Speicher für die Wende
Mit innovativen Systemen zur Warmwasserbereitung, thermischen Speicherung und Integration erneuerbarer Energiequellen eroberte sich die in Langenwang ansässige PINK GmbH eine führende Rolle auf dem langen Marsch in die erneuerbare Energiezukunft.
Strom muss fließen – genau dorthin, wo er gebraucht wird. Und das exakt in dem Moment und in der Menge, in der er tatsächlich verbraucht wird. Erzeugung und Verbrauch müssen sich in einem Netz zu jedem Zeitpunkt die Waage halten. Was schon mit regelbaren Großkraftwerken ein technischer Drahtseilakt war, wird durch die Energiewende noch viel komplexer: Schwankende Erträge aus erneuerbaren Quellen und eine dezentrale Erzeugungsstruktur stellen die Frage nach dem fragilen Gleichgewicht neu. Das Gleichgewicht zu stabilisieren und dabei die vorhandenen Ressourcen effizient zu nutzen, ist der Schlüssel nicht nur zu einer funktionierenden Stromversorgung, sondern zu einer nachhaltigen Energiezukunft. An dieser Schlüsselstelle sind innovative, wenn auch häufig auf altbewährten technischen Verfahren und physikalischen Prinzipien beruhende Lösungen gefragt. Und Visionäre, die solche Lösungen entwickeln und umsetzen. Werner Pink ist einer dieser Vorausdenker und Anpacker. Und die Energiesysteme, die er mit seinem Unternehmen, der PINK GmbH, entwickelt und anbietet, sind um eine der Schnittstellen dezentraler Energielösungen aus erneuerbaren Energiequellen angesiedelt: Speicher. In den Werkshallen am Firmensitz in der Langenwanger Bahnhofsstraße, einem im Laufe der Firmengeschichte immer wieder erweiterten und direkt an den Gleisen der Südbahn gelegenen einstigen Lagerhaus, warten zahlreiche dieser Speicher darauf, an ihre zukünftigen Einsatzorte transferiert zu werden: keine Batteriespeicher allerdings, sondern Stahlbehälter von teils beeindruckenden Ausmaßen: Warmwasserspeicher, Pufferspeicher. Sein Unternehmen, schildert Pink, sei in der Lage, solche Speicher in einer Höhe von bis zu zwölf Metern, einem Durchmesser von bis zu zweieinhalb Metern und einem Betriebsdruck von bis zu 10 bar zu fertigen. Die meisten hier sind auf 3 bar, einige auf 9 bar ausgelegt. Bis zu 50.000 Liter Wasser kann ein solcher Behälter aufnehmen.
ZUR PERSON
Werner Pink (48) übernahm 2008 das von seinem Vater Hubert 1989 gegründete Langenwanger Unternehmen. Die PINK GmbH ist Vorreiter bei Energiesystemen und thermischer Speicherung für Geschosswohnbau & Co.
ZUM UNTERNEHMEN
PINK GmbH
- 1989 von Werner Pinks Vater Hubert gegründet, seit 1996 in Langenwang ansässig
- Pink sen. hatte sich im Zuge der Verstaatlichten-Krise ursprünglich im Keller seines Einfamilienhauses selbstständig gemacht. 2008 übernahm Werner Pink die Geschäftsführung.
- Werner Pink (48) absolvierte die HTL in Kapfenberg sowie ein Diplomstudium der „Produktionstechnik und Organisation“ an der FH Joanneum in Graz. Vor seiner Rückkehr in den Familienbetrieb war er Projektleiter bei Magna Steyr Heavy Stamping in Albersdorf bei Gleisdorf.
- Die PINK GmbH entwickelt, fertigt und vertreibt unter dem Label enerboxx intelligente Wohnungsstationen für die dezentrale Speicher-Warmwasserbereitung, Heizung und Kühlung und die energieeffiziente und zukunftsfähige Versorgung von Wohneinheiten im Mehrfamilienhaus für alle Energieträger und Heizungssysteme, aber auch als zukunftsfähige Alternative beim Boilertausch. Außerdem zählen zum Produktportfolio: Pufferspeicher, Brauchwasserspeicher, Regelungstechnik,
Engineering, industrieller Behälterbau etc. - Die umfassende Energie- und Speichertechnik- sowie Systemkompetenz entwickelte sich aus der ursprünglichen Tätigkeit, der Herstellung von Edelstahlbehältern für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete. Auch heute werden die großen Pufferspeicher noch in Langenwang gefertigt. Andere Komponenten kommen von österreichischen bzw. europäischen Auftragsherstellern. Zu den Kunden zählen Wohnbaugenossenschaften, Bauträger und Unternehmen.
- Rund 20 Fachkräfte werden von der PINK GmbH beschäftigt. Das Unternehmen wird in der Region auch als Arbeitgeber geschätzt und ist an zahlreichen österreichischen und internationalen F&E-Projekten beteiligt.
- Die PINK GmbH erwirtschaftet einen Umsatz von rund 4 Mio. Euro jährlich, ganz überwiegend in Österreich. Ein stärkeres internationales Engagement wird angestrebt.
Pufferspeicher auf Bestellung
„Neun bar Druck“, veranschaulicht Pink, „das entspricht einer Last von rund 90 Tonnen, die auf einen Quadratmeter Fläche wirkt.“ Von der Stange kommt da nichts. Der Zusammenbau der vorgeformten Teile und die Endfertigung erfolgen in den Werkshallen, wenn nicht sogar direkt am Bestimmungsort; nämlich dann, wenn die riesigen Behälter nicht als Ganzes an ihren Einsatzort gebracht werden können, sondern erst dort zusammengeschweißt werden, um möglichst perfekt in die zur Verfügung stehenden Örtlichkeiten eingepasst zu werden – auch eine der besonderen Leistungen und Fertigkeiten der PINK GmbH. Was hier in den Hallen noch recht handwerklich, um nicht zu sagen robust anmuten mag, wird an seinem Bestimmungsort seine Aufgabe als zentrale Schnittstelle eines so smarten wie intelligenten Energiesystems erfüllen – verlässlich, langlebig und dabei auch noch weitgehend wartungsfrei. Im Prinzip geht es immer darum, Erträge aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind- und Sonnenkraft, deren Aufkommen fluktuiert, also je nach Wetterlage, Tages- oder Jahreszeit variiert, möglichst gleichmäßig verfügbar zu machen und optimal zu nutzen. „Die Photovoltaikanlage zum Beispiel liefert tagsüber bzw. in der warmen Jahreszeit am meisten Strom“, erklärt Pink. „Der Verbrauch ist allerdings in der Früh, am Abend bzw. in der kalten Jahreszeit am höchsten.“ Das „große“ Stromnetz kann diese zunehmenden zeitlichen Unterschiede zwischen Erzeugung und Verbrauch jedoch nur begrenzt ausgleichen. Gefragt sind also dezentrale Lösungen, die Energie dann verfügbar machen, wenn sie auch tatsächlich benötigt wird. Das Schlüsselwort dafür: Speicher.
„Wir haben kein Energieproblem, sondern ein Speicherproblem. Und genau da setzen wir mit unseren innovativen Energie- und Speichersystemen an.“
PINK setzt dabei auf thermische Verfügbarkeit. Diese, ist der Firmenchef überzeugt, sei im Geschosswohnbau, auf den das Mürztaler Unternehmen seine Energielösungen vorwiegend ausrichtet, nicht nur besonders effizient, sondern auch naheliegend. „Unser Ansatz ist“, präzisiert Pink, „dass im Geschosswohnbau mit dem ohnehin erforderlichen Warmwasserspeicher bereits eine sehr kosteneffiziente thermische Batterie vorhanden ist. Wir nutzen nun diese bereits bestehende thermische Batterie doppelt – zur Warmwasserbereitung und zur zeitlichen Verschiebung von Energie.“ Batteriespeicher könnten diese thermische Speicherkapazität dann sinnvoll ergänzen.
Boiler-Lookalike als intelligenter Speicher
Schnitt- und Schlüsselstelle dieses Systems ist die dezentral auf Wohnungsebene angesiedelte „enerboxx“ – entweder als hängendes Boiler-Lookalike oder als unsichtbarer Zwischenwandspeicher inklusive Hydraulikmodul verbaut. Speziell mit der Zwischenwandlösung sei es, so der Unternehmer, gelungen, das System auch Wohnbaugenossenschaften und Bauträgern schmackhaft zu machen. Die hätten nämlich zuvor lieber auf zentrale Warmwasserbereitung gesetzt, um sich die Geräte auf Wohnungsebene zu ersparen – womit aber, wie Pink anmerkt, auch enorme Zirkulations- und Leitungsverluste in Kauf genommen würden. Mittlerweile, freut er sich, käme die enerboxx-Lösung bereits in zahlreichen Wohnbauten quer durch Österreich und zunehmend auch darüber hinaus zum Einsatz. Das System enerboxx, so Pink selbstbewusst, sei „ein zentraler Baustein für das Energiesystem der Zukunft“ und ermögliche durch seinen modularen Aufbau eine intelligente und effiziente Verknüpfung – sprich: Sektorkopplung – von Strom und Wärme und in Verbindung mit einem Hydraulikmodul die Realisierung unterschiedlichster Lösungen zur Warmwasserbereitung, zum Heizen und zum Kühlen. Innovationskern der enerboxx ist die patentierte DynaStrat-Technologie, die den Inhalt des Warmwasserspeichers in Zonen schichtet: oben das akut „einsatzbereite“ Heißwasser, darunter zwei sogenannte Eco-Zonen, die gezielt Speicherkapazität vorhalten und mittels DynaStrat-Heizelement bevorzugt dann elektrisch aufgeheizt werden, wenn überschüssiger Photovoltaikstrom verfügbar ist oder Strom – etwa bei dynamischen Tarifen – besonders günstig zur Verfügung steht. Mit der eigens entwickelten Energiemanagement-Lösung „greencharge“ könne, so Pink, die vorhandene thermische Speicherkapazität gezielt für PV-Überschüsse bzw. in der Online-Variante auch in Verbindung mit dynamischen Stromtarifen und weiteren Energiemanagement-Funktionen genutzt werden.
Derzeit würden, erklärt Pink, rund zwei Drittel des Umsatzes im Neubaugeschäft erwirtschaftet, doch die Gewichte würden sich zusehends Richtung Sanierung verschieben. Folgerichtig wird die enerboxx DynaStrat nun auch als intelligente und zukunftsfähige Option für den Boilertausch angeboten und beworben. Denn sie ermögliche es, aus einem einfachen Warmwasserspeicher einen intelligent nutzbaren thermischen Energiespeicher zu machen. Adressaten sind auch Wohnungs- und Hausbesitzer, vor allem aber Immobilienunternehmen und Wohnungsgenossenschaften. „Wir sind in zahlreiche Forschungsnetzwerke eingebunden und beteiligen uns gemeinsam mit namhaften Partnern laufend an nationalen und internationalen F&E-Projekten“, streicht Pink den innovativen Charakter seines Unternehmens und den Ehrgeiz, sich an der Entwicklungsspitze zu positionieren, hervor. „Es warten enorme Herausforderungen“, spricht Pink, der dem Vorstand der „Qualitätsplattform Sanierung“ angehört, Energiewende und Klimazukunft an. „Wir sind ein kleines, technikgetriebenes Unternehmen. Wir sind innovativ, wendig, schnell, haben kurze Entscheidungswege und hervorragende Mitarbeiter mit Forschergeist und einem tollen Spirit. Wenn wir gut vernetzt agieren, können gerade wir in diesem nach wie vor von schwerfälligen Großstrukturen dominierten Umfeld viel mehr bewegen, als man es uns aufgrund unserer Größe zutrauen würde.“
Zwischenwandlösung überzeugt im Geschosswohnbau: enerboxx als intelligente Wohnungsstation für die dezentrale Speicher-Warmwasserbereitung, Heizung und Kühlung
Über Österreich hinaus
Innovationskraft und technische Vorreiterrolle seien, so Pink, jedoch nur eine Seite der Medaille. „Wir bieten unseren Kunden ein lösungs- und umsetzungsstarkes Gesamtpaket von der Planung bis zur Fertigstellung und verstehen uns als Manufaktur mit einer hohen Kompetenz für kundenspezifische Konfigurationen und Sonderfertigungen. Wir verbinden ein ausgereiftes System mit viel Flexibilität und individuellen Gestaltungsmöglichkeiten.“ Abgerundet werde das eigene Portfolio rund um Speicher und enerboxx auch von Komponenten von Kooperationspartnern, etwa bei Photovoltaik. „Dabei fungieren wir als Systemintegrator.“ Auf der anderen Seite kämen PINK-Komponenten white-label auch in den Systemen von Energiesystem-OEMs zum Einsatz. Auch international will PINK zulegen. Derzeit fallen 90 Prozent des Umsatzes nämlich in Österreich an. Fokusmärkte: der DACH-Raum, Frankreich, Spanien – und, ja, Ghana. Dort soll nach einer begleiteten Marktsondierung mit einem Vor-Ort-Partner der Eintritt in den afrikanischen Markt gelingen. „Herausfordernd“, zieht Pink eine Zwischenbilanz, „weil man trotz fachlichen Supports nicht alle Faktoren auf der Rechnung hat, allerdings eben auch lehrreich und eine Riesenchance.“ Nicht nur für PINK, sondern für Umwelt und Klima gleich dazu.
Fotos: Oliver Wolf