Ein Mann in einem blauen Sakko steht mit verschränkten Armen lächelnd an einer weißen Wand in einer sanft beleuchteten Außenkulisse.
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Türöffner für viele Branchen

2,6 Milliarden Euro indirekte Wertschöpfung: Tourismus bringt nicht nur Gäste in die Steiermark, es profitieren auch Branchen, die auf den ersten Blick wenig mit Urlaubenden zu tun haben. Wie stark regionale Kreisläufe geprägt werden – Steiermark-Tourismus-Chef Michael Feiertag im Gespräch.

Im Sommer 2025 kamen mehr als 2.720.692 Gäste in die Steiermark und sorgten erstmals für über acht Millionen Nächtigungen. Heuer lagen zur Sommerhalbzeit Ankünfte um 4,5 Prozent und die Nächtigungen um 2,4 Prozent über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. „Der Tourismus ist ein wichtiger Motor für Wertschöpfung und Beschäftigung in unseren Regionen. Die erfreuliche Zwischenbilanz zur Sommerhalbzeit zeigt, dass die Steiermark national wie international als attraktives Urlaubsland wahrgenommen wird“, so Landeshauptmann Mario Kunasek. Als internationale Nahmärkte besonders hervorgetan haben sich Deutschland, Tschechien, Ungarn, Polen, Slowakei, Italien und das Vereinigte Königreich. 90 Prozent der Steirerinnen und Steirer finden laut Umfrage zum Steiermark-Bewusstsein zudem, dass der Tourismus auch zum Ruf und zur Absicherung des Wirtschaftsstandortes beiträgt. Wie sich dieser Stellenwert dimensionieren lässt, beantwortet Michael Feiertag, Geschäftsführer der Steirischen Tourismusmarketing GmbH.

Ein Mann in einem blauen Sakko steht mit verschränkten Armen lächelnd an einer weißen Wand in einer sanft beleuchteten Außenkulisse.

Regionale Stärken touristisch sichtbar und wirtschaftlich nutzbar machen: Michael Feiertag, Geschäftsführer der Steirischen Tourismus­marketing GmbH

Tourismus wird häufig vor allem mit Beherbergungsbetrieben, Gastronomie und Nächtigungen verbunden. Warum greift dieses Bild zu kurz?

Michael Feiertag: Tourismus endet nicht an der Rezeption eines Hotels. Ein Gast kauft nicht nur ein Zimmer. Er fährt mit dem Auto oder der Bahn, geht einkaufen, besucht Thermen, Museen oder Veranstaltungen, nutzt Seilbahnen, Rad- und Wanderwege und konsumiert regionale Produkte. Tourismus ist eine Querschnittsmaterie und wirkt in viele Bereiche der Wirtschaft hinein. Das zeigen auch die Berechnungen von WIFO und Statistik Austria, die neben klassischen Tourismusbetrieben die Effekte entlang der Lieferketten berücksichtigen. Ein Euro, den ein Gast ausgibt, bleibt nicht automatisch in einem Hotel oder Restaurant, sondern wandert zu Lieferanten, Handwerksbetrieben, Transportunternehmen, Kultur- und Freizeitanbietern.

Was würde in der Steiermark wirtschaftlich fehlen, wenn es den Tourismus in seiner heutigen Form nicht gäbe?

Es würde ein bedeutender Teil unserer regionalen Wertschöpfung fehlen. Für 2023 weist das WIFO für die Steiermark rund 1,8 Milliarden Euro direkte und rund 2,6 Milliarden Euro indirekte touristische Wertschöpfung aus. Das sind 4,2 Prozent der regionalen Wirtschaftsleistung. Die direkte Wertschöpfung entsteht dort, wo Gäste unmittelbar Geld ausgeben, die indirekte Wertschöpfung entlang der Lieferketten. Dazu kommen die rund 50.000 direkt im Tourismus beschäftigten Menschen. Noch wichtiger ist die regionale Perspektive: Tourismus schafft Einkommen auch dort, wo andere Branchen weniger stark vertreten sind. Gerade für ländliche Räume ist das entscheidend. Ohne Tourismus würden nicht nur Gäste, sondern auch Umsätze, Arbeitsplätze, Investitionen und Entwicklungsmöglichkeiten fehlen.

Vier Personen sitzen an einem rustikalen Tisch im Freien und lächeln, während ein Kellner in einer Weste ihnen das Essen serviert. Die Atmosphäre ist gemütlich, mit Holzwänden und hängenden Blumen.
Kulinarik als Kern der Marke wird auch international immer stärker positioniert.

Welche Regionen der Steiermark profitieren stark – und wo gibt es noch Potenzial?

Schladming-Dachstein ist ein starker, international sichtbarer Tourismusraum. Auch das Thermen- & Vulkanland, die Region Graz und das Ausseerland haben hohe Bedeutung, Murau konnte schön zulegen. Die Hochsteiermark punktet mit dem neuen Radpilger-Angebot, die gesamte südliche Hälfte des Landes ist allein schon kraft ihrer Topografie ein kulinarisches Zentrum. Diese zwei Beispiele zeigen, wie Spezialisierung wirken kann. Potenzial sehe ich vor allem dort, wo wir touristische Angebote noch intensiver mit anderen regionalen Stärken verbinden können, wie Kulinarik mit Landwirtschaft oder Thermen mit Natur. Es geht nicht darum, möglichst viele Betten zu schaffen, sondern regionale Stärken touristisch sichtbar und wirtschaftlich nutzbar zu machen.

Wo hat Tourismus eine Region wirtschaftlich sichtbar weiterentwickelt?

Schladming-Dachstein ist eines der sichtbarsten Beispiele. Die Region hat sich über Jahrzehnte von einer klassischen Wintersport- zur Ganzjahresdestination mit internationaler Strahlkraft entwickelt. Das Thermen- & Vulkanland und die Südsteiermark waren über Jahrzehnte österreichweit die ärmsten Regionen und stehen heute sehr gut da. Die Region Graz verbindet Stadt, Kultur, Kulinarik, Business und Freizeit und profitiert so von mehreren Nachfragegruppen.

Steiermark Tourismus

Neues Hoch:

  • Von Mai bis Juli 2026 wurden laut Hochrechnung der Landesstatistik knapp 1,4 Mio. Gästeankünfte (+59.600 gegenüber 2025) und rund 4 Mio. Nächtigungen (+ 93.700) verzeichnet.
  • Deutschland ist mit knapp 860.200 wichtigster Auslandsmarkt zur Sommerhalbzeit.
  • 9 von 10 Gäste empfehlen die Steiermark weiter.
  • 2025 gaben Sommer-Gäste 168 Euro pro Person/Nacht (ohne Anreise) aus, Winter-Gäste 215 Euro.

 

Wann tut touristisches Wachstum einer Region nicht mehr gut?

Entscheidend ist die Qualität des Wachstums: Was bleibt von der touristischen Entwicklung in der Region? Dazu gehören Wertschöpfung vor Ort, gute Arbeitsplätze, Akzeptanz in der Bevölkerung, leistbarer Wohnraum, ein verantwortungsvoller Umgang mit Fläche und Ressourcen, gute Mobilität und der Schutz natürlicher Lebensgrundlagen. Die Fragen lauten daher: Wie viele Gäste verträgt eine Region? Welche Art von Tourismus bringt für Gäste und Bevölkerung einen Mehrwert? Das richtige Maß ist regional unterschiedlich. Eine alpine Destination hat andere Voraussetzungen als eine Stadt oder eine kleinstrukturierte ländliche Region.

Was trägt der Tourismus dazu bei, die Steiermark auch als Wirtschafts- und Lebensstandort sichtbarer zu machen?

Sehr viel. Gäste kommen zuerst für Urlaub. Sie erleben unsere Landschaft, Kulinarik, Kultur, Mobilität, Unternehmen und Lebensqualität. Ein positiver Aufenthalt kann der erste Kontakt mit einem möglichen zukünftigen Studien- oder Arbeitsplatz sein. Tourismus verkauft nicht nur Urlaub. Er vermittelt ein Bild davon, wie sich die Steiermark anfühlt und wofür sie steht – nach innen wie vor allem auch nach außen.

Inwieweit kann Tourismus andere Branchen in eine Region bringen?

Tourismus kann ein Türöffner sein. Eine touristisch erfolgreiche Region braucht Infrastruktur, Mobilität, Digitalisierung, qualifizierte Arbeitskräfte und Dienstleistungen – Voraussetzungen, von denen auch andere Branchen profitieren. Dazu kommt die internationale Sichtbarkeit. Am naheliegendsten ist die Verbindung von Tourismus mit Gesundheit, Kulinarik, Kultur – er kann damit Teil eines größeren regionalen Ökosystems werden.

Fotos: beigestellt

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