Weiterbildung entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit
Wer über die Wettbewerbsfähigkeit der Steiermark spricht, spricht über Investitionen, Export, Innovation und Fachkräfte. Ein Begriff gehört aus meiner Sicht zwingend dazu: Qualifizierung. Die größte Gefahr ist nicht, dass uns Technologien fehlen. Die größere Gefahr ist, dass berufliche Qualifikation langsamer wächst, als es der technologische Wandel erfordert.
Hier liegt die Aufgabe des WIFI Steiermark. Wir verstehen uns als Qualifizierungspartner der steirischen Betriebe – von der Lehre über Meisterausbildungen bis zu neuen Kompetenzen in Digitalisierung, Energiewandel und Führung. Mit knapp 3.000 Veranstaltungen und mehr als 31.000 Teilnahmen pro Jahr ist das WIFI nicht nur Bildungsplattform, sondern ein zentraler steirischer Partner in der Standortentwicklung. Als Leiter des WIFI Steiermark sehe ich meine Aufgabe darin, diese Übersetzungsleistung zu beschleunigen: vom Bedarf der Betriebe zum konkreten Bildungsangebot. Unsere rund 800 Trainerinnen und Trainer kommen aus der Wirtschaft. Sie wissen, was in Werkstätten, Büros, Produktionshallen und Lehrbetrieben gebraucht wird. Diese Nähe ist ein Vorteil. Sie verpflichtet uns aber auch, schneller zu reagieren, als die Bildungsplanung es oft zulässt. Die Rahmenbedingungen dafür sind natürlich nicht bequem. Unternehmen prüfen heute Budgets genauer, gleichzeitig bleibt der Fachkräftebedarf hoch. Weiterbildung konkurriert nicht nur mit Geld, sondern mit Zeit. Niemand schickt Mitarbeiter leichtfertig in einen Kurs, wenn im Betrieb jede Stunde zählt. Deshalb müssen Bildungsangebote schneller verfügbar und verwertbar sein. Ein Schwerpunkt ist Digitalisierung. Es ist ein fataler Fehler, KI als Spezialthema für IT-Abteilungen zu behandeln. Der Umgang mit KI wird zur Grundkompetenz. Unsere Angebote vom KI-Führerschein bis zu Spezialthemen helfen dort, wo KI in der Praxis Nutzen stiftet. Ein weiterer Schwerpunkt ist unsere hohe Qualität – in der Infrastruktur ebenso wie bei den Trainer:innen. Gute Weiterbildung entsteht nicht durch schöne Kursbeschreibungen, sondern durch Menschen, die Berufserfahrung in Lernfortschritt übersetzen. Mit dem WIFI Center of Excellence setzen wir dafür auch infrastrukturell Maßstäbe. Aber Qualifizierung braucht auch mehr Kooperation: mit WKO-Fachgruppen, Unternehmen und Technologiepartnern. Themen wie Energieeffizienz, digitale Souveränität oder höhere berufliche Bildung – neue Aufstiegspfade jenseits klassischer akademischer Wege – dürfen nicht erst dann im Kursprogramm landen, wenn der Fachkräftemangel bereits weh tut.
Qualifizierung ist nicht nur private Zusatzleistung, sondern betriebliche Investition. Als Unternehmen kann man es sich ja gar nicht leisten, nicht in Bildung zu investieren. Das ist kein Reparaturprogramm für Defizite, sondern Zukunftsarbeit am Standort. Genau daran wird sich entscheiden, wie gut die Steiermark den technologischen Wandel in Wettbewerbsfähigkeit übersetzen kann.
Fotos: Hannes Loske