Ein Mann und eine Frau, beide in schwarzen Anzügen, stehen eng beieinander und lächeln in die Kamera vor einem modernen Bürohintergrund aus Rot und Glas.
Home / Allgemein / Vom Potenzial zur Perspektive

Vom Potenzial zur Perspektive

Mehr als Vermittlung: Jugend am Werk Steiermark fungiert als kompetenter Partner für Menschen und Unternehmen. Die Organisation unterstützt Menschen auf ihrem Weg ins Berufsleben und bietet so auch wertvolle Leistungen in den Regionen.

Die Schule geschmissen und dann nicht auf Anhieb eine Lehrstelle gefunden; die Firma, bei der man jahrelang gearbeitet hat, ist in Konkurs gegangen und plötzlich hat man keinen Job mehr: Gründe, warum Menschen auf Arbeitssuche sind, sind vielfältig. Und meist nicht selbst verschuldet. Doch je länger die Suche dauert, desto schwieriger wird sie – und genau hier setzen die zahlreichen Qualifizierungsmaßnahmen von Jugend am Werk Steiermark an. Das Beste daran: Sie unterstützen nicht nur diese Menschen, (wieder) Fuß in der Arbeitswelt zu fassen, sondern leisten auch einen wertvollen Beitrag für die Region und nicht zuletzt für die Unternehmen. „Im vergangenen Jahr haben wir 5.600 Menschen auf der Suche nach Ausbildung und Arbeit unterstützt. Darunter circa 3.500 Jugendliche und 2.100 Erwachsene. Unsere Angebote reichen von der Berufsorientierung und -vorbereitung für junge Menschen, die noch nicht wissen, welchen Karriereweg sie einschlagen wollen, bis hin zu Beratung und gemeinnütziger Beschäftigung für Menschen, die bereits seit Längerem erwerbslos sind“, erklärt Sandra Schimmler, die gemeinsam mit Walerich Berger die Geschäftsführung bei Jungend am Werk Steiermark innehat. Jeder Euro in diese Maßnahmen ist gut angelegt, denn es wird ein Vielfaches an gesellschaftlichem Nutzen generiert, zum Beispiel durch reduzierte Sozialtransfers, höhere Steuereinnahmen oder bessere Gesundheit der Betroffenen.

Ein Mann und eine Frau, beide in schwarzen Anzügen, stehen eng beieinander und lächeln in die Kamera vor einem modernen Bürohintergrund aus Rot und Glas.
JaW GF 02_2025

Unterstützung aus Tradition

„Der Schwerpunkt ,Ausbildung und Arbeitsmarkt‘ geht schon auf die Anfänge von Jugend am Werk Steiermark zurück. Das Unternehmen wurde ursprünglich 1948 als Bindeglied zwischen Schule und Wirtschaft gegründet. In Zeiten hoher Jugendarbeitslosigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg war die Berufsvorschule von Jugend am Werk eine Möglichkeit für Jugendliche, sich auf eine spätere Lehrstelle vorzubereiten. Bis heute gehören arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zu unseren vier Kernbereichen. Dies steht im Einklang mit unserer Unternehmensvision: Wir setzen uns Tag für Tag für mehr Teilhabe und Inklusion sowie für Chancengerechtigkeit ein. Die Unterstützung auf der Suche nach Ausbildung und Arbeit ist eine entscheidende Brücke auf den regulären Arbeitsmarkt und damit ein wichtiger Teil von Chancengerechtigkeit“, ergänzt Walerich Berger.

Zwei Männer, einer in grauer und blauer Arbeitskleidung, der andere in rotem Overall, tragen eine große Holzkommode nach draußen, neben einen weiß-roten Lieferwagen, auf leicht verschneitem Boden.
Bei „handwerk Liezen“ werden Leistungen erbracht, die in der Region gebraucht werden.

Erfolgreiche Starthilfe

Ein Paradebeispiel dafür ist die Überbetriebliche Lehrausbildung in Graz, die von Michaela Meier geleitet wird. Sie ermöglicht es Jugendlichen, die trotz intensiver Suche keine Lehrstelle gefunden haben, dennoch eine Ausbildung in ihrem Traum-Lehrberuf zu machen. „Wir sehen unsere Tätigkeit als eine Art Übergangsrampe in eine reguläre Lehre. Das Wichtigste ist für die Jugendlichen die Orientierungsphase zu Beginn, damit sie dann wirklich den Lehrberuf wählen, der perfekt zu ihnen passt“, weiß Meier. Diese Orientierungsphase wird in der Perspektivenwerkstatt, einem zehnwöchigen Orientierungsprogramm oder, falls mehr Zeit und eine tiefergehende Analyse notwendig ist, im Projekt „My Life“ abgedeckt. „Ziel ist jedenfalls, die Jugendlichen so bald wie möglich an eine reguläre Lehrstelle zu vermitteln“, so Meier. Die Ausbildung selbst erfolgt dann sowohl bei Jugend am Werk als auch in Partnerbetrieben und wird von Trainern begleitet. „Wir sind sowohl Ausbildungsbetrieb als auch Schnittstelle zu Eltern, Betrieben und Berufsschule. Das Wichtigste dabei ist die psychosoziale Begleitung“, erklärt die Leiterin. Der Erfolg kann sich sehen lassen: „Mehr als die Hälfte der Jugendlichen wird während der Begleitung von Jugend am Werk übernommen.“ Denn die Maßnahme ermöglicht es auch den Unternehmen, sich risikolos von den Qualitäten der jungen Menschen zu überzeugen. „Durch diese langfristige Begleitung schaffen wir also einen Mehrwert für die Wirtschaft und unterstützen die Jugendlichen gleichzeitig, einen Beruf zu finden, der sie auch langfristig erfüllt“, ist Meier überzeugt.

Jugend am Werk Steiermark

unterstützt Jugendliche, junge Erwachsene, aber auch ältere Arbeits­suchende dabei, ihre beruflichen Interessen zu entdecken, Fähigkeiten zu entwickeln und erfolgreich ins Arbeitsleben einzusteigen und ihre Chancen auf eine erfolgreiche Zukunft zu verbessern. Dafür gibt es zahlreiche maßgeschneiderte Angebote, wie zum Beispiel das Gemeinnützige Beschäftigungsprojekt „handwerk Liezen“, die Überbetriebliche Lehrausbildung, das Projekt MyLife oder die Produktionsschule Leoben.

Alle Infos zu den Angeboten:
www.jaw.or.at

Durch eine Glastür mit der Aufschrift "jugend am werk _ re-use-shop" gelangt man in einen hellen Secondhand-Laden, in dem Menschen in Regalen stöbern und ein gestreiftes Sofa zu sehen ist.
Der re-use-shop ist in der Region besonders beliebt.
Ein Chefkoch unterrichtet zwei junge Kochschüler in einer Küche. Die Studenten tragen weiße Uniformen und Haarnetze, während sie Gemüse schneiden. Der Koch in Schwarz zeigt auf ein Schneidebrett mit Tomaten. Auf der Theke sind frische Produkte zu sehen.
600 Mahlzeiten pro Tag werden in der Produktionsschule Leoben zubereitet.
Eine Frau lächelt, während sie drei männlichen Schülern an einem Tisch im Klassenzimmer bei ihrer Arbeit hilft. Die Schüler arbeiten konzentriert an Papieren und Lehrbüchern, und die Atmosphäre wirkt kooperativ und freundlich.
Gezielte Begleitung und Unterstützung bei der Lehrstellensuche bietet My Life.

Auch die Produktionsschule Leoben richtet sich an Jugendliche, die eine Lehrstelle oder eine Arbeit suchen. „Bei uns geht es noch mehr um Berufsorientierung, das Festigen der Persönlichkeit und das Kennenlernen von Arbeitsprozessen“, erklärt Claudia Schicker-Aichinger, Teamleiterin in der Produktionsschule. „Wir versuchen, die Jugendlichen möglichst gezielt in Praktika zu vermitteln. Unser großer Vorteil: Wir kennen den Bedarf der Wirtschaft und können so die jungen Menschen optimal vorbereiten.“ Bis zu einem Jahr können die Jugendlichen in der Maßnahme verbleiben, „optimalerweise verlassen sie uns aber schon früher, sobald sie etwas Passendes gefunden haben.“ In der Zwischenzeit können sie in der hauseigenen Tischlerei, Schlosserei oder Gastronomie ihre Fähigkeiten und Neigungen austesten.

Regionalität als Stärke

Das kommt auch der Region zugute. „Wir nehmen zahlreiche Aufträge aus der Wirtschaft an“, zeigt sich Schicker-Aichinger stolz. Neben Caterings werden auch Tischlerarbeiten, Reparaturen oder Upcycling-Projekte gern übernommen. Korrekt, perfekt und termingerecht arbeiten zu lernen ist das Ziel der Produktionsschule. So wundert es auch wenig, dass die Vermittlungsquote 85 Prozent beträgt. Der Nutzen liegt für die Teamleiterin auf der Hand: „Die jungen Menschen gewinnen an Selbstvertrauen und erkennen, was in ihnen steckt – und das macht sie auch für die Wirtschaft interessant.“ Der regionale Aspekt hat durchaus Methode, wie Schimmler erklärt: „Wir sind immer dort, wo wir gebraucht werden – das ist einer unserer Leitsätze als gemeinnütziges Unternehmen. Unsere Angebote und Dienstleistungen orientieren sich stets am Lebens- und Sozialraum der Menschen, die wir begleiten.“ Denn ländliche Strukturen können die Arbeitsvermittlung erschweren, wie Berger weiß: „Deshalb ist uns der Schwerpunkt auf regionale Entwicklung auch so wichtig. Wir sind eng mit Unternehmen in den jeweiligen Regionen vernetzt und arbeiten gut mit ihnen zusammen, zum Beispiel, wenn es um die Vermittlung von Lehrlingen geht. Gleichzeitig bieten wir regionale Dienstleistungen an – und das nicht nur im Rahmen der Gemeinnützigen Beschäftigung. Unsere Produktionsschule Leoben ist zum Beispiel ein verlässlicher Partner für die Mittagsverpflegung der Schulen und Kindergärten in der Stadtgemeinde und liefert täglich rund 600 Mahlzeiten aus. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Gemeinschaftsverpflegung in der Region und schaffen gleichzeitig wertvolle Lern- und Arbeitsfelder für Jugendliche auf dem Weg in Ausbildung und Beruf.“

Eine Person mit Schutzbrille und rotem Hemd bedient in einer Werkstatt eine Bohrmaschine an einem Stück Holz, während zwei weitere Personen an Bänken im Hintergrund arbeiten.
Bereitet Jugendliche gezielt auf den Arbeitsmarkt vor: die Produktionsschule Leoben

Wertvolle Leistungen

Erwachsene, die mehr als ein Jahr auf Arbeitssuche sind, das ist die Zielgruppe von handwerk Liezen, einem weiteren Unterstützungsangebot von Jugend am Werk Steiermark. Viele dieser Transitmitarbeitenden sind über 60 und oft schon jahrelang ohne Job. „Wir machen mit dieser Zielgruppe sehr gute Erfahrungen“, erklärt Andreas Kaufmann, Leiter von handwerk Liezen. „Sie sind sehr leistungsbereit. Aber sie brauchen natürlich auch Begleitung.“ Zum Beispiel, um wieder in einen geregelten Tagesablauf zurückzufinden. Das gelingt durch die Arbeit der Sozialpädagogen und Sozialpädagoginnen – „und vor allem mit einem wertschätzenden Umgang – so erfahren unsere Transitmitarbeitenden Selbstwirksamkeit, bauen Resilienz und Selbstwertgefühl auf“, so Kaufmann.

Erledigt wird vieles, was im Bezirk gebraucht wird: Von der Entrümpelung über Reinigungsdienste bis hin zur Friedhofspflege. „Wir übernehmen Aufgaben, die für Firmen oft finanziell nicht so interessant sind. In unserem re-use-shop verkaufen wir zu günstigen Preisen das, was andere nicht mehr brauchen und schaffen so ein attraktives Angebot für weniger kaufkräftige Menschen und tun nebenbei noch etwas für die Umwelt. Und wir haben eine sehr hohe Vermittlungsquote für die Menschen, die bei uns wieder in den Arbeitsmarkt finden sollen; einfach, weil wir wissen, was die Betriebe brauchen. Das zeigt, dass der Arbeitsmarkt offen ist – die Persönlichkeit zählt da oft mehr als ein perfekter Lebenslauf.“ Dass die Transitmitarbeitenden durchaus multikulturell sind, war laut Kaufmann auch noch nie ein Problem. „Wenn man sieht, wie hoch die Bereitschaft ist, Leistung zu bringen, funktioniert auch die Integration.“ Eine Win-win-win-Situation also.

Fotos: JAW/KoCo, JAW/Miriam Raneburger

Banner mit dem Text "trinkvergnügen" und "Über 450 Weine & Champagner einfach online bestellen." Rechts zeigt ein Foto zwei Gläser Rotwein auf einem Holztisch im Freien bei Sonnenuntergang.
weitere ARTIKEL