Ein Mann im Anzug gestikuliert mit seinen Händen und lächelt, während er an einem Tisch in einem modernen Büro sitzt.
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Berge versetzen

Die Montanuni Leoben unterstützt den „SPIRIT-Award for Women in Science“. Helmut Antrekowitsch, Vizerektor für Forschung und Nachhaltigkeit, über Fortschritte, Herausforderungen und Strategien, mit denen Frauen auf allen Karrierestufen gefördert werden können.

Die Chancengleichheit und Sichtbarkeit von Frauen in Wissenschaft und Forschung welches Stimmungsbild würden Sie da in Österreich aktuell zeichnen?

Wenn man die letzten 30 Jahre betrachtet, hat sich die Chancengleichheit in der Wissenschaft deutlich verbessert. Gerade im naturwissenschaftlichen Bereich gibt es jedoch noch großes Potenzial, das wir unbedingt nutzen sollten. Es ist entscheidend für unsere Gesellschaft, dass wir alle Talente einbinden. Eine Studie des Bildungsministeriums, die sich im Wesentlichen auf HTLs bezieht, zeigt, dass sich junge Frauen im technischen Bereich besonders von Themengebieten wie Umwelt, Kreislaufwirtschaft oder Rohstoffversorgung angesprochen fühlen – Bereiche, in denen man gezielt etwas für die Gesellschaft bewirken kann. Hinzu kommt ein starkes Interesse an praxisorientierten Fragestellungen. Unsere Studienprogramme rund um das Thema Circular Engineering bieten diesbezüglich Antworten auf genau diese Fragen.

Wie entwickelt sich der Frauenanteil an der Montanuniversität Leoben?

Wir sind auf den für eine technische Universität relativ hohen Anteil weiblicher Studierender stolz, er beträgt rund 30 Prozent. Auch die Zahl der Doktorandinnen ist zufriedenstellend, allerdings sinken die Zahlen im Postdoc- und Professorinnen-Bereich deutlich. Das müssen wir klar verbessern und haben in diesem Zusammenhang auch schon sehr viele Maßnahmen gesetzt. Einige technische Fächer sind noch immer männerdominiert, den traditionsreichen Lehrstuhl für Eisen- und Stahlmetallurgie leitet mit Susanne Michelic aber erfreulicherweise eine Frau. Wir fördern gezielt, etwa durch eine Unterstützung in der Karriereplanung und in Berufungsverfahren beziehungsweise durch Maßnahmen wie unser High-Potential-Programm. Ein Instrument ist auch unser Wissenschaftspreis für Montanistinnen in unterschiedlichen Stadien ihres Werdegangs, der heuer bereits zum sechsten Mal verliehen wurde.

Ein lächelnder Mann in einem dunklen Anzug und mit Krawatte steht mit verschränkten Armen in einem modernen, hell erleuchteten Flur.

Helmut Antrekowitsch, Vizerektor für Forschung und Nachhaltigkeit, betont, dass es für Frauen keine gläserne Decke an der Montanuni gibt.

Wo setzt man am besten an, um Mut, Neugier und innovatives Denken zu fördern und den Start in eine wissenschaftliche Karriere zu erleichtern?

Berührungspunkte mit Technik und Naturwissenschaften sollten schon früh, ab der Elementarstufe, begleitet werden. Es gilt, Interesse zu wecken, Rollenbilder aufzubrechen und später zu vermitteln, dass eine wissenschaftliche Karriere erreichbar und gesellschaftlich wertvoll ist. Unsere Universität beschäftigt sich mit Zukunftsthemen wie Wasserstofftechnologie, Kreislaufwirtschaft, Ressourcensicherheit und Energietransformation. Bei uns können Frauen gemäß unserem Slogan tatsächlich „Berge versetzen“ – neue Technologien entwickeln, die Energieeffizienz steigern oder CO2-Emissionen reduzieren. Es ist zentral, diese nachhaltigen Themenbereiche kontinuierlich über den ganzen Bildungsweg zu vermitteln, um weibliche Talente nicht zu verlieren. Role Models sind dafür wesentlich. Wir verdeutlichen auch schon Schülerinnen auf Veranstaltungen bei uns, dass es keine gläserne Decke für Frauen gibt.

Welche Rolle spielen Schulpartnerschaften und offene Veranstaltungen im universitären Rahmen überhaupt?

Unsere Führungen im Wasserstoff-Kohlenstoff-Zentrum zeigen, wie Forschung in der Praxis wirken kann – etwa in der Bodenreaktivierung in der Landwirtschaft. Wir planen in zwei, drei Jahren zudem den Umbau eines Gebäudes, um für alle, insbesondere aber für junge Menschen Wissenschaft noch erlebbarer zu machen – Rohstoffsicherheit, Recycling, innovative Werkstoffe und nachhaltige Energieerzeugung. Das Lehr-Lern-Labor Leoben wiederum bietet Experimentier-Workshops bereits für Volksschulklassen an. 2025 wurden außerdem Partnerschaften mit vier Schulen in der Steiermark und Wien abgeschlossen. Wir arbeiten beispielsweise eng mit der HTL Leoben zusammen. Ein Teil des Laborunterrichts findet bei uns statt, dadurch werden MINT-Kompetenzen gefördert und Material- und Prozessverständnis früh vermittelt. Der Schlüssel ist eine kontinuierliche Praxisnähe und das Wissen, dass man selbst Teil von Lösungen für wichtige Zukunftsfelder sein kann.

Ein Mann im Anzug gestikuliert mit seinen Händen und lächelt, während er an einem Tisch in einem modernen Büro sitzt.

„An der Montanuni können Frauen gemäß unserem Slogan tatsächlich ‚Berge versetzen‘ und neue, gesellschaftlich wertvolle Technologien entwickeln.“

Helmut Antrekowitsch
Vizerektor für Forschung und Nachhaltigkeit

Welche Bedeutung hat der „SPIRIT-Award forWOMEN in SCIENCE“ für die Montanuniversität?

Der Award passt perfekt zu unserer strategischen Ausrichtung: Exzellenz in der Wissenschaft sichtbar zu machen und außergewöhnliche Leistungen von Forscherinnen vor den Vorhang zu holen. Vielfalt ist gesellschaftlich, wirtschaftlich und industriell von Vorteil. Öffentliche Aufmerksamkeit ist ein wesentlicher Faktor – so wird vor Augen geführt, was Wissenschaft leisten kann und einzelne Fachgebiete für gesellschaftliche Lösungen beitragen können. Wissenschaft ist allerdings weltweit noch immer männerdominiert, allein die Vergabe des Nobelpreises verdeutlicht das. Ein Award wie dieser trägt dazu bei, Schritt für Schritt etwas zu verändern. Er zeigt jungen Frauen konkrete Möglichkeiten auf.

Was wünschen Sie sich von Industrie, Politik und Gesellschaft, damit diese Entwicklung zügiger voranschreitet?

Von der Industrie erwarten wir langfristige Partnerschaften, um Frauen gezielt zu fördern, von der Politik verlässliche Rahmenbedingungen, gerade auch in der Kinderbetreuung, und von der Gesellschaft Offenheit für wissenschaftliche Karrieren von Frauen. Nur gemeinsam können wir die Chancengleichheit nachhaltig sichern.

Fotos: Oliver Wolf

Banner mit dem Text "trinkvergnügen" und "Über 450 Weine & Champagner einfach online bestellen." Rechts zeigt ein Foto zwei Gläser Rotwein auf einem Holztisch im Freien bei Sonnenuntergang.