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Vom Labor zum Scale-up

Helmut Antrekowitsch, Vizerektor für Forschung und Nachhaltigkeit der Montanuniversität Leoben, über die Rolle des neuen Startup Center Leoben (vormals ZAT), grüne Zukunftstechnologien, internationale Netzwerke und warum Leoben ein fruchtbarer Boden für Neugründungen ist.

ZAT goes „Startup Center Leoben“: Bloß ein Rebranding oder mehr? Welche Vorteile bietet das neue „Startup Center Leoben“ Gründungswilligen und Start-ups?

Gründen gehört an der Montanuniversität schon immer zu unserem Auftrag. Seit 2026 ist das ZAT eine 100%-Tochter der Universität – und das Startup Center Leoben gibt diesem Anspruch nun eine klare Adresse. Gründerinnen und Gründer profitieren vom Zugang zu Laboren und Know-how der Montanuniversität, von eigenen Programmen für Tech-Gründungen und künftig von neuen Räumlichkeiten samt Prototypenwerkstatt.

Welche neuen Chancen ergeben sich dadurch für die Montanuniversität Leoben?

Die Montanuniversität zählt bei Patentanmeldungen zu den Top-Universitäten Österreichs. Viele verwerten wir mit Industriepartnern, doch manche Technologie findet ihren Weg besser über eine Ausgründung. Gemeinsam mit dem Startup Center Leoben wollen wir solche Potenziale früher erkennen und Forschenden einen klaren Weg über die Gründung bis zur Skalierung bieten.

ZUM UNTERNEHMEN

Startup Center Leoben

Die Montanuni Leoben setzt stark auf Nachhaltigkeit und grüne Technologien. Welche Chancen sehen Sie für Start-ups in diesem Bereich?

Wir forschen entlang des gesamten Wertschöpfungskreislaufs – vom Rohstoff bis zum Recycling. Genau dort entstehen Gründungen, etwa in der Abwasserreinigung oder im Kunststoffrecycling. In meinem Fachgebiet, der Nichteisenmetallurgie, sieht man den Bedarf besonders deutlich: Die EU will bis 2030 ein Viertel ihres Bedarfs an strategischen Rohstoffen durch Recycling decken, bei seltenen Metallen liegt die Quote heute im einstelligen Prozentbereich. Dafür braucht es neue Verfahren und oft neue Unternehmen.

Warum ist Leoben ein guter Boden, um ein Start-up zu gründen?

Wo sonst sitzt man in einer Stadt dieser Größe neben dem Konzernsitz von AT&S, dem größten Forschungsstandort von RHI Magnesita und der voestalpine in Donawitz. Dazu kommen Kompetenzzentren wie das Materials Center Leoben, das Polymer Competence Center Leoben und das K1-Met Leoben. Für technologieorientierte Gründungen sind Pilotkunde und Testlabor hier oft nur Minuten entfernt.

In welchem Bereich brauchen Start-ups Ihrer Erfahrung nach am meisten Unterstützung?

Ganz klar: Kapital und Zeit. Vom Forschungsergebnis zum Produkt braucht es Prototypen, Tests und Pilotanlagen. Für private Investoren ist diese Phase oft zu früh und Förderungen decken nur einen Teil ab. Wir helfen mit Infrastruktur, Begleitung und stellen Kontakte zu Investoren und Industriepartnern her. Die Finanzierungslücke schließen wir nicht allein, aber wir machen sie kleiner.

Wie lautet die Vision, die Sie mit dem „Startup Center Leoben“ verfolgen?

Gründen soll für Forschende und Studierende eine selbstverständliche Option sein. International sind wir über EURECA-PRO eingebunden, eine europäische Hochschulallianz aus neun Universitäten, in der die Montanuniversität die Führungsrolle hat. Dieses Netzwerk wollen wir auch für Gründerinnen und Gründer öffnen.

Foto: Oliver Wolf