauer bewahrt die Natur, der Arzt sollte die Gesundheit bewahren. Die Natur ist ein perfekter Kreislauf ebenso wie ein gesunder Organismus. Durch falsche gesetzliche Rahmenbedingungen haben sowohl Ärzte als auch Bauern mit ungeeigneten Methoden begonnen, in diese Kreisläufe einzugreifen, daher sind diese mittlerweile gestört. Meine Vision ist es, dass wir wieder zu dieser perfekten Kreislaufwirtschaft zurückkommen. Wir haben die ethisch-moralische Verpflichtung, unseren Kindern und Enkelkindern einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen. Dazu möchte ich meinen Beitrag leisten.

 

Die “Digitale Praxis”

Dr. Justina Sabukoschek, Kieferorthopädin in Graz

Behandelt ausschließlich nach der „Invisalign Methode“ und setzt dafür auf 3D-Simulation, 3D-Drucker und 3D-Scanner

Die „Invisalign Methode“ bezeichnet alle unsichtbaren Zahnspangensysteme.

„Digitaler Hausbesuch“ – eine Software ermöglicht mittels Handy-App regelmäßige Kontrollen von zuhause aus.

Künftig wird eine neue Simulationssoftware erlauben, dass Patienten das Ergebnis der Behandlung vorab in ihrem Gesicht „live“ sehen können

Weiters möglich: Online Terminbuchung sowie die Verwendung digitaler Dokumente wie Rechnungen, Formulare, Röntgen, Fotos per E-Mail

Die Ordination besteht seit 1961

„Invisalign Methode“

Eine in den USA entwickelte Methode, die auf „unsichtbare Zahnschienen“ aus Kunststoff setzt

Die Methode verspricht, Zahnfehlstellungen „schnell, schmerzlos und bequem“ zu korrigieren. Für Kinder, Teenager und Erwachsene geeignet.

Sabukoschek: „Sprechen, sporteln, küssen mit Schiene. Essen und Zähneputzen ohne. Klingt easy, ist für den Patienten auch easy, aber dahinter steckt Hightech vom Feinsten.“

Foto oben: Hollywood-Praxis: Kieferorthopädin Dr. Justina Sabukoschek in ihrer Ordination in der Grazer Innenstadt

 

ZITATE

„Wer in ein strahlendes Lächeln investiert, schafft sich ein Riesenkapital – und eine dauerhafte Rendite.“

„Ich bin überzeugt, dass Wachstum nur außerhalb der Komfortzone stattfinden kann.“

„Die Digitalisierung wird uns in der gesamten Medizin noch Großartiges bescheren.“

„Meine Vision ist es, dass wir wieder zu einer perfekten Kreislaufwirtschaft zurückkommen.“

 

Interview: Wolfgang Schober

Fotos: Oliver Wolf, Justins Sabukoschek