Banken sind derzeit die wichtigsten Schaltstellen, um Unternehmen vor liquider Austrocknung zu bewahren. „SPIRIT online“ lud Bernd Meister, Landesdirektor Firmenkunden Steiermark der UniCredit Bank Austria, zum Interview über aktuelle Herausforderungen, wachsende Banken-Kritik und gesetzliche Vorgaben.

Heimischen Banken kommt bei der Abwicklung der Corona-Hilfspakete eine Schlüsselrolle zu. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für die Bank Austria?

Bernd Meister: Als Österreichs führende Unternehmerbank sind wir ein stabiler und verlässlicher Partner der heimischen Betriebe. Wir setzen alles daran, die heimischen Unternehmen in der aktuellen Situation so flexibel wie möglich zu unterstützen. Wir haben sowohl für Stundungen, Überbrückungskredite und Garantien für Finanzierungen als auch für AMS-Zwischenfinanzierungen unsere Entscheidungsprozesse so angepasst, dass Unternehmen und Unternehmer möglichst rasch mit Liquidität versorgt werden können. Im Fokus stehen aws-Garantien, die Maßnahmenpakete der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank und Kreditmittel der Österreichischen Kontrollbank.

Wie groß ist die Nachfrage nach Krediten mit Staatshaftungen?

Bernd Meister: Die Nachfrage ist groß. Seit Beginn der Corona-Krise vergeben wir jede Woche Kredite in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro, das waren bislang über 1,6 Milliarden Euro – wir sind also sowohl in der Lage als auch willens unsere Aufgabe wahrzunehmen.

Schnelle und unbürokratische Hilfe – das ist das, was Unternehmer jetzt brauchen. Nach den Vorgaben der Regierung sollen Anträge von der Einreichung bis zur Genehmigung binnen sieben Werktagen abgewickelt werden. Ein realistischer Zeitraum?

Bernd Meister: Die Umsetzung dieses Ziels ist von Details jedes konkreten Einzelfalls abhängig, im Idealfall ist es machbar. Wir sehen unsere Verantwortung gegenüber unseren Kunden darin, so rasch und so umfassend wie möglich Zugang zu diesen Mitteln zu verschaffen. Wir bewerkstelligen auch die Zwischenfinanzierung der Kurzarbeit und stellen den Unternehmen dabei die benötigte Liquidität auf Basis eines genehmigten Antrags des AMS zur Verfügung.

In den vergangenen Wochen wurde aus Unternehmerkreisen immer wieder Kritik an der Umsetzung der Hilfsmaßnahmen laut. Der Unmut richtet sich auch gegen Banken, die in den Augen von Unternehmen zu bürokratisch agieren. Verstehen Sie das Unbehagen?

Bernd Meister: Wir werden auch in den nächsten Wochen weiterhin alles daran setzen, pragmatische und flexible Lösungen für auftretende Probleme zu finden. Wir nehmen die Sorgen und Ängste der Unternehmer jedenfalls sehr, sehr ernst und setzen alles daran, sie bestmöglich zu unterstützen. Es ist für uns aber auch wesentlich festzuhalten, dass die aufsichtsrechtlichen und gesetzlichen Vorgaben für die Förderfähigkeit zu beachten sind. Liegen alle Unterlagen und Informationen hierfür vor, können wir eine rasche Abwicklung sicherstellen.

Auch Kreditstundungen sind ein wichtiges Instrument der Liquiditätssicherung für Unternehmen. In welchem Ausmaß werden Stundungen beantragt und wie geht die Bank Austria damit um?

Bernd Meister: Wir haben bereits tausende notwendige Stundungen umgesetzt, um Unternehmen und Privatpersonen zu unterstützen. Ganz allgemein lautet der wichtigste Rat an unsere Kunden: Kontaktieren Sie Ihre Betreuerin oder Ihren Betreuer, denn dieser kennt sie und ihre Bedürfnisse und wird gemeinsam mit Ihnen die optimale Lösung für Ihre individuellen Bedürfnisse finden. Erreichbar sind wir über Telefon, E-Mail und auch digital in der sicheren Umgebung des Internetbankings. Anträge können also auch jederzeit digital übermittelt werden.

Muss man davon ausgehen, dass die exportorientierte steirische Wirtschaft in besonderem Maße vom sich abzeichnenden Rückgang des Welthandels betroffen sein wird?

Bernd Meister: Nach einem guten Jahresbeginn hat die Corona-Krise die österreichische Wirtschaft ab Mitte März voll erfasst und damit bereits einen Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2020  verursacht. Dem starken Einbruch ab März sollte aber eine kräftige Wachstumsphase in der zweiten Jahreshälfte 2020 folgen. Trotzdem wird das im Gesamtjahr 2020 einen deutlichen Rückgang des BIP in Österreich und der Steiermark bedeuten. Generell sind alle österreichischen Bundesländer mit nur relativ geringen Unterschieden von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen.

 Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung macht Sorge. Sehen Sie trotz der Eintrübung Lichtblicke?

Bernd Meister: Wir gehen davon aus, dass nach den ersten Lockerungsmaßnahmen nach Ostern weitere substantielle Lockerungsmaßnahmen ab dem dritten Quartal erfolgen werden. In Österreich und auch im restlichen Europa. Dieser V-förmige Konjunkturverlauf wird aber voraussichtlich keinem idealtypischen V entsprechen. Die aktuelle Abwärtsbewegung wird sicherlich deutlich abrupter als die folgende Aufwärtsbewegung ausfallen. Je mehr Unterstützungsmaßnahmen von Regierungsseite jetzt unmittelbar erfolgen, desto stärker werden die Kräfte für die Erholung danach sein.

„Wir nehmen die Sorgen und Ängste der Unternehmer sehr, sehr ernst und setzen alles daran, sie bestmöglich zu unterstützen. Es ist für uns aber auch wesentlich festzuhalten, dass die aufsichtsrechtlichen und gesetzlichen Vorgaben für die Förderfähigkeit zu beachten sind.“

Im Bild oben: Bernd Meister, Landesdirektor Firmenkunden Steiermark der UniCredit Bank Austria

INTERVIEW: Wolfgang Schober