Achtung, Kettenreaktion: So wirkt Design!
Warum ist Wirtschaft ohne Kreativität unvorstellbar? Wie wird Design zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor? Und warum kann die Zusammenarbeit zwischen Kreativen und Unternehmen buchstäblich eine Kettenreaktion für Wachstum und Wertschöpfung auslösen? Fragen, die auch in diesem Jahr bei den Österreichischen Designgesprächen auf Schloss Hollenegg am 25. und 26. Juni in acht spannenden Experten-Talks diskutiert werden. Ein wegweisendes Format für die Zukunft der steirischen Kreativwirtschaft im Übergangsjahr.
Am Beginn steht ein heimischer Kettenhersteller mit einer Idee, am Ende ein Produkt mit einer neuen Wertschöpfungskette. Dazwischen wirken zwei Superkräfte: Design und Kreativität. Eine buchstäbliche Kettenreaktion, die der Firma Pewag, traditionsreicher Spezialist für Ketten unterschiedlicher Art, und dem Grazer Studio „Edelweiß Design“ gelang. Gemeinsam entwickelten sie eine Weltneuheit: das erste smarte, batterielose Fahrradschloss. „Wir sind ein stark innovationsgetriebenes Unternehmen und wollen unser Know-how künftig verstärkt abseits bestehender Anwendungen für neue Produkte und Geschäftsmodelle nutzen. Damit erhöhen wir unsere Resilienz in Zeiten sich rasch ändernder Marktbedingungen, Stichwort Klimawandel und Schneeketten“, erklärt Maximilian Maurer, Head of Engineering and Products bei Pewag. In einem Innovationsprozess entstand die Idee eines smarten Fahrradschlosses, das auf einem leistungsfähigen Mikrochip österreichischer Produktion basiert. Dieser erlaubt sogenanntes Energy Harvesting, also die drahtlose Energienutzung über NFC. Im konkreten Fall: Ein mit diesem Chip ausgestattetes Fahrradschloss zapft ein Smartphone als Energiequelle an – ein winziger Stromimpuls reicht aus, um das Schloss federleicht zu entriegeln. „Das Smartphone einfach kurz ans Schloss halten, dieses erkennt den User und öffnet sich automatisch“, erklärt Maurer das einfache Prinzip hinter Serea Lock, so der Name der Innovation.
So einfach die Handhabung, so komplex war der Gestaltungsprozess. „Durch die Neuheit des Produkts mussten wir gleichsam bei null beginnen – dadurch waren mehrere Entwicklungs- und Gestaltungsprozesse parallel nötig“, so Joris Zebinger von Edelweiß Design, der für das Industrial Design und die Markenentwicklung von Serea – inklusive User Experience – verantwortlich zeichnete. Im Prozess mussten etwa auch Spezialisten für die Elektronik, ein eigener Schlossentwickler sowie ein Seilmacher für den Kettenschlauch koordiniert werden. Ebenso herausfordernd: das Finden einer gemeinsamen Vision für das Produkt. „Die Gestaltung soll sich ja stets an Vermarktungsstrategie und Zielgruppe für ein Produkt orientieren. Ein Schloss für hippe Fixie-Fahrer sieht anders aus als eines für zahlungskräftige E-Biker. Für diesen Findungsprozess haben wir uns zu Projektbeginn viel Zeit genommen.“ Mit Erfolg. Aus dem Prozess hervor ging schließlich ein Premiumprodukt mit hohem Designanspruch, klarer Formensprache und einfacher Handhabung. Ein optisches und funktionales Highlight stellt das Serea-Logo auf dem Schloss-Korpus dar, das Licht reflektiert und damit auch nachts gut sichtbar ist. „Wir sind seit dem Sommer 2025 mit den beiden Produktvarianten Swift und Bold am Markt“, freut sich Maximilian Maurer. Das Einsatzgebiet umfasst Fahrräder, E-Bikes, aber auch Scooter und Motorräder. „Wir freuen uns über ein tolles Ergebnis nach einer intensiven Zusammenarbeit. Es zeigt, wie maßgeblich Design für die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit heimischer Unternehmen – gerade in herausfordernden Zeiten – sein kann.“
Deep-Dive-Talks im Schloss
Die „Verkettung“ von Wirtschaft und Kreativwirtschaft als Grundlage für den Erfolg – bei den Österreichischen Designgesprächen auf Schloss Hollenegg geben auch in diesem Jahr spannende Best Practice-Beispiele Einblick in die Zusammenarbeit von Kreativen und Unternehmen. Ausgewählte Paarungen präsentieren ihre Arbeiten und diskutieren mit dem Publikum über Denk- und Entwicklungsprozesse. Unter den Highlights in diesem Jahr neben Pewag/Edelweiß: die Kooperation des Grazer Designers Georg Wanker mit dem Health-Tech-Start-up Combyn Health Care, die Zusammenarbeit von Johannes Scherr Design mit der Nachhaltigkeitsmarke „Grüne Erde“ und die Öko-Innovation „Sanitärtechnik als Kreislauf“ des Wiener Designstudios EOOS mit LAUFEN. Im malerischen Setting des Renaissance-Schlosses Hollenegg wird die Leistungsfähigkeit von Design buchstäblich greifbar.
Neuausrichtung der Kreativwirtschaft
Design und Kreativität in der Steiermark – als Innovationstreiber und strategisches Asset für den Standort. Damit zeigen sich die Österreichischen Designgespräche auf Schloss Hollenegg auch zukunftsweisend für die Zukunft der steirischen Kreativwirtschaft. Denn in diesem Jahr übernahm die Steirische Wirtschaftsförderung SFG den Lead bei der strukturellen Weiterentwicklung des Kreativstandorts Steiermark – in Kooperation mit der Stadt Graz und der WKO Steiermark. Dabei dient das Jahr 2026 als Übergangsjahr zur Strategieentwicklung, um die Weichen für eine noch engere Verzahnung mit der klassischen Wirtschaft zu stellen. Das Ziel ist es, Kreativität und Design als wirkmächtiges Differenzierungsmerkmal zu etablieren, um die Wertschöpfung und Resilienz steirischer Unternehmen nachhaltig zu erhöhen. Auf der Basis von klar definierten Prozessen und transparenten Strukturen entsteht in enger Kooperation mit allen relevanten Akteurinnen und Akteuren ein branchenübergreifendes Standortprojekt, das den Mehrwert von Kreativität und Design zielorientiert integriert und nach innen und außen kommuniziert.
Designgespräche Hollenegg
- Österreichische Designgespräche auf Schloss Hollenegg 2026
- Wann: 25. und 26. Juni 2026
- Wo: Schloss Hollenegg for Design, Hollenegg 1, Schwanberg
- Programm: Acht Experten-Talks plus Kurator:innenführung mit Alice Stori-Liechtenstein
- Die Österreichischen Designgespräche auf Schloss Hollenegg sind eine Veranstaltung der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG, Stadt Graz und WKO Steiermark in Kooperation mit Schloss Hollenegg for Design, designaustria, CampusVäre – Creative Institute Vorarlberg und dem Holzcluster Steiermark.
- Infos und Tickets unter: www.sfg.at/e/oesterreichische-designgespraeche-2026
Ideen!Reich
- Modul Ideen!Reich XS
- Sonderausschreibung für den Transfer von Kreativ-Know-how in KMU
- 70 Prozent Förderung für neue Ideen, die mit Unternehmen aus der Kreativwirtschaft realisiert werden
- Ziel der neuen Förderungsaktion ist es, die vorhandenen Potenziale der Kreativwirtschaft gezielt in konkrete Innovationsprojekte von Unternehmen zu überführen. Dabei soll die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Akteuren der Kreativwirtschaft nachhaltig gestärkt werden.
Fotos: beigestellt
