Ein Mann sitzt auf einem weißen Stuhl an einem Tisch in einer hellen, modernen Werkstatt mit Werkzeugen und Geräten um ihn herum. An der Wand dahinter hängen drei Kunstposter, und von der Decke hängen zwei Pendelleuchten.
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Brennen für innovative Designs

Das steirische Unternehmen „Paul brennt“ verwendet modernste Lasertechnologie, um Materialien wie Holz, Acryl, oder Leder zu gravieren und zu schneiden. Die Produktpalette reicht von Gravuren für Hochzeiten über Privat- und Firmenfeiern bis hin zum Prototypenbau für die Bereiche Architektur, Automotive oder Medizintechnik. „SPIRIT of Styria“ sprach mit dem Firmengründer Oliver Mitteregger über die Anfänge des Unternehmens, die Gründung des Schwesterunternehmens „Pauline brennt“ und was er sich als Unternehmer vom Standort Steiermark wünscht.

Wie kam es zur Firmengründung von „Paul brennt“?

Ich habe „Paul brennt“ ursprünglich 2009 mit Wolfgang Lierzer gegründet, der dann 2018 ausgestiegen ist. Von Anfang an lag der Schwerpunkt fast zu 99 Prozent im B2B-Bereich. Ich konzentriere mich, dank meines Hintergrunds in der Produktentwicklung und im Innovationsmanagement, neben dem Design auch auf die Umsetzung. Das heißt, dass Kunden oft nur mit einer Idee zu mir kommen, oder auch bereits ein fertiges Konzept in der Tasche haben. Offen ist meist, mit welchen Materialien man das jeweilige Projekt am besten umsetzen kann. Und das ist durchaus ein kreativer Prozess: Wir fertigen immer wieder kunstvolle Trophäen – etwa für Toshiba oder eben für den „SPIRIT-Award for Women in Science“ und arbeiten auch eng mit Künstlern wie Aurelia Meinhardt, Stefan Temmel oder Reinhard Gussmagg zusammen, die uns wertvolle Inputs liefern.

Mit Einzel­an­fertigungen, wie hier für den Technopark Raaba, lässt sich jedes Event personalisieren
Ein orangefarbener Acryl-Award mit einer stilisierten tanzenden Frau, umgeben von wissenschaftlichen Symbolen wie DNA-Strängen, Molekülen und geometrischen Formen, montiert auf einem schwarzen Ständer.
Der „SPIRIT Award for Women in Science“ wurde vom Künstler Reinhard Gussmagg designt und von „Paul brennt“ umgesetzt.

Ist der Gravurprozess beschränkt auf bestimmte Materialien oder seid Ihr da relativ frei?

Nun, schneiden kann man fast alles. Bis auf Metall, da braucht man etwas Stärkeres. Metall kann man aber gravieren, ein Bereich, wo wir mit Partnern zusammenarbeiten. Egal, ob Holz, Metall oder ein anderes Material – bei uns stehen eigentlich immer das Design und die hohe Qualität im Vordergrund. Das ist unser USP.

Neben „Paul brennt“ gibt es auch die Marke „Pauline brennt“. Wie kam es zu diesem Schwesterunternehmen?

Wir wollten unser Portfolio erweitern und sind in den B2C-Markt eingestiegen. Das haben wir dann „Pauline brennt“ getauft. Das wollte ich in meiner eigenen Marke machen, weil ich diese Schiene nicht mit „Paul brennt“ vermischen wollte.

Eine dunkle Weinflasche mit einem roten Wachssiegel auf der Oberseite und goldener Handschrift auf dem Glas. Um die Flasche ist ein strukturiertes, metallisch anmutendes Etikett mit einer gebundenen Schnur und einem roten Wachsstempel gewickelt. Die Flasche ist vor einem schwarzen Hintergrund platziert.
Design für ein Weinlabel aus Balsaholz für den Sänger Sting – in Zusammenarbeit mit Designerin Jelena Donko („of atoms and lines“)
Nahaufnahme einer Weinflasche mit einem verschnörkelten, blattgemusterten Etikett, das mit einer Schnur gebunden und mit einem roten Wachsstempel versiegelt ist. Der Hintergrund ist dunkel und hebt das komplizierte Design der Flasche hervor.
Nahaufnahme eines strukturierten braunen Stoffes mit einem komplizierten, erhabenen Blattmuster und mehreren Strängen beiger Schnüre, die darüber liegen. Der Hintergrund ist sanft verschwommen.

Wie sind eigentlich die Namen „Paul brennt“ und „Pauline brennt“ entstanden?

Die Namengebung war ein schwieriger Prozess. Wir haben anfangs sieben Domains gekauft. Aber wir haben uns, Wolfgang Lierzer und ich, damals, in einem Brainstorming für „Paul brennt“ entschieden, weil Oliver brennt oder Wolfgang nicht so sexy klingen. Und Paul ist auch der Name des Lasers. Und bei der B2C-Marke ist das dann die Pauline, deren Gründung meine Frau, Monica Herzer-Mitteregger, und ich gemeinsam realisiert haben und wo sie einen sehr großen Teil dazu beigetragen hat. Pauline haben wir deshalb gewählt, weil das Ganze ein bisschen femininer ist. Es ist ein schöner Name und das passt irgendwie zu dem, was wir machen, und ist daher auch naheliegend.

Ein Mann steht hinter einem Tresen in einem gut beleuchteten Arbeitsbereich und schaut in die Kamera. Auf dem Tresen stehen verschiedene Gegenstände, darunter ein Buch, eine kleine Figur und ein rotes anatomisches Modell. Im Hintergrund befinden sich Regale und Geräte.
Oliver Mitteregger realisiert in seiner Werkstatt Text und Designs auf Holz, Acryl, Leder und mehr

Bei „Pauline brennt“ liegt der Fokus auf Business to Customer – was bietet Ihr an?

Einerseits kann man auf unserer Website verschiedene bestehende Designs auswählen, andererseits nehmen wir über die Website auch Anfragen zu speziellen Produkten an: Vom Cake-Topper bis hin zum Schneidebrett bieten wir personalisierten Service an.

Sind Sie mit der Auftragslage zufrieden?

Prinzipiell ja. Wir leben von guten Bewertungen und Kundenzufriedenheit. Ein gutes Google Ranking will hart erarbeitet sein – und kostet Geld. Wir haben Anfangs Online-Werbung geschalten, um bekannter zu werden. Das funktioniert ganz gut, kostet aber am Tag über 50 Euro. Deshalb setzen wir das eher sparsam ein und fokussieren uns auf unseren Webshop und Mundpropaganda – das ist immer noch das beste Marketing. Wir haben uns in der Branche Gott sei Dank einen guten Ruf erarbeitet und punkten mit konsistent hoher Qualität.

In welchen Branchen seid Ihr aktiv?

Das geht wirklich quer durch die Bank: Das fängt an bei Medizintechnik-Firmen, für die wir hauchdünne Klebefolien cutten, die dann auf Sensoren aufgeklebt werden, geht über Veranstaltungspackages für den Automotive-Sektor wie Audi oder BMW bis hin zum Verkehrssektor, Stichwort Wegweiser, oder das Merchandise wie Tischdeko und Armbänder.

Stammen Ihre Kunden hauptsächlich aus der Steiermark, oder seid Ihr international aktiv?

Eine Vielzahl unserer Kunden stammt aus dem DACH-Raum. Und regional betrachtet decken wir natürlich stark die Steiermark ab. Man kann sagen, dass ca. 90% unserer Kunden aus Österreich kommen. Apropos Regionalität: Uns ist auch wichtig, dass wir unsere Materialien – wie zum Beispiel Holz – aus der Region beziehen.

Wie kann man sich den Lasercut-Prozess vorstellen?

Wir haben unseren Laser von Trotec Laser, ein österreichisches Unternehmen. Bei einem solchen Laser muss man mit gut 120.000 Euro rechnen. Das ist ein deutlicher Sprung zu den vielen kleinen, kostengünstigen Lasern, die am Markt existieren. Und mittlerweile wird der Mitbewerb größer – nicht aber die Qualität der Konkurrenz, da die Genauigkeit und Präzision eines Lasers, der 3.500 Euro kostet, nicht mit uns mithalten kann. Hinzu kommt vor allem, dass man ausgeklügelte Designs programmiert und einfach Erfahrung braucht.

Eine blau-weiße Speisekarte für ein Fischrestaurant mit der Aufschrift "El Pescador" ist neben dem dazugehörigen blauen Umschlag abgebildet, die beide auf einer hellen, strukturierten Oberfläche liegen.
Speise- und Getränke­karten für „El Pescador“ in Koperation mit Kreativ­atelier Zimbo

Wie stark kommt der künstlerische Aspekt in Ihrer hochtechnisierten Arbeit zum Tragen?

Das ist eine gute Frage, denn es gibt natürlich Limitationen. Die in Graz geborene und in Paris lebende Künstlerin Anäis Horn hat zum Beispiel Kupferstiche geschaffen. Das haben wir dann digitalisiert und bearbeitet – anschließend wurden daraus Druckplatten aus Acrylglas angefertigt. Das war mit viel Experimentieren verbunden: Was nimmst du für Material? Wie funktioniert das? Wie muss man gravieren, und wie tief? Das ist Spannende, und wieso ich das eigentlich gern mache. Es ist kein Job, wo du in der Früh reingehst, acht Stunden das gleiche machst und dann wieder heim gehst. Es ist immer etwas Neues. Und es gibt immer wieder Herausforderungen: Aktuell suche ich eine neue Werkstatt – und finde keine!

Abgesehen von einer neuen Wirkungsstätte – was würden Sie sich als Unternehmer vom Standort Graz wünschen?

Es müsste ein Platz geschaffen werden, an dem mehr Kreativität – auch für Handwerkskunst und Co. – zugelassen wird. Die Orte, wo sich etwas hätte entwickeln können, werden niedergerissen und es werden Wohnungen gebaut – siehe Reininghaus. Auch das ehemalige Hornig-Gelände hätte man zu einem echten Kreativ-Hotspot machen können. Und was ich mir auch wünschen würde, ist, dass nicht nur die großen Unternehmen, sondern auch innovative KMUs stärker gefördert werden, etwa mit einer Marketing-Förderung, damit sie sich stärker auf ihr Hauptgeschäft konzentrieren können.

Was haben Sie mit „Paul brennt“ und „Pauline brennt“ in Zukunft vor? Blicken Sie in Zeiten der Wirtschaftskrise optimistisch nach vorne?

Ich möchte noch zusätzlich Mitarbeiter einstellen und noch weiter an der Qualitätsschraube drehen – und einfach weiterhin gute Qualität anbieten. Das hat sich bewährt. Was die Wirtschaftslage betrifft, merke ich, dass, wenn auch nur langsam, wieder allgemein eine Aufbruchstimmung zu spüren ist. Und da muss ich sagen, muss man auch bei sich selbst ansetzen und eine positive Stimmung zulassen. Denn wenn jeder nur deprimiert herumrennt, wird das schnell zu einem kollektiven Allgemeinzustand. Und jammern hilft nichts. Durch Jammern wird es nicht besser, nur dann, indem man etwas tut und etwas bewegt – damit sich etwas bewegt.

Oliver Mitteregger

  • geboren 1974 in Bruck an der Mur
  • lebt und arbeitet in Graz
  • Studium der Architektur an der TU Graz und Masterstudium Innovationsmanagement an der FH Joanneum
  • 2014 Gründung von„Paul brennt“ gemeinsam mit Wolfgang Lierzer (2018 aus dem Unternehmen ausgestiegen)
  • Seit 2019 befinden sich „Paul brennt“ und „Pauline brennt“ am Standort Reininghausstraße in Graz.

 

Fotos: Paul brennt

Banner mit dem Text "trinkvergnügen" und "Über 450 Weine & Champagner einfach online bestellen." Rechts zeigt ein Foto zwei Gläser Rotwein auf einem Holztisch im Freien bei Sonnenuntergang.