Dual Use: Die Marktchancen der Zeitenwende
Demokratie und Freiheit schützen, Marktchancen nützen: Die geänderte Weltlage bringt nicht nur große Unsicherheiten, sondern auch neue Chancen mit sich. Gerade Spitzentechnologien aus der Steiermark können einen Beitrag leisten, die Sicherheit in Europa zu erhöhen und gleichzeitig Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit im Land zu sichern. Vor allem die Betriebe des ACstyria Mobilitätsclusters erkennen das Potenzial und setzen verstärkt auf „Security & Defence“ als neues Stärkefeld.
Multiple Krisen, geopolitische Spannungen und globale Abhängigkeiten: Die neue Welt-Unordnung erfordert ein Umdenken in vielen Bereichen. Nicht nur Investitionen in Sicherheit und Verteidigung sind unumgänglich, um sich gegen Bedrohungen zu wappnen, auch die Notwendigkeit der heimischen Industrie, Technologien für den Bereich Security & Defence zu liefern, steigt. Eine Not, die auch Tugend ist. Und gerade der Steiermark viele neue Marktchancen eröffnet. „Ich sehe im Bereich Security & Defence für unsere innovativen und hochspezialisierten Unternehmen ein erhebliches Zukunftspotenzial, da zahlreiche bereits bestehende Kompetenzen aus der Mobilitätsindustrie in sicherheitsrelevante Anwendungen übertragen werden können“, betont Christa Zengerer, Geschäftsführerin des ACsytria. „Der Mobilitätscluster macht es sich daher zur Aufgabe, dieses Potenzial zu heben, und vernetzt bestehende und potenzielle Dual-Use-Lieferanten aus der Steiermark – mit dem Ziel, die Wertschöpfung der heimischen (Mobilitäts-)Wirtschaft zu erhöhen und damit die Sicherheit Europas zu stärken.“ Eine Initiative mit einem soliden Fundament – wie steirische Best-Practice-Beispiele aus dem Bereich Dual Use bzw. Security & Defence beweisen.
Dual Use
- Definition: Güter mit doppeltem Verwendungszweck (Dual Use), also Güter einschließlich Software und Technologie, die sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke verwendet werden können.
- Den rechtlichen Rahmen für den Export von Dual-Use-Gütern regeln die Dual-Use-Verordnung der EU sowie das österreichische Außenwirtschaftsgesetz. Eine Gesetzesnovelle befindet sich in Vorbereitung.
- Die EU führt eine laufend aktualisierte Güterliste, die die Klassifizierung als Dual Use festlegt. Die Liste umfasst Güter in 10 Kategorien. Das Spektrum reicht von Spezialmaschinen, Halbleitern und Chemikalien bis hin zu Verschlüsselungssoftware und Überwachungstechnologie.
- Die Verordnung erlaubt den EU-Mitgliedstaaten, auch Genehmigungspflichten für den Export nicht gelisteter Güter festzulegen („Catch-all“-Regelung).
Darüber hinaus enthält die Dual-Use-Verordnung eine Güterliste mit besonders sensiblen Gütern, bei denen auch die Verbringung zwischen EU-Mitgliedsstaaten einer Genehmigung bedarf. - Dual-Use-Güter sind bei der Ausfuhr in Drittstaaten (Nicht-EU-Staaten, einschließlich EWR und EFTA) genehmigungspflichtig. Diese Exportgenehmigung ist bei der zuständigen Behörde, dem Wirtschaftsministerium (BMWET), zu beantragen.
- Für jeden Export ist zu prüfen, ob das gelieferte Produkt als Dual-Use-Gut zu klassifizieren ist und ob gegen den Empfangsstaat Embargos oder Sanktionen in Kraft sind. Darüber hinaus muss auch eine individuelle Kontrolle des Abnehmers erfolgen, um sicherzugehen, dass keine individuellen Sanktionen oder eine verbotene militärische Nutzung vorliegen.
Fuchshofer – Dual Use aus dem 3D-Druck
„Von heute auf morgen geht in den Bereichen Dual Use oder Defence aber nichts. Viel Vorbereitung und ein langer Atem sind nötig“, kommt Hannes Fuchshofer, Gründer von Fuchshofer Präzisionstechnik mit Sitz in Eibiswald, ohne Umschweife auf den Punkt. „Die Planungszeiträume sind im Vergleich zu unserem Alltagsgeschäft um ein Vielfaches länger – bei Dual-Use-Aufträgen können Jahre vergehen, bis ein Projekt auf Schiene ist“, erklärt Fuchshofer, der 1994 als One-Man-Show startete und heute 140 Mitarbeiter beschäftigt. „Der Vorteil jedoch: Wenn man sich einmal als Lieferant bewährt hat, wird man so schnell nicht ausgetauscht. Derzeit drängen viele Firmen, vor allem aus dem Automotive-Bereich in Richtung Dual Use bzw. Defence – wir bereiten uns seit Jahren darauf vor und haben uns einen Marktvorsprung erarbeitet.“ Dafür investierte das Unternehmen in den vergangenen Jahren viel Geld – allen voran in die Luft- und Raumfahrtzertifizierung EN 9100. Diese ist deshalb entscheidend, da viele Technologien im Bereich Luft- und Raumfahrt für zivile und militärische Anwendungen genutzt werden können und damit klassisch unter Dual Use fallen. Im Zuge der Zertifizierung tätigte Fuchshofer auch eine Großinvestition in ein neues ERP-System. „Dual Use-Lieferungen gehen mit einem enormen Aufwand an Dokumentations- und Nachweispflichten einher – ohne moderne IT-Infrastruktur wäre der Workflow nicht bewältigbar. Wir müssen nicht nur die Exporte von Dual-Use-Gütern penibel dokumentieren, sondern auch sämtliche Materialbeschaffungen, und zu jeder Zeit nachweisen, dass wir den gesetzlichen Normen und aktuellen Sanktionslisten entsprechen. Gerade Letzteres kann herausfordernd sein, da sich diese Auflagen laufend ändern“, so Fuchshofer. „Um rechtlich allen Anforderungen zu genügen, haben wir zuletzt sogar einen Juristen eingestellt.“
Auch technologisch hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt – neben dem angestammten Stärkefeld der CNC-Fertigung gilt die Firma heute als internationale Top-Adresse im 3D-Druck. „Wir haben die größte 3D-Druck-Anlage Europas im Zulieferbereich – das macht uns auch für Abnehmer von Dual Use- und Defence-Produkten zu einem interessanten Partner.“ Auch der größte Einzelauftrag fällt in diesen Bereich. „Wir liefern an ein europäisches Unternehmen Bauteile für Kommunikationstechnik in der Luftfahrt – sicherheitskritische Teile aus dem 3D-Druck, die wir mit CNC nachbearbeiten und mittels Computertomographie hochgenau prüfen. Dafür greifen wir auch auf Partner aus dem ACstyria-Netzwerk zurück“, lobt Fuchshofer das funktionierende Ökosystem in der Steiermark. „Wir sehen Dual Use trotz aller Herausforderungen als wichtigen Zukunftsmarkt, der große Wachstumschancen bietet und unsere Abhängigkeit von anderen Branchen reduziert“, so der Unternehmer. „Das Ziel: In den nächsten drei bis fünf Jahren soll der Umsatzanteil im Bereich Dual Use auf 25 % steigen.“
MFL – Security & Defence-Kompetenz aus Liezen
Weit über Dual Use hinaus, im Bereich klassischer Rüstungsguter ist die obersteirische Maschinenfabrik Liezen und Gießerei Ges.m.b.H. (MFL) tätig. Das Unternehmen ist seit Jahren Teil internationaler Wertschöpfungsketten im Defence-Bereich und fertigt Komponenten für sicherheitskritische Anwendungen. Exemplarisch dafür steht die Produktion von Turmgehäusen für den deutschen Kampfpanzer Leopard 2. „Diese tonnenschweren Schweißkonstruktionen zählen zu den anspruchsvollsten Komponenten, da sie sowohl die Besatzung als auch sensible technische Systeme schützen müssen“, erklärt MFL-Geschäftsführer Herbert Decker. „Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Materialqualität, Präzision, Dokumentation und Fertigungssicherheit.“ Darüber hinaus werden Panzerwannen für Pandur-Radpanzer in Liezen bearbeitet – im Zuge der Beschaffung von 225 Radpanzern für das Österreichische Bundesheer.„Wir wollen den Verteidigungsbereich deutlich ausbauen und uns als verlässlicher Fertigungspartner in der europäischen Verteidigungsindustrie etablieren. Dennoch haben wir nicht das Ziel, ein reines Zulieferunternehmen im Defence-Bereich zu werden“, so Decker, der einen Umsatzanteil von 30 bis 40 Prozent im Geschäftsfeld Security & Defence anpeilt.
„Peilen Umsatzanteil von 30 bis 40 Prozent im Geschäftsfeld Security & Defence an“
„Wir sehen in der heimischen Industrie die Entwicklung, dass standardisierte und einfache Fertigungsschritte zunehmend in Regionen mit niedrigeren Produktionskosten abwandern“, sagt Herbert Decker. „Für Österreich bleiben vor allem jene Bereiche, in denen Komplexität, Präzision, Werkstoffkompetenz und höchste Qualitätsanforderungen entscheidend sind. Damit gewinnt auch der Bereich Security & Defence an Bedeutung.“ Auslöser dafür sei auch ein struktureller Wandel: Europa investiert wieder stärker in Verteidigungsfähigkeit, industrielle Resilienz und technologische Souveränität. „Die Herausforderungen für Lieferanten im Defence-Bereich gehen weit über klassische Industrieprojekte hinaus“, betont Decker. „Neben Exportkontrollen, Genehmigungen und strengen Dokumentationspflichten entscheiden vor allem Zertifizierungen und Prozessqualifikationen über den Zugang zum Markt. Wir investieren daher laufend in jene Kompetenzen und Prozesse, die Wettbewerbsvorteile schaffen.“ Zuletzt wurde die MFL etwa als einziges Unternehmen in Österreich für sicherheitsrelevante Klebe- und Dichtarbeiten in der höchsten Bauteilklasse für nicht schweißbare Metalle wie Titan qualifiziert. „In vielen militärischen Programmen sind derartige Zulassungen Voraussetzung – ohne sie bleibt der Zugang zu Aufträgen verschlossen“, verrät Decker, der sich schnellere Genehmigungsverfahren, mehr Planungssicherheit und einen stärkeren industriepolitischen Fokus wünscht. „Österreich sollte militärische Beschaffung konsequenter dazu nutzen, Wertschöpfung, Technologiekompetenz und Arbeitsplätze im eigenen Land abzusichern. Andere Staaten verankern Fertigungsanteile bei Großaufträgen längst vertraglich – bei uns passiert das noch zu selten. Wenn Milliarden in Verteidigung investiert werden, sollte daraus nicht nur Ausrüstung entstehen, sondern auch nachhaltige industrielle Stärke am Standort Österreich.“
Joanneum Research – Technologievorsprung schafft Sicherheit
Auch Forschungseinrichtungen stärken die Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit. „Seit vielen Jahren leisten wir hier gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern einen wichtigen Beitrag“, betont Heinz Mayer, Geschäftsführer der Joanneum Research. „Wir verfügen über hohe Expertise in unterschiedlichen Bereichen und bilden ein Bündel an Themen in der Sicherheits- und Verteidigungsforschung ab.“ So entwickelt die Joanneum Research maßgeschneiderte Lösungen in den Bereichen Assistenzsysteme, boden- und luftgestützte Systeme, Cybersecurity, Kommunikations-, Sensor- und Simulationstechnologien, KI-gestützte Methoden der Bildanalyse sowie medizinische Wundversorgung und Vitalmonitoring bei Einsatzkräften.„Wichtig zu betonen ist, dass wir uns nicht an der Entwicklung von aktivem Kriegsmaterial beteiligen, sondern vor allem im Bereich Aufklärung tätig sind“, bestätigt Mayer und nennt als Beispiel das EU-Projekt iMEDCAP, das sich mit der Beobachtung, Versorgung und Evakuierung unter Extrembedingungen beschäftigt. „Ziel des Projekts ist es, die gesamte Rettungskette technisch abzubilden – von der Lokalisierung der Verwundeten über Bergung und Stabilisierung bis hin zu Transport, Überwachung und Behandlung.“ Im Bereich Dual Use sieht er aktuell bei Weltraumtechnologien viel Potenzial.
„Hohe Expertise in der Sicherheits- und Verteidigungsforschung“
„Joanneum Research ist langjähriger Innovationstreiber ziviler, satellitenbasierter Kommunikations-, Fernerkundungs- und Navigationslösungen und Auftragnehmer der ESA. Derzeit findet ein Transfer dieser Technologien in die militärische Fähigkeitsentwicklung statt.“ Die wirtschaftliche Bedeutung von Sicherheit und Verteidigung illustriert auch die Gründung des Spin-offs Lagebild.one rund um eine von der Joanneum Research entwickelte Aufklärungstechnologie. Auch ein internationaler Investor ist bereits an Bord. „Lagebild.one ist ein Paradebeispiel für die kommerzielle Verwertung angewandter Forschung. Speziell im Verteidigungssektor gibt es einen enormen Schub bei Innovationen auf nationaler und europäischer Ebene“, so Mayer. „Zum einen wurde zuletzt ein neues nationales Verteidigungsforschungsprogramm etabliert und auch die EU baut ihr bereits gut dotiertes Verteidigungs-forschungsprogramm (EDF) weiter aus. Parallel springt die Industrie gerade stark auf das Thema an, die Nachfrage nach Technologien der Joanneum Research steigt stark.“ Die größten Herausforderungen in diesem Bereich? „Viele Technologien unterliegen Dual-Use- oder Exportkontrollregelungen, wodurch bereits Forschungsdaten, Software oder Komponenten genehmigungspflichtig sein können. Das führt zu hohem administrativen und zeitlichen Aufwand. Die regulatorische Komplexität wird damit zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor“, so Mayer. Das Bewusstsein in der Gesellschaft habe sich durch globale Unsicherheiten stark verändert. „Mittlerweile ist angekommen, dass es keinen Weg vorbei an der Verteidigung gibt. Oft ist es eine Frage des Technologievorsprungs, ob es zu Defence kommt oder bei Security bleibt.“
Dewetron: Präzision für kritische Systeme
Seit Langem ist auch der in Grambach ansässige Messtechnikspezialist Dewetron im Bereich Dual Use erfolgreich tätig. „Unsere Technologien kommen überall dort zum Einsatz, wo kritische Systeme zuverlässig gemessen, analysiert und abgesichert werden müssen. Dadurch bewegen wir uns seit Jahren in Bereichen, die heute klassisch als Dual Use gelten – allen voran in der Luft- und Raumfahrt“, erklärt Christoph Wiedner, CEO des Entwicklers von hochpräzisen Mess- und Datenerfassungssystemen. So lieferte Dewetron kritische Prüftechnologie für die jüngste NASA-Mission Artemis II, die erste bemannte Mondmission seit mehr als 50 Jahren. Auch in den Bereichen Automotive & New Mobility, Energy & Power Systems, Industrielle Forschung & Testlabore ist Dewetron aktiv. „Viele dieser Anwendungen sind per se zivil, besitzen aber ein klares Dual-Use-Potenzial und sind heute auch für Security- und Defence-Anwendungen relevant“, so Wiedner. „Dewetron ist High-Performance Measurement & Data Acquisition Partner für sicherheitskritische und anspruchsvolle Anwendungen – mit Fokus auf Präzision, Verlässlichkeit und Sicherheit, nicht auf militärische Systeme. Wir liefern die Daten und Erkenntnisse, die benötigt werden, um komplexe Systeme sicher, effizient und zuverlässig zu entwickeln und zu betreiben.“
„Dual Use ist für uns Innovationsmotor“
Welches Potenzial sieht er hier für Dewetron in Zukunft? „Geopolitische Spannungen, Energiefragen und Lieferkettenrisiken führen dazu, dass Sicherheit, Verfügbarkeit und Resilienz von kritischen Infrastrukturen stärker in den Fokus rücken. Mess- und Testsysteme sind ein zentraler Baustein, um diese Resilienz technisch abzusichern“, so Wiedner, der Wachstumspotenzial in den bestehenden Kernmärkten Luft- und Raumfahrt, Automotive, Energie und Forschung sieht. „Wir sehen Dual Use weniger als Nische, sondern als Querschnittsthema und Innovationsmotor, das unsere Kernkompetenzen – Präzisionsmesstechnik, Datenqualität, Synchronität, Robustheit und Integrationsfähigkeit – noch relevanter macht. Technologien, die für höchste Anforderungen entwickelt werden, schaffen oftmals auch Mehrwert für zivile Anwendungen. Umgekehrt entstehen viele Innovationen im zivilen Bereich, die später auch für sicherheitsrelevante Aufgaben von Bedeutung werden“, so Wiedner. „Wir sind in zahlreichen Projekten aktiv, die klar dem Dual-Use-Bereich zugeordnet werden können, auch wenn sie auf Kundenseite oft primär zivil adressiert sind. Aufgrund von Vertraulichkeitsvereinbarungen können wir zu einzelnen Projekten oder Kunden keine Details nennen“, so Wiedner. „Generell lässt sich sagen, dass unsere Systeme bei der Entwicklung, Erprobung und Validierung komplexer technischer Plattformen eingesetzt werden – von Flug- und Raumfahrtsystemen über autonome Fahrzeuge bis hin zu kritischer Infrastruktur und Hochleistungsanwendungen.“ Sein Resümee? „Für Dewetron ist das Thema Dual Use vor allem auch Innovations- und Qualitätsmotor. Mit unserer in der Steiermark entwickelten und produzierten Messtechnik leisten wir einen Beitrag zur Stärkung der europäischen Technologiekompetenz, zur Absicherung kritischer Systeme und zur Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts.“
Verfahrens-Erleichterungen in Sicht
Dass der administrative Aufwand für Dual-Use-Lieferanten durchaus beträchtlich sein kann, ist Tenor bei allen befragten Unternehmen. „Die Regulierung in der EU ist generell hoch, das ist in diesem Bereich nicht anders“, bestätigt Rechtsanwalt Stefan Gurmann von Gurmann Rechtsanwälte mit Spezialisierung auf Corporate und Public Economy Law. „Wenn ein heimisches Unternehmen Güter in Drittstaaten exportiert, die auf der Dual-Use-Liste der EU stehen, ist es verpflichtet, eine Exportgenehmigung bei der zuständigen Behörde, dem Wirtschaftsministerium BMWET, einzuholen. Ein bislang durchaus aufwändiges Verfahren“, so Gurmann, „aber es gibt eine gute Nachricht: Das Verfahren soll künftig einfacher und digitaler werden.“
„Erleichterungen durch Gesetzesnovelle“
Eine geplante Novelle des Außenwirtschaftsgesetzes unter dem neuen Namen „Sicherheitsexport-Gesetz“ verspricht weniger Bürokratie und kürzere Verfahren. „Die elektronische Antragstellung soll erleichtert werden, doppelte Prüfschritte entfallen und Voranfragen sollen formlos in ein Genehmigungsverfahren überführt werden“, so Gurmann, der mit einer Beschlussfassung im Parlament noch in diesem Jahr rechnet. „Damit soll der sich ändernden Bedrohungs- und Wirtschaftslage begegnet und bürokratische Hürden für Exporteure abgebaut werden, um Österreichs Unternehmen am internationalen Markt konkurrenzfähiger zu machen“, so der Rechtsanwalt, der zugleich warnt: „Von der Novelle unberührt bleiben die nationalen Strafbestimmungen. Wer Dual-Use-Güter ohne Genehmigung ausführt, macht sich strafbar. Der Strafrahmen reicht von Geldstrafen bis zu mehrjährigen Freiheitsstrafen.“ Seine Empfehlung? „Unternehmen sollten bei Exporten genau prüfen, ob ein Produkt als Dual-Use-Gut zu klassifizieren ist und ob gegen den Empfangsstaat Embargos oder Sanktionen in Kraft sind, und den gesamten Prozess auch sorgfältig und hinreichend dokumentieren.“
„Sehen erhebliches Zukunftspotenzial“
Wie viel Potenzial sehen Sie im Bereich Security & Defence für die Betriebe des ACstyria?
Der Bereich Security & Defence bietet für unsere innovativen und hochspezialisierten Unternehmen und Institutionen ein erhebliches Zukunftspotenzial, da zahlreiche bereits bestehende Kompetenzen aus der Mobilitätsindustrie in sicherheitsrelevante Anwendungen übertragen werden können. Viele unserer Unternehmen verfügen über Technologien und Know-how, die sowohl im zivilen als auch im sicherheitsrelevanten Umfeld gefragt sind.
Welche Technologien steirischer Unternehmen und Einrichtungen sind für Dual Use besonders gefragt?
Besonders gefragt sind Technologien wie Sensorik und Mikroelektronik, Robotik und autonome Systeme, Cybersecurity, sichere Kommunikationstechnologien sowie KI-gestützte Datenanalyse, aber auch Produktionstechnologien, innovative Materialien und Werkstofftechnologien. Auch im Bereich Mobilitätstechnologien – etwa bei Antriebssystemen, Simulation oder resilienten Energiesystemen – verfügt die Steiermark über großes Know-how mit hoher internationaler Relevanz. Wir sehen hier großes Potenzial für unsere Betriebe, sich als Partner in europäischen Wertschöpfungsketten zu positionieren.
Welche Aktivitäten setzt der ACstyria, um Mitgliedsbetriebe in diesem Bereich zu unterstützen?
Der ACstyria versteht sich seit seiner Gründung 1995 als Netzwerkplattform, die Industrie, Wissenschaft und öffentliche Hand vernetzt und Kooperationen initiiert. Das ist auch im neuen branchenübergreifenden Bereich Security & Defence unsere Aufgabe. Darüber hinaus fungieren wir als Informationsdrehscheibe. Wir organisieren Fachveranstaltungen, Workshops und Austauschformate mit nationalen und internationalen Partnern, um unsere Unternehmen frühzeitig mit neuen Entwicklungen, Fördermöglichkeiten und Marktanforderungen vertraut zu machen. Außerdem ist es uns ein großes Anliegen, die Steiermark mit all unseren Betrieben und Institutionen weltweit sichtbar zu machen.
Am 11. Juni lud der ACstyria gemeinsam mit Joanneum Research und dem Silicon Alps Cluster zu einer Netzwerk-Veranstaltung zum Thema „Sicherheit und Verteidigung: Schutz unserer demokratischen Gesellschaft und die Chance für die Wirtschaft“ ins Minoritenzentrum Graz.
Fotos: beigestellt, iStock
In Kooperation mit ACstyria
