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Mehr als eine Perspektive

Bei familieninternen Betriebsübergaben sichert erst die ganzheitliche Planung langfristig tragfähige Lösungen. Eine klare unternehmerische Struktur, eine faire und transparente Vermögensaufteilung sowie private Vorsorge sind Teil davon, unterstreichen die Teams der Kanzleien
LeitnerLeitner Tax Audit Advisory und LeitnerLaw Rechtsanwälte, die den Nachfolgeprozess der Team Santé Linden Apotheke begleitet haben.

Die Unternehmensnachfolge gut und rechtzeitig zu regeln, ist nach dem Aufbau des wirtschaftlichen Lebenswerks eine der größten Leistungen im Unternehmerleben“, lässt man in der Kanzlei LeitnerLeitner keinen Zweifel daran, dass eine gelungene Übergabe die Grundlage für ein nachhaltiges Fortbestehen eines Familienunternehmens und den Erfolg der Nachfolgenden ist. Dafür braucht es gerade im familiären Umfeld nicht nur einen interdisziplinären Blick auf die wirtschaftlichen (inklusive steuerlichen) und rechtlichen Rahmenbedingungen, sondern auch Sensibilität im Umgang mit dem, was sich nicht in Verträgen festhalten lässt: Vertrauen, zwischenmenschliche Dynamiken, Emotionen.

Das Beispiel der Team Santé Linden Apotheke in Leibnitz macht deutlich, worauf es ankommt. Seit nahezu 60 Jahren befindet sich das Unternehmen in Familienhand. Von Wolfgang Fellner 1968 gegründet, entschloss sich nach seinem frühen Tod Tochter Renate Kappaun in jungen Jahren dazu, die Verantwortung zu übernehmen. Mit der Erteilung der Konzession im Jahr 1994 führte sie die Apotheke über Jahrzehnte erfolgreich weiter. Gesundheitswesen und Anforderungen der Patientinnen und Patienten veränderten sich im Laufe der Zeit, die Anzahl an Präparaten vergrößerte sich stetig, bauliche Erweiterungen begleiteten die Unternehmensgeschichte, das Team wuchs auf 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. 2023 trat Renate Kappaun schließlich an LeitnerLaw Rechtsanwälte – eine in Österreich mit Standorten in Linz, Wien, Graz und Dornbirn vertretene Kanzlei – heran und suchte die Unterstützung des Teams rund um Nikola Leitner-Bommer. Ihr Wunsch war ein geordneter Rückzug aus dem operativen Geschäft, der ab 2025 wirksam werden und rechtlich wie wirtschaftlich eine abgesicherte Übergabe an die nächste Generation sichern sollte.

Zwei Personen in einem Labor, die Rücken an Rücken stehen und lächeln, mit Regalen und Laborgeräten im Hintergrund.
Generationswechsel: Wolfgang Kappaun mit seiner Mutter Renate Kappaun

Klarheit statt Kurskorrektur

Ihr Sohn Wolfgang Kappaun, der bereits zuvor im Betrieb tätig war, sollte mit Abschluss des Doktoratsstudiums den Familienbetrieb übernehmen und die Apotheke künftig alleinverantwortlich führen. „Von Anfang an war es ein Anliegen der Beteiligten, eine umfassende und abschließende Nachfolgelösung zu schaffen, die dauerhaft Bestand hat und ständige künftige Nachjustierungen entbehrlich macht“, unterstreicht Beate Stocker, die den Prozess für LeitnerLaw in Graz begleitet hat. Seit Mitte des Jahres 2025 steht die Team Santé Linden Apotheke nun bereits unter der Leitung von Wolfgang Kappaun. Er hatte nach Abschluss des Pharmaziestudiums und des Aspirantenjahres auch praktische Erfahrungen in verschiedenen öffentlichen Apotheken sowie an der Anstaltsapotheke des Universitätsklinikums AKH Wien gesammelt und im Fachbereich Pharmakologie an der Universität Graz promoviert. „Die Erweiterung des eigenen Horizonts hat nicht nur neue Perspektiven eröffnet, sondern auch meine Kompetenzen gefestigt und mir zusätzliche Sicherheit in meiner Rolle gegeben“, bekräftigt Wolfgang Kappaun.

Eine Frau mit schulterlangen braunen Haaren und schwarzem Oberteil gestikuliert, während sie spricht, mit einem bunten gelben und weißen abstrakten Hintergrund hinter ihr.

„Eine familieninterne Nachfolge ist ein vielschichtiger Prozess,der deutlich über die formale Unternehmensübergabe hinausgeht.“

Beate Stocker
LeitnerLaw

Eine ganzheitliche Gestaltung der Nachfolge sollte sichern, dass alle das Ergebnis mittragen können. „Eine familieninterne Nachfolge ist ein vielschichtiger Prozess, der deutlich über die formale Unternehmensübergabe hinausgeht“, verweist Stocker einmal mehr auf das Zusammenspiel unternehmerischer, rechtlicher und familiärer Aspekte. Transparenz zu schaffen, Erwartungen zu klären und unterschiedliche Interessen bereits im Vorfeld zu berücksichtigen, schafft die Voraussetzung für die Akzeptanz von Lösungsmodellen. Christian Oberhumer von der Kanzlei LeitnerLeitner mit insgesamt 19 Standorten in Österreich und im CEE-Raum, unterstreicht, dass es von den Übergebern ein Loslassenkönnen und gegenüber der nachfolgenden Generation ein grundsätzliches Zutrauen braucht. Für eine Kooperation auf Augenhöhe unter den Familienmitgliedern ist Offenheit wesentlich. „Man sollte frühzeitig Experten an Bord holen, die den gesamten Prozess moderierend begleiten“, lautet sein Rat, „Vermögenswerte sollten objektiv ermittelt, der Steuerschaden gering gehalten, Erbthemen fundiert geklärt werden“. Kappaun kann dem nur zustimmen: „Wir hätten die Übergabe auch rein auf die notwendigsten rechtlichen Schritte reduzieren können, aber ich fand es wichtig und wesentlich, wirklich alle Ebenen und Dimensionen zu beleuchten.“

Drei Personen in Geschäftskleidung sitzen an einem Tisch mit einem Laptop und aufgeschlagenen Büchern und führen eine lebhafte Diskussion in einer modernen Büroumgebung.
Im Austausch: Christian Oberhumer ist Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Partner und Gesellschafter bei LeitnerLeitner, Beate Stocker Steuerberaterin, Rechtsanwaltsanwärterin und Director bei LeitnerLaw und Therese Suppan Rechtsanwaltsanwärterin bei LeitnerLaw.

LeitnerLeitner & LeitnerLaw

Die Kanzleien LeitnerLeitner GmbH Wirtschaftsprüfer und Steuerberater (LeitnerLeitner) und Edthaler Leitner-Bommer Schmieder & Partner Rechtsanwälte GmbH (LeitnerLaw) unterstützen am Standort Graz umfassend bei der familieninternen oder externen Planung und Umsetzung der Nachfolge.
Dabei werden wirtschaftliche, steuerliche und rechtliche Kompetenzen zu einer interdisziplinären Gesamtperspektive verbunden.

Demnächst erscheint ein Fachbuch im Linde Verlag, das die wesentlichen Weichenstellungen in Familienunternehmen umfassend behandelt – von Unternehmensstruktur, Governance und Nachfolge bis hin zu Steuer und Recht.

Eine Frau in einem weißen Blazer sitzt vor einem Laptop, hinter ihr ein bunter, abstrakter Hintergrund in Gelb und Gold.

Jede Rechtsform bringt eigene Anforderungen, aber auch Gestaltungsmöglichkeiten mit sich, unterstreicht Therese Suppan.

Wirtschaftliche, steuerliche, rechtliche, familiäre Aspekte: Von der ganzheitlichen Betrachtung hat Wolfgang Kappaun profitiert.

Ein Mann mit Brille und Bart, der ein weißes T-Shirt trägt, sitzt in einem Haus und schaut leicht zur Seite, als ob er sich unterhalten würde.
Ein Mann mit Brille und karierter Anzugsjacke sitzt an einem Schreibtisch, hält einen Stift in der Hand und spricht, während er ein Notizbuch vor sich liegen hat.

Christian Oberhumer unterstreicht den Benefit einer moderierenden Rolle im Prozess der familieninternen Nachfolge.

Vorsorge oft unterschätzt

Die Familie entschied sich für eine teilweise vorgezogene Erbfolge. Bestimmte Vermögenswerte wurden bereits zu Lebzeiten übertragen. Gleichzeitig wurde sichergestellt, dass die Vorsorge für die bisherige Inhaberin nachhaltig gewährleistet ist. „In der Praxis zeigt sich häufig, dass das Hauptaugenmerk auf die Unternehmensnachfolge gelegt wird, während private Vorsorgefragen aus den verschiedensten Gründen vernachlässigt werden. Gerade hier können später rechtliche Unsicherheiten und familiäre Spannungen entstehen, die sich mittelbar auf das Unternehmen auswirken können“, gibt das Team zu bedenken. Ein zentrales Instrument der privaten Vorsorge ist die Vorsorgevollmacht. Sie stellt sicher, dass im Falle einer plötzlichen Entscheidungsunfähigkeit eine handlungsfähige Vertrauensperson zur Verfügung steht. „Eine gut geplante Nachfolgeregelung schafft nicht nur unternehmerische Stabilität, sie verfolgt auch das Ziel, langfristige Klarheit für alle Beteiligten zu gewährleisten“, bringt es Therese Suppan auf den Punkt, die den Übergabeprozess ebenfalls für LeitnerLaw begleitet hat. Dafür werden in der Begleitung des Kunden unterschiedliche Szenarien und Lösungsvorschläge entworfen, analysiert und debattiert. „Man darf sich wirklich nicht scheuen, alles offen anzusprechen. Es sollte keine Denkverbote geben“, empfiehlt Oberhumer.

Faire Vermögensaufteilung

Ein grundlegender Schritt in diesem Rahmen war eine fundierte Bewertung der Apotheke. Diese diente nicht nur steuerlichen Zwecken, sondern vor allem auch als objektive Grundlage für die Nachfolgeregelung. „Da nur eines der Kinder in das Unternehmen eingetreten ist, während das andere durch außerbetriebliche Vermögenswerte abgegolten werden sollte, war das unerlässlich“, betont das Expertentrio. Mit einer fairen Vermögensaufteilung kann das Risiko zukünftiger Auseinandersetzungen innerhalb der Familie reduziert werden.

Eine Frau in einem weißen Blazer sitzt vor einem Laptop, hinter ihr ein bunter, abstrakter Hintergrund in Gelb und Gold.

„Eine gut geplante Nachfolgeregelung schafft unternehmerische Stabilität und sichert langfristige Klarheit für alle Beteiligten.“

Therese Suppan
LeitnerLaw

Entscheidend sind neben erb- und pflichtteilsrechtlichen Fragestellungen eine sorgfältige Abstimmung mit dem Gesellschaftsrecht, so Suppan: „Jede Rechtsform bringt eigene Anforderungen, aber auch Gestaltungsmöglichkeiten mit sich.“ Bei Apotheken ist zusätzlich das Berufsrecht zu beachten. Die Vorgaben verlangen die Einbindung der Apothekerkammer, auch hier braucht es einen geschulten Blick auf mögliche Stolpersteine bei der Übertragung von Gesellschaftsanteilen. „Es sind viele Details in ganz unterschiedlichen Bereichen, die einen großen Unterschied machen können, und womöglich später dann doppelte Arbeit nach sich ziehen, wenn man sie nicht von Anfang an bedacht hat“, schätzt Kappaun den Überblick des erfahrenen Teams. Nachsatz: „Jede Entscheidung zieht mehr nach sich, als man wahrhaben möchte. Wenn man das anschaulich auch in Zahlen präsentiert bekommt, ist das wirklich sehr wertvoll.“

Am Ende des Tages bleiben vor einer möglichen Übergabe auf beiden Seiten stets die Grundsatzfragen: Will ich das Unternehmen weitergeben oder lieber verkaufen? Und: Will ich den Betrieb tatsächlich übernehmen? Was wäre der wichtigste Rat an all jene, die noch ganz am Beginn solcher Überlegungen stehen? „Möglichst früh mit dem Nachdenkprozess beginnen, wirklich alles ansprechen und sich zusätzlich mit Expertinnen und Experten austauschen“, sagt Kappaun aus eigener Erfahrung. Hilfreich kann es zudem sein, so Oberhumer, schon früh größeren Austausch zu suchen und das Thema außerhalb der Familie mit Vertrauten zu diskutieren, anstatt nur alleine zu grübeln.

Auf einen Blick: Learnings

  • Übergabeprozess nicht erst beim Rückzug beginnen
  • Offen auch über heikle Themen sprechen
  • Vermögenswerte objektiv bewerten
  • Ganzheitlich planen: rechtlich, wirtschaftlich, steuerlich
  • Familiäre Dynamiken bewusst einbeziehen
  • Private Vorsorge absichern

Fotos: FotoFuchs, beigestellt

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