Ein lächelnder Mann in einem hellen Hemd und einer dunklen Hose steht in einem Raum und lehnt sich mit einer Hand in der Tasche an ein Glasgeländer.
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Forschung, die wirksam wird

Vom Labor auf den Markt: Heinz Mayer, Geschäftsführer der JOANNEUM RESEARCH, im großen Cover-Interview mit „SPIRIT of Styria“ über die Rolle der Forschungsgesellschaft als Innovationsmotor für den Standort, die Stärken und Potenziale der heimischen Forschungslandschaft, die zunehmende Bedeutung von Security & Defence für das Unternehmen, die Zukunft der Künstlichen Intelligenz und die Frage, wie Österreich aus Forschung noch mehr Marktinnovationen herausholen kann.

Der Chef hat seine Forschungsthemen nicht nur im Kopf – sondern auch direkt darüber. Über dem Schreibtisch von Heinz Mayer thront ein großer Screen, auf dem Bilder aus allen sieben Instituten der Forschungsgesellschaft eingespielt werden. Spektakuläre Aufnahmen von Weltraumsatelliten bis zu kleinsten Materialstrukturen – die vielfältige Forschungswelt der JOANNEUM RESEARCH im Schnelldurchlauf. „Forschungsthemen richtig zu kommunizieren, wird immer wichtiger. Viele Menschen wissen gar nicht, wie großartig unsere Forschungserfolge und wie viele Innovationen aus Österreich weltweit im Einsatz sind“, so der Geschäftsführer der Forschungseinrichtung. Die Vermittlung von Forschungsthemen fällt dem „Kommunikator des Jahres 2022“ nicht schwer – im Gegenteil, die Leidenschaft dafür wird im Gespräch mit dem 57-Jährigen deutlich spürbar. Heinz Mayer brennt aber nicht nur für die Forschung, auch der Transfer in Markterfolge ist ihm ein zentrales Anliegen. „Das ist die Schlüsselfrage für jeden Wirtschaftsstandort.“

ZUR PERSON
Ein lächelnder Mann in einem hellen Hemd und einer dunklen Hose steht in einem Raum und lehnt sich mit einer Hand in der Tasche an ein Glasgeländer.
Heinz Mayer, Geschäftsführer der JOANNEUM RESEARCH, am Sitz der Forschungsgesellschaft in der Grazer Leonhardstraße

Heinz Mayer

Studium der Telematik an der TU Graz, Tätigkeit bei Magna Steyr (unter anderem als Leiter des Bereichs Informationsmanagement), seit 2007 bei JOANNEUM RESEARCH, seit 2013 Leiter des Instituts DIGITAL, seit 2021 Geschäftsführer der Forschungsgesellschaft

Österreich investiert viel Geld in Forschung – die F&E-Quote ist hoch, in der Steiermark sogar sehr hoch. Kommt am Ende ausreichend wirtschaftliche Wertschöpfung heraus?

In der Forschung sprechen wir vom sogenannten Input-Output-Gap – also der Lücke zwischen den eingesetzten Mitteln und dem erzielten Output an Marktinnovationen. Einen solchen Gap gibt es immer, schließlich ist Forschung stets mit Risiko verbunden – nicht aus jedem Forschungsprojekt entsteht ein Produkt oder eine Dienstleistung. Unser Ziel muss natürlich sein, diese Lücke bestmöglich zu schließen.

Wie kann man den Gap verringern?

Österreich ist in der ersten Phase der Überleitung vom Labor auf den Markt bereits sehr gut aufgestellt. Wenn jemand eine gute Idee hat und daraus ein Start-up entstehen soll, gibt es entsprechende Instrumente. Aber die größere Herausforderung kommt danach: bei der Skalierung. Hier sind andere Länder besser aufgestellt. Vor allem in den USA gibt es deutlich mehr Kapital für die Scale-up-Phase. In Österreich wie auch in Europa haben wir die Lücke erkannt und versuchen, gegenzusteuern. Wie wir aus Forschung wirtschaftliche Stärke machen, ist die Schlüsselfrage für jeden Standort.

Ein lächelnder Mann in einem grauen Hemd gestikuliert mit den Händen, während er an einem Schreibtisch sitzt, auf dem ein Glas Wasser, Bücher und eine Pflanze stehen.

„Wir sind Technologieschmiede und Innovationsmotor für den Standort. Der direkte Transfer in die Unternehmen wird für uns künftig noch wichtiger.“

Heinz Mayer
Geschäftsführer JOANNEUM RESEARCH

Gibt es in Europa Vorbilder, von denen wir lernen können?

Die TU München ist ein interessantes Beispiel – hier ist ein Zentrum entstanden, das nicht nur Technologieschmiede ist, sondern auch Risikokapital bereitstellt und die Vermarktung der Technologien erfolgreich vorantreibt. Was wir in Österreich lernen können, ist vor allem, weniger zergliedert zu agieren. Wir sind ein kleines Land und leisten uns dennoch viele voneinander getrennte Initiativen. Aus meiner Sicht wäre es notwendig, diese stärker zu konsolidieren. Ein Schritt in die richtige Richtung ist etwa die Kooperation der drei großen Grazer Universitäten beim Projekt iHub. Nicht jede Universität braucht ihr eigenes Spin-off-Zentrum. Gemeinsam kann man am Markt wirksamer auftreten.

Wo ist das steirische Forschungs- und Innovationsökosystem bereits Weltklasse?

Eine große Stärke der Steiermark sind unsere Ökosysteme. In bestimmten Branchen haben wir Leitbetriebe, ein starkes KMU-Umfeld, tolle Forschungsunternehmen sowie universitäre Anker. Neben dem bewährten Ökosystem Mobilität und dem aufstrebenden Bereich der Mikroelektronik entsteht gerade ein weiteres Ökosystem im Bereich Holz – rund um das neue Wood Vision Lab in Weiz. Ich bin überzeugt, dass wir in der Steiermark sehr viele Erfolge vorzuweisen haben. Das Problem: Es ist immer noch zu wenig bekannt, was wir schon erreicht haben. Wir schaffen Produkte und Entwicklungen, die in der Industrie weltweit eingesetzt werden. Innerhalb der Forschungscommunity weiß man Bescheid, aber die Frage ist: Nehmen Gesellschaft und Politik ausreichend wahr, was aus den eingesetzten Fördermitteln entsteht?

JOANNEUM RESEARCH

  • Die JOANNEUM RESEARCH ist Innovations- und Technologieanbieter im Bereich der angewandten Forschung mit Hauptsitz in Graz.
  • Gegründet 1986, die Vorläufer gehen zurück bis in die 1960er-Jahre.
  • Forschungsgesellschaft von europäischem Format im Eigentum der Länder Steiermark, Kärnten und Burgenland
  • Rund 500 Mitarbeitende aus über 25 Nationen forschen an sechs Standorten an Lösungen und Technologien für Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie.
  • Sieben Institute: Digital, Materials, Robotics, Coremed, Health, Life, Policies
  • Geschäftsfelder: Internationale Spitzenforschung in den Bereichen Weltraum, Gesundheit und Pflege, Mobilität, Politik und Gesellschaft, Produktion und Fertigung, Sicherheit und Verteidigung, Umwelt und Nachhaltigkeit
  • Im Zentrum steht die Überleitung von Forschungsergebnissen in Anwendungen für Industrie und Wirtschaft.
  • Anteil Auftragsforschung: 46 %
  • 63 Mio. Euro Forschungs-leistungen
  • 800 Forschungsprojekte jährlich
  • Rund 200 Publikationen jährlich
  • Mehr als 60 Patente weltweit
  • 19 Beteiligungen
  • Anteil internationaler Mitarbeiter:innen: 15 %
  • Seit Ende 2024 ist die JOANNEUM RESEARCH Mehrheitseigentümer der Virtual Vehicle Research GmbH, Europas größtem Forschungszentrum für virtuelle Fahrzeugentwicklung. Mit nunmehr insgesamt 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erhöht sich die internationale Sichtbarkeit.
  • Zukunftstag 2026 „Let’s transform“ am 18. November: die Steirische Wirtschaftsförderung SFG und JOANNEUM RESEARCH laden auch in diesem Jahr gemeinsam zum großen Innovations- und Netzwerk-Event in die Grazer Stadthalle.

Wie gut gelingt der JOANNEUM RESEARCH die Überleitung von der Forschung in die Anwendung?

Das ist unser Anspruch – und ich denke, die Erfolge können sich sehen lassen. Eine Zahl dazu: Aus jedem Euro, den unsere Gesellschafter bei uns investieren, entsteht ein Vierfaches an Wertschöpfung. Aus einem Euro Input machen wir vier – ein Spitzenwert in Europa. Damit können wir nicht nur hochqualitative Arbeitsplätze in der Forschung sichern, sondern liefern vor allem auch einen wesentlichen Beitrag für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen am Standort. Aus Forschung entstehen neue Produkte und Dienstleistungen und damit Wertschöpfung – daher sehen wir uns klar als Innovationsmotor. Gerade in den kommenden Jahren wird der direkte Transfer in die Unternehmen noch wichtiger.

Inwiefern?

Die geförderte Forschungslandschaft wird national wie europäisch kompetitiver. Teilweise stagnieren Budgets oder gehen sogar zurück – mit Ausnahme des Space- und Defence-Bereichs. Gleichzeitig gibt es mehr Akteure, die sich um diese Mittel bewerben. Deshalb ist es für uns strategisch wichtig, neben der geförderten Forschung auch in der Auftragsforschung stark zu sein. Wir erzielen inzwischen 46 Prozent unserer Erlöse aus der Auftragsforschung. Das gibt uns eine zusätzliche Stabilität und sorgt zudem für einen direkten Transfer in die Wirtschaft. Mit der konsequenten Marktorientierung verfolgen wir bewusst eine Strategie, die wir vor Jahren festgelegt haben.

Bitte um Best-Practice-Beispiele für den gelungenen Transfer.

Besonders stolz sind wir auf das akustische Tunnelmonitoring AKUT, das wir gemeinsam mit der ASFINAG entwickelt haben. Damit bringen wir, vereinfacht gesagt, dem Tunnel das Hören bei. Die Ausgangslage war die Frage: Wie lassen sich im Tunnel kritische Ereignisse, zum Beispiel ein Unfall, schneller erkennen? Daraus entstand ein akustisches, KI-basiertes Monitoring. Heute erkennt das System Anomalien innerhalb einer Sekunde, ist weltweit einzigartig, international im Einsatz und hat bereits einen Umsatz im höheren zweistelligen Millionenbereich ermöglicht. Ein echtes Erfolgsprojekt gelang auch in der modernen Stahlproduktion: Wir können ganz feine Details erkennen, die mit 400 km/h durch die Produktion fliegen. Und können so vorzeitig Anomalien identifizieren, damit möglichst null Fehlerausschuss in der Produktion entsteht. Ein weiteres erfolgreiches Beispiel aus dem Health-Bereich ist die offene Mikroperfusion (OFM), eine minimalinvasive Methode zur Messung von medizinischen Wirkstoffen im Gewebe – wichtig für klinische und präklinische Studien in der Arzneimittelentwicklung. Die Technologie wird auch von der FDA in den USA eingesetzt. Darüber hinaus entstehen auch immer wieder Spin-offs und Start-ups aus unseren Entwicklungen.

Eine Person mit weißen Handschuhen hält einen kleinen Satelliten in der Hand und untersucht ihn in einem Laborraum genau.
Kooperations- partner wie die ESA schätzen das Know-how der JOANNEUM RESEARCH im Bereich Satellitenkom- munikation und -navigation.

Das Spin-off Lagebild.one machte in diesem Jahr mit einem Millionen-Investment Schlagzeilen.

Ja, ein Paradebeispiel für die Vermarktung von Wissen. Hinter dem Investor DroneCorps GmbH steckt immerhin ein Softwarearchitekt von Facebook mit unternehmerischem Engagement. Lagebild.one ist aus einem Forschungsprojekt des Instituts DIGITAL hervorgegangen. Die Technologie ermöglicht es, ein digitales, KI-gestütztes Lagebild für Einsatzorganisationen bereitzustellen. Ein anderes Beispiel für eine erfolgreiche Überführung vom Labor in die Anwendung ist der Konzern Hexagon, der Nextsense aufgekauft hat – ebenso eine Ausgründung von uns. Ihm zugrunde liegt eine Forschungsarbeit mit der voest­alpine zum Thema berührungslose Vermessung von Schienenradsätzen. Und noch ein aktuelles Beispiel aus der Luftfahrt: Gemeinsam mit unserem Partner Bionic Surface Technologies BST haben wir Folien für die Luftfahrt entwickelt, die den Reibungswiderstand deutlich reduzieren. Bei Anwendungen für die Lufthansa konnten wir eine Treibstoffersparnis von rund acht Prozent erreichen. Derzeit überlegen wir, die nächste Generation dieser Folie gemeinsam mit Partnern selbst zu produzieren.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Verhältnis von Auftragsforschung und geförderten Projekten?

Beide Standbeine sind wichtig. Die geförderte Forschung ermöglicht Projekte, bei denen das Risiko noch höher ist und die konkrete Anwendung noch weiter entfernt ist. Die Auftragsforschung bringt uns näher an die Industrie und konkrete Anwendungen. Die Grundlagenforschung bzw. unabhängige Forschung, wie wir sie nennen, bleibt aber weiterhin essenziell – sie ist die Grundlage für die gesamte Kette. Wenn wir am Anfang keine Ideen und Erkenntnisse kreieren, kommen wir später auch nicht zu einem Prototyp oder Produkt. Das eine bedingt das andere. Daher sind Kooperationen mit Universitäten am Standort sowie auch darüber hinaus für uns essenziell.

Wie international ist die JOANNEUM RESEARCH?

Wir sind trotz der regionalen Eigentümerstruktur eine europäische Forschungsgesellschaft. Fast die Hälfte der öffentlichen Fördermittel kommt aus europäischen bzw. internationalen Quellen. Ein großer Bereich ist Horizon Europe. Wir haben ein starkes internationales Netzwerk und sind bei europäischen Forschungsprogrammen sehr aktiv. Die Europäische Weltraumagentur ESA greift seit Jahren auf unsere Kompetenzen zurück.

Eine Frau in einer orangefarbenen Warnweste arbeitet an einem Laptop in einem Tunnel, während ein Arbeiter in einem Aufzug die Tunneldecke inspiziert.
Erfolgsprojekt: Mit dem KI-gestützten akustischen Tunnelmonitoring AKUT lassen sich Vorfälle in einem Tunnel innerhalb einer Sekunde detektieren.

Das Unternehmen umfasst sieben Institute. Wo sehen Sie derzeit die größte Dynamik?

Die Dynamik verteilt sich über unterschiedliche Bereiche. DIGITAL ist besonders sichtbar, da Digitalisierung und KI gerade stark im Fokus stehen. Aber es entwickeln sich alle Institute permanent weiter. Wir passen unser Portfolio laufend an, Stichwort Digital Health – das Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen ist ein absolutes Zukunftsthema. Viel Dynamik gibt es derzeit auch am Institut LIFE. Nachhaltigkeit und die Bewertung von Energiesystemen sind in den vergangenen Jahren von einem Randthema zu einem Hot Topic geworden, das in den Unternehmen angekommen ist. Gleichzeitig sehen wir auch eine starke Entwicklung bei Advanced Materials, einer Schlüsseltechnologie der Zukunft und einem Schwerpunkt des Standortentwicklungsprozesses der SFG.

In aller Kürze: die drei heißesten Forschungsthemen derzeit in Ihrem Haus?

Ich könnte dreißig nennen – aber auf drei heruntergebrochen: Space & Defence, humanoide Robotik in Verbindung mit KI und das Thema grüne Elektronik, also sehr energiesparende Elektronik. Und wenn mir noch ein viertes gestattet ist: die offene Mikroperfusion (OFM).

Apropos Künstliche Intelligenz: Wo kann KI die Forschung beschleunigen?

In allen Bereichen – ob in der Medizin, in der Materialforschung, in der Mobilität, in der Produktion oder natürlich beim Thema Sensorik und Datenanalyse. Bei Materialien kann KI beispielsweise helfen, schneller geeignete Materialkombinationen zu identifizieren. Im Mobilitätsbereich geht es um Simulation, Objekterkennung und autonomes Fahren. Übrigens: Seit unserem Einstieg bei Virtual Vehicle bieten sich in diesen Bereichen viele Synergien. Bei JOANNEUM RESEARCH nutzen wir KI aber nicht erst seit dem aktuellen Hype. Sensorik, Bildverarbeitung und maschinelles Lernen beschäftigen uns seit vielen Jahren.Aus Sensordaten gemeinsam mit Rechnerinfrastruktur und KI ein Messinstrument zu machen, ist eine traditionelle Stärke im Haus. Qualitätssicherung in der Stahlproduktion und das akustische Tunnelmonitoring sind letztlich auch nichts anderes als KI-Anwendungen. KI ist viel mehr als ein Sprachmodell wie ChatGPT.

Nahaufnahme von leuchtenden Neon-Glasfaserkabeln, die an ein kreisförmiges Gerät auf einer blauen Oberfläche angeschlossen sind, bei gedämpfter Beleuchtung.
Offene Mikroperfusion (OFM), eine minimalinvasive Methode zur Messung von Wirk­stoffen im Gewebe (z. B. Gehirn) – unter anderem entscheidend für die Zulassung von Generika.

Ihre Einschätzung: Ist KI Gamechanger oder Hype?

Es ist kein Hype im Sinne einer Luftblase. Die Veränderung ist real und handfest. Die entscheidende Frage wird aber die Wirtschaftlichkeit sein. Unternehmen werden genau rechnen: Wie hoch ist die Effizienzsteigerung wirklich und was kostet die KI-Lösung unterm Strich? Am Ende müssen die Geschäftsmodelle wirtschaftlich funktionieren. In Europa haben wir sicher nicht die Position wie die USA oder China und keine Unternehmen wie Google oder Amazon. Aber wir sollten nicht unterschätzen, wie viel KI-Kompetenz in Europa und gerade auch in Österreich bereits vorhanden ist. Unsere Stärke liegt häufig in der Anwendung – darin, wie wir KI in innovativen Produkten zum Einsatz bringen oder in der Industrie, wo wir Maschinen, Produktionswissen und hochwertige Daten zusammenbringen.

Ein lächelnder Mann in einem grauen Hemd gestikuliert mit den Händen, während er an einem Schreibtisch sitzt, auf dem ein Glas Wasser, Bücher und eine Pflanze stehen.

„Was mich antreibt, ist Forschung, die wirksam wird und einen gesellschaftlichen Impact hat.“

Heinz Mayer
Geschäftsführer JOANNEUM RESEARCH

Die geopolitische Lage verändert auch die Forschung. Sie haben den Forschungsbereich Defence genannt. Wo schlägt er sich bei JOANNEUM RESEARCH nieder?

Das betrifft insbesondere Space und digitale Technologien. Wir haben in den Bereichen Satellitenkommunikation und -navigation sowie Fernerkundung sehr viel Know-how. Die Forschung in Graz hat hier eine lange Tradition. Technologien, die ursprünglich zivil entwickelt wurden, bekommen durch die neue geopolitische Lage einen Schub in Richtung Defence. Neben nationalen Programmen gibt es inzwischen den European Defence Fund, der künftig deutlich stärker dotiert werden soll. Wir kooperieren eng mit der ESA – sie hat nun erstmalig ein Dual-Use-Programm aufgelegt. Die Militärs haben erst in den vergangenen Jahren die strategische Bedeutung von Space erkannt. Immer wichtiger werden dabei erdnahe Satelliten, die im Vergleich zu den weit entfernten geostationären Satelliten viele Vorteile bieten und sich auch im Defence-Bereich nutzen lassen. Europa hat sich das Ziel gesetzt, eine sogenannte Megakonstellation, ähnlich Starlink von Elon Musk, für die Verteidigung aufzubauen. Aktuell gibt es eine österreichisch-niederländische Initiative, um experimentelle Satelliten ins All zu bringen und eine kleine Konstellation aufzubauen. Wir sind hier als Forschungspartner mit unserer Expertise in der Satellitenkommunikation mit an Bord.

Eine schwarze Drohne mit vier Rotoren fliegt vor schneebedeckten Bergen unter einem strahlend blauen Himmel.
Lagebild.one: Das Spin-off eines Forschungsprojektes stellt KI-gestützte Lagebilder für Einsatzorganisationen bereit – drei Millionen Euro investierte die DroneCorps GmbH in diesem Jahr.

Forschung braucht Brainpower. Wie herausfordernd ist es für JOANNEUM RESEARCH, Fachkräfte zu gewinnen?

Wir stehen im Wettbewerb mit vielen anderen um die besten Köpfe. Ein wesentlicher Vorteil der Steiermark sind die Universitäten und Hochschulen, von denen wir profitieren. Wir werden gleichzeitig internationaler und beschäftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 25 Nationen – auch als Reaktion auf den Fachkräftemangel. Daher haben wir im Bereich Human Resources auch einen Schwerpunkt auf Gender und Diversity.

Welche Forschungsthemen faszinieren Heinz Mayer persönlich?

Ich habe durch meine Herkunft natürlich einen Anker bei den digitalen Technologien. Aber mich fasziniert auch medizinische Forschung. Was mich wirklich antreibt, ist Forschung, die wirksam wird und einen gesellschaftlichen Impact hat – also Forschung, die schlussendlich in eine reale Anwendung kommt. Und wenn diese dann auch noch international sichtbar wird und uns etwa Konzerne wie Airbus oder voestalpine beauftragen, dann ist das schon ein starkes Zeichen.

Wo finden Sie Ausgleich zum Forschungsbusiness?

Vor allem beim Sport – am liebsten in der Natur, ob beim Wandern, Laufen, Mountainbiken oder Skifahren. Berge oder das Meer gehören fast immer dazu.

Fotos: Oliver Wolf, JR, Bernhard Bergmann, TWINS

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