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Steirische Wirtschaft: Viel Widerstandskraft, wenig Rückenwind

Zwei Männer in Anzügen stehen mit einer Karte auf einem Dach, während sich hinter ihnen Kräne erheben – Siemens Mobility eröffnet einen 40-Millionen-Euro-Hub in Fürstenfeld.
WKO Steiermark Präsident Josef Herk (r.) und Direktor Karl-Heinz Dernoscheg mit dem aktuellen Wirtschaftsbarometer der WKO Steiermark: Die steirische Konjunktur bleibt zur Jahresmitte 2026 nahe am Stagnationsniveau.

Das aktuelle WKO-Wirtschaftsbarometer zeigt: Die steirische Konjunktur hält sich, aber sie kommt nicht wirklich vom Fleck. Hohe Arbeitskosten, teure Energie und Bürokratie drücken auf Stimmung, Investitionen und Beschäftigung.

Die steirische Wirtschaft kann Krise. Das hat sie in den vergangenen Jahren oft genug bewiesen. Aber Krise können ist noch kein Geschäftsmodell. Und Widerstandskraft ersetzt keinen Aufschwung.

Genau das zeigt das aktuelle WKO-Wirtschaftsbarometer zur Jahresmitte 2026. Die Steiermark ist nicht abgestürzt. Aber sie hebt auch nicht ab. Die Konjunktur bewegt sich nahe am Stagnationsniveau, Wachstumsimpulse bleiben Mangelware.

56,5 Prozent der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer sehen eine Verschlechterung des aktuellen Wirtschaftsklimas. Nur 6,6 Prozent erkennen eine Verbesserung. Daraus ergibt sich ein Saldenwert von -49,9 Prozentpunkten. Das ist zwar etwas besser als bei der letzten Umfrage mit -54,7 Prozentpunkten. Von einem echten Aufwärtstrend zu sprechen, wäre aber Schönfärberei.

Auch der Blick nach vorne bleibt verhalten. Der Erwartungssaldo verbessert sich nur leicht von -43,2 auf -40,5 Prozentpunkte. Übersetzt heißt das: Die steirischen Betriebe rechnen nicht mit dem großen Befreiungsschlag.

Steirische Konjunktur bleibt nahe an der Stagnation

Die Detailwerte machen deutlich, wo die Probleme liegen. Der Saldo beim Gesamtumsatz liegt bei -2,5 Prozentpunkten, die Auftragslage bei -8,6 Prozentpunkten. Die Investitionen bleiben mit -19,8 Prozentpunkten deutlich im Minus, die Beschäftigungsentwicklung mit -16,6 Prozentpunkten ebenfalls.

Das ist mehr als eine Momentaufnahme. Wenn Unternehmen weniger investieren, weniger Personal aufbauen und bei Aufträgen vorsichtig bleiben, dann wird aus Unsicherheit schnell eine Wachstumsbremse.

Eine Ausnahme bildet das Preisniveau. Hier liegt der Saldo bei +37,0 Prozentpunkten, bei den Erwartungen sogar bei +47,2 Prozentpunkten. Viele Betriebe rechnen also weiterhin mit steigenden Preisen. Für Kundinnen und Kunden ist das unangenehm. Für Unternehmen ist es oft kein Zeichen von Stärke, sondern eine Reaktion auf höhere Kosten.

Arbeitskosten, Energiepreise und Bürokratie belasten die Unternehmen

Die größten Bremsklötze sind klar benannt. 77,2 Prozent der befragten Unternehmen sehen hohe Arbeitskosten als massives Wettbewerbshemmnis. 60,8 Prozent nennen die Energiekosten. 55,4 Prozent klagen über Bürokratie und regulatorische Herausforderungen.

Dazu kommen allgemeine Unsicherheit, Steuer- und Abgabenlast sowie der weiterhin spürbare Arbeits- und Fachkräftemangel. Es ist also nicht ein einzelnes Problem, das die steirische Wirtschaft belastet. Es ist die Summe der Zumutungen.

WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk und Direktor Karl-Heinz Dernoscheg fordern deshalb Entlastung beim Faktor Arbeit, wettbewerbsfähige Energiepreise, schnellere Genehmigungsverfahren und weniger Bürokratie. Die für 2028 angekündigte Senkung der Lohnnebenkosten sei ein erster Schritt, müsse aber durch weitere Maßnahmen ergänzt werden.

Internationale Unsicherheit trifft die Betriebe

Zusätzlich belasten internationale Konflikte die steirische Wirtschaft. Im aktuellen Wirtschaftsbarometer wurden auch die Auswirkungen des Iran-Kriegs abgefragt. 58 Prozent der Unternehmen berichten von negativen oder eher negativen Folgen. 17 Prozent können die Auswirkungen noch nicht abschätzen. 25 Prozent spüren derzeit keine Auswirkungen.

Unter jenen Betrieben, die negative Folgen wahrnehmen, nennen 82 Prozent höhere Transport- und Treibstoffkosten. 74,5 Prozent sprechen von höheren Energiekosten, 71,2 Prozent von gestiegenen Rohstoff- und Materialpreisen. Auch sinkende Nachfrage, erschwerte Preiskalkulation und verzögerte Lieferketten werden genannt.

Damit trifft die geopolitische Unsicherheit auf eine Wirtschaft, die ohnehin schon mit hohen Kosten, schwacher Nachfrage und Investitionszurückhaltung kämpft.

Standortpolitik wird zur Standortfrage

Die Botschaft des Wirtschaftsbarometers ist klar: Die steirische Wirtschaft steht. Aber sie steht unter Druck. Sie ist resilient, aber nicht unverwundbar. Und sie braucht Rahmenbedingungen, die unternehmerisches Handeln wieder leichter machen.

Denn Wachstum entsteht nicht durch Durchhalteparolen. Wachstum entsteht dort, wo Betriebe investieren, einstellen, entwickeln und expandieren können. Dafür braucht es Planungssicherheit, leistbare Energie, weniger Bürokratie und einen Standort, der Arbeit nicht immer teurer macht.

Die Steiermark hat Unternehmerinnen und Unternehmer, die anpacken. Was sie nicht brauchen, ist ein weiterer Rucksack voller Kosten, Verfahren und Vorschriften.

Oder anders gesagt: Die steirische Wirtschaft wartet nicht auf bessere Zeiten. Aber sie sollte auch nicht länger gegen die Rahmenbedingungen arbeiten müssen.

Fotos beigestellt: WKO Steiermark / © Fischer