Grenzenlos kommunikativ
Menschen und Unternehmen über Sprachgrenzen hinweg handlungsfähig und erfolgreich zu machen: Das ist die Agenda der steirischen Sprachdienstleisterinnen und Sprachdienstleister, wie die Unternehmerin Timea Vetö-Szabo, stellvertretende Obfrau der Fachgruppe der gewerblichen Dienstleister in der WKO Steiermark, im Interview darlegt.
Frau Vetö-Szabo, Sie engagieren sich seit Mai 2025 ehrenamtlich in der beruflichen Standesvertretung in der steirischen Wirtschaftskammer und sind dort gleich als stellvertretende Obfrau der Fachgruppe der gewerblichen Dienstleister eingestiegen. Was hat Sie dazu bewogen?
Timea Vetö-Szabo: Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mich in der Standesvertretung zu engagieren und beschloss, mich der Wahl zu stellen. Ich habe in den vergangenen Jahren beruflich viel erreicht und mir einen großen Kundenstock aufgebaut. Dabei habe ich – zuerst vom Gründerservice, später von der Fachgruppe – so viel Unterstützung erfahren, dass ich mir gedacht habe: Jetzt kann ich etwas zurückgeben und mich für meine Berufskolleginnen und -kollegen einsetzen. Es hat mich immer beeindruckt, dass die Wirtschaftskammer nicht wie eine Behörde auftritt, sondern tatsächlich für uns Selbstständige da ist und uns ganz konkret weiterhilft. Außerdem will ich mich ständig weiterentwickeln. Mir fällt laufend etwas ein, das ich gerne umsetzen würde.
Konnten Sie bereits Ideen umsetzen?
Ja, ich habe zum Beispiel einen KI-Workshop initiiert. Künstliche Intelligenz ist eines der wichtigsten Themen in unserer Branche. Wir wissen, dass KI unseren Beruf dramatisch verändern wird und jetzt bereits ihre Spuren hinterlässt. Wir können sie als Bedrohung empfinden, aber auch für unsere Arbeit nutzen. Wichtig ist, dass wir uns mit ihr auseinandersetzen.
Wie wurde der Workshop angenommen?
Wir mussten sogar eine Warteliste auflegen. Und es kommen Anfragen, ob es weitere Workshops geben wird. Es geht ja nicht nur um den Einsatz von KI selbst, sondern um Sicherheit und Datenschutz. Wir müssen aber auch inhaltliche Gefahren thematisieren. Jüngst hat mir zum Beispiel eine Kundin geschildert, dass sie auf Basis einer durch KI selbst generierten Auskunft eine Entscheidung getroffen hat, die sich letztlich als falsch herausgestellt hat, die sie aber nun nicht mehr rückgängig machen kann. Sich auf KI zu verlassen, ist höchst problematisch. Die Verantwortung bleibt bei uns. Das gilt ganz besonders in sensiblen Bereichen, wenn es etwa um Verträge, Behördenverfahren oder gesundheitliche Inhalte, zum Beispiel Diagnosen, geht.
Wo liegen Ihre Schwerpunkte als Sprachdienstleisterin?
Ich übersetze und dolmetsche zwischen Ungarisch und Deutsch. An mich wenden sich vorwiegend Ungarisch sprechende Menschen, die in Österreich beschäftigt sind und auch – temporär oder dauerhaft – hier leben, etwa wenn sie zum Arzt oder ins Krankenhaus müssen oder wenn es um Behördenwege, Anträge und Verfahren geht und dafür die sprachlichen Mittel nicht ausreichen. Ich begleite aber auch Eltern zu Gesprächen in die Schulen ihrer Kinder. Bei dieser Form des sogenannten Kommunaldolmetschens geht es um den sprachlichen Kern der Dienstleistung, aber auch um soziale, menschliche und fachlich Aspekte. Ich arbeite aber auch mit Unternehmen zusammen und unterstütze diese im grenzüberschreitenden Management. In meiner Tätigkeit geht es dabei meistens um ungarische Unternehmen, die sich hier in der Steiermark ansiedeln wollen.
Und welchen Mehrwert hat Sprachdienstleistung steirischen Unternehmen zu bieten, die ihre Produkte und Dienstleistungen über Sprachgrenzen hinweg erfolgreich auf internationalen Märkten platzieren wollen?
Professionelle Sprachdienstleistungen ermöglichen es unseren Unternehmen, Menschen aus den unterschiedlichsten Sprach- und Kulturkreisen erfolgreich anzusprechen und miteinander zu verbinden. Unsere Übersetzungsdienstleistungen umfassen alle erdenklichen Textsorten: von technischen und juristischen Dokumenten, etwa Produktbeschreibungen, Bedienungsanleitungen, Verträge und Urkunden, über die Geschäftskorrespondenz bis hin zu Marketingtexten, Websites und Publikationen. Zusätzlich bieten wir moderne Multimediadienste wie Untertitelung, Synchronisation und Voiceover etwa von Videos und Reels an. Zunehmend gefragt ist auch die barrierefreie Kommunikation und speziell das Übersetzen von Texten in einfache Sprache, um auch komplexe Inhalte leicht verständlich zu kommunizieren. Die sogenannte Transkreation geht schließlich über bloßes Übersetzen hinaus und bietet individuell maßgeschneiderte fremdsprachige Inhalte.
Der zweite große Kompetenzbereich neben dem – vorwiegend schriftlichen – Übersetzen ist das simultane bzw. konsekutive mündliche Dolmetschen. Welche aktuellen Trends sind hier für die Unternehmen interessant?
Dass sich das Dolmetschen durch moderne – und auch (daten)sichere – Tools mittlerweile von der physischen Anwesenheit an einem Ort emanzipiert hat, bringt unseren Unternehmen, speziell den kleineren und mittleren, in den internationalen Geschäftsbeziehungen bedeutende Vorteile und eine maßgebliche Erweiterung ihrer Möglichkeiten. Online-Dolmetschen spart Zeit und Reisekosten und ist im Bedarfsfall auch rasch verfügbar. Aber auch Veranstaltungen wie zum Beispiel Präsentationen, Podiumsdiskussionen, Meetings und Konferenzen sowie Verhandlungen können online gedolmetscht werden.
Sehen Sie sich auch als Testimonial dafür, dass Sprachdienstleistung Zukunft hat?
Ich bin überzeugt davon, dass unser Know-how auch in Zukunft gefragt sein wird. Mit unserer Expertise ermöglichen wir es unseren Kunden – Einzelpersonen, Unternehmen und öffentlichen Institutionen –, sich über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg nicht nur verständlich zu machen, sondern erfolgreich zu kommunizieren. Auf unserer Website www.sprachdienstleister-stmk.at findet sich übrigens eine Suchfunktion mit Filtern nach Spezialgebieten, Sprachen und Orten.
Im Dienste von Unternehmen und Wirtschaft: Die gewerblichen Dienstleister repräsentieren mehrere besonders wirtschaftsaffine Berufsgruppen. Obmann der Fachgruppe der gewerblichen Dienstleister in der WKO Steiermark ist KommR Gerd Zuschnig (Foto). In dieser Talk-Serie beleuchten namhafte Berufsgruppenvertreter die aktuelle Situation in ihrer Branche. Im Fokus dieser Dienstleister-Tisch-Runde: die gewerblichen Sprachdienstleister. Im Gespräch: Timea Vetö-Szabo, Sprachdienstleistungsunternehmerin und stellvertretende Obfrau der Fachgruppe der gewerblichen Dienstleister in der WKO Steiermark.
Fotos: Oliver Wolf
