Zwei Männer in weißen Hemden stehen auf einem Balkon mit Blick auf die Stadt Graz in Österreich.
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„Start-ups investor-ready machen“

Kurze Wege zu Wissen, Kapital und starken Partnern: Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer und Christoph Ludwig, Geschäftsführer der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG, im Interview über die Initiative „Startupmark“, die Bedeutung von Scale-ups und die aktuelle Kapital!Offensive für wachstumsstarke Start-ups und Scale-ups.

Ein kurzer „Start-up-Standort Pitch“ vorab: Warum sollten Gründungswillige ihr Start-up in der Steiermark gründen? Sie haben 333 Zeichen Zeit – ab jetzt!

Ehrenhöfer:

Kürbiskernöl ist nicht das Einzige, was aus der Steiermark erfolgreich in die Welt geht. Unsere Region ist ein Hotspot für Forschung, Technologie und Industrie – und damit ein ziemlich guter Ort für die nächste große Geschäftsidee. Wer hier gründet, hat kurze Wege zu Wissen, Kapital und starken Partnern.

Der Spardruck im Land ist groß. Warum sind Start-ups dennoch wichtig und unterstützenswert?

Ehrenhöfer:

Start-ups sind für mich ein wichtiger Teil unserer wirtschaftlichen Zukunft. Sie bringen neue Technologien und Geschäftsmodelle auf den Markt, schaffen neue Arbeitsplätze und sorgen dafür, dass sich auch etablierte Unternehmen weiterentwickeln. Gerade die Verbindung mit unserer bestehenden Wirtschaft ist dabei eine große Stärke der Steiermark. Wir haben international erfolgreiche Unternehmen, eine starke Industrie, hervorragende Forschung und eine lebendige Start-up-Szene. Wenn diese Welten zusammenkommen, kann daraus richtig viel entstehen: neue Produkte, neue Märkte und neue Wertschöpfung. Wir brauchen beides: Betriebe mit Erfahrung, internationaler Präsenz und starken Netzwerken – und junge Menschen mit neuen Ideen, innovativen Lösungen und dem Mut, schnell zu wachsen.

Ein lächelnder Mann mittleren Alters in einem weißen Hemd mit Kragen steht vor einem Kirchturm und den Dächern der Stadt.

„Was bringt uns die beste Idee, wenn sie im ersten Tal der Tränen stecken bleibt? Genau an diesem Punkt müssen wir ansetzen!“

Willibald Ehrenhöfer
Wirtschaftslandesrat

Was tut die SFG, um Start-ups in der Steiermark zu unterstützen?

Ludwig:

Wir arbeiten mit viel Einsatz und Leidenschaft daran, die Steiermark als hochprofessionellen, international sichtbaren Start-up-Standort weiterzuentwickeln. In unserer Dach-Initiative „Startupmark“ vernetzen wir Wissenschaft, Industrie, Universitäten, Cluster, Inkubatoren, Acceleratoren und Investoren entlang des gesamten Wachstumspfades. Zudem fördern, finanzieren und coachen wir Start-ups maßgeschneidert – speziell in den Bereichen KI, Robotic und Quantencomputing, allesamt Zukunftstechnologien, die unsere Welt nachhaltig verändern, und in denen Start-ups wichtige Impulse setzen. Bewährt hat sich das Kombinieren von Maßnahmen und die Einbindung von privatem Kapital. Öffentliche Unterstützung kann Märkte nicht ersetzen, aber mobilisieren: Es gilt, Start-ups investor-ready zu machen, Co-Investoren zu gewinnen und Zugänge zu Forschung, Industrie und internationalen Märkten zu öffnen.

Bei allen Vorzügen des steirischen Innovations-Ökosystems – wo sehen Sie noch Entwicklungspotenzial?

Ludwig:

Um mehr international erfolgreiche Scale-ups hervorzubringen, brauchen steirische Start-ups möglichst frühen Zugang zu internationalen Märkten und europäischen Spitzennetzwerken. Gerade im Start-up-Bereich sind transeuropäische Beziehungen ein Erfolgsfaktor, weshalb ein regionales Ökosystem heute zugleich ein europäisches sein muss. Soeben ist es uns gelungen, das Hermann Hauser Frontier Lab erstmals nach Graz zu bringen. Damit haben wir internationale Deep-Tech-Start-ups, Investoren, Mentoren sowie Kontakte insbesondere von der Universität Cambridge in die Steiermark geholt. Genau solche Verbindungen wollen wir ausbauen: Starke steirische Wurzeln und internationale Skalierung müssen zusammengehören.

Zwei Männer in weißen Hemden stehen auf einem Balkon mit Blick auf die Stadt Graz in Österreich.
Ärmel hoch für den Start-up-Standort: Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer (r.) und SFG-Geschäftsführer Christoph Ludwig

Wie kann das Land auf dem Weg vom Start-up zum Scale-up unterstützen?

Ehrenhöfer:

Entscheidend ist: Wir wollen nicht nur mehr Start-ups gründen lassen, sondern auch mehr Unternehmen dabei unterstützen, den nächsten Schritt zu machen. Denn was bringt uns die beste Idee, wenn sie im ersten Tal der Tränen stecken bleibt? Genau an diesem Punkt müssen wir ansetzen. Mit der Startupmark bündeln wir die Kräfte des steirischen Ökosystems – von Forschung und Universitäten über Industrie und Investoren bis hin zu Finanzierung und Internationalisierung. Und wir gehen beim Kapital einen konkreten Schritt weiter: Mit der Kapital!Offensive von SFG und RLB stehen bis zu zehn Millionen Euro für innovative, wachstumsstarke Start-ups und Scale-ups zur Verfügung.

Ludwig:

Die Kapital!Offensive Startups macht jungen Unternehmen in der Steiermark ein starkes Finanzierungsangebot für Wachstum und Innovation: SFG und RLB Steiermark bündeln ihre Erfahrungen mit dem Ziel, eine individuell maßgeschneiderte tragfähige Finanzierung für das jeweilige Unternehmen aufzustellen. Die Ausgestaltung halten wir bewusst flexibel – bei einigen Projekten holen wir etwa weitere Investoren mit an Bord. Bis Ende September 2026 gab es 15 Einreichungen; für zwei Drittel davon arbeiten wir gerade Angebote aus. Die Pipeline reicht von Start-ups bis zu etablierten Wachstumsunternehmen und von Energie und Industrie über Software und KI bis zu Medizintechnik und Health Tech.

Ein Mann mittleren Alters in einem weißen Hemd steht vor einer Stadtkulisse.

„Verbindungen wie zuletzt mit dem Hermann Hauser Frontier Lab wollen wir ausbauen: Starke steirische Wurzeln und internationale Skalierung!“

Christoph Ludwig
SFG-Geschäftsführer

Ihr Wunsch an den Bund im Bereich Start-up-Förderung?

Ehrenhöfer:

Mein Wunsch wäre, heimisches Investitionskapital stärker zu adressieren. Dafür braucht es auch steuerliche Anreize – etwa die Möglichkeit der Abschreibung von Forschungsleistungen oder ein gewisser steuerfreier Gewinnanteil für Investitionen in Spin-offs und Scale-ups. Man muss auch ganz klar sagen: Förderungen allein sind es nicht. Für den Start braucht es Starthilfe und für das Wachstum braucht es vor allem Kapital und die richtigen Anreize.

Der „SPIRIT Start-up Award“ geht in die dritte Runde. Warum unterstützen Sie diese Initiative?

Ludwig:

Weil Sichtbarkeit ein Standortfaktor ist. Ein starkes Start-up-Ökosystem braucht Vorbilder und öffentliche Aufmerksamkeit. Der SPIRIT macht steirische Innovation sichtbar und bringt Start-ups mit potenziellen Kunden, Partnern und Investoren zusammen. Was mich besonders freut: Vergangene Preisträger wie smaXtec oder Emerald Horizon sind mittlerweile Unicorns, also Scale-ups mit einer Bewertung jenseits von einer Milliarde Euro.

Foto: GEOPHO

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