Mit seinen E-Bikes setzt das südsteirische Familienunternehmen „bikee“ nicht nur neue Qualitätsmaßstäbe, sondern wagt sich auch bei Design und Vertrieb auf neues Terrain. Zudem entwickeln die Firmengründer Michael und Thomas Rath in Kooperation mit großen Playern innovative Mobilitätskonzepte für die Stadt der Zukunft.

Ein typisches Fahrradgeschäft sieht anders aus. Schon der imposante Parkplatz vor dem Firmengebäude in der Marburgerstraße im südsteirischen Wagna liefert ein Versprechen. Mehr als eingelöst wird es vom geschäftigen Treiben im Inneren. Was hier auf knapp 1.000 m 2 Fläche geschieht, hinterlässt bei E-Bike-Fans regelmäßig offene Münder und glänzende Augen. Der Standort verbindet Produktion, Montage, Werkstätte, Service und Verkaufsraum zu einem E-Bike-Gesamterlebnis – eine gläserne Fabrik rund um ein Boom-Produkt der Corona-Pandemie. Rund 20 Mitarbeiter schrauben und montieren an Rahmen, Lenkern und Akkus, um aus hunderten Einzelteilen Premium-Pedelecs made in Styria zu erzeugen. Bis zu 5.000 E-Bikes pro Jahr werden bei „bikee“ gefertigt. Kein Staub, kaum Lärm – die steirische E-Revolution vollzieht sich blitzsauber und beinahe geräuschlos.

Entwickelt und produziert in der Steiermark: Die E-Bikes von „bikee“ haben einen hohen regionalen Wertschöpfungsanteil.

„E-Bikes sind seit Jahren im Trend. Durch Corona hat diese Art der Fortbewegung weiter Auftrieb erhalten“, berichtet Michael Rath bei einem Rundgang durch die Halle. „Und wir sehen, dass gerade die Nachfrage nach hochwertigen E-Bikes zunimmt“, ergänzt Bruder Thomas Rath. „Wer einmal zum Modell Marke Billigsberger gegriffen hat und dann nach zwei Jahren ein Problem mit dem Akku bekommt – was leider häufig der Fall ist – entscheidet sich beim zweiten Mal meist für ein Qualitätsprodukt. Viele unserer Kunden haben bereits leidvolle Erfahrungen gemacht, bevor sie zu uns kommen“, so der Chefentwickler des Familienunternehmens, der damit rasch auf die Essenz im Hause „bikee“ zu sprechen kommt: die kompromisslose Qualität. Motorkraft, Akku-Reichweite und Service – alles, was die Wertigkeit eines E-Bikes steigert, können sich die bikee-Macher auf die Fahnen schreiben. Mit einem 500-Watt-Nabenmotor schiebt der Antrieb doppelt so stark wie die meisten herkömmlichen Vehikel, auch der Akku erzielt eine außergewöhnliche Reichweite und eine deutlich höhere Lebensdauer – zudem können sämtliche bikee-Komponenten vor Ort repariert oder getauscht werden, ohne Einschicken oder Wartezeiten. „Wir kennen buchstäblich jede Schraube und jedes Kabel und haben alle Ersatzteile verfügbar“, bestätigt Michael Rath.

Motor setzt neue Maßstäbe

Optimaler Wirkungsgrad bei minimaler Wartung: der leistungsfähige Hinterrad-Nabenmotor von bikee

Alle verwendeten Teile stammen von Markenherstellern oder sind überhaupt Eigen- oder Weiterentwicklungen. Besonders stolz sind die Unternehmer auf die Performance von Motor und Akku. Mit penibler Ingenieurskunst hat Thomas Rath die Herzstücke jedes E-Bikes in neue Leistungsbereiche geführt. „Die Batteriezellen, die wir verwenden, sind leistungsfähiger als jene von Tesla“, erklärt Rath nicht ohne Stolz. Dank des smarten Akku-Designs und der digitalen Steuertechnik sind Reichweiten bis zu 250 Kilometer möglich. Auch bei der Entwicklung des Motors hat bikee neue Maßstäbe gesetzt. „Bei unserem eigens entwickelten Hinterrad-Nabenmotoren wirkt die Kraft nicht auf die Fahrradkette, sondern dort, wo sie gebraucht wird – direkt aufs Rad.“ Das BOS-Antriebssystem (Bikee Open Speed) verspricht einen optimalen Wirkungsgrad bei minimalem Wartungsbedarf. Nichts scheint hier dem Zufall überlassen, jedes Teil wird optimiert, jedes Zusammenspiel der Komponenten durchkomponiert. Der Clou am bikee-Geschäftsmodell: die hohe Qualität zu vergleichsweise günstigen Preisen. „Das ermöglicht der Direktvertrieb der Räder durch die Ausschaltung von Zwischenhändlern. Den Preisvorteil geben wir an unsere Kunden weiter“, so Michael Rath.

Alles begann in einem Bauernhof

Vor zehn Jahren starteten die zwei Brüder erste Versuche mit E-Bikes. Beide sind Absolventen einer Elektronik-HTL in Graz und erprobten sich früh im Feld des Modellbaus mit Elektromotoren. Damals waren es Modellflieger, die es den Technikbegeisterten angetan hatten. Inspiriert durch zahlreiche Auslandsaufenthalte von Thomas Rath, der unter anderem einige Jahre in Shanghai lebte, beschloss das Brüderpaar, ins E-Bike-Business einzusteigen – noch lange vor dem Elektrofahrradboom. „Damals im Jahr 2010 waren wir Exoten, als wir die ersten Räder auf Messen präsentierten. Im Grunde hielten uns viele für Spinner“, lacht Rath, der vor der Gründung von bikee eine Firma für Softwareentwicklung führte. bikee-Unternehmenssitz wurde das Familienanwesen, ein Bauernhof in Gabersdorf, in dem zu Beginn auch Produktion und Verkauf angesiedelt waren und das bis heute als Entwicklungszentrum dient. Schon in dieser frühen Phase profitierte bikee von den exzellenten Kontakten zu Zulieferern, die sich Thomas Rath in Asien aufbauen konnte. Kontakte zu Top-Suppliern, die bikee heute einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. „Die meisten ahnen nicht, wie viele Teile in einem E-Bike stecken – mit unserem engmaschigen Zulieferernetzwerk im Hintergrund sind wir optimal aufgestellt. Aber auch wenn viele Teile und Komponenten aus aller Welt kommen, passiert der Großteil der Wertschöpfung dennoch hier in der Steiermark“, betonen Michael und Thomas Rath unisono. „Wir sind heute der E-Bike-Produzent mit der höchsten Fertigungstiefe in ganz Österreich.“

Vintage-Bike goes Online

Auch beim zweiten großen Projekt des Unternehmens ist das nicht anders. Vor vier Jahren kam das hippe E-Bike „Geero“ auf den Markt. Das Lifestyle-Vehikel in markanter Vintage-Optik ist eine 100-%-ige Eigenentwicklung des Unternehmens und wird ebenso in Wagna produziert. Bei Vertrieb, Marketing und Markteinführung entschied sich bikee für eine Kooperation mit dem heimischen Web-Spezialisten Niceshops. „Ein E-Bike, das ausschließlich Online vertrieben wird, war eine Herausforderung, die uns gereizt hat“, so Michael Rath. „Noch dazu mit einem Produkt, das mit seinem raffinierten Design die nächste Stufe der E-Bike-Evolution darstellt. Damit haben wir quasi das Rad neu erfunden. Viele Teile mussten für unsere Ansprüche an Schlichtheit im Design und maximaler Leistung extra konstruiert werden.“ Ein doppeltes Wagnis, das sich lohnte, zeigt sich Rath mit der Nachfrage mehr als zufrieden. Vor wenigen Wochen kam bereits die zweite Auflage, „Geero 2“, auf den Markt, das weitere Verbesserungen in Handhabung und Technologie mit sich bringt. „Vor allem der entnehmbare Power-Akku sorgt für eine Evolution der Revolution“, bestätigt Thomas Rath. Ergänzt wird das rein virtuelle Angebot der Marke Geero mittlerweile durch einen Showroom in der Grazer Reitschulgasse. Auch an der digitalen Smartness des Produkts wird weiter gearbeitet – Fernwartung bzw. Remote Diagnostics sollen schon bald Realität werden. „Die Idee: Der Akku meldet sich bereits bei uns, bevor ein Problem auftaucht. Auf diese Weise soll künftig der Service von E-Bikes, die auch tausende Kilometer von Wagna entfernt im Einsatz sind, verbessert werden.“ Schließlich wird „Geero“ europaweit geliefert – bald soll auch die USA als Absatzmarkt dazukommen.

Jeder Griff sitzt: 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schrauben, montieren und fixieren in der Fertigung in Wagna.

Konzepte für die Mobilität der Zukunft

Doch die Pläne der findigen Südsteirer gehen noch viel weiter – und greifen tief in den Mobilitätswandel der nächsten Jahre. „Wir stehen am Beginn einer großen Mobilitätswende, die vor allem die urbanen Zentren der Welt erfassen wird“, sind sich die beiden Brüder einig. „Vor allem die Mikromobilität wird sich radikal verändern. Wir werden uns mit elektronischen Vehikeln unterschiedlichster Bauart durch die Stadt bewegen.“ E-Bikes und E-Scooter seien erst der Anfang. Das südsteirische Unternehmen entwickelt daher teils eigeninitiativ, teils im Auftrag von Partnern unterschiedlich E-Fahrzeuge. „In Kooperation mit einem großen europäischen Autobauer entwickeln wir gerade ein E-Faltrad“, lässt sich Michael Rath entlocken. Und auch die Entwicklung eines E-betriebenen Lastenrades wurde soeben abgeschlossen und soll bereits im nächsten Jahr in Produktion gehen. In diesem Fall allerdings nicht in Wagna, sondern in Asien. „Wir sind hier Kooperationspartner eines chinesischen Konzerns, dabei geht es um wirklich große Stückzahlen für den Weltmarkt.“ Der nächste Schritt zur E-Volution der Revolution, der in der Südsteiermark seinen Ausgang nimmt, steht möglichweise also knapp bevor.

Urbaner Hub: Der Geero-Showroom in der Grazer Reitschulgasse.

„Wir stehen am Beginn einer großen Mobilitätswende, die vor allem die urbanen Zentren der Welt erfassen wird.“ Michael und Thomas Rath, bikee

 

Bild oben:
Die Neuerfindung des Rades: Michael und Thomas Rath in der Produktion am Standort Wagna in der Südsteiermark

 

BIKEE – Facts

Gegründet 2010 von Michael und Thomas Rath

Firmenzentrale, Produktion, Werkstätte und Shop in Wagna

Das Unternehmen entwickelt, erzeugt und vertreibt E-Bikes mit hohem Qualitätsanspruch (hohe Motorkraft, große Akku-Reichweite, lebenslange Reparatur-Garantie)

Verkauf direkt ab Produktion in Wagna bzw. über zertifizierte Bikee-Partnerbetriebe

Seit 2016 am Markt: „Geero“, eine designaffine E-Bike-Marke, die gemeinsam mit Niceshops vermarktet und Online vertrieben wird

Das Unternehmen ist auch Entwicklungspartner für E-Mobilitätskonzepte der Zukunft (z.B E-Lastenräder)

Derzeit sind rund 20 Mitarbeiter beschäftigt.

www.bikee.at

www.geero.at

 

Text: Wolfgang Schober
Fotos: Oliver Wolf, beigestellt