Ein Mann mit Brille und Anzug steht in einem Innenraum und hält eine Klarinette in der Hand. Im Hintergrund sind blaue Vorhänge und sanftes Tageslicht zu sehen.
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„Da kommt Mr. Dixie“

Der Musiker und Musikmanager Johannes Hödl darf dieses Jahr gleich drei Jubiläen feiern: Seinen 70. Geburtstag, das 50-Jahr-Gründungsjubiläum seiner „Very Old Stoariegler Dixielandband“ und das 10-Jahres-Jubiläum des von ihm gegründeten Dixie- & Swingfestivals. Im Gespräch mit „SPIRIT of Styria“ erzählt der Klarinettist, wie er zum Dixieland kam, dass er sich vor allem für junge Künstler und Projekte mehr Kulturförderung wünscht und was er für die Zukunft plant.

Fragt man den umtriebigen Tausendsassa Johannes Hödl nach Momenten, die ihm in seiner Karriere besonders in Erinnerung geblieben sind, antwortet der weit über die Grenzen der Steiermark hinaus bekannte Herausgeber, Redakteur und Musikmanager in seiner wohl liebsten Rolle – als Musiker: „Mit 70 Jahren blickt man mehr zurück als nach vorne, und ich kann heute sagen, dass ich mein ganzes Leben der Musik gewidmet habe, und zwar – obwohl ich klassische Klarinette studiert habe – dem Jazz, dem Dixieland.“ Als energiegeladene Form des Traditional Jazz ist Dixieland, oder kurz Dixie, ein gebräuchliches Synonym für die Südstaaten der USA: Dort fanden sich in den 1910er-Jahren weiße und schwarze Musiker zusammen, um den New-Orleans-Jazz neu zu interpretieren. Für den Dixie typisch, finden sich bis heute Trompete, Klarinette, Posaune und Schlagzeug, Banjo bzw. Gitarre und Tuba oder Kontrabass auf der Bühne zusammen, um gemeinsam zu improvisieren. Warum gerade dieser Musikstil es Johannes Hödl angetan hat, kann er nicht sagen: „Dixieland ist nichts, das man „macht“, das passiert einfach, spontan. Bis heute „reißt’s“ mich, wenn ich diese Musik höre. Auch wenn die Kraft und Energie etwas nachgelassen haben, wird diese Elektrizität nicht weniger, und meine Begeisterung für Dixieland ist ungebrochen.“ Wie eng Dixieland und er verbunden sind, zeigt eine jüngste Anekdote: „Das größte Kompliment, das ich in letzter Zeit bekommen habe, stammt von einer Mitarbeiterin aus dem Kulturbüro Weiz, die zu mir sagte: ‚Da kommt Mr. Dixie.‘ Das ist für mich wie ein Adelstitel.“

Ein Mann mit Brille und Anzugjacke steht drinnen vor blauen Vorhängen, hält eine Klarinette in der Hand und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

„Dixieland passiert einfach, spontan. Bis heute ‚reißt’s‘ mich, wenn ich diese Musik höre.“

Johannes Hödl
Herausgeber, Kommunikator, Veranstaltungsorganisator und Vollblutmusiker

50 Jahre Musikgeschichte dank eines Zufalls

An den Moment, aus dem eine lebenslange Leidenschaft für Dixieland hervorgehen sollte, kann sich Johannes Hödl genau erinnern: „Es gab eine Fernsehsendung, die hieß ‚Fatty Salon‘. Der legendäre österreichische Jazzklarinettist Fatty George erfüllte zusammen mit damaligen Jazzgrößen wie Oscar Klein (Trompete), Hans van der Sys (Piano), Willi Meerwald (Posaune) und Charly Antolini (Schlagzeug) live im Fernsehen Zuseherwünsche. Ich kam gerade von einer Blasmusikprobe, als ich die Sendung zufällig sah, das war 1976, und ich wusste sofort: Ich gründe eine Dixielandband!“, lacht Hödl, und verrät: „Damals, am Stoarieglberg in Fürstenfeld, gab es keinen Jazzunterricht, keine Big Band und auch keine Lehrer, die diese Musik vermittelt hätten. Deshalb griff ich einfach zum Hörer und rief die besten Musiker der Region an, die bereits auch im Jazz einigermaßen umtriebig waren.“ Franz Landgraf an der Trompete und Erich Reiter am Schlagzeug waren Fixstarter. Peter Lorenz am Klavier, Sigi Flamisch an der Gitarre und Peter Balogh am Banjo kamen später hinzu. So wurden die „Stoariegler Blechmusi“ gegründet. Von damals bis heute zeigte sich die Band – neben den noch aktiven Ur-Gründungsvätern Johannes Hödl, Peter Lorenz und Siegfried Flamisch – in unterschiedlichen Besetzungen und trug verschiedene Namen: So wurden aus den „Stoariegler Blechmusi“ die „Old Stoariegler Blechmusi“, und wegen der Verwechslungsgefahr mit „Stoakoglern“ benannte man sich zur „Old Stoariegler Dixielandband“ und ab 2016 zur „Very Old Stoariegler Dixielandband“ um. Man gewann den steirischen Bandwettbewerb der „Neuen Zeit“ in Graz (1977), spielte mit Fatty George (1979), spielte als einzige Band live zu Gast im Musikantenstadl (1989) und produzierte Schallplatten, CDs und lustige Anekdoten, die bis heute eine treue Fangemeinschaft erheitern. „Am 14. März findet das große Konzert ‚50 Jahre Stoariegler‘ in der Stadthalle Fürstenfeld statt, wo wir Dixieland-Klassiker von Louis Armstrong, Chris Barber und Sidney Bechet über Luis Prima, Johann Strauss bis hin zu Micky Katz oder Spike Jones spielen werden. Ebenfalls starten wie unsere 50-Jahr-Tournee, die am 10. April in der Komödie Graz ihren Auftakt hat, und die wir uns alle als Geschenk zum ‚Fünfziger‘ machten“, verrät Johannes Hödl mit einem Lächeln.

Das Dixie- & Swingfestival als Geburtstagsgeschenk

Mit einem Geburtstag ist auch eine weitere Station in Johannes Hödls Biografie verbunden: Das „Dixie- & Swingfestival“, welches dieses Jahr das 10-jährige Jubiläum feiert“: „Als mein 60. Geburtstag näherkam, wollte ich keine klassische Feier. Stattdessen habe ich mir selbst ein Dixieland-Festival geschenkt.“ Das Konzept ging auf: Im seit Sommer 2016 jährlich stattfindenden Internationalen Dixie- & Swingfestival werden zahlreiche Stile des traditionellen Jazz wie Dixieland, New-Orleans-Jazz und Swing sowie Ragtime und Boogie-Woogie von nationalen und internationalen Acts an verschiedenen Veranstaltungsorten vorgetragen. „Mit dem Festival haben wir eine Lücke gefüllt, da es in Österreich kein anderes Festival für traditionelle Jazzmusik von etwa 1900 bis 1940 – also Dixieland, Swing und Ragtime – gibt“, erklärt Hödl.

„Zu meinem 60er habe ich mir statt einer Geburtstagsfeier selbst ein Dixieland-Festival geschenkt.“

Johannes Hödl
Dixie- & Swingfestival-Gründer

Programmhighlights zum 10-Jahres­jubiläum des Dixie- & Swingfestival

Heuer findet das „Dixie- & Swingfestival“ vom 7. bis 16. August in Weiz statt und hat programmatisch zahlreiche Highlights zu bieten: „Wesentlicher Teil des Festivalprogramms in Weiz sind heuer wieder Lindy-Hop- und Swing-Tanz-Workshops, die vom Verein ‚The Lindy Cat‘ durchgeführt werden.“ Es werden über 100 Teilnehmer aus Österreich, Deutschland, Ungarn und der Schweiz erwartet. Franz Posch, der bekannte „Mei liabste Weis‘“-Präsentator, Musikschullehrer und Jazz-Musiker, tritt wieder mit seinen Dixielanders Hall auf. „Außerdem realisieren wir ein John Philip Sousa-Projekt mit dem Musikverein Heilbrunn – eine besondere Verbindung von Blasmusik und Jazz. Sehr stolz bin ich auch auf die eigens für das Jubiläum konzipierte Eddie-Luis-Swing-Show & Big Band Weiz, eine Premiere“, so Hödl. International dabei sind unter anderem The Carling Sisters aus Schweden sowie der japanische Banjo-Virtuose Ken Aoki, der sogar Gershwins Rhapsody in Blue auf dem Banjo spielen wird. „Es ist nicht das teuerste Programm, es ist nicht das internationalste Programm, aber jenes, mit dem ich am meisten Freude verbinde. Jeder Act ist auf seine Weise etwas Besonderes“, sagt Hödl. Im Rahmen des Festivals gibt es außerdem ein „verstecktes Geburtstagskonzert“: Zum 70. Geburtstag von Johannes Hödl treten die „Very Old Stoariegler Dixielandband“ am 7. August im Autozentrum Harb zusammen mit Freunden auf, die den charismatischen Musiker schon ein Leben lang begleiten oder eine große Bedeutung in seinem Leben spielen. Besonders freut sich Hödl auf Jelena Bukusic und Milos Milojevic – „einen Klarinettisten von Weltformat“.

ZUR PERSON

Ein Mann mit Brille spielt auf der Bühne eine Klarinette, vor ihm ein Mikrofon und ein "Dixie Swing Festival"-Shirt.
„Auch wenn die Kraft und Energie etwas nachgelassen haben – meine Begeisterung für Dixieland ist ungebrochen“, sagt der Musiker, der am 6. August 70 wird

 

Johannes Andreas Hödl

  • Geboren 1956 in Graz
  • Musikstudium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz
  • Gründung und Leitung verschiedener Jazzformationen, u.a. „Very Old Stoariegler Dixielandband“
  • Gründer, Veranstalter und Organisator von über 50 Jazzkonzerten, u.a. Dixie- & Swingfestival
  • Über 30 TV-Auftritte als Künstler in verschiedenen TV-Formaten
  • Verfasser zahlreicher Zeitungsbeiträge zahlreicher Musikbeiträge und Künstlerporträts in Kleine
  • Zeitung, Steiermarkmagazin (VGN) etc.

 

Höhere Kulturlandesförderungen als Wunsch

Auf die Frage, ob es etwas gibt, das er sich zum Geburtstag wünscht, antwortet Hödl mit einem Zukunftsausblick: „Beruflich gesehen wird das Festival natürlich weitergeführt, obwohl die finanzielle Situation seit 2019, seit Corona, schwieriger geworden ist. Wir finanzieren uns derzeit zu etwa 40% durch Eintrittsgelder und zu 60% durch Sponsoren und Förderungen, wobei die Kulturförderungen stark rückläufig sind – hier wünsche ich mir eine Besserung. Besonders hervorzuheben ist die großartige Unterstützung durch das Kulturbüro und das Kunsthaus Weiz – organisatorisch wie menschlich. Persönlich gesehen möchte ich wieder mehr selbst musizieren und weiterhin junge Musiker unterstützen, indem ich ihnen helfe, Konzerte zu organisieren und ihnen mein Wissen weitergebe. Denn wenn ich zurückblicke, hatte ich das große Glück, beruflich und musikalisch genau das tun zu dürfen, was mir immer Spaß machte. Ein größeres Glück kann man sich nicht wünschen.“

Mann im Nadelstreifenanzug, mit Brille und Filzhut, der Klarinette spielt, vor einem unscharfen Lichterhintergrund.
Persönlich unterstützt Hödl junge Musiker durch die Organisation von Konzerten und indem er ihnen sein umfangreiches musikalisches Wissen vermittelt

Fotos: Oliver Wolf, Jungwirth, beigestellt

Banner mit dem Text "trinkvergnügen" und "Über 450 Weine & Champagner einfach online bestellen." Rechts zeigt ein Foto zwei Gläser Rotwein auf einem Holztisch im Freien bei Sonnenuntergang.
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