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Strom ist Chefsache

Warum die Zukunft der Energie regional beginnt, radikale Transparenz für Unternehmen mehr Möglichkeiten eröffnet, Strom längst kein reines Einkaufsthema mehr ist und die Kraft von Energiegemeinschaften neue Stabilität schaffen kann – Lorena Skiljan und Peter Gönitzer, Gründer des Unternehmens nobile, über ihren Ansatz, die Versorgung selbst in die Hand zu nehmen. Plus: Dank einer Kooperation mit „SPIRIT of Styria“ können künftig auch Kunden und Partner des Magazins vom günstigen Stromangebot profitieren.

Als Peter Gönitzer und Lorena Skiljan 2019 den Schritt in die Selbstständigkeit wagten, waren die Strompreise niedrig, große Versorger dominierten das Geschehen, nur wenige Menschen beschäftigten sich intensiv mit ihrer Energieversorgung. Wenige Jahre später hat sich das Bild grundlegend gewandelt: Die Energiepreise schwanken stark, eine Krise am Markt jagt die nächste, Unternehmen suchen händeringend nach Planungssicherheit und Technologien und Regulative eröffnen Möglichkeiten, die vor wenigen Jahren noch kaum denkbar waren. Nobile hat sich als hybrider Energieversorger darauf spezialisiert, Energiegemeinschaften aufzubauen, Unternehmen zu begleiten und regionale Kreisläufe zu etablieren. Die Idee dahinter: Zuerst soll jener Strom genutzt werden, der vor Ort selbst beziehungsweise lokal erzeugt wird und vorhanden ist – etwa durch Photovoltaikanlagen, Wasser- und Windkraftwerke oder Speicherlösungen. Erst der verbleibende Bedarf wird über den klassischen Energiemarkt gedeckt. „Wir sind davon überzeugt, dass die Energieversorgung der Zukunft nicht ausschließlich Top-down funktionieren wird“, unterstreicht Gönitzer.

Langjährige Erfahrung

Die nobile-Gründer bringen langjährige Erfahrung aus der Energiewirtschaft mit: Peter Gönitzer war Geschäftsführer, Lorena Skiljan in leitender Position im Vertrieb und im Produktmanagement bei Wien Energie tätig. Früh haben sie sich bereits mit Themen wie Digitalisierung und innovativen Energielösungen beschäftigt. Besonders prägend war ein Forschungsprojekt, bei dem erstmals Strom innerhalb einer Energiegemeinschaft ausgetauscht wurde – lange bevor die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Österreich vollständig geschaffen waren. „Dieses Projekt und die Resonanz darauf waren für uns der Beweis, dass dieser Zugang funktioniert und die Menschen eine andere Art der Energieversorgung wollen“, sagt Skiljan, „die Strompreise waren damals noch niedrig, trotzdem war das Interesse enorm.“ Die erste Unternehmensphase von nobile fiel in die herausfordernde Zeit der Corona-Pandemie. „Aber jede Krise eröffnet auch neue Chancen“, blickt Gönitzer zurück. Tatsächlich beschleunigten die folgenden Jahre die Entwicklungen enorm. Noch vor wenigen Jahren galt Energie in vielen Betrieben als klassische Einkaufsposition – einmal jährlich wurde ein Tarif verhandelt, danach verschwand das Thema wieder für Monate aus dem Blickfeld. „Diese Zeiten sind vorbei. Unternehmen haben erkannt, dass Energie vom Nebenthema zu einem strategischen Faktor geworden ist“, betont Skiljan.

ZUM UNTERNEHMEN
Zwei professionell gekleidete Personen stehen Rücken an Rücken, die Arme verschränkt, und lächeln in einem modernen Büro mit vertikalen weißen Wandlamellen.
Lorena Skiljan und Peter Gönitzer, Geschäftsführer des hybriden Energieversorgers nobile, bauen Energiegemeinschaften auf, um vor allem lokal erzeugten Strom gemeinsam nutzen zu können.

nobile

Vor sechs Jahren gründeten Lorena Skiljan und Peter Gönitzer nobile, um die dezentrale Energieversorgung aktiv voranzutreiben.
Heute begleitet der hybride Energieversorger bereits rund 350 Energiegemeinschaften.
Ein Team aus mehr als 45 Energieexperten vereint technisches Know-how, digitale Innovationskraft und Leidenschaft für nachhaltige Lösungen.
Unterstützt wird nobile von internationalen Investoren, darunter führenden Energieversorgern.
Zu den Projekten in der Steiermark zählen u.a. Kooperationen mit dem Technopark Raaba, den Planai-Hochwurzen-Bahnen, WEGRAZ und Kapp & Partner Rechtsanwälte.

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Planungssicherheit

Die Bedeutung von Strom ist mit dem Vorantreiben von Dekarbonisierung, Digitalisierung, Elektromobilität und dem Einsatz Künstlicher Intelligenz kontinuierlich im Steigen begriffen. Immer mehr Bereiche sind von einer stabilen Stromversorgung abhängig, gleichzeitig bestimmen starke Preisschwankungen die internationalen Energiemärkte. „Unsere Kunden sagen uns ganz klar: Wir erwarten keinen billigen Strom mehr. Was wir brauchen, ist Planungssicherheit, um Ausgaben kalkulieren zu können“, erklärt Skiljan. Stromkosten sind nach den Personalkosten der zweitgrößte Kostenfaktor in einem Betrieb. Unternehmen wollen alternative Modelle, sie investieren in Erzeugungsanlagen zugunsten ihrer eigenen Versorgung. Genau hier sieht nobile seine Aufgabe. Unternehmen, Gemeinden und Haushalte vernetzen sich innerhalb einer Energiegemeinschaft, bauen eine eigene Erzeugung auf, nutzen den Strom selbst und verteilen ihn weiter. Dadurch entstehen regionale Energiekreisläufe, die mehrere Vorteile über die Senkung von CO2-Ausstoß hinaus vereinen: geringere Stromkosten, eine höhere Preisstabilität, mehr regionale Wertschöpfung, Investitionssicherheit und eine bessere Nutzung bestehender Anlagen sowie eine höhere Versorgungssicherheit. „Unser Ziel ist es, den Anteil des Stroms, der vom Großhandelsmarkt bezogen werden muss, möglichst gering zu halten“, sagt Gönitzer, „denn genau dort entstehen die größten Preisrisiken.“

Zwei Geschäftsleute, eine Frau und ein Mann, stehen Rücken an Rücken, die Arme verschränkt, und lächeln in einer modernen Büroumgebung.

„Viele Unternehmen haben erkannt, dass Energie vom Neben­thema zum strategischen Faktor geworden ist.“

Lorena Skiljan
Gründerin nobile

Monats- statt Jahresabrechnung

Mittlerweile betreut nobile rund 350 Energiegemeinschaften in Österreich. Zu den Kunden zählen unter anderem Industrieunternehmen, Logistikbetriebe, Bergbahnen, Städte und Gemeinden. Gerade in Südösterreich ist man schon stark vertreten. Zu den Projekten in der Steiermark zählen unter anderem Kooperationen mit dem Technopark Raaba, den Planai-Hochwurzen-Bahnen, WEGRAZ und Kapp & Partner Rechtsanwälte. „Gerade im ländlichen Bereich sind viele Unternehmen familiengeführt oder werden von Menschen geleitet, die sehr eng mit der Region verbunden sind. Es liegt gewissermaßen in ihrer DNA, besonders auf die lokale Wertschöpfung zu achten“, unterstreicht Skiljan. Während viele Energieversorger ihren Kundinnen und Kunden noch immer vorwiegend Jahresabrechnungen zur Verfügung stellen, setzt nobile auf digitale Echtzeitdaten. Über eine App können User ihren Stromverbrauch laufend verfolgen und nachvollziehen, wie viel Energie aus eigenen Anlagen, aus der Energiegemeinschaft oder vom Markt stammt. Abgerechnet wird monatlich. „Wenn ich erst nach einem Jahr erfahre, wie viel Strom ich verbraucht habe, kann ich nichts mehr verändern“, sagt Skiljan. „Sehe ich hingegen meinen Verbrauch täglich, kann ich mein Verhalten anpassen und aktiv optimieren.“ Gerade für Unternehmen eröffnet das neue Möglichkeiten, betont das Geschäftsführungsduo – Produktionsprozesse können angepasst, Lastspitzen reduziert und Investitionen gezielter geplant werden. „Transparenz schafft Handlungsfähigkeit“, ergänzt Gönitzer, „und genau das brauchen Unternehmen heute.“

Zwei Personen in Geschäftskleidung sitzen an einem Konferenztisch und führen ein Gespräch; auf dem Tisch sind ein Laptop und ein Glas Wasser zu sehen.
Kooperation mit Spirit of Styria: Mit „Spirit Power“ wird es ein spezielles Stromangebot für Kunden, Partner und steirische Unternehmen geben, um eine eigene Energiepartnerschaft zu etablieren.

Kooperation mit „Spirit of Styria“

Die Entwicklung von nobile blieb auch Investoren nicht verborgen. 2024 konnte das Unternehmen eine Finanzierungsrunde mit internationalen Venture-Capital-Investoren abschließen, die nun 35 Prozent der Anteile halten. Die derart geschaffenen Mittel fließen vor allem in das Wachstum auf den österreichischen und deutschen Märkten sowie in die Weiterentwicklung von Energielösungen. Die Zahlen geben dem Weg recht: Kundenanzahl, Mitarbeiterteam und die betreuten Energiemengen haben sich innerhalb kurzer Zeit mehr als verdoppelt, freut sich Gönitzer. Gleichzeitig entwickelt nobile sein Angebot kontinuierlich weiter – vom Ausbau von Energiegemeinschaften über Peer-to-Peer-Strommodelle bis hin zu umfassenden Versorgungslösungen für Unternehmen. Jüngster Coup: eine Kooperation mit „Spirit of Styria“. Mit „Spirit Power“ wird es ein eigenes Stromangebot für Kunden, Partner und steirische Unternehmen geben, um eine Energiepartnerschaft zu etablieren.

Zwei Geschäftsleute, eine Frau und ein Mann, stehen Rücken an Rücken, die Arme verschränkt, und lächeln in einer modernen Büroumgebung.

„Transparenz schafft Handlungsfähigkeit – und genau das brauchen Unternehmen heute.“

Peter Gönitzer
Gründer nobile

Regionale Wertschöpfung

Für die Gründer steht fest, dass die Energiewelt der Zukunft regionaler, digitaler und transparenter sein wird als jene der vergangenen Jahrzehnte. „Wir glauben nicht an ein System, in dem Energie einfach eingekauft und weiterverkauft wird“, sagt Gönitzer, „wir glauben an Partnerschaften, an lokale Wertschöpfung und daran, gemeinsam mit Unternehmen nachhaltige Versorgungslösungen aufzubauen.“ nobile versteht sich deshalb nicht als klassischer Stromlieferant, sondern als Begleiter auf dem Weg zu einer neuen Energieversorgung, die auf Eigenproduktion, regionaler Vernetzung und intelligenter Steuerung basiert. Weitere innovative Modelle sind bereits in Vorbereitung und sollen Unternehmen künftig noch mehr Möglichkeiten bieten, ihre Energiekosten zu senken und gleichzeitig unabhängiger von den Schwankungen der internationalen Märkte zu werden. Die Energiezukunft entsteht nicht irgendwo weit entfernt – davon sind die beiden überzeugt – sie entsteht dort, wo Menschen und Unternehmen beginnen, ihre Energien und ihre Energie gemeinsam zu nutzen.

Fotos: Oliver Wolf, In Kooperation mit nobile