Kräfte bündeln für den Standort der Zukunft: Warum kann es das „Mur Valley“ mit dem Silicon Valley aufnehmen? Was zeichnet das steirische Startup-Ökosystem aus? Und welche Jungunternehmen können in der Krise Chancen nutzen? Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl, SFG-Geschäftsführer Christoph Ludwig und Science-Park-Graz-CEO Martin Mössler im großen Startup-Standort-Interview mit „SPIRIT of Styria“.

 

Ein Sturm namens Corona fegt weiter durch die Wirtschaft und trifft Jungunternehmer besonders hart. Welche Maßnahmen setzt das Land, um Startups fit zu halten?

Eibinger-Miedl: Stürmische Zeiten sind für Startups nichts Außergewöhnliches, auch in „Normalzeiten“ sind sie mit großen Herausforderungen konfrontiert. Daher engagiert sich die Steiermark ganz besonders in diesem Bereich. Heute gibt es eine Vielzahl von Initiativen im Land. Dementsprechend hat sich die Startup-Szene hierzulande sehr gut entwickelt. Diese rasch wachsenden, technologieorientierten Unternehmen liegen mir sehr am Herzen, da sie wesentliche Treiber der Innovation in der Steiermark und für mich wie das Salz in der Suppe des Wirtschaftsstandorts sind. Daher haben wir schon im Vorjahr beschlossen, dass wir uns seitens des Landes mit einem neuen Förderprogramm gemeinsam mit privaten Investoren als Kapitalgeber engagieren. Mit diesem Modell waren wir Vorreiter in Österreich.

Ludwig: Mit Einbruch der Krise hat das Land Steiermark rasch reagiert und die Maßnahmen des Bundes erweitert – insbesondere mit zwei Programmen, die wir im Auftrag des Landes umgesetzt haben. Das betrifft die Telearbeitsplatz-Offensive, die gerade auch bei KMU und Startups die Errichtung von Remote-Arbeitsplätzen unterstützte. Zum anderen geht es um Zinszuschüsse für die vom Bund garantierten Übergangskredite, die das Land Steiermark in der Höhe von bis zu zwei Prozent Zinsen auszahlt. Aber nicht nur Kriseninstrumente sind in den letzten Monaten genutzt worden, auch alle anderen etablierten Förderungsprogramme, die die SFG anbietet, wurden und werden ungebrochen nachgefragt. Allein im ersten Halbjahr hat die SFG rund 2.400 Förderungen positiv abgewickelt – eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die SFG unterstützt Startups auch als Venture-Capital-Geber. Wie entwickeln sich die Programme?

Ludwig: Die SFG bietet vier verschiedene Finanzierungsprogramme an. Mit diesen stellen wir Eigenkapital, eigenkapitalähnliche Beteiligungen für innovative Investitionsprojekte sowie Wachstumsfinanzierungen zur Verfügung. Unser Beteiligungsportfolio umfasst derzeit 46 Beteiligungen – davon 42 stille Beteiligungen und vier Venture-Capital-Beteiligungen. Die SFG ist ein stabiler Faktor in der Anschubfinanzierung und unterstützt dabei Gründerinnen und Gründer ebenso wie etablierte Unternehmen. Denn oftmals mangelt es den Startups nicht an Spirit, sondern am Sprit. Gerade in der Krise sind Eigenkapital und Liquidität entscheidend – daher sind wir gerade jetzt gefordert. Mit unserem Venture-Capital-Programm wollen wir den gesamten VC-Markt in der Steiermark stimulieren und Anreize für private Investoren schaffen, um Innovations- oder Wachstumsschritte von Startups zu ermöglichen.

Der Science Park Graz is der größte Startup-Inkubator des Landes. Kann die Einrichtung den Startups auch bei hoher Windstärke Schutz bieten?

Mössler: Grundsätzlich wird in Krisenzeiten die Qualität eines Ökosystems deutlich. Und da wir in der Steiermark über ein exzellentes Ökosystem verfügen, wage ich zu behaupten, dass die steirische Startup-Szene besser durch die vergangenen Monate gekommen ist als manch andere Region. Die Herausforderungen sind freilich enorm. Für Startups ist die „time-to-market“, also die Produkteinführungszeit, oft entscheidend. Denn in dieser Zeit entstehen für das Unternehmen Kosten, ohne dabei Umsatz zu erzielen. Auch die Kundenakquise gestaltet sich für junge Unternehmen gerade schwierig. Umso wichtiger sind Supportsysteme wie jene von SFG und Stadt Graz, ebenso wie die Unterstützung von AWS und FFG, die mit Forschungsförderungsprogrammen unseren Jungunternehmen aktuell das Überleben sichern. Bei allen Schwierigkeiten beobachte ich derzeit dennoch eine Aufbruchsstimmung in der Szene. Für mich ist es schön zu sehen, mit welcher Leidenschaft die Firmen nach dem Lockdown wieder am Produkt arbeiten. Unsere Startups brennen darauf, ihre Visionen zu realisieren.

Sind Startups eine besonders vulnerable Gruppe?

Mössler: Zum einen sind sie vulnerabel – zum anderen sind sie oftmals resilienter als etablierte Unternehmen, da sie in der Lage sind, sehr schnell umzusteuern, sich anzupassen und ihre Geschäftsmodelle neu zu kalibrieren. Kapital ist natürlich essenziell für die Realisierung von Ideen und Visionen, gerade junge Unternehmen haben einen hohen Bedarf an Liquidität und Kapital. Dennoch muss man sich bewusst sein, dass Kapital alleine nicht ausreicht. Geld fliegt nicht, es liefert bloß den Treibstoff, der zukunftsorientierten Geschäftsmodellen Flughöhe verschafft. Der angesprochene Support, vor allem seitens des Landes, ist hier ein wichtiger Booster, diese Flughöhe auch in kritischen Phasen zu erreichen. Auch die Startup-Pakete des Bundes sind uneingeschränkt zu begrüßen.

„Startups sind wesentliche Treiber der Innovation in der Steiermark und für mich das Salz in der Suppe des Wirtschaftsstandorts.“ Barbara Eibinger-Miedl, Wirtschaftslandesrätin

Eibinger-Miedl: Gerade durch den aktuellen Digitalisierungsschub sehe ich große Chancen für Startups, da eine Vielzahl der jungen Firmen auf digitale Technologien setzt. Ich bin sicher, dass das Bewusstsein für Geschäftsmodelle dieser Art daher weiter steigt. Ich glaube nicht, dass die Effekte des digitalen Wandels nur temporär sind und als „Zwangsdigitalisierung“ abzutun sind. Auch wenn vieles aus Not bzw. Zwang heraus entstanden ist, heißt es nicht, dass wir wieder alles zurück auf Null stellen werden. In vielen Bereichen, etwa beim Homeoffice oder der E-Education, wird es sich auf ein Mittelmaß einpendeln und wir werden einen Mix aus digital und analog erleben. Auch im Bereich des Handels, der ja lange vor Corona unter hohem Digitalisierungsdruck stand. Dazu gibt es auch in der SFG seit Längerem Programme, die angesichts der aktuellen Situation besonders nachgefragt wurden – beispielsweise das Programm „LebensNah“, das die Digitalisierung des Einzelhandels in der Nahversorgung unterstützt. Viele Handelsbetriebe haben zuletzt ihre Geschäftsmodelle neu ausgerichtet und auf Webshops oder Plattform-Lösungen gesetzt. Diese Plattformen sind gewissermaßen die digitale Weiterführung regionaler Wirtschaftsmessen, die heuer ja allesamt ins Wasser gefallen sind, und ermöglichen damit eine Leistungsschau für die regionale Wirtschaft. Darüber hinaus ist sowohl dem Bund als auch dem Land sehr bewusst, dass man in dieser Phase mit Konjunkturpaketen gezielt für Impulse sorgen muss. Wir haben klare Schwerpunktsetzungen in den Bereichen Digitalisierung und Grüne Technologien.

Stichwort Digitalisierung und grüne Technologien: Welchen Startups gelang es, neue Chancen in der Krise besonders gut zu nutzen?

Mössler: Alle Unternehmen im Science Park Graz haben die vergangenen Monate genutzt, um ihre forschungsintensiven Tätigkeiten weiter zu intensivieren oder bereits konkrete Vertriebsaktivitäten zu forcieren. Außergewöhnlich gut gelang dies der Firma EET, die mit ihrem Produkt „Solmate“, einem solaren Kleinkraftwerk für den Balkon, bemerkenswerte Verkaufserfolge erzielte. Das Unternehmen, deren Produkte die Energieautarkie der Anwender unterstützt, erlebte einen wahren Umsatz-Boost und war binnen zwei Monaten ausverkauft. Derzeit investiert EET rund eine Million Euro in einen neuen Standort in Graz – ein großartiges Beispiel für ein Startup, das auf eine Dissertation an der TU Graz zurückgeht. Dazu gibt es noch viele weitere erfolgreiche Beispiele – darunter die Firma „BrainTrip“, ein Startup, das innovative Lösungen bei der Früherkennung von Demenz entwickelt, sowie die Firmen SteadySense und KML Vison, die rund um COVID-19 neue Chancen nutzen können, oder etwa auch das Startup DigniSense, das innovative Sensoriklösungen im Pflegebereich entwickelt. Bei allen Herausforderungen ist es wichtig, den Optimismus und die Zuversicht nicht zu verlieren. Diese Startups liefern mit ihren Visionen und Geschäftsmodellen den Beweis. Wenn wir jetzt richtig und mutvoll reagieren, haben wir beste Chancen, langfristig positive Effekte für die regionale Wertschöpfung zu erzielen.

Das steirische Startup-Ökosystem wurde bereits angesprochen. Wo liegen seine spezifischen Stärken? Wo gilt es noch nachzuschärfen?

Ludwig: Die Qualität liegt in der Vernetzung unterschiedlicher Player und dem engen, innovationsfördernden Austausch von Wirtschaft und Wissenschaft. Die SFG spielt darin eine maßgebliche Rolle, indem sie optimale Rahmenbedingungen für die Standortentwicklung setzt. Dabei geht es nicht immer nur um monetäre Förderungen, sondern wir geben den Unternehmen und Startups als SFG insgesamt ein Zuhause mit unseren Clustern, wir bilden das Netzwerk, schaffen den Nährboden und begleiten mit Coaching und Beratung – vom ersten Tag an bis hin zur Entwicklung zu einem hoffentlich mittelständischen Unternehmen. Auch unsere Initiativen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels gehören dazu, denn der „War for Talents“ wird sich auch mit und nach Corona fortsetzen. Es gilt das Prinzip „Permanent Beta“ – alles bleibt stets im Wandel. All diese Bausteine zusammen ergeben ein erstklassiges Ökosystem, um das uns andere Bundesländer beneiden.

Eibinger-Miedl: Dieses Ökosystem ist tatsächlich etwas, das die Steiermark auszeichnet – es ist ein exzellentes und von Wertschätzung getragenes Zusammenspiel von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Dazu gehören ganz wesentlich auch die Cluster und Netzwerke als wertvolle Partner sowie die vielen Kompetenzzentren, die an den steirischen Universitäten verankert sind und den fruchtbaren Boden für Innovationen aufbereiten. Durch dieses Ökosystem ist die Steiermark schließlich zum Forschungs- und Innovationsland Nummer eins geworden. Wo wir noch besser werden können? Mit unseren fünf Universitäten und zwei Fachhochschulen haben wir so gute Voraussetzungen wie kaum eine andere Region. Diesen Vorteil möchten wir künftig noch aktiver nutzen, indem wir direkt an den steirischen Hochschulen verstärkt eigene Impulszentren etablieren – etwa das ZWT an der MedUni, wo wir nun bereits ein zweites Zentrum errichten, oder das derzeit im Bau befindliche ZWI an der KF Uni Graz. Mit dem Science Park Graz an der TU Graz haben wir ja beste Erfahrungen gemacht. Zudem sehen wir, dass im Startup-Bereich in den vergangenen Jahren in der Steiermark sehr viele Initiativen ins Leben gerufen wurden – grundsätzlich etwas sehr Positives. Nun wäre es an der Zeit, diese Initiativen noch stärker zu bündeln.

Worin bestehen aus Sicht des Science Park Graz noch Potenziale?

Mössler: So wie wir in der Steiermark momentan strukturell aufgestellt sind, braucht uns um die Zukunft nicht bange sein. Der Science Park Graz ist seit Jahren im südosteuropäischen Raum aktiv. Eine Strategie, die wir meines Erachtens weiter verfolgen und ausbauen sollten, indem wir künftig noch mehr grenzüberschreitende Startup-Initiativen bearbeiten. Eine stärkere Internationalisierung würde noch mehr Talente und Innnovationskraft in die führende Innovationsregion Europas bringen. Die Steiermark war historisch und aufgrund ihrer geographischen Lage schon immer eine von Offenheit getragene Region.

Eibinger-Miedl: Das kann ich nur unterstreichen. Ich sehe den Großraum Graz schon heute als das Startup-Zentrum für den ganzen Süden Österreichs und denke dabei angrenzende Regionen wie Kärnten und das Südburgenland mit. Es wäre der natürliche nächste Schritt, die Region über die nationalen Grenzen hinauszudenken.

Wie wichtig ist das Benchmarking mit anderen Regionen? Fehlt uns ein Leuchtturm-Startup wie „runtastic“?

Mössler: Benchmarking ist gut und wichtig, aber dabei sollte es nicht primär um die Frage gehen, wer mehr Startups produziert, sondern wo am Ende des Tages mehr Arbeitsplätze und Wertschöpfung entstehen – und in diesem Punkt sind wir sehr gut aufgestellt. Was Startup-Leuchttürme betrifft: Apps, die Laufstrecken monitoren, in Ehren – das sind großartige Entwicklungen, aber die Firmen, die wir in der Steiermark entwickeln, sind nicht minder wertvoll und liefern mitunter einen in vielerlei Hinsicht nachhaltigeren Impact auf Wirtschaft und Gesellschaft, siehe das Beispiel der Firma EET oder der Firma SESimagotag. Einst im Science Park gegründet, heute uneingeschränkter Weltmarktführer im Bereich elektronischer Preisbeschilderung. Oder das Beispiel Usound, das eine revolutionäre Art des Hörens ermöglicht und bereits über 70 Mitarbeiter beschäftigt. Unicorns zu verfolgen ist kein Selbstzweck, es geht vielmehr um Wertschöpfung, Arbeitsplätze und zukunftsweisende Technologien, die Wirtschaft, Menschen und Umwelt gleichermaßen dienen.

„Die Innovationskraft in der Steiermark ist nicht geringer ist als im vielgelobten Startup-Hotspot Kalifornien.“ Christoph Ludwig, SFG-Geschäftsführer

Ludwig: Zum Thema Benchmarking: Wir haben uns vor zwei Jahren im Rahmen einer Wirtschaftsdelegationsreise im Silicon Valley angeschaut, was das Startup-Ökosystem dort auszeichnet. Natürlich war das alles beeindruckend, gar keine Frage. Dennoch sage ich: Auch im Silicon Valley kochen sie nur mit Wasser. Ich behaupte, dass die Innovationskraft bei uns in der Steiermark nicht geringer ist als im vielgelobten Startup-Hotspot in Kalifornien. Wir sind in der Steiermark dank unserer Forschungseinrichtungen und Startup-Initiativen ein Topstandort und müssen uns vor niemandem verstecken. Daher meine ich, wir sollten vermehrt übers Mur-Valley reden und weniger übers Silicon Valley. Dieses Selbstbewusstsein sollten wir haben.

Startups können auch scheitern. Wie viel Risiko soll das Land mit öffentlichem Geld nehmen dürfen?

Eibinger-Miedl: Unternehmerisches Risiko ist Teil der Wirtschaft, bei allen Unternehmensgrößen und in allen Branchen. Als öffentliche Hand sind wir verpflichtet, strengste Auflagen einzuhalten, was den Umgang mit Steuergeldern betrifft. Daher werden Unternehmen und Geschäftsmodelle auch auf Herz und Nieren geprüft, ehe öffentliche Gelder fließen – da gibt es klare Regelungen. Aber natürlich bleibt es bei aller Vorsicht eine Gratwanderung, da wir auf der anderen Seite ja Ermöglicher sein wollen und nicht Verhinderer. Ich denke, dass wir diese Balance mit dem aktuellen SFG-Programm auf eine gute Schiene gebracht haben.

Ludwig: Wir handeln nach dem Prinzip: So wenig Risiko wie möglich, aber so viel Risiko wie nötig. Das gilt im gesamten Wirtschaftsleben und auch für den Umgang der SFG mit Steuergeldern – schließlich sind wir dem Steuerzahler gegenüber verpflichtet und müssen mit den Mitteln, die uns zur Verfügung gestellt wird, treuhändig und effizient umgehen. Es gilt, mit jeder Maßnahme einen möglichst großen Hebel zu erzeugen – bei Förderungen ebenso wie bei Risikokapital oder bei der Finanzierung von Impulszentren. Wir schauen jedes Mal sehr genau darauf, wie viele Arbeitsplätze wir durch unsere Anreize schaffen und wie viel Wertschöpfung wir generieren können. Siehe die zahlreichen heute etablierten Unternehmen, die einst als „Startups“ begonnen haben und heute Hunderte oder Tausende Arbeitsplätze zählen wie AVL List, Magna oder Anton Paar.

Laut Studie scheitern neun von zehn Startups auf dem Weg zum etablierten Unternehmen. Inwiefern ist Scheitern Teil einer Startup-Culture?

„Bei allen Herausforderungen beobachte ich derzeit eine Aufbruchsstimmung in der Szene. Unsere Startups brennen darauf, ihre Visionen zu realisieren.“ Maritn Mössler, Geschäftsführer „Science Park Graz“

Mössler: Die Statistiken sprechen eine klare Sprache. Umso wichtiger ist es, mit dem Risiko für die Gründerinnen und Gründer behutsam umzugehen und durch perfekte Beratung potenzielle Fallstricke zu minimieren. Die Startups profitieren von unserem Netzwerk und den Erfahrungen eines Inkubators – dadurch können sie teures Lehrgeld vermeiden. Sehr nützlich sind auch unsere Mentoring-Programme mit Unternehmern und Führungskräften. Dadurch haben Inkubatoren wie der SPG nachweislich eine erfolgreichere Output-Struktur als unbegleitete Startups. Gleichzeitig investieren wir in Hochrisiko-Technologien und Lösungen, denn nur diese haben die Möglichkeit, einen Unterschied für unsere Volkswirtschaft zu machen und am Markt voll zu skalieren. Allgemein zum Thema Risiko und Scheitern meine ich, dass wir alle gut daran täten, einen differenzierten Zugang zum Thema Erfolg und Misserfolg zu entwickeln – dass wir Menschen Erfolg gönnen und nicht mit Neid betrachten. Und auch Menschen, die Misserfolge erlebt haben, mit Respekt begegnen und nicht mit Schadenfreude. Das würde uns wirtschaftlich, aber auch ethisch-moralisch absolut guttun. Menschen, die die Realisierung einer Idee und Vision wagen und Entrepreneurship leben, sind schon an sich mit Wertschätzung und Respekt zu betrachten.

 

UNTERSTÜTZUNG VON LAND STEIERMARK UND SFG

In der Krise hat das Land Steiermark die Hilfsmaßnahmen des Bundes ergänzt und in der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG zwei spezielle Förderaktionen aufgelegt: „Telearbeit!Offensive“ und „Zinsen!Zuschuss“. Insgesamt wurden seit Beginn der CoronaKrise von der SFG – gemeinsam mit der AK Steiermark – rund 4.500 Telearbeitsplätze in rund 900 steirischen Betrieben gefördert. Aber auch alle anderen Förderaktionen für Gründer und Startups wurden in der Krise ungebrochen nachgefragt. Die SFG hat im ersten Halbjahr 2020 so viele Anfragen erledigt, die sonst einen Jahreszeitraum füllen.

Die SFG stellt mit vier verschiedenen Finanzierungsprogrammen Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Beteiligungen zur Finanzierung innovativer Investitionsprojekte sowie Betriebsübernahmen einerseits und Wachstumsfinanzierungen andererseits zur Verfügung. Das Beteiligungsportfolio der SFG umfasst aktuell 46 Beteiligungen – davon 42 stille Beteiligungen und vier Venture-Capital-Beteiligungen.

www.sfg.at

 

SCIENCE PARK GRAZ

Der Science Park Graz ist Teil von AplusB, dem österreichischen Inkubator-Netzwerk, sowie Partner der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, die ihre österreichischen Startup-Aktivitäten in Graz über den „Science Park Graz“ abwickelt.

Seit der Gründung 2002 konnte der Science Park Graz bereits rund 200 Unternehmen bei der Gründung unterstützen. Erfolgreiche Startups aus dem Inkubator (Auswahl): SES-imagotag, Tyromotion, USound, Bongfish, EET

Im AplusB-Programm des Science Park Graz entstehen hochtechnologische Betriebe unterschiedlichster Disziplinen, im ESA-Programm werden ausschließlich Unternehmen entwickelt, die Weltraumtechnologien für unseren Alltag nutzbar machen.

Die Startups im AplusB-Programm sind für 18 bis 24 Monate im Science Park angesiedelt, wo ihnen neben Räumlichkeiten auch Schulungen und ein Mentorenprogramm zur Verfügung stehen. Im ESA BIC werden Jungfirmen dabei unterstützt, auf Raumfahrttechnologien basierende Ideen zu entwickeln, die „auch am Boden eine Anwendung finden”. Dabei können rund zehn Unternehmen pro Jahr auf die Ressourcen der ESA zurückgreifen.

www.scienceparkgraz.at

 

ZITATE

„Startups sind wesentliche Treiber der Innovation in der Steiermark und für mich das Salz in der Suppe des Wirtschaftsstandorts.“ Barbara Eibinger-Miedl, Wirtschaftslandesrätin

„Auch im Silicon Valley kochen sie nur mit Wasser. Die Innovationskraft in der Steiermark ist nicht geringer ist als im vielgelobten Startup-Hotspot Kalifornien.“ Christoph Ludwig, SFG-Geschäftsführer

„Bei allen Herausforderungen beobachte ich derzeit eine Aufbruchsstimmung in der Szene. Unsere Startups brennen darauf, ihre Visionen zu realisieren.“ Maritn Mössler, Geschäftsführer „Science Park Graz“

Foto oben: Voller Einsatz für den Startup-Standort Steiermark: Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl, SFG-Geschäftsführer Christoph Ludwig und „Science Park Graz“-Geschäftsführer Martin Mössler (l.)

Interview: Wolfgang Schober
Fotos: Oliver Wolf