Ready for Takeover
Unternehmensnachfolge im Fokus: In der Steiermark steht eine Welle an Betriebsübergaben an – nicht nur für betroffene Unternehmen existenziell, sondern für den gesamten Standort relevant. Was braucht es für eine gelingende Nachfolge und welche Stolpersteine gilt es zu vermeiden? „SPIRIT of Styria“ blickte der prominentesten Nachfolge des Jahres, der Zepterübergabe im Hause Zotter, über die Schulter und fragte Expertinnen und Experten nach ihren Dos und Don’ts einer Betriebsnachfolge. Der Auftakt zu einer Serie.
Es wurlt in der Hütte. Full House im Schoko-Laden-Theater. Im Zotterschen Schokoversum in Bergl sprudelt nicht nur frische Schokolade, sondern auch ein reger Besucherstrom. Wir blicken in hunderte verzückte Gesichter großteils junger Menschen. Mehr als 2.000 sind es insgesamt an diesem Tag mitten in der Karwoche. So wie an vielen Tagen im Jahr. Die Besucher pirschen mit einem Kostlöffel in der Hand von Station zu Station oder schlendern im Freien durch den „Essbaren Tiergarten“. Auch die Masterminds der steirischen Genusspilgerstätte sind in der Menge auszumachen. Mittendrin: Ikone Josef Zotter beim Schmähführen mit Besuchern und Tochter Julia hinter der Verkaufsbudel im Shop, wo sie an der Kassa aushilft. In Summe: Keine Spur von Zäsur. Kein sichtbares Anzeichen für eine Revolution. Dabei ist seit ein paar Wochen einiges anders im Hause Zotter. Eine neue Zeitrechnung: Anfang März reichte Josef Zotter das Zepter an seine Tochter weiter – die 38-Jährige hält nun als Geschäftsführerin den Schöpflöffel offiziell in der Hand. „Der Übergang war nahtlos – es war weder ein Bruch noch ein Cut“, erklärt Julia Zotter. „Wir sind seit eh und je ein Familienunternehmen, das alle wichtigen Fragen gemeinsam entscheidet.
„Wir sind seit eh und je ein Familienunternehmen, das alle wichtigen Fragen gemeinsam entscheidet“
Das wollen wir auch weiter so halten“, betont die neue Chefin, die sich schon seit Teenagertagen für das Unternehmen begeistern konnte. „Spätestens als mein Vater vor mehr als 20 Jahren die Entscheidung traf, in die Bean-to-Bar-Produktion und damit in Bio und fairen Handel zu investieren, war ich überzeugt, dass meine Zukunft im Unternehmen sein wird.“ „Umgekehrt haben meine Frau und ich bei allen großen Investitionen immer darauf geachtet, dass unsere Kinder die Entscheidungen voll mittragen können. Ansonsten hätten wir gar nie in der Form investiert“, so der Chocolatier, der dem Nachwuchs auch die belastenden Seiten des Unternehmertums nie vorenthalten wollte. „Das Unternehmen saß bei uns seit jeher mit am sonntäglichen Mittagstisch“, so der Firmengründer. Das Interesse der Kinder habe er immer gespürt. „Aber das allein ist zu wenig – es braucht auch das Unternehmer-Gen. Als ich gesehen habe, dass es vorhanden ist, war das für mich die größte Freude.“ „Was mich am meisten freut, ist, dass alle Geschwister bereit sind, sich ins Unternehmen einzubringen und mitzugestalten“, so Julia Zotter. „Als Geschäftsführerin habe ich zwar die Letztverantwortung, aber auch mein Bruder Michael trägt als Chef unseres IT-Bereichs, den er selbst aufgebaut hat, große Verantwortung für den Betrieb. Und auch bei Valerie, unserer jüngsten Schwester, zeichnet sich ein Einstieg ins Unternehmen ab.“
Eigene Familien-Charta
Zur Konfliktvermeidung beitragen werde künftig eine eigens erstellte Familienverfassung. „Darin sind die Grundwerte, die das Unternehmen auszeichnen, genau festgelegt. Eine Abkehr von Bio und fairer Handel wäre beispielsweise ein Verstoß gegen diese Charta“, verrät die Geschäftsführerin, die schon in jungen Jahren alle Höhen und Tiefen des Unternehmerlebens mitbekam. „Die Pleite meines Vaters Anfang der 90er-Jahre war sicher prägend“, so die polyglotte Konditormeisterin, die zwischen 2014 und 2018 den Zotter-Standort in Shanghai aufbaute. „Eine sehr lehrreiche Zeit, in der ich bereits früh aktiv gestalten konnte.“ Ein Standort, den Julia Zotter vor ein paar Jahren an ihre chinesische Partnerin übergab. „Das war nicht einfach. Dadurch weiß ich, was es bedeutet, etwas loszulassen, das man mit viel Herzblut aufgebaut hat – es war eine Mischung aus Stolz und Wehmut.“
Hat nun auch Josef Zotter ein lachendes und ein weinendes Auge? „Wenn man etwas fast 40 Jahre lang aufgebaut hat und sich dann entschließt, sich zurückzuziehen, dann geht das natürlich nicht emotionslos. Aber es überwiegt die Freude, ein funktionierendes und vor allem schuldenfreies Unternehmen an seine Kinder übergeben zu können. Was gibt es Schöneres?“, so Zotter. „Es gibt genug Beispiele von Firmen, die scheitern, weil die ältere Generation nicht rechtzeitig Platz gemacht hat. Oft hindert einen die Erfahrung daran, kreativ zu bleiben und neue Ideen umzusetzen.“ „Gleichzeitig werden wir neue Ideen auch künftig nur dann realisieren, wenn sie wirtschaftlich Sinn machen“, wirft Julia Zotter ein. Und nennt das Beispiel eines neu designten Verkostungslöffels – in spektakulärer Zungenform. „Ich bin sicher, dieser wird sehr gut ankommen – aber bei den derzeitigen Energie- und Produktionskosten warten wir mit einer Einführung lieber noch ab“, so die Unternehmerin, die zu Ostern – erstmals in der Firmengeschichte – einen Zotter-Osterhasen ins Sortiment aufnahm. „Aber als Kombi Osterhase-Osterhäsin – sonst wäre es ja kein typisches Zotter-Produkt“, lacht sie. Woran merken nun die Mitarbeiter, dass Julia am Ruder ist? „Ein Unterschied zu meinem Vater ist, dass mein Bruder und ich mit allen Mitarbeitern per Du sind – schließlich sind wir schon seit Kindesbeinen an im Betrieb und wollen das bewusst beibehalten. Ich denke, dass man sich den Respekt ohnehin auf andere Weise verdienen muss. Auch mein Führungsstil ist – schon allein generationsbedingt – ein anderer als der meines Vaters“, betont sie. Der wichtigste Rat, den sie von ihm mitbekommen hat? „Immer hinter seinen Überzeugungen stehen und sich nicht verbiegen lassen. Und ebenso wichtig: Nur auf einem soliden Fundament aufbauen – es gibt kein bedingungsloses Wachstum!“ Und Josef Zotters künftige Rolle im Betrieb? „Ulrike und ich werden nach und nach aus dem Betrieb hinauswandern. Aber wir werden auch weiterhin mitanpacken – es gibt eh fast immer was zu tun. Meine künftige Funktion? Ich würde sagen, besserer Hausmeister“, lacht er. „Das beschreibt es am besten.“
Betriebsnachfolge
- Bis zum Jahr 2029 stehen 6.400 Arbeitgeberbetriebe zur Übergabe an.
- Von einer erfolgreichen Weiterführung hängen rund 80.000 steirische Arbeitsplätze ab. (Quelle: KMU Forschung Austria)
- Rund 900 Betriebe in der Steiermark finden jährlich eine Nachfolgerin bzw. einen Nachfolger
- „Follow me“ – die Servicestelle Betriebsnachfolge der WKO Steiermark: https://www.wko.at/stmk/betriebsuebergabe/follow-me
Betriebsnachfolge im Trend
Das Unternehmen ist wohl das prominenteste Beispiel einer Betriebsnachfolge in der Steiermark in diesem Jahr, aber bei Weitem nicht das einzige. Betriebsübergaben liegen im Trend. Bis zum Jahr 2029 stehen in der Steiermark 6.400 Betriebe zur Übergabe an. Nicht weniger als 80.000 Arbeitsplätze sind betroffen. Daher ist das Thema Betriebsnachfolge nicht nur für einzelne Unternehmen existenziell, sondern auch absolut standortrelevant. Umso entscheidender ist das Gelingen einer Übernahme – es bedarf strategischer Planung und fachlicher Expertise. Vor allem Know-how aus Recht und Steuerrecht ist gefragt. „Notarinnen und Notare begleiten den gesamten Nachfolgeprozess rechtlich strukturiert und neutral“, erklärt Marcella Handl, Vizepräsidentin der Notariatskammer für Steiermark. „Wir analysieren die Ausgangssituation, gestalten und beurkunden Übergabe-, Kauf- oder Gesellschaftsverträge und regeln Haftungsfragen, Sicherheiten sowie familien- und erbrechtliche Aspekte wie etwa Pflichtteilsverzichte. Auch die Abstimmung mit Steuerberatung und Finanzierungspartnern sowie die firmenbuchrechtliche bzw. grundbücherliche Umsetzung zählen dazu.“ Der Mehrwert eines Notariats liege dabei in der Überparteilichkeit. „Notarinnen und Notare sind nicht einseitige Interessenvertreter, sondern zur Ausgewogenheit verpflichtet. Dadurch wird sichergestellt, dass Lösungen rechtlich tragfähig, nachhaltig und für beide Seiten fair sind.“ Zudem biete das Notariat höchste Rechtssicherheit durch öffentliche Urkunden und unmittelbare Vollzugskompetenz als One-Stop-Shop. Was ist neben frühzeitiger Planung aus ihrer Sicht entscheidend? Handl: „Für Übergeber jedenfalls die eigene wirtschaftliche Absicherung, also die Höhe des Kaufpreises bzw. etwaige Rentenmodelle – und die Regelung von Mitspracherechten oder Rückzugsmechanismen sowie die Gleichbehandlung von Familienmitgliedern zur Vermeidung späterer Konflikte. Übernehmer sollten besonderes Augenmerk auf eine realistische Bewertung des Unternehmens legen – ebenso wie auf die Finanzierbarkeit sowie bestehende Verpflichtungen und Risiken.“
Vizepräsidentin der Notariatskammer für Steiermark:
„Eine Betriebsnachfolge ist dann gelungen, wenn sie rechtlich klar, wirtschaftlich tragfähig und menschlich fair für alle Beteiligten gestaltet ist.“
Präsident der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen (KSW) Steiermark:
„Eine erfolgreiche Betriebsnachfolge erfordert frühzeitige Planung, saubere Strukturierung und die Abstimmung von steuerlichen, rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekten.“
Partner BDO Graz:
„Das Thema Gewerberecht wird insbesondere bei nicht familieninternen
Übergaben oft unterschätzt.
Der Übernehmer muss alle erforderlichen gewerberechtlichen Voraussetzungen erfüllen.“
Zentrale Koordination und Gestaltung
Eine entscheidende Rolle bei Betriebsnachfolgen kommt naturgemäß der Steuerberatung zu. „Wir übernehmen in Nachfolgeprozessen eine zentrale Koordinations- und Gestaltungsfunktion“, erklärt Klaus Gaedke, Präsident der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen (KSW) Steiermark. Die Kernleistungen? „Dazu zählen die steuerliche und betriebswirtschaftliche Analyse des Unternehmens, die Ermittlung eines realistischen Unternehmenswertes sowie die Entwicklung einer optimalen Übergabestruktur.“ Das kann eine entgeltliche Veräußerung, eine unentgeltliche Übertragung oder Mischformen bzw. Umgründungen sein. „Eine wesentliche Aufgabe ist die Steueroptimierung im Hinblick auf Einkommensteuer, Grunderwerbsteuer und – soweit relevant – internationale Aspekte. Zudem erstellen wir Planungsrechnungen rund um Liquidität, Ertragskraft und Steuerbelastung und begleiten Finanzierungskonzepte. In der Praxis fungieren Steuerberater auch als Schnittstelle zu Rechtsanwälten, Notaren und Banken.“ Ein Punkt, der auf Seiten der Übergebergeneration unbedingt zu beachten ist? „Häufig unterschätzt wird die Sicherstellung der eigenen Altersversorgung sowie die Frage, in welcher Form Kaufpreiszahlungen oder Versorgungsleistungen gestaltet werden. Fehler können hier zu erheblichen Steuerbelastungen führen.“ Und bei den Übernehmern? „Eine sorgfältige Due-Diligence-Prüfung ist essenziell, um Risiken wie versteckte Verbindlichkeiten, steuerliche Altlasten oder unrealistische Bewertungen zu vermeiden.“ Steuerlich relevant seien insbesondere die Identifikation von stillen Reserven, die Nutzung von Abschreibungspotenzialen sowie die Wahl der passenden Rechtsform für die Zukunft.
Präsident der Steiermärkischen Rechtsanwaltskammer:
„Die Rechtsverhältnisse des Unternehmens durch Experten überprüfen lassen, Bewährtes übernehmen und das Risiko aus der Betriebsnachfolge für beide Seiten minimieren!“
Obfrau-Stellvertreter der Fachgruppe der Ingenieurbüros in der WKO:
„Der Erfolg einer Betriebsnachfolge hängt maßgeblich von einer fundierten technischen Risikoprüfung ab.“
Prokuristin SFG:
„Wir unterstützen Betriebsübernahmen mit maßgeschneiderten stillen Beteiligungen und helfen so, Unternehmen nachhaltig weiterzuführen.“
Steuer und Recht: interdisziplinäre Teams
Betriebsnachfolge praktisch aus einer Hand? Ein außergewöhnliches Portfolio bietet die renommierte Kanzlei LeitnerLeitner mit 19 Standorten in und außerhalb von Österreich, darunter einen im Grazer MP09. Gemeinsam mit LeitnerLaw (alias Edthaler Leitner-Bommer Schmieder & Partner Rechtsanwälte) kann sie auf interdisziplinäre Teams mit steuerlichem und rechtlichem Know-how zurückgreifen. „Unternehmensnachfolgen sind hochkomplex und bewegen sich im Spannungsfeld von Gesellschafts-, Erb- und Steuerrecht“, erklärt Raffaela Raffelsberger, Steuerberaterin bei LeitnerLeitner. „Unterschiedliche Erwartungen, familiäre Dynamiken und emotionale Bindungen prägen den Prozess oft erheblich. Unser Mehrwert liegt in der integrierten Gesamtbetrachtung: Wir können steuerliche Gestaltungsspielräume frühzeitig erkennen und optimal mit den rechtlichen Rahmenbedingungen verzahnen.“ Ein klassischer Stolperstein bei Familienunternehmen? „Das ist häufig ein zu spät eingeleiteter Generationenwechsel in Kombination mit fehlender strategischer Planung. Gerade erbrechtliche Fragen bergen in Familienunternehmen erhebliches Konfliktpotenzial. Eine vorweggenommene Erbfolge zu Lebzeiten ermöglicht hingegen tragfähige Lösungen und beugt langwierigen Auseinandersetzungen vor“, so Raffelsberger. „Eine unkoordinierte Nachfolge führt auch rasch zu unnötigen Steuerbelastungen – etwa durch die Aufdeckung stiller Reserven.“ Und der Knackpunkt bei externen Übernahmen? „Eine fundierte Unternehmensbewertung – sie bildet die Grundlage jeder erfolgreichen Transaktion“, so Beate Stocker und Therese Suppan von LeitnerLaw Rechtsanwälte. „Entscheidend ist eine umfassende rechtliche und steuerliche Due Diligence: Werden Risiken nicht frühzeitig erkannt, drohen unerwartete Steuerbelastungen, Haftungsfälle oder versteckte Verpflichtungen, die die Wirtschaftlichkeit der Übernahme erheblich schmälern.“
Raffaela Raffelsberger von LeitnerLeitner sowie Beate Stocker und Therese Suppan (v.l.) von LeitnerLaw Rechtsanwälte:
„Die goldene Regel? Frühzeitig planen, rechtliche und steuerliche Aspekte ganzheitlich abstimmen und alle Beteiligten transparent einbinden.“
Alle Interessen berücksichtigen
Auch der Standort der BDO in Graz setzt einen Schwerpunkt auf das Thema. „Dabei wollen wir sicherstellen, dass sowohl die Interessen der Übertragenden als auch der Übernehmenden optimal berücksichtigt werden“, so Michael Karre, Partner der BDO Graz. Die drei Top-Tipps aus seiner Sicht? „Aus steuerlicher Sicht wird bei der entgeltlichen Betriebsübertragung vom Übergeber oft unterschätzt, dass nahezu jegliche berufliche Aktivität eingestellt werden muss, um die Halbsatzbegünstigung anwenden zu können. Der Veräußerer hat im Ergebnis ein Berufsverbot“, so Karre. „Zudem ist die Übertragung eines Einzelunternehmens sicherlich schwieriger als jene einer GmbH, weil mehr an der Person des Übertragenden hängt. Wird im Übergabevertrag etwa vergessen, dass Investitionen für Gewinnfreibeträge mitübertragen werden, hat das negative steuerliche Folgen. Und: Banken stellen an den Übernehmer in vielen Fällen abgeänderte Besicherungsansprüche, weil zum Alteigentümer ein anderes Vertrauensverhältnis bestanden hat. Ein Thema, das vom Übernehmer häufig unterschätzt wird und mit Banken frühzeitig besprochen werden sollte.“
Rechtliche Fallstricke vermeiden
Auch Rechtsanwälte erbringen im Zuge einer Betriebsnachfolge wichtige Beratungsleistungen. „Ob Verträge, Dienstverhältnisse oder Haftungen – wir prüfen im ersten Schritt die rechtlichen Verhältnisse des Unternehmens, das übernommen werden soll“, so Michael Kropiunig, Präsident der Steiermärkischen Rechtsanwaltskammer. „Dies ist unbedingt notwendig, um noch vor Vertragsabschluss zu klären, welche Belastungen vom Übernehmer aus Anlass der Betriebsnachfolge übernommen werden müssen und welche Haftungen trotz Betriebsübergabe allenfalls weiterhin beim Übergeber verbleiben könnten.“ Der wichtigste Punkt aus Sicht der Übergebergeneration? „Jeder, der sein Unternehmen übergibt, möchte für Schulden, die das Unternehmen betreffen, nicht mehr persönlich haften. Es bedarf daher klarer Regelungen, die auch die Gläubiger einbinden – wonach die Übergeber für Schulden des Unternehmens aus der Haftung entlassen werden oder, falls nicht möglich, durch den Übernehmer sofort aus Anlass der Übernahme abgedeckt werden.“ Und potenzielle Fallstricke auf Übernehmerseite? „Nur weil Geschäfte vom Übergeber ohne rechtssichere Verträge erfolgreich abgewickelt werden konnten, bedeutet dies nicht, dass dies auch beim Übernehmer der Fall sein muss. Die Übernahme bietet daher auch Gelegenheit, sich mit eingefahrenen Strukturen des Unternehmens, die nicht mehr der Rechtslage entsprechen oder historisch gewachsen sind, zu beschäftigen – etwa die Überlassung privater Liegenschaften von Gesellschaftern an den Betrieb ohne vertragliche Regelungen. Diese sollten auf neue Beine gestellt werden, damit sie auch zukünftigen Anforderungen standhalten.“
Mehr als Finanzierung: So unterstützen steirische Banken Betriebsübergaben
„Im GründerCenter der Steiermärkischen Sparkasse bündeln wir unsere Expertise für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge. Wir unterstützen bei der Erstellung und Analyse von Businessplänen, entwickeln tragfähige Finanzierungs- und Fördermodelle und begleiten den gesamten Übergabeprozess. Unsere Spezialistinnen und Spezialisten aus den Bereichen Finanzierung, Förderberatung und Unternehmensentwicklung stellen sicher, dass jede Nachfolge strukturiert, nachhaltig und optimal vorbereitet umgesetzt wird.“
Oliver Kröpfl
Vorstandsmitglied Steiermärkische Sparkasse
„Eine Unternehmensnachfolge ist weit mehr als ein rechtlicher oder finanzieller Vorgang. Wir begleiten unsere Kunden dabei frühzeitig und strukturiert – von der ersten Standortbestimmung über Finanzierungs- und Förderfragen bis zur Abstimmung mit Steuerberatung, Notariat und Rechtsberatung. In der Steiermark konnten wir in diesem Bereich bereits mehr als 300 Übergaben begleiten. Dafür braucht es neben bankfachlicher Expertise vor allem Erfahrung, Vertraulichkeit und Gespür für die wirtschaftlichen und persönlichen Dimensionen einer Übergabe.“
Rainer Stelzer
Vorstandsdirektor RLB Steiermark
„Als regional verankerte Bank kennen wir den Markt, verstehen die Geschäftsmodelle unserer Kunden und begleiten Übergaben persönlich und nachhaltig. Unsere erfahrenen Kundenbetreuer haben bereits zahlreiche erfolgreiche Nachfolgen umgesetzt. Mit wichtigen Partnern wie der Austria Wirtschaftsservice (aws), deren Förderinstrumente wichtige Bausteine bei Unternehmensübergaben sein können, stellen wir sicher, dass aus guter Vorbereitung und Umsetzung erfolgreiche Zukunft wird. Denn Gutes zieht Kreise – auch in der nächsten Generation.“
Hannes Zwanzger
Vertriebsvorstand Volksbank Steiermark
„Unter die Haube“ schauen
Oftmals unterschätzt im Zuge einer Betriebsübergabe werden auch technische bzw. gewerberechtliche Aspekte. „Im Unterschied zu Finanzdienstleistern, die primär die Zahlen prüfen, blicken Ingenieurbüros ,unter die Haube‘ eines Unternehmens“, erklärt Sascha Zitzler von der Fachgruppe der Ingenieurbüros in der Wirtschaftskammer Steiermark. „Der Erfolg einer Betriebsnachfolge hängt maßgeblich von einer fundierten technischen Risikoprüfung ab. Ingenieurbüros analysieren den Ist-Stand und stellen die Einhaltung rechtlicher Vorgaben sicher.“ Denn häufig verbergen sich Haftungsrisiken in veralteten Genehmigungen oder versäumten Anlagenprüfungen. „Bescheide werden sorgfältig geprüft und notwendige Überprüfungen bei Bedarf nachgeholt. Neben der Analyse von Arbeitsstätten, Maschinen und Arbeitsmitteln richten Ingenieurbüros den Blick auch in die Zukunft: Sie identifizieren Investitions- und Optimierungspotenziale und beraten zu Energieeffizienz sowie erneuerbaren Energien. So wird ein Unternehmen nicht nur übernommen, sondern zukunftsfit aufgestellt.“
Finanzierung und Förderung
Zu guter Letzt: Betriebsnachfolgen können nur gelingen, wenn die entsprechende Finanzierung gesichert ist. Welche Angebote steirische Banken in diesem Bereich bieten, lesen Sie auf Seite 17. Auch Förderungen können einen wichtigen Beitrag leisten. So bietet die Steirische Wirtschaftsförderung SFG Unterstützung im Rahmen ihrer Finanzierungsprogramme. Prokuristin Anna Mössner-Steiner: „Wir unterstützen Betriebsübernahmen mit maßgeschneiderten stillen Beteiligungen und helfen so, Unternehmen nachhaltig weiterzuführen – unabhängig davon, ob das Unternehmen innerhalb der Familie, durch Mitarbeiter oder durch Dritte übernommen wird.“
TIPP: Podcast„Die Nachfolgerin“
Seit 2023 betreibt Susanne Hartinger den erfolgreichen Podcast „Die Nachfolgerin“, in dem sie unterschiedliche Aspekte einer Unternehmensnachfolge – vor allem aus weiblicher Sicht – beleuchtet. Mehr als 60 Folgen sind bereits „on air“. „Ich konnte mir lange nicht vorstellen, wie ich es schaffen sollte, das Unternehmen meines Vaters zu übernehmen. In Seminaren und Beratungen zur Nachfolge geht es vor allem um Zahlen, Strukturen und Prozesse. Das war aber nie mein größtes Problem – und ist es auch sonst nie“, so die Nachfolgerin. „Eine Nachfolge in Familienunternehmen ist hoch emotional und persönlich. Erst musste ich mir über mich selbst klar werden: meine Rollen, meine Vision, meine Bedürfnisse und meinen Führungsstil. Und es braucht die Fähigkeit und den Mut, das auch klar zu kommunizieren. Dass man mit diesen Themen nicht alleine steht, war ein wichtiges Motiv für den Podcast.“
SPIRIT-Serie Betriebsnachfolge
Weitere spannende Infos und Best-Practice-Beispiele zum Thema Unternehmensnachfolge lesen Sie in der Mai-Ausgabe unseres Magazins.
Fotos: beigestellt
