So smart geht Tierwohl
Monitoring für den Hühnerstall? Smarte Klingelschilder? Automatisierung im Furnierwerk? Die FH CAMPUS 02 unterstützt heimische KMU bei F&E-Projekten unterschiedlichster Art. Florian Macher-Stangl vom Department Automatisierungstechnik über eine frühphasige Starthilfe für den Innovationsmotor.
Kein Henne-Ei-Problem, sondern ein handfestes Hühner-Fuß-Problem – eines mit gravierenden Folgen. Die Fußballenkrankheit bei Hühnern in der Tiermast ist eine bakterielle Infektion, die Tiere schwächt und Landwirten zu schaffen macht. Die ansteckende Krankheit wird in der Praxis erst spät entdeckt – mit negativen Auswirkungen aufs Tierwohl und den Betrieb. Eine Früherkennung des Krankheitsbefalls scheiterte bislang am Mangel an der technischen Umsetzung – ein Einsatz elektronischer Systeme im Stall zum Hühner-Monitoring stieß an Grenzen. „Die Bedingungen in einem Hühnerstall sind ein Albtraum für jede Elektronik – es ist feucht, warm, staubig und schmutzig“, erklärt Florian Macher-Stangl vom Department Automatisierungstechnik an der FH CAMPUS 02, der sich vor drei Jahren dieser „Mission impossible“ annahm und gemeinsam mit der steirischen Softwarefirma novu.track GmbH, spezialisiert auf IoT-Lösungen und IT-Systeme in der Landwirtschaft, an einer technischen Lösung arbeitet. „Eine Entwicklung, die weit über die Kernkompetenzen eines Software-Unternehmens hinausgeht – es braucht auch das Know-how in anderen technischen Bereichen. Daher hat sich das Unternehmen an uns gewandt“, so Macher-Stangl. „Automatisierungstechnik vereint Maschinenbau, Elektronik und Informatik – das qualifiziert uns zum Entwicklungspartner für verschiedenste komplexe Anwendungen.“ So auch im Falle des Chicken Watchers, wie das System für den Einsatz im Hühnerstall heute genannt wird. Das System überprüft mittels hochauflösender Kameras und über eine automatisierte Gewichtsmessung sowie dem Einsatz von KI den Gesundheitszustand tausender Hühner in einem Maststall.
„Der Prototyp wird gerade getestet, die Patentierung läuft. Für den Chicken Watcher besteht großes Marktpotenzial in ganz Europa, die Nachfrage nach Lösungen in dem Bereich ist hoch“, freut er sich über die gelungene Starthilfe der FH für den Innovationsmotor. „Genau das ist es, was wir leisten können. Wir sind Entwicklungspartner in einer sehr frühen Phase. Basierend auf der von uns erstellten Anforderungsliste kann ein Ingenieurbüro in der Folge sehr gut weiterarbeiten“, so Macher-Stangl. „Dabei unterstützen wir mit unserem Know-how, unserem Netzwerk und unseren hauseigenen Forschungslabors wie etwa dem Rapid Prototyping Lab.“ Weiteres Erfolgsbeispiel aus jüngster Vergangenheit: die Entwicklung einer smarten Gegensprechanlage für einen heimischen Elektrotechnik-Spezialisten. „Ein intelligentes Klingelschild, das online auf Knopfdruck aktualisiert werden kann und viele weitere Features aufweist“, erklärt der Automatisierungsspezialist. „Auch ein Beispiel dafür, dass Automatisierung weit mehr ist als reine Robotik. Daher laden wir heimische KMU gerne ein, sich mit ihrem Entwicklungsprojekt jederzeit bei uns zu melden.“ Auch für klassische Automatisierungsprojekte ist man freilich jederzeit bereit, wie das Beispiel eines heimischen Holzbearbeitungsbetriebs beweist. „In diesem Fall lag unsere Aufgabe darin, eine Brücke zwischen dem Industriebetrieb und einem potenziellen Automatisierungsprofi zu schlagen. Denn ein Holzbetrieb kann seinen Automatisierungsbedarf meist nicht technisch exakt definieren und ein Automatisierer umgekehrt seinen Aufwand nicht genau kalkulieren. Wir waren hier gerne Übersetzer für eine Win-win-Stituation.“
F&E-Projekte
Die FH CAMPUS 02 unterstützt heimische KMU als Entwicklungspartner bei F&E-Projekten in unterschiedlichen Bereichen. Für viele Projekte gibt es auch Förderungen (z.B. Innovationsscheck der FFG).
- Kontakt
Wilfried Wolf
F&E-Koordinator
Tel.: +43 316 6002-154
Email: wilfried.wolf@campus02.at
Foto: Oliver Wolf
