Ein lächelnder Mann mit Brille und Bart, der ein hellblaues Hemd trägt, steht mit verschränkten Armen da; in der Glaswand neben ihm ist sein Spiegelbild zu sehen.
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Balance am Berg

Schneesicherheit, Spagat zwischen Sommer- und Wintertourismus,Kapazitätsgrenzen und Co.: Seit Februar steht Peter Weichbold an der Spitze des größten steirischen Tourismusinfrastruktur-Unternehmens, der Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH mit Sitz in Schladming. Im Interview skizziert der langjährige Finanzchef die strategischen Handlungsfelder für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des steirischen Tourismusleitbetriebs.

Welche Bedeutung haben Schladming und die Planai für die Steiermark?

Die Planai-Hochwurzen-Bahnen sind touristischer Leitbetrieb und Wirtschaftsmotor – nicht nur für die Region, sondern für die ganze Steiermark – und mit rund 350 Beschäftigten im Schnitt obendrein ein bedeutender Arbeitgeber. Insbesondere durch unsere Angebote, aber auch durch zwei Weltmeisterschaften, das Nightrace und unsere Events sind Schladming und die Planai eine starke touristische Marke mit internationaler Strahlkraft. Ich denke, als Steirer­innen und Steirer dürfen wir stolz auf das sein, was sich hier in den vergangenen gut 50 Jahren entwickelt hat und woran wir gemeinsam mit den Stakeholdern in der Region weiterhin arbeiten.

Sehen das die Menschen hier auch so?

Sehr viele Menschen hier in Schladming und in der Region nehmen die positiven Seiten dieser Entwicklung wahr. Viele sind ja auch selbst Teil dieser Entwicklung. Wenn man im Tourismus so erfolgreich arbeitet wie wir, zieht man natürlich auch kritische Stimmen auf sich, die die Frage aufwerfen, ob das alles notwendig ist, was wir machen. Damit setzen wir uns selbstverständlich auseinander und wir bemühen uns, eine Balance zwischen den unterschiedlichen Sichtweisen herzustellen.

ZUR PERSON

Ein lächelnder Mann mit Brille und Bart, der ein hellblaues Hemd trägt, steht mit verschränkten Armen da; in der Glaswand neben ihm ist sein Spiegelbild zu sehen.
Kennt das Unternehmen aus der Controlling- und Finanzer-Perspektive bereits wie seine Westentasche und steht seit Februar an der Spitze der Planai-Hochwurzen-Bahnen: Peter Weichbold.

Peter Weichbold

(Jg. 1975) stammt aus Donnersbachwald und ist seit 1. Februar 2026 Geschäftsführer der Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH. Der diplomierte Betriebswirt, seit 2004 im Unternehmen, war Controller und Finanzchef, seit 2019 mit Einzelprokura, und seit 2019 auch Geschäftsführer der Galsterberg Bahnen.

Wie steht es um die Balance zwischen der Zugmaschine Planai und der touristischen Infrastruktur, sprich Betten, im Hintergrund?

Wir haben gerade wieder vier neue Hotels direkt in Schladming dazubekommen, alle privat geführt. Ein bisschen was fällt immer wieder weg, ein bisschen was kommt dazu. Wir sind sehr gut aufgestellt, es gibt ausreichend Betten in allen Kategorien und Gastronomie und die Qualität entwickelt sich laufend weiter.

Wie wichtig sind für die Planai-Hochwurzen-Bahnen Übernachtungsgäste?

Fast 85 Prozent unserer Wertschöpfung erwirtschaften wir mit Übernachtungsgästen, 15 Prozent entfallen auf Tagesgäste, insgesamt befördern wir über zwei Mio. Gäste jährlich. Unser Ziel war es zuletzt, den Sommer zu einem starken Standbein weiterzuentwickeln. Das ist uns gelungen. Wir haben im Sommer bereits gleich viele Nächtigungen wie im Winter: rund 1,9 Millionen.

State-of-the-Art- Tourismusinfrastruktur vor großer Bergkulisse: Planai-Gipfel

Was unterscheidet Winter- und Sommergäste?

Die Wertschöpfung pro Gast ist im Winter nach wie vor deutlich höher. Das ist auch eine der Schrauben, an denen wir in Zukunft drehen wollen: bei der Pro-Kopf-Wertschöpfung im Sommer zuzulegen, vor allem für uns selbst als Seilbahnunternehmen.

Führt der Weg dorthin vorwiegend über Biker?

Bikerinnen und Biker sind ein wichtiges Segment und wir zählen in diesem Bereich – nicht zuletzt durch unseren Bikepark Schladming auf der Planai – zu den bedeutendsten Destinationen Österreichs. Aber um die Relationen aufzuzeigen: Neben den rund 53.000 Bikerinnen und Bikern haben wir im Sommer über 250.000 nicht bikende Gäste allein auf der Planai. Und das sind zu einem erheblichen Teil Familien, denen wir mit unserem Hopsiland ein attraktives zusätzliches Sommererlebnis bieten. Mit Dachstein, Hochwurzen und Planai sind es insgesamt rund 700.000 Sommergäste, die wir auf unsere Berge bringen. Diesen Gästen noch mehr Anreize zu bieten, ist eines unserer zentralen strategischen Themen. Wie wir das erreichen können, darüber diskutieren wir gerade.

Nachts versammelt sich eine große Menschenmenge in der Nähe einer hell beleuchteten Skipiste, im Hintergrund sind Tribünen und Gebäude zu sehen.
Nightrace: international in der Auslage Fotocredit: Martin Huber

Zusätzliche Attraktionen …

Ja, die eine oder andere zusätzliche Attraktion, die wiederum dazu beiträgt, die Auslastung unserer Bahnen im Sommer weiter zu steigern. Wir zählen, was den Sommer betrifft, allerdings jetzt schon zu den absoluten Vorreitern – auch wenn wir mehr in den Winter als in den Sommer investieren.

Steht weiteres Wachstum – sprich neue Seilbahnen speziell für das Wintergeschäft – zur Debatte?

Wir haben in der Folge der Ski-WM 2013 die stärkste Wachstumsphase unserer Geschichte erlebt – auch getrieben von der damals mit zusätzlichen WM-Fördermitteln sehr ambitioniert ausgebauten und modernisierten Infrastruktur. Und: Wir haben uns nach der WM nicht zufrieden zurückgelehnt, sondern investiert. Von 2012 bis 2026 unter der Ägide meines Vorgängers Georg Bliem wurden von den Planai-Hochwurzen-Bahnen über 200 Millionen Euro in Projekte ausgegeben. Ein Commitment mit unseren Eigentümern, allen voran dem Land Steiermark, erlaubt es uns, Erträge zur Gänze zu reinvestieren – im Sinne der Entwicklung des Unternehmens und der Region. Es ist uns in dieser Zeit gelungen, unsere Kennzahlen nahezu zu verdoppeln. Erfreulicherweise ist uns alles aufgegangen, was wir uns vorgenommen haben. An Spitzentagen bringen wir in der 4-Berge-Skischaukel bis zu 35.000 Gäste auf den Berg. Viel mehr werden es nicht mehr werden. Wir stoßen an natürliche Grenzen, was nutzbare Flächen und Gesamtkapazität angeht. Unsere Devise, was den Berg betrifft, war und ist: „Vorne nützen, hinten schützen.“ Das Erlebnis am Berg lebt davon, dass die Balance zwischen Landschaft, Natur, Menschen und Nutzung gewahrt bleibt.

Luftaufnahme eines zugefrorenen, ovalen Sees, umgeben von verschneiten Wäldern und Bergen, mit Gebäuden in der Nähe und einem Skilift unter klarem Himmel.
Mehr Speicher für effiziente Beschneiung: Projekt Bruckmoos auf der Planai

In welche Bereiche werden Sie in Zukunft investieren?

Wir sind ein infrastrukturgetriebenes Unternehmen. Es ist schon eine ziemliche Herausforderung, das aufrechtzuerhalten, was da ist, die Anlagen kontinuierlich auf dem neuesten Stand zu halten, regelmäßig zu erneuern und, was Komfort und Userfreundlichkeit betrifft, weiterzuentwickeln. Wir werden, wie schon gesagt, auch noch die eine oder andere Attraktion für den Sommer entwickeln. Oben auf dem Berg – im Zentrum – werden wir die Kapazitäten da und dort noch ausbauen, damit wir den Gästen, die wir hinauftransportieren, dort ein noch besseres Erlebnis bieten können. Auch einige Verbindungen werden wir noch optimieren.

Was steht in diesem Jahr an Investitionen an?

Wir investieren massiv in das Thema Schneesicherheit. Von den 22 Millionen Euro, die wir heuer bei einem erwarteten Umsatz von rund 75 Millionen Euro aufbringen, fließen rund 90 Prozent in die Erweiterung des Speicherteichs Bruckmoos inkl. Infrastruktur auf der Planai, dessen Fassungsvermögen von ca. 80.000 auf rund 200.000 Kubikmeter vergrößert wird.

Exponiert: die Dachstein-Bergstation mit Kulinarik und Attraktionen wie dem Skywalk

Um dann auf Teufel komm raus zu beschneien, wenn es mal Minusgrade hat?

Nein, das ist im wahrsten Sinne des Wortes Schnee von gestern. Wir arbeiten bereits seit vielen Jahren mit einem intelligenten, digitalisierten Beschneiungsmanagement, das sich auf Sensoren in Lanzen und Pistengeräten sowie auf GPS-gestützte Datenerfassung stützt und das wir laufend weiterentwickeln. In diesem Bereich zählen wir zu den Vorreitern. Heuer haben wir zum ersten Mal eine Drohne im Einsatz, mit deren Hilfe wir z. B. erfassen können, wie der Wind die Verteilung des Schnees beeinflusst, sodass wir sofort nachjustieren können. Technisch erzeugter Schnee ist eine kostbare Ressource. Wir versuchen, den Verbrauch von Wasser und Energie so effizient wie möglich zu steuern. Wichtig ist uns auch, dass wir Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen beziehen. Wir nutzen auch unsere Anlagen wie etwa die Bergstation der Dachstein-Seilbahn Photovoltaikanlagen.

Ein lächelnder Mann mit Brille und Bart, der ein hellblaues Hemd trägt, steht mit verschränkten Armen da; in der Glaswand neben ihm ist sein Spiegelbild zu sehen.

„Unser Skigebiet liegt ganz überwiegend auf über 1.000 Metern, da funktioniert der Winter nach wie vor sehr gut.“

Peter Weichbold
Geschäftsführer Planai-Hochwurzen-Bahnen

Sehen Sie die Schneesicherheit in den kommenden Jahren gefährdet?

Wir haben uns mit dem Thema Schneemanagement intensiv auseinandergesetzt. Wir bemerken auch, dass mittlerweile weiße Schneebänder in gewissen Lagen und Phasen der Saison akzeptiert werden. Aber unser Skigebiet liegt ganz überwiegend auf über 1.000 Metern, da funktioniert der Winter nach wie vor sehr gut. Mit unseren aktuellen Investitionen sind wir für die Zukunft hervorragend aufgestellt. Faktum ist aber auch, dass uns die Klimaveränderung vor Herausforderungen stellt. Die Gletscher am Dachstein rinnen uns im wahrsten Sinne des Wortes davon. Das haben auch wir vor einigen Jahren noch nicht ganz richtig eingeschätzt.

Die Planai-Hochwurzen-Bahnen

  • 61,8 % der Anteile an den Planai-Hochwurzen-Bahnen hält das Land Steiermark. Weitere Gesellschafter: Stadt Schladming, Steiermärkische Sparkasse, RLB und andere.
  • Ca. 75 Mio. Euro Umsatz werdenfür 2026 erwartet.
  • Ca. 350 Personen werden im Schnitt von den Planai-Hochwurzen-Bahnen beschäftigt – in Spitzenzeiten bis zu 430 Personen.
  • Pro Jahr starten rd. 5 Lehrlinge ihre berufliche Laufbahn bei den Planai-Hochwurzen-Bahnen –durchschnittlich werden 15 Lehrlinge ausgebildet.
  • 31 Seilbahnen und Lifte werden auf Planai, Hochwurzen, Dachstein und Galsterberg betrieben.
  • Via Managementvertrag führen die Planai-Hochwurzen-Bahnen auch den Wilden Berg Mautern.
  • 800 Propellermaschinen und Lanzen sorgen für eine der leistungsfähigsten Beschneiungsanlagen Österreichs.
  • 16 Busse, davon 10 im Linienbetrieb, ergänzen das Portfolio des Infrastruktur- und Beförderungsunternehmens.
  • Die Planai-Hochwurzen-Bahnen sind Gesellschafter des Ticketverbundes Ski amadé (14,98 %).
  • Beteiligungen: Galsterbergalm Bahnen (78 %), SPB Schladming Parkplatz Bewirtschaftungs GmbH (50 %), Hauser Kaibling Seilbahn- und Liftgesellschaft (30 %), Schladming-Dachstein Tourismus GmbH (11,90 %) u.a.

 

Ein anderes Thema: Denken Sie daran, das sogenannte Dynamic Pricing, also die nachfragebasierte Preisgestaltung einzuführen?

Das würde eine unserer Hauptzielgruppen über Gebühr treffen: nämlich Familien mit Kindern, die ferienbedingt genau dann Urlaub machen, wenn dieses System die höchsten Preise aufruft. Mit unserem Preisgefüge sind wir für diese Zielgruppe sehr attraktiv und das soll auch so bleiben.

Ein anderes Thema: Denken Sie daran, das sogenannte Dynamic Pricing, also die nachfragebasierte Preisgestaltung einzuführen?

Das würde eine unserer Hauptzielgruppen über Gebühr treffen: nämlich Familien mit Kindern, die ferienbedingt genau dann Urlaub machen, wenn dieses System die höchsten Preise aufruft. Mit unserem Preisgefüge sind wir für diese Zielgruppe sehr attraktiv und das soll auch so bleiben.

Fotos: Oliver Wolf, beigestellt