Kleine Mobilität auf großer Fahrt
Hidden Champion der E-Mobility: Graf Carello, Marktführer und Kultmarke im Bereich Seniorenfahrzeuge, gelang vom südoststeirischen Nestelbach aus derWandel zu einem Vorreiter der E-Mobilität in Österreich. Die E-Kleintransporter des Unternehmens kommen im Koralmtunnel ebenso zum Einsatz wie in Industriebetrieben, in Hotels, Krankenhäusern, Universitäten und im kommunalen Bereich. Lokalaugenschein bei einem außergewöhnlichen Familienunternehmen auf Expansionskurs.
Der Sonnengott hat an diesem Vormittag nicht nur am Himmel Dienst. Auch in der Lager- und Montagehalle der Firma Graf Carello in Nestelbach bei Ilz surrt er leise an uns vorbei. Elios – angelehnt an Helios, dem altgriechischen Sonnengott – heißt der neue E-Transporter im Programm des südoststeirischen Produzenten. Das Fahrzeug wird wie das etwas größere Modell Tauris soeben versandfertig gemacht. Das eine geht nach Baden-Württemberg, das andere zum Weiterverkauf an ein obersteirisches Lagerhaus. Dazwischen kurvt ein knallrotes Seniorenfahrzeug um die Ecke – ein klassisches Graf Carello, jenes längst zum Kultobjekt österreichischer Mobilitätsgeschichte avancierte Vehikel für ältere und körperlich beeinträchtigte Menschen. Auch dieses wird heute noch für den Transport an einen Kunden in Westösterreich verladen.
- Gegründet 1976 in Nestelbach bei Ilz von Siegfried Graf
- 2008 übernahmen Ronald Schittl, seine Frau Renate Schittl-Frühwirth und seine Schwester Corinna Aspan den Betrieb.
- Zwei Standorte: Stammsitz in Nestelbach bei Ilz sowie ein Werk in Ilz (Produktion E-Transporter)
- Zwei Geschäftsbereiche: Seniorenfahrzeuge und E-Transporter
- Derzeit 37 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
- 9 Mio. Euro Umsatz
Transporter für den Klein- und Nahverkehr
Ein Rundblick in der Halle bringt noch weitere Kleinfahrzeuge zum Vorschein: E-Lasten-Fahrräder, vulgo Tuk-Tuks, Quads, Allradler und einiges mehr – ein stattlicher Fuhrpark, der dennoch nur einen Teil der Modellvielfalt des Unternehmens widerspiegelt. „Unsere Produktpalette ist in den vergangenen Jahren stark angewachsen“, strahlt Geschäftsführer Ronald Schittl. Vor allem im Bereich der E-Transporter und E-Kleintransporter bietet Graf Carello längst ein umfassendes Sortiment für beinahe jedes Mobilitäts- und Transportbedürfnis im Klein- und Nahverkehr. Die Kunden kommen vorwiegend aus den Bereichen Tourismus, Industrie und Kommunen. „Die Einsatzgebiete sind vielfältig – unsere Fahrzeuge werden überall dort verwendet, wo schadstofffreie und effiziente Transportlösungen gefragt sind“, ergänzt Renate Schittl-Frühwirth, ebenso in der Geschäftsführung des Unternehmens. Ob Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten, Warentransporte, Catering und Zustelldienste, Müllentsorgung, Straßen- und Gehwegreinigung, Winterdienst, Personentransporte, Facility Management, Wäschetransporte und vieles mehr – die Liste der Anwendungen ist lang. „Unsere Fahrzeuge machen LieferEin Rundblick in der Halle bringt noch weitere Kleinfahrzeuge zum Vorschein: E-Lasten-Fahrräder, vulgo Tuk-Tuks, Quads, Allradler und einiges mehr – ein stattlicher Fuhrpark, der dennoch nur einen Teil der Modellvielfalt des Unternehmens widerspiegelt.
„Unsere Produktpalette ist in den vergangenen Jahren stark angewachsen“, strahlt Geschäftsführer Ronald Schittl. Vor allem im Bereich der E-Transporter und E-Kleintransporter bietet Graf Carello längst ein umfassendes Sortiment für beinahe jedes Mobilitäts- und Transportbedürfnis im Klein- und Nahverkehr. Die Kunden kommen vorwiegend aus den Bereichen Tourismus, Industrie und Kommunen. „Die Einsatzgebiete sind vielfältig – unsere Fahrzeuge werden überall dort verwendet, wo schadstofffreie und effiziente Transportlösungen gefragt sind“, ergänzt Renate Schittl-Frühwirth, ebenso in der Geschäftsführung des Unternehmens. Ob Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten, Warentransporte, Catering und Zustelldienste, Müllentsorgung, Straßen- und Gehwegreinigung, Winterdienst, Personentransporte, Facility Management, Wäschetransporte und vieles mehr – die Liste der Anwendungen ist lang. „Unsere Fahrzeuge machen Lieferfahrten in Krankenhäusern, fungieren als Shuttle für Hotelgäste, transportieren die Ernte von Winzern und Obstbauern oder sind in Gärtnereien im Einsatz“, zählt Ronald Schittl konkrete Beispiele auf. Eine Nutzlast von bis zu einer Tonne und 200 Kilometer Reichweite sind dabei möglich. Eine besondere Stärke des Unternehmens sind Sonderanfertigungen nach Kundenwunsch. So entwickelte das Team von Graf Carello soeben ein Tunnel-Wartungsfahrzeug für die ÖBB, das im Koralmtunnel auf dem Stand um 180 Grad wenden kann. „Der Wartungsschacht neben dem Gleisbett ist nur 1,60 breit – eine echte Challenge, doch wir haben eine Lösung für einen U-Turn auf engstem Platz gefunden“, erzählt Schittl stolz. „Dafür haben wir ein Modell umgebaut, das bereits während der Bauzeit als Transportfahrzeug eingesetzt wurde – dieses leistet auch im Semmering-Basis-Tunnel wertvolle Dienste.“ Ein Spezialfahrzeug aus dem Hause Graf Carello ist auch an der Kepler-Universität in Linz im Einsatz. „Dort zieht es im Gebäude seine Runden, um sämtliche Drucker mit Papier und Druckerpatronen zu versorgen“, verrät Corinna Aspan, die dritte Geschäftsführerin.
„Mit unserer führenden Position bei Seniorenfahrzeugen und E-Transportern sind wir ein Vorreiter der E-Mobilität in Österreich.“
Starkes Wachstum
„Sonderaufbauten sind ein echtes Stärkefeld von uns. Wir verfügen seit Jahrzehnten über einen eigenen Sonderfahrzeugbau im Haus und können so gut wie jeden – auch noch so ausgefallenen – Kundenwunsch erfüllen“, berichtet Ronald Schittl. Weitere Beispiele: ein kleines Löschfahrzeug, das bei etwaigen Bettenbränden am LKH Steyr zum Einsatz kommt, ein mobiler Eis-Kiosk mit eigenem Kühlaggregat in Wien, ein Sargtransporter für einen deutschen Bestatter und ein Jet-Schleppfahrzeug für den Militärflughafen Aigen – dazu kommt eine Vielzahl gebrandeter Promotionvehikel für bekannte Marken wie Red Bull oder Manner. „Ob Sonder- oder Standardfahrzeug – die Nachfrage nach E-Kleintransportern entwickelte sich in den vergangenen Jahren rasant“, erklärt Schittl. Ein Erfolg aus dem Stand. Denn erst 2020 stieg Graf Carello in die Serienproduktion ein. Zum Verkaufsschlager entwickelten sich gleich zu Beginn E-Lastenräder, vulgo Tuk-Tuks. „Nicht weniger als 9.000 konnten wir in den vergangenen Jahren verkaufen, im Spitzenjahr 2022 allein 3.000 Stück“, so Schittl-Frühwirth stolz. Ein Verkaufserfolg, der die angestammte Produktion in Nestelbach – seit jeher Firmenzentrale von Graf Carello und Sitz der Seniorenfahrzeugproduktion – aus allen Nähten platzen ließ. Daher investierte die Geschäftsführung im Jahr 2024 in Ankauf und Umbau einer zusätzlichen Halle in Ilz, die seither der Montage der E-Transporter-Sparte dient.
Fokus auf Export
Beflügelt wurde die Expansion durch eine Kooperation mit der Raiffeisen Ware Austria (RWA), die in ihren Lagerhäusern Vertrieb, Service und Wartung der E-Transporter-Palette übernahm. In Deutschland erfüllt RWA-Mutter BayWa diese Rolle eines Stützpunkthändlers. Mittlerweile ist mit ILAFA eine weitere große Genossenschaft in Deutschland – mit einem Netz von 730 Standorten – als Partner an Bord. Auch in der Schweiz kooperiert Graf Carello mit einer Genossenschaft, die Vertrieb, Service und Wartung anbietet. Und die Expansion geht munter weiter. Schittl: „Wir sehen auch Riesenpotenzial im Tourismus, speziell bei Betreibern von Hotelanlagen und Campingplätzen an der Adria, und sind gerade dabei, Vertriebspartnerschaften mit Händlern in Italien, Slowenien und Kroatien abzuschließen“, so Schittl. In Summe wolle man den Umsatz in den kommenden Jahren von neun auf zwölf Millionen steigern. Der Exportanteil soll von 15 auf 40 Prozent anwachsen. Renate Schittl-Frühwirth: „Wir haben eine führende Position in einem wachsenden Nischenmarkt. Der Mitbewerb ist überschaubar – denn kleine Anbieter haben oft nicht die Qualität und das Durchhaltevermögen und für die ganz Großen ist der Markt schlicht zu klein. Daher haben wir beste Chancen, uns weiter zu entfalten und wachsen zu können.“
Graf Carello – Seniorenfahrzeuge
- Fahrzeuge (offiziell „Krankenfahrstuhl“) für ältere und bewegungseingeschränkte Personen
- Führerscheinfrei und zulassungsfrei, bundesweiter Service und Kundendienst vor Ort, Direktvertrieb, in Summe zehn verschiedene Modelle, mit und ohne Kabine, Ein- und Zweisitzer
Carello – E-Transporter
- Große Modellvielfalt
- Leistungsstarke Fahrzeuge wie Tauris (1 Tonne Nutzlast, 200 km Reichweite, 90 km/h), Elios, Renus 10 und EcoRider – jeweils europäische Straßenzulassung
- Allradler, Quads und Offroader
- E-Lastenräder (Tuk-Tuks) – von Fahrradklasse bis Fahrzeugklasse L2e-U (Moped)
- Personentransporter bis Shuttle-Bus-Größe
- Vertrieb, Service und Wartung über Handelspartner (RWA – Lagerhäuser)
Wechselvolle Geschichte
Positiv entwickle sich auch das angestammte Geschäft mit der Produktion und dem Vertrieb der Seniorenfahrzeuge. „In Österreich sind wir ohnehin Marktführer. Wachstumschancen sehen wir vor allem durch die demografische Entwicklung“, betont Corinna Aspan. „Die Menschen werden älter und wollen gleichzeitig mobil bleiben. Bewegungsfreiheit ist entscheidend für die Lebensqualität im Alter.“ Auch in den Märkten Deutschland und Schweiz gebe es weiterhin Wachstumschancen. „Auf unserem Qualitätsniveau gibt es im Dach-Raum nichts Vergleichbares“, verrät Schittl. „Wir haben 50 Jahre Erfahrung und damit einen Markt- und Innovationsvorsprung.“ Im Jahr 1976 wurde das Unternehmen vom gebürtigen Obersteirer Siegfried Graf gegründet – daher auch der Name des Unternehmens. Nach erfolgreichen Jahren und stetem Wachstum geriet das Unternehmen nach der Übergabe an dessen Sohn im Jahr 2008 in wirtschaftliche Turbulenzen. Eine Zäsur inklusive Neuanfang. Denn im selben Jahr wagte das Trio Ronald Schittl, Ehefrau Renate Schittl-Frühwirth und Schittls Schwester Corinna Aspan – alle drei waren davor lange Jahre im Betrieb tätig – die Übernahme und sie führten das Unternehmen fort. Mit Erfolg – der Turn-around gelang. Der Einstieg ins E-Transporter-Segment erwies sich schließlich als strategischer Coup – die Grundlage für das heutige Wachstum. „Wir sind durchaus stolz darauf, was uns gelungen ist und dass wir es hier, an einem wunderbaren Flecken Erde, zu einem Vorreiter der E-Mobilität in Österreich geschafft haben. Das haben wir vor allem unseren tollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu verdanken“, so Schittl. Die größten Herausforderungen aktuell? „Einerseits das Management des weiteren Wachstums, da wir bereits wieder an unsere Kapazitätsgrenzen stoßen – und dann natürlich die Produktionskosten. Schließlich müssen wir zum einen die hohen Lohnkostensteigerungen verkraften, bei uns waren es 19 % in drei Jahren – und zum anderen verursacht die extreme Bürokratie nicht nur Stress und Ärger, sondern frisst auch Ressourcen und Geld. Da könnte ich Ihnen Beispiele ohne Ende erzählen – dafür bräuchten wir ein eigenes Magazin.“
Fotos: Oliver Wolf
