Wir sehen positive Entwicklungen, aber wir sind noch lange nicht am Ziel“, fasst Christina Hirschl, Geschäftsführerin der Silicon Austria Labs, ihren Befund zum Status quo von Frauen in Österreichs Forschung zusammen. „Der Frauenanteil steigt – allerdings vor allem in frühen Karrierephasen.“ Entlang der wissenschaftlichen Laufbahn gäbe es weiterhin eine „Leaky Pipeline“. „Viele Frauen erreichen nicht jene Positionen, die ihrem Potenzial entsprechen“, so Hirschl. Aus den bekannten Gründen – ob strukturelle Hürden, mangelnde Vereinbarkeit oder fehlende Sichtbarkeit.
„Umso wichtiger ist, in der eigenen Organisation bewusst Rahmenbedingungen zu schaffen, die faire Chancen ermöglichen“, so die Managerin eines Forschungsunternehmens mit 400 Mitarbeitenden. „Wir sind mit einem Frauenanteil von rund 24 % in der Forschung auch noch nicht dort, wo wir hinwollen, aber wir setzen seit Jahren Maßnahmen, damit diese Zahl weiter steigt“, betont sie. „Vieles steht und fällt mit der Vereinbarkeit“, so die promovierte Physikerin und zweifache Mutter. „Daher setzen wir stark auf flexible Arbeitszeit- und Arbeitsortmodelle. Führungspositionen sind bei uns auch in Teilzeit möglich. Und wir bieten die Möglichkeit zur geringfügigen Beschäftigung während der Karenz – und vieles mehr“, erklärt Hirschl. „Denn Gleichstellung entsteht nicht von selbst: Sie braucht Klarheit, Verbindlichkeit und Führung, die sie vorlebt.“ In unterschiedlichen Karrierephasen bräuchten Frauen besondere Unterstützung. „Gerade beim Wiedereinstieg nach einer längeren Auszeit oder beim Einstieg zur ersten Führungsverantwortung – das sind Zeiten, in denen Führungskräfte, Mentorinnen und Mentoren gefordert sind, Mut zu machen und Perspektiven zu eröffnen.“
Ebenso ein entscheidender Faktor: die Sichtbarkeit. „Frauen tendieren dazu, sich zu unterschätzen und sich innerhalb eines Unternehmens zu wenig zu positionieren – im Gegensatz zu Männern“, so Hirschl. „Zudem ist die Sichtbarkeit von Frauen in technischen Berufen und in Führungsfunktionen insgesamt enorm wichtig, damit wir Role Models für die nächste Generation junger Frauen haben – ein zentraler Faktor für die Gleichstellung.“
Die Motivation für technische Berufe könne gar nicht früh genug beginnen. „Wir wissen: Begeisterung für Technik entsteht oft bereits im Kindesalter – daher müssen wir früh ansetzen und die entsprechenden Neigungen, auch bei Mädchen, gezielt fördern“, so Hirschl. „Gerade der MINT-Bereich bietet enorme Chancen für junge Menschen, die etwas bewegen wollen und mit ihrer Arbeit einen Impact erzielen wollen – für die Wirtschaft, für die Gesellschaft, für unsere Zukunft. Das müssen wir vermitteln“, so die Geschäftsführerin, die die Bedeutung von Diversität in allen Bereichen unterstreicht. „Wir haben hier knapp 50 verschiedene Nationen bei SAL. Die Herausforderungen in der Mikroelektronik sind komplex – Vielfalt ist kein Bonus, sondern Voraussetzung für Exzellenz.“
Silicon Austria Labs (SAL)
- Österreichs Spitzenforschungszentrum für Elektronik- und Softwarebasierte Systeme (ESBS). Als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Industrie nutzt SAL die neuesten Forschungsergebnisse aus den Bereichen Sensoren, HF und Leistungselektronik, um Produkte, Technologien und Prozesse einfacher, sicherer und effizienter zu gestalten.
- Standorte in Graz (Headquarter), Villach und Linz
- Rund 400 Mitarbeitende
- Die promovierte Physikerin Christina Hirschl ist seit 2023 Geschäftsführerin des Zentrums.
Fotos: KK
