Eine Person mit langen blonden Haaren sitzt auf einem erhöhten Metallpodest vor modernen, industriell anmutenden Lagerschränken, lächelt und trägt ein marineblaues Hemd, hellbraune Shorts, weiße Socken und Turnschuhe.
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„Wir sind durch KI nicht ersetzbar“

Jongleur unter Hochdruck: Bernd Dorrong von der Offsetdruckerei Dorrong in Graz setzt mit seiner jüngsten Großinvestition einen wichtigen Meilenstein für die Zukunftsfitness des Betriebs. Der Unternehmer über den Erfolgsfaktor Automatisierung, die Zukunft von Künstlicher Intelligenz und das permanente Jonglieren in Zeiten steigenden Kostendrucks.

Die inneren Werte machen den Unterschied. Auch bei Druckmaschinen. Wir befinden uns im weitverzweigten Untergeschoss bei Druckspezialist Dorrong in der Kärntner Straße in Graz. Links und rechts von uns tun sich zwei Kolosse von Druckmaschinen auf. Zwei Heidelberg Speedmaster saugen in atemberaubendem Tempo Papierbögen ein, die sie am anderen Ende der Maschine frisch bedruckt ebenso rasant wieder eruptieren. Große Unterschiede zwischen den beiden Print-Giganten sind für unser Auge kaum auszumachen. Und doch gibt es sie – unter der Oberfläche. Die rechter Hand gelegene Speedmaster ist das brandneue Flaggschiff im Hause Dorrong – erst wenige Wochen im Einsatz. „Unglaublich, wie viele neue Features die neue Maschine bereits wieder drauf hat“, erklärt Bernd Dorrong, der die großen Druckanlagen im Haus alle vier Jahre gegen neue Modelle austauscht. „Auch wenn sie sich optisch ähneln, der entscheidende Unterschied zur Vorgängergeneration liegt im hohen Automatisierungsgrad“, so Dorrong. „Die Maschine erlaubt, Prozesse parallel auszuführen – während sie noch druckt, kann bereits der nächste Druckjob eingetaktet werden. Noch dazu ‚merkt‘ sie sich alle Print-Einstellungen vom letzten Mal.“ Der Nutzen: stark verkürzte Rüstzeiten – damit lassen sich die Umstellphasen zwischen zwei Druckaufträgen massiv reduzieren. „Auf diese Weise können wir künftig mehr Aufträge innerhalb einer Schicht unterbringen und damit Zeit und Ressourcen einsparen“, so der Firmenchef, der nicht weniger als drei Millionen Euro in den neuen Maschinenpark investierte. Neben der Acht-Farben-Speedmaster wurde auch eine neue Falzmaschine angeschafft.

Eine verschwommene Person geht an einer Reihe großer, moderner Industriemaschinen in einem gut beleuchteten Gebäude vorbei, möglicherweise ein Rechenzentrum oder eine Druckerei, in dem Oberlichter und Metallgeländer sichtbar sind.
Bernd Dorrong vor seiner nagelneuen, hoch automatisierten Heidelberg Speedmaster mit einer Druckleistung von 15.000 Print-Bögen pro Stunde

Das letzte Glied in der Kette

„Eine wichtige Investition in die Sicherung des Standorts“, betont Dorrong. „Damit bleiben wir up-to-date und können die Anforderungen unserer Kunden auch weiterhin in höchster Qualität und zu wettbewerbsfähigen Preisen erfüllen“, so der Unternehmer. An permanenter Kostenoptimierung führe kein Weg vorbei. „Als Druckerei ist man das letzte Glied in der Kette. Wir haben viele vorgelagerte Produkte und Prozesse, vom Rohstoff Papier bis zum Transport, die allesamt von Preissteigerungen betroffen sind und am Ende auch uns treffen. Um leistbar zu bleiben, müssen wir innerbetrieblich ständig jonglieren und die Grenzen im Rahmen des technisch Machbaren ausreizen – Effizienzgewinne durch neue Drucktechnologien helfen uns dabei.“ Auch der optimierte Personaleinsatz gehöre dazu. „Wir versuchen, unsere Mitarbeiter so universell und so flexibel wie möglich einzusetzen – auch an unterschiedlichen Positionen, ob beim Druck oder in der Weiterverarbeitung. Der Vorteil für die Mitarbeiter ist ein breiteres und abwechslungsreiches Betätigungsfeld“, so Dorrong. „Dafür haben wir die optimale Betriebsgröße – wir sind groß genug, um sämtliche Druckaufgaben zu erfüllen und klein genug, um rasch und flexibel auf Anfragen reagieren zu können.“ Große Marktschwankungen kann Bernd Dorrong derzeit nicht erkennen – weder im Gesamtmarkt noch in den eigenen Auftragsständen. „Der Wettbewerbsdruck ist hoch, aber unser Geschäft verläuft relativ stabil“, so Dorrong, der auch durch die Digitalisierung – seit Jahren prognostizierter Gottseibeiuns der Druckbranche – keine massiven Verschiebungen ortet. „Klar, es gibt immer wieder Auftraggeber, die mehr auf das digitale Pferd setzen, dafür gibt es andere, die wieder den umgekehrten Weg gehen und das Haptische präferieren – das hält sich ungefähr die Waage.“

Full-Service-Anbieter im Druckbereich

Was auf Kundenseite immer gelte: ein ausgesprochen hoher Qualitätsanspruch. „Im Printbereich duldet der Kunde keine Kompromisse – Top-Qualität ist mittlerweile Standard. Und das ist auch gut so. Dadurch können wir uns von Billiganbietern aus dem Internet unterscheiden – vor allem bei Aufträgen, die mittlere oder höhere Summen ausmachen. Hier will sich der Kunde darauf verlassen, dass die Abwicklung reibungslos funktioniert. Und dass es Ansprechpartner vor Ort gibt, die man jederzeit kontaktieren kann. Zudem sind wir eine Druckerei, zu der man jederzeit hinfahren kann für einen Probedruck oder um beim Andruck dabei zu sein. Wir legen größten Wert auf Service-Qualität – damit können wir uns auch in Zukunft von anderen abheben“, so der 41-Jährige. Entsprechend klar ist auch die Positionierung des Familienunternehmens als Full-Service-Anbieter im Druckbereich. „Im Lauf der vergangenen Jahre haben wir uns darauf fokussiert, alle relevanten Dienstleistungen im Haus – vom Offset- und Digitaldruck bis zur Weiterverarbeitung – aus einer Hand anbieten zu können. Damit sichern wir eine gewisse Unabhängigkeit sowie höchste Qualität.“ Maßnahmen in diesem Bereich waren beispielsweise jüngste Investitionen in Klebebindung und Adressierung. „Entscheidend für den Erfolg ist ohnehin die Qualität der Fach- und Arbeitskräfte im Haus. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir wenig Fluktuation haben. Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit bei uns beträgt 25 Jahre“, so Dorrong. Zudem setze man stark auf den eigenen Nachwuchs und bilde Lehrlinge aus. Derzeit in allen drei Lehrberufen Drucktechnik, Druckvorstufe und Buchbinderei. „Großartig, dass wir immer wieder gute junge Leute finden, die sich für das Druckgewerbe begeistern.“

Ein lächelnder Mann mit schulterlangem blondem Haar und einem marineblauen Polohemd steht mit verschränkten Armen vor einem schlichten dunkelgrauen Hintergrund.
Der sportbegeisterte Unternehmer führt den Familienbetrieb in dritter Generation.

Keine Angst vor Disruption

Die Angst, eines Tages von Künstlicher Intelligenz wegdisruptiert zu werden, müsse die Branche nicht haben, ist Dorrong überzeugt. „Es ist gewaltig, was sich auf dem Gebiet derzeit tut – aber ich sehe hier alle vorgelagerten Dienstleistungen, ob Text, Foto oder Grafik mehr gefährdet als uns. Denn das letzte Glied in der Kette, der Druck, wird bei aller Automatisierung immer etwas Handwerkliches bleiben. Die Expertise eines Druckers, der das Verhalten von Papier in entscheidenden Situationen einschätzen können muss, wird immer maßgeblich bleiben. Daher ist Druck per se nicht digitalisierbar.“ Eine Expertise, die die Mitarbeiter bei Kunden unterschiedlicher Größen und Branchen anwenden. „Wir haben eine Fülle von Stammkunden – ob im Bereich Magazine, Zeitungen, Broschüren oder Bücher und vieles mehr. Die Kunden reichen von Großkunden aus der Industrie bis zu KMU sowie Betrieben aus Hotellerie und Gastronomie.“ Gerade Tourismus und Sport sind ein Steckenpferd von Dorrong, das der sportbegeisterte Firmenchef – Montainbike, Ski und Tennis – auch publizistisch auslebt. Eine Tochterfirma von Dorrong bringt dreimal jährlich das exklusive Montainbike- und Radsport-Magazin LINES heraus. „Das Medium ist sowohl Spielwiese für aufwändige Sonderdruckformen als auch Türoffner für neue Printkunden.“

Offsetdruckerei Dorrong

  • Gegründet 1956 vom Großvater des heutigen Firmenchefs Bernd Dorrong, der das Unternehmen seit 2014 führt.
  • Von der Kleinstauflage bis zum Großauftrag: Zeitungen, Broschüren, Prospekte, Magazine wie z.B. „SPIRIT of Styria“ oder „Grazetta“, Geschäftsdrucksorten, Plakate, Kuverts, Verpackungen, Etiketten
  • Dienstleistungen: Offsetdruck, Digitaldruck, Kleben, Veredelungen, Stanzarbeiten, Rillen, Perforieren, Cellophanieren, Blindprägen, Heißfolienprägung, Spiralisieren
  • Breite Kundenstruktur vom EPU bis zur Industrie, darunter Andritz AG oder Seidl Trachten
  • Das Unternehmen ist gemäß der Nachhaltigkeitsstandards FSC und PEFC zertifiziert sowie Träger des Österreichischen Umweltzeichens.
  • Zudem kommen bereits zehn Prozent des Strombedarfs aus der betriebseigenen PV-Anlage (85 kWp).
  • Das Unternehmen beschäftigt rund 50 Mitarbeiter, darunter drei Lehrlinge.
  • Bernd Dorrong ist auch Herausgeber des Mountainbike&Lifestyle-Magazins LINES (erscheint dreimal jährlich).

Fotos: Oliver Wolf

Banner mit dem Text "trinkvergnügen" und "Über 450 Weine & Champagner einfach online bestellen." Rechts zeigt ein Foto zwei Gläser Rotwein auf einem Holztisch im Freien bei Sonnenuntergang.
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