„Wirtschaft braucht gemeinsamen Schub nach vorne“
Abhängigkeiten reduzieren und Erneuerbare ausbauen! Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom im Interview mit „SPIRIT of Styria“ über die zentralen Weichenstellungen für die steirische Wirtschaft, die Steiermark als führende KI-Region der Zukunft, die Einführung eines Investitionsfonds und harte Verhandlungen mit dem Koalitionspartner.
Durch den Iran-Krieg droht eine Energiekrise. Wie gut ist die Steiermark vorbereitet?
Es ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht ganz klar, wie sehr uns diese Energiekrise langfristig treffen wird und ob dauerhafte Effekte, vor allem durch erhöhte Energiepreise, die Folge sind. Eines ist aber klar: Wir können in der Steiermark diese globale Krise nicht alleine lösen und sind hier ganz stark von internationalen Entwicklungen abhängig. Daher arbeiten wir intensiv daran, diese Abhängigkeiten zu reduzieren und vor allem erneuerbare Energiequellen auszubauen. Der steirische Energiebericht 2025 zeigt uns, dass diese Arbeit auch wirkt. Erneuerbare Energieträger nehmen zu, der Verbrauch von Öl und Gas sinkt. Klar ist aber auch, dass diese Entwicklungen Zeit brauchen und nicht von heute auf morgen funktionieren.
Wenn Sie mit Unternehmerinnen und Unternehmern sprechen, welche Sorgen hören Sie am öftesten?
Wir sehen, dass der Wirtschaftsstandort Steiermark massiv unter Druck steht. Das hat mit der bereits erwähnten Energiekrise und steigenden Preisen, aber auch mit hausgemachten Problemen zu tun. Das beginnt bei bürokratischen Vorschriften und endet damit, dass manche meinen, wichtige Infrastrukturprojekte wie eine dreispurige A9 oder eine Koralmbahn-Haltestelle für den Grazer Flughafen würde es nicht brauchen. Wir brauchen keine standortfeindlichen Blockierer, sondern müssen für unsere Wirtschaft einen gemeinsamen Schub nach vorne erreichen!
Im Vorjahr wurde die steirische Standortpartnerschaft ins Leben gerufen. Was tut das Land, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu stärken?
In der Standortpartnerschaft versammeln wir die relevanten Partner aus der Politik, den Sozialpartnern, aus der Wissenschaft und den Regionen, um den Wirtschaftsstandort nachhaltig zu stärken. Im Fokus stehen dabei die Transformation der Mobilität, das Gewinnen und Halten von Fachkräften und – gerade jetzt von noch größerer Bedeutung – die Versorgungssicherheit mit Energie.
Manuela Khom
- Geboren 1963 in Eisenstadt
- Wohnort: Steirisch Lassnitz, Murau
- Familie: verheiratet, zwei Kinder
- Seit 2024 Landeshauptmann-Stellvertreterin in der Steiermark, zuständig für die Ressorts Gemeinden, Regionen, Europa & Internationales und Gesellschaft
- Zudem ist Khom Landesparteiobfrau der Steirischen Volkspartei sowie Bezirksparteiobfrau der ÖVP Murau
- Ausbildung: Nach Absolvierung der Handelsakademie Eisenstadt war sie einige Jahre als kaufmännische Angestellte tätig, ehe sie die Unternehmerprüfung in der Wirtschaftskammer abschloss und die Ausbildung zur Trainerin in der Erwachsenenbildung absolvierte.
Bürokratie und Überregulierung nehmen Unternehmen die Luft zum Atmen. Welche Maßnahmen setzt das Land im Bereich Deregulierung?
Mit einem ersten Deregulierungsgesetz haben wir in kleinen Schritten begonnen, Bürokratie abzubauen, heuer soll noch ein zweites folgen. Außerdem arbeiten wir am Ausbau der Digitalisierung, damit etwa Behördengänge künftig schneller, einfacher und übersichtlicher werden.
Trotz angespannten Landeshaushalts: Welche Investitionen sollte das Land unbedingt tätigen?
Wir wollen vor allem Investitionen in den Regionen fördern und weitere F&E-Leuchtturmprojekte entwickeln. Denn zu einer guten Standortpolitik gehört es, den ländlichen und den städtischen Raum gleichermaßen zu denken. Außerdem arbeiten wir an einem Investitionsfonds, der sich an wachsenden Unternehmen beteiligen und unsere steirischen Stärkefelder gezielt fördern soll.
Auf welche Technologiebereiche sollte die Steiermark künftig noch mehr Fokus legen?
Die Steiermark soll sich zu Österreichs führender Technologieregion mit Schwerpunkt Künstliche Intelligenz weiterentwickeln. KI wird das beherrschende Thema dieses Jahrhunderts werden – mit all seinen Gefahren, aber auch all seinen Chancen. Wenn wir im internationalen Wettbewerb erfolgreich bleiben wollen, dürfen wir uns vor diesen Entwicklungen nicht wegducken, sondern müssen diese Chancen auch nutzen.
„Wir brauchen keine standortfeindlichen Blockierer, sondern müssen für unsere Wirtschaft einen gemeinsamen Schub nach vorne erreichen.“
Koralmbahn – Area Süd: Ist die Zukunftsregion bereits auf Schiene oder braucht es weitere Maßnahmen?
Wir arbeiten bereits an vielen Projekten, um die Koralmbahn noch besser einzubinden. Speziell auf der sogenannten „letzten Meile“, also dem Weg vom Bahnhof zu meinem Zielort, haben wir noch Aufholbedarf. Daher gibt es etwa im Raum Deutschlandsberg gerade Arbeiten an einem Pilotprojekt, wo künftig autonome Busse Pendler an ihren Arbeitsplatz bringen sollten. Die Verbindung zwischen den beiden Hauptstädten ist spitze – dazwischen haben wir nur nach wie vor Lücken. Die müssen wir – Stichwort Haltestelle am Grazer Flughafen – noch schließen.
Für politische Beobachter im Land entsteht der Eindruck, die FPÖ setzt auf ihre Kernthemen plus Symbolpolitik und lässt Unpopuläres wie Finanzen und Wirtschaftsstandort dem Regierungspartner. Eine Partnerschaft auf Augenhöhe?
Wir arbeiten respektvoll und auf Augenhöhe miteinander – natürlich gibt es da intern hin und wieder Unstimmigkeiten. Wir verhandeln hart und intensiv. Es freut mich aber, dass wir viele wichtige Projekte auf den Weg bringen konnten und noch bringen werden. Mir ist es jedenfalls wichtig, dass wir nicht nur Symoblisches abarbeiten, sondern auch an langfristigen Reformen in jenen Bereichen arbeiten, die für die Zukunft unserer Steiermark wirklich wichtig sind. Und das ist vor allem der Standort Steiermark. Denn die Wirtschaft ist das A und O!
Trotz aller Herausforderungen: Was zeichnet die steirische Wirtschaft aus, dass Sie auch in Krisen zuversichtlich stimmt?
Wir haben die hellsten Köpfe und die fleißigsten Hände. Es sind die Steirerinnen und Steirer, die Tag für Tag beeindruckende Leistungen erbringen. Sie sind der Treiber von Innovation, gehen mutig voran und zeigen neue Möglichkeiten auf. Ich bin mir sicher, dass wir diese herausfordernden Zeiten hinter uns lassen werden. Der Fleiß der Menschen in diesem Land wird der Schlüssel dazu sein.
Fotos: Benjamin Gasser
