Ein Mann in schwarzer Jacke und Jeans steht in einer hellen Kunstgalerie, umgeben von bunten Gemälden an weißen Wänden.
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Ein Ort für Kunst als Ereignis

Die Grazer Galerie Schnitzler und Lindsberger zeigt Gemälde im Spannungsfeld zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion und vertritt in erster Linie junge, aufstrebende Künstler. Im Interview erzählt Geschäftsführer Andreas Schnitzler über den Status quo der steirischen Kunstszene, den Auftrag von Galerien gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und verrät, was ein Künstler mitbringen muss, um von der Galerie vertreten zu werden.

Wie kam es zur Gründung der Galerie Schnitzler und Lindsberger im Jahr 2016?

Dafür gab es mehrere Auslöser. Zum einen war das mein Interesse, als Kunsthistoriker intensiver mit Künstlern zusammenzuarbeiten, zum anderen war es dieser konkrete Ort, der zufällig frei wurde. Da durch die großen Fenster rund 90 Prozent der gezeigten Werke von außen sichtbar sind, kann die Galerie auch mit reduzierten Öffnungszeiten funktionieren. Diese Verbindung von Innen und Außen hat mich an den Räumlichkeiten außerdem besonders fasziniert. Weiters hat sich Georg Lindsberger, mit dem ich damals schon befreundet war, bereit erklärt, einzusteigen, was die Entscheidung erleichtert hat. Während ich für das Programm und die Inhalte der Galerie sowie den Kontakt zu den Künstlern zuständig bin, kümmert sich Georg um die wirtschaftlichen Belange. Es ist eine OG, also gibt es wirtschaftliche Vorgaben, die man erreichen muss. Und zu zweit ist das natürlich einfacher, vor allem wenn es finanziell einmal enger werden sollte.

Der Fokus der Galerie liegt auf aufstrebenden, international agierenden Künstlern. Warum?

Ich führe die Galerie aus einem persönlichen Interesse. Und es hat sich relativ schnell herauskristallisiert, dass es in die Richtung gegenständlicher Malerei kombiniert mit Abstraktion geht. In den zehn Jahren, in denen es die Galerie gibt, habe ich das stringent durchgezogen. Was die jungen Künstler betrifft, gibt es zwei Motive. Erstens ist es toll, ihnen eine Bühne zu geben: Sie sind engagiert, haben auch eine Community, aber diese öffentliche Präsenz ist in Graz oft schwierig durchzusetzen. Für institutionelle Kunstinstitutionen ist ihr Bekanntheitsgrad häufig noch nicht ausreichend, und Galerien haben oft ein engeres Spektrum, in das sie nicht immer hineinpassen. Deshalb finde ich es wichtig, sie in meiner Funktion als Galerist in ihrer Weiterentwicklung ein Stück weit zu unterstützen. Der zweite Grund ist, dass Arbeiten junger Künstler noch erschwinglich sind. Die Galerie ist nicht darauf ausgerichtet, nur Spezialisten anzusprechen, sondern es soll Kunst sein, an der man sich erfreut und die man für das eigene Zuhause kauft. Dafür braucht es ein leistbares Preissegment.

Eine Person steht auf einer Wendeltreppe in einer modernen Kunstgalerie mit farbenfrohen abstrakten und naturbezogenen Gemälden an weißen Wänden.
Neben Kunstwerken laufender Ausstellungen werden im Schaudepot, oberhalb der Galerie, Arbeiten von Künstlern präsentiert, die eng mit der Galerie verbunden sind.

Welche Aufgabe haben Ihrer Meinung nach Galerien gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten?

Viele Künstler leben sehr bescheiden und investieren ihre Einnahmen fast eins zu eins wieder in ihre Kunst. Gerade jetzt, wo Förderungen reduziert werden, Preise selten oder nicht dotiert sind, Ankäufe von Stadt, Land oder Bund zurückgehen und Künstler daher nicht mehr in öffentlichen Sammlungen vertreten sind, bekommen Galerien eine noch wichtigere Rolle, da sie es den Künstlern ermöglichen, weiterzuarbeiten. Es gibt nur wenige, die ausschließlich von ihrer Kunst leben können. Viele haben Nebenjobs, aber das reicht meist nicht zum Leben aus. Der Galerienverkauf ist daher ein wesentlicher Faktor.

Wie ist es momentan um den Kunstmarkt in der Steiermark bestellt?

Die Situation in der Steiermark, vor allem in Graz, ist aufgrund der Budgetlage angespannt, was nachvollziehbar ist. Eine Galerie braucht meiner Meinung nach keine besonderen Förderungen, sie sollte sich selbst finanzieren. Wenn man strukturell etwas verbessern wollte, müsste man die Infrastruktur stärken, also Ateliers und Ausstellungsorte, wo die Künstler arbeiten können. Es wäre schön, wenn es einen Ort gäbe, der als eine Art Labor fungiert, in dem Künstler experimentieren können. Ich habe selbst schon überlegt, den Galerieraum zeitweise zur Verfügung zu stellen, ohne ihn zu kuratieren, ganz unprätentiös, damit Künstler ihn bespielen können, einfach als Möglichkeit zur Präsentation.

Zwei Männer in schwarzen Hemden stehen Seite an Seite vor einem großen Landschaftsgemälde, schauen in die Kamera und lächeln leicht.
Der Kunsthistoriker Andreas Schnitzler (l.) und Unternehmer Georg Lindsberger führen die Galerie seit 2016.

Apropos öffentliche Präsentation: Die Galerie Schnitzler und Lindsberger ist sehr aktiv in der Kunstvermittlung. Können Sie das näher erläutern?

Wir haben ein stringentes Vermittlungsprogramm, und das geht ein Stück weit über das hinaus, was eine Galerie normalerweise macht: Unsere Künstler führen oft durch die Ausstellungen, es gibt Gespräche, Lesungen und Buchpräsentationen. Dieser breite Zugang der Vermittlung war mir immer wichtig. Viele, die ich einlade, sind gar nicht so kunstaffin und kommen vielleicht zum ersten Mal. Ihnen einen Zugang zur Kunst zu verschaffen, ist mir wichtig. Es gibt einige, die dadurch die Liebe zur Kunst entdeckt haben und inzwischen auch bei uns kaufen. Das ist für mich besonders schön.

Gibt es wiederkehrende Programmschwerpunkte oder etwas, das die Galerie von anderen unterscheidet?

Wir betreuen Künstler langfristig: Wer das Galerienprogramm der letzten zehn Jahre verfolgt, sieht, dass viele Künstler wiederkehren. Es ist selten, dass jemand nur einmal ausstellt und dann nicht mehr. Es gibt Einzelausstellungen und Gruppenausstellungen, aber entscheidend ist die Art der Kunst: Manchmal kombiniere ich etabliertere Künstler mit sehr jungen in Gruppenausstellungen, weil dadurch die Aufmerksamkeit auf beide gelenkt wird. Einzelausstellungen gibt es ebenfalls, aber dafür braucht es eine entsprechende Dichte und Qualität an Arbeiten. Auch wenn die Galerie klein ist, müssen genug starke, neue Werke vorhanden sein.

„Wir möchten jungen, aufstrebenden Künstlern eine Bühne zur öffentlichen Präsenz geben.“

Andreas Schnitzler
Geschäftsführer Galerie Schnitzler und Lindsberger

Nach welchen Gesichtspunkten wählen Sie junge Künstler aus?

Ausgewählt werden sie in erster Linie von mir, nach den Kriterien, die ich genannt habe: Malerei im Spannungsfeld von Abstraktion und Gegenständlichkeit, mit Fokus auf jüngere Positionen. Die Herkunft spielt keine große Rolle. Ich hatte Künstler aus der Schweiz, aus Deutschland, aus Spanien. Der Schwerpunkt ist aber auf österreichische Kunst gerichtet. Wichtig ist mir, dass Künstler eine klare Vorstellung davon haben, wohin sie wollen. Erfolgreiche Künstler sind sehr fokussiert, arbeiten intensiv an ihrem Thema und entwickeln sogar innerhalb eines relativ engen Spektrums immer wieder neue Aspekte.

Ist dieser Wiedererkennungswert für Sie als Galerist von großer Bedeutung?

Natürlich wünscht man sich als Galerist manchmal Arbeiten, die einen hohen Wiedererkennungswert haben und sich dadurch gut verkaufen, aber letztlich muss der Künstler selbst entscheiden, wie und in welche Richtung er sich weiterentwickelt. Ich glaube nicht, dass ein Künstler bewusst eine „Brand“ entwickeln sollte. Er sollte sich mit einem Thema auseinandersetzen, das ihn wirklich interessiert. Wenn Künstler merken, dass sie redundant werden, versuchen sie auszubrechen und neue Wege zu finden. Dieses Experimentieren ist wichtig für ihre Weiterentwicklung. Daher würde ich sagen: Es ist wichtig, dass der Galerist Galerist bleibt und der Künstler Künstler.

Ein Mann in schwarzer Jacke und Jeans steht in einer hellen Kunstgalerie, umgeben von bunten Gemälden an weißen Wänden.
Will Lust auf Kunst machen: Andreas Schnitzler in der Galerie Schnitzler und Lindsberger in der Grazer Rechbauerstraße

Welche Ausstellung wird demnächst gezeigt?

Die nächste Ausstellung trägt den Titel „Weather Master“ und wird gemeinsam mit der Bildenden Künstlerin Anja Korherr kuratiert, wobei die Auswahl der Künstler in erster Linie von ihr kommt. Es geht um künstlerische Techniken und unterschiedliche Herangehensweisen an den Schaffensprozess. Neben Malerei werden auch Skulpturen zu sehen sein. Es ist eine Mischung aus etablierten und sehr jungen Positionen, verbunden durch eine starke technische Qualität. Die Eröffnung findet am 15. April um 19:00 Uhr statt.

Wie sehen Sie die Zukunft der Galerie?

Mein Anspruch ist, eine junge Szene im Bereich gegenständlicher Malerei mitzuentwickeln, indem ich eine Plattform schaffe, auf der sich Künstler und Kunstinteressierte dialogisch austauschen können. Mir ist ebenso wichtig, dass Künstler an Konzepten mitarbeiten, Titel mitentwickeln und ihre Vorstellungen einbringen. Das war am Anfang klassischer, inzwischen hat sich das stärker in Richtung Zusammenarbeit entwickelt. Wenn Künstler gemeinsam Ausstellungskonzepte entwickeln, neue Künstler hinzuholen und sich bei der Hängung abstimmen, entsteht eine Tiefe, die ich allein so gar nicht leisten kann. Und so entsteht etwas, das Kunst in unseren Augen als Galeristen bedeutet: ein Ereignis.

ZUR PERSON

Andreas Schnitzler

  • Geboren 1973, lebt und arbeitet in Graz
  • Studium der Kunstgeschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz
  • Dr. phil., Geschäftsführer der Galerie Schnitzler und Lindsberger
  • Prokurist und Abteilungsleiter für Außenbeziehungen am Universalmuseum Joanneum
  • Lehr-, Vortrags- und Publikationstätigkeit in den Bereichen Kunstgeschichte, Kunst- und
  • Kultursponsoring sowie Public Relations im musealen Kontext

Galerie Schnitzler und Lindsberger
Rechbauerstraße 21
8010 Graz

www.sl-galerie.at

Fotos: Oliver Wolf

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