Zwei Männer sitzen auf hohen Stühlen neben einem orangefarbenen Tisch in einem hellen, modernen Raum mit Holzboden und weißen Wänden und schauen in die Kamera.
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Mit „Magie“ gegen Deepfakes

Daten teilen, ohne sie preiszugeben? Das Start-up TACEO rund um eine Gruppe Grazer Kryptografen entwickelt marktreife Technologien für mehr Sicherheit
und besseren Datenschutz im KI-Zeitalter. CEO Lukas Helminger und COO Stefan Plank über einen boomenden Zukunftsmarkt, einen Millionen-Deal aus dem Silicon Valley, OpenAI-Gründer Sam Altman als prominenten Kunden und warum auch Dating-Apps wie Tinder von der Technologie profitieren.

Ein Tischfußballtisch, eine gemütliche Teeküche, loungiges Mobiliar und konzentriert arbeitende junge Menschen, vielfach mit Headsets, an ihren Workstations. So weit, so start-up-typisch – wäre da nicht ein exotisch anmutendes Objekt, das hier im Altbau-Office von TACEO am Grazer Jakominiplatz unsere Neugierde weckt. Das bowlingkugelgroße Gerät ist ein hochauflösender Iris-Scanner und Hauptdarsteller des Silicon-Valley-Projekts „World“ von OpenAI-Gründer Sam Altman. „Biometrische Daten wie ein Iris-Scan sind eindeutiger als jeder Fingerabdruck“, so Stefan Plank, COO von TACEO. „In Zeiten von Deepfakes und KI-generierter Bots wird der Nachweis der Echtheit einer Person immer wichtiger. Genau das ist das Ziel von World – und unsere Technologie leistet dafür einen entscheidenden Beitrag.“ 2022 als Spin-off des Know-Centers der TU Graz gegründet, entwickelt das Start-up kryptografische Methoden, die schon früh das Interesse amerikanischer Deep-Tech-Firmen erregten. Aus gutem Grund: Die Technologie aus der Steiermark löst ein Kernproblem des Digitalzeitalters auf eine revolutionäre Art: Wie kann ich Daten gemeinsam nutzen, ohne sie offenzulegen? Das heißt, unterschiedliche Teilnehmer nutzen und verarbeiten gemeinsam Daten, die dennoch verschlüsselt bleiben. Die Daten sind also „private“ (verschlüsselt) und „shared“ (geteilt) gleichzeitig – ein klassisches Dilemma, das TACEO auflösen konnte. Das Ergebnis: eine „Private Shared Infrastruktur“, die viele Anwendungsmöglichkeiten bietet. Allen voran für das ambitionierte „World“-Projekt, mit dem Sam Altman den sichersten digitalen „Ausweis“ der Welt schaffen möchte.

Zwei Männer sitzen auf hohen Stühlen neben einem orangefarbenen Tisch in einem hellen, modernen Raum mit Holzboden und weißen Wänden und schauen in die Kamera.

„In Zeiten von Deepfakes und KI-generierter Bots wird der Nachweis der Echtheit einer Person immer wichtiger.“

CEO Lukas Helminger und COO Stefan Plank
Co-Founder TACEO

Kurz erklärt: Nutzer können durch einen Iris-Scan einen eindeutigen biometrischen Code – eine „World ID“ – auf ihrem Smartphone erstellen. Gleichzeitig wird der Code in mehrere Teile zerlegt und auf unterschiedliche Server verteilt. „Dafür haben wir in den vergangenen Jahren unser TACEO-Netzwerk mit Servern großer Universitäten wie der TU Graz oder der TU Prag aufgebaut“, so CEO Lukas Helminger. „Der Clou: Kein einzelner Server kennt die komplette ID. Auch wir kennen sie nicht – genau so wenig wie World. Das war eine Grundbedingung für das Projekt. Biometrische Daten sind besonders sensibel – mit unserer Technologie können wir die höchstmögliche Sicherheitsstufe für Datenverarbeitung bieten.“

Zwei Männer sitzen auf schwarzen Hockern in einem hellen, modernen Raum mit Holzboden und einem orangefarbenen Tisch und lächeln in die Kamera.

„Die nächste Finanzierungs­runde peilen wir noch in diesem Jahr an.“

Stefan Plank
COO TACEO

„Echtheit“ von Menschen prüfen

Technologisch betrachtet gelang dem Team als Erstem weltweit die Kombination zweier – kompliziert klingender – kryptografischer Methoden. Die Grazer verknüpfen MPC (Multi-Party Computation) und ZK (steht für „Zero Knowledge“) zu einer neuen Technologie. Ersteres sichert, wie erwähnt, die gemeinsame Nutzung verschlüsselter Daten und Zweiteres macht es möglich, zu beweisen, dass man ein Geheimnis weiß, ohne es preiszugeben. Beispiel: Man beweist, dass man über 18 Jahre alt ist, ohne sein Geburtsdatum zu verraten. Oder eben: Man beweist seine Identität, ohne sie offenzulegen – der Schlüssel für moderne Verifizierungsverfahren im Digitaldschungel. „Vereinfacht kann man es sich so vorstellen: Drei Buchstaben aus einer Din-A4-Seite Text reichen aus, um diesen zu verifizieren“, so Plank. „Das klingt für Nicht-Kryptografen ein wenig nach Magie, aber es funktioniert.“ „Wir sind auch die Ersten, die diese Technologie wirtschaftlich anwendbar machen können – das gibt uns eine Alleinstellung am Markt“, freut sich Helminger, studierter Mathematiker, der am Institut für Informationssicherheit der TU Graz von Stefan Mangard forschte. „Das Institut genießt Weltruf – die Absolventen brauchen sich nicht vor jenen aus Stanford oder Berkeley verstecken.“ Bei einer Tech-Konferenz in Stanford (Kalifornien) vor zwei Jahren präsentierte Helminger die innovative Technologie. World wurde aufmerksam, ein erster Auftrag folgte. Schon bald stiegen US-Investoren ein – allen voran a16z von Andreessen Horowitz, einem der größten IT-Investoren der Welt. Nicht weniger als 5,5 Millionen Dollar flossen in der letzten Finanzierungsrunde ins Unternehmen, das vorwiegend in neue Mitarbeiter investierte. Der Personalstand verdoppelte sich auf 22 Köpfe aus elf Nationen. „Ein Teil arbeitet auch remote aus deren Heimatländern. An täglichen Zoom-Konferenzen besteht daher kein Mangel“, schmunzelt Plank, der einzige Nicht-Techniker unter den Gründern. Er stieß als Experte für Organisationsentwicklung zum Team. Die Videokonferenz-Software Zoom ist indirekt auch Kunde des Unternehmens. „Das aktuelle Update von World, die ID 4.0, wird auch von Zoom verwendet, um die Echtheit einer Person zu prüfen und KI-generierte Fakes auszuschließen.“ Weiterer prominenter World-Kunde, der von der Privacy-Technologie profitiert, ist der Dating-App-Anbieter Tinder. Helminger: „Gerade bei Dating-Apps wird es immer wichtiger, Fake-Profile mit Betrugsabsichten hintanzuhalten.“

Zwei Männer sitzen auf schwarzen Stühlen in einem hellen, modernen Büro, der eine trägt ein dunkles Hemd, der andere ein helles Hemd, zwischen ihnen steht ein orangefarbener Tisch.

„Wir wollen zum neuen Privacy-Standard im Web der Zukunft werden.“

Lukas Helminger
CEO TACEO

Neue Chancen durch Stablecoins und KI-Agenten

Neben dem Fokus auf „digitale Identität“ sehen Plank und Helminger zwei weitere Hauptanwendungsbereiche für ihre Technologie: Stablecoins und AI-Agents. „Stablecoins sind Kryptowährungen, deren Wert an eine klassische Währung gekoppelt ist. Gerade ein sehr heißes Thema im Finanzwesen“, so Helminger. „Immer mehr traditionelle Banken erkennen die Vorteile. Auch Raiffeisen investiert als Teil eines europäischen Konsortiums gerade in diesem Bereich. Stablecoins erlauben es, große Zahlungsverkehre – speziell im grenzüberschreitenden Bereich – effizienter und kostengünstiger abzuwickeln.“ Plank: „Der Haken bislang: Stablecoins nutzen Blockchains, das heißt, alle Transaktionen sind transparent, was viele Anwendungen unattraktiv macht, etwa Gehaltsüberweisungen oder große Business-to-Business-Zahlungen. Mit unserer Technologie können wir auch hier den Datenschutz wahren.“ Und auch für das derzeit heiß diskutierte Feld der Agentic AI bietet TACEO praktikable Lösungen.

Ein runder, moderner weißer Lautsprecher mit einem gelben, kreisförmigen Akzent und einem kleinen horizontalen Schlitz unterhalb des Lautsprechergitters auf weißem Hintergrund.

Wichtiges Office-Requisit: Der Iris-Scanner Orb aus dem Projekt World

„KI-Agenten werden immer mehr zu digitalen Assistenten, die selbstständig Ziele verfolgen und Aufgaben ausführen. Damit sie sich wirklich durchsetzen, muss auch gewährleistet sein, dass hinter einer Transaktion ein echter Mensch steht und kein Bot. Und dessen Identität muss verifizierbar sein“, so Helminger. „Schließlich geht es ja auch um Haftungsfragen, wenn KI-Agenten Flüge buchen und Dinge im Internet bestellen.“ Damit stehen alle Zeichen auf Wachstum – auch die nächste Finanzierungsrunde wird bereits angepeilt. „Wir streben noch in diesem Jahr die nächste Finanzierungsrunde an. Nach dem Go-to-Market bei der jüngsten Runde lautet das Ziel diesmal Umsatzwachstum“, verrät Plank. „Zusätzlich zu einer Anschlussfinanzierung unserer Bestandsinvestoren aus den USA hoffen wir nun auch auf europäische, idealerweise sogar österreichische Investoren“, so Helminger. „Das wäre ein schönes Zeichen für den Wirtschaftsstandort: Nicht nur das Know-how, sondern auch das Kapital kommt aus Europa.“ Die Wachstumsziele? „Konkrete Zahlen können wir nicht kommunizieren, aber klar ist, dass das künftige Marktvolumen in allen Feldern enorm ist“, so Plank und Helminger. „Die Märkte sind aufgrund der Neuheit der Technologie ja erst im Entstehen. Aber wir wissen, dass wir eine führende Technologie in einem Zukunftsfeld haben, und wollen substanzielle Marktanteile erringen.“ Die Vision? „Wir wollen ,Privacy by default‘ im Web werden“, so Plank. „Das heißt, der Datenschutz, den wir möglich machen, soll Standard werden.“

TACEO

  • Gegründet 2022, Spin-off des Know- Centers und der TU Graz
  • Angesiedelt am Grazer Jakominiplatz
  • Sechs Gründer: Christian Rechberger, Lukas Helminger, Daniel Kales, Roman Walch (jeweils Kryptografen) sowie die beiden Serial Entrepreneur Lukas Götz und Stefan Plank
  • Das Start-up entwickelte eine Technologie, die zwei kryptografische Verfahren (Multi-Party Computation und Zero Knowledge) miteinander verbindet und damit das lange als unlösbar geltende Dilemma zwischen Datenschutz und Datennutzung löst: Daten teilen, ohne diese preiszugeben.
  • Taceo schafft damit eine „Private Shared Infrastructure” und eine Sonderstellung am Markt für Privacy Enhancing-Technologies.
  • Einsatzgebiete: Identity, Agentic AI, Finanzwesen, Gesundheitswesen
  • Strategischer Partner: World, das Iris-Scan- und Identitätsprojekt von Sam Altman (OpenAI)
  • 18 Millionen Nutzer sind derzeit registriert.
  • Das Unternehmen gilt als eines der vielversprechendsten europäischen Deep-Tech-Player.
  • Eine Seed-Finanzierungsrunde im Jahr 2025 in den USA lukrierte 5,5 Millionen Euro.
  • Investoren: a16z (Andreessen Horowitz, einer der wichtigsten Tech-Investoren der USA), Archetype VC, Cyber.Fund, A.Capital Ventures, Polymorphic sowie mehrere Business Angels
  • Derzeit 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

 

Fotos: Oliver Wolf, beigestellt

Banner mit dem Text "trinkvergnügen" und "Über 450 Weine & Champagner einfach online bestellen." Rechts zeigt ein Foto zwei Gläser Rotwein auf einem Holztisch im Freien bei Sonnenuntergang.
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