Das Cluster-Jahr in der Glaskugel
Die große Cluster-Vorschau 2026: Die Herausforderungen und Highlights, die Chancen und Schwerpunkte – „SPIRIT of Styria“ fragte die Geschäftsführer der steirischen Cluster und Netzwerke nach den Hot Topics 2026.
Christa Zengerer
Geschäftsführerin
ACstyria
„Security & Defense weiter forcieren“
Krisen, Konflikte und Unsicherheiten: Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen für Ihre Mitgliedsbetriebe?
Die größten Herausforderungen für unsere Mitgliedsbetriebe liegen nach wie vor in der Kombination aus geopolitischen Unsicherheiten, volatilen Märkten und dem tiefgreifenden Strukturwandel der Mobilitätsindustrie. Hohe Energie- und Produktionskosten, zunehmender internationaler Wettbewerbsdruck sowie eine wachsende regulatorische und bürokratische Komplexität auf europäischer Ebene beeinträchtigen zunehmend die Planungssicherheit unserer Unternehmen. Gleichzeitig fordert die Transformation hin zu nachhaltigen, digitalen und automatisierten Mobilitätslösungen enorme Innovations- und Anpassungsfähigkeit – insbesondere für KMU.
Warum kann 2026 dennoch ein gutes Jahr für die Betriebe des ACstyria werden?
Unsere Unternehmen und Institutionen verfügen über hohe Innovationskraft, starke industrielle Kompetenzen und eine enge Vernetzung mit Forschung und öffentlicher Hand. Das schafft 2026 gute Voraussetzungen, um neue Mobilitätslösungen erfolgreich in den Markt zu bringen und den Standort Steiermark weiter zu stärken.
Die geplanten Schwerpunkte in diesem Jahr?
Der ACstyria setzt 2026 einen starken Fokus auf die beiden Zukunftsfelder Materialien, Werkstofftechnologien & Kreislaufwirtschaft sowie Antriebs-, Fahrzeugtechnologien & Produktion. Auch das branchenübergreifende Themenfeld Security & Defense werden wir in diesem Jahr weiter forcieren. Unsere erste große Veranstaltung ist der Materials Day am 25. März am Red Bull Ring. Auch Branchenveranstaltungen wie unsere etablierten Branchen TechTalks und Ähnliches sind geplant. Unter www.acstyria.com sind neben den Veranstaltungsterminen auch die Schulungstermine der ACstyria Academy aufgelistet.
Robert Gfrerer
Geschäftsführer Silicon Alps Cluster
„Kooperation als Top-Wettbewerbsfaktor“
Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen für Ihre Mitgliedsbetriebe?
Als exportorientierte Hightech-Unternehmen sind unsere Mitgliedsbetriebe eng in globale Lieferketten eingebunden. Dadurch wirken sich Unsicherheiten nicht nur auf einzelne Unternehmen aus, sondern auf gesamte Wertschöpfungsnetzwerke – von Leitbetrieben über KMU bis hin zu Forschungspartnern. Während globale Entwicklungen nur begrenzt beeinflussbar sind, bestehen auf nationaler und europäischer Ebene eher Gestaltungsmöglichkeiten, etwa bei Energiepreisen, steuerlichen Rahmenbedingungen oder Arbeitskosten. Hier zeigen starke Innovationsökosysteme ihre Bedeutung: Sie schaffen Stabilität, fördern Zusammenarbeit und erhöhen die Resilienz gegenüber globalen Unsicherheiten.
Warum kann 2026 ein gutes Jahr für die Betriebe des Clusters werden?
Gerade in der Zusammenarbeit liegt die Chance für 2026. Ganz nach dem Motto „If you want to go fast, go alone. If you want to go far, go together“ ist der Cluster Impulsgeber und Innovationsdrehscheibe. Technologietrends wie Wide-Bandgap-Halbleiter, KI-Anwendungen oder Time-of-Flight-Sensorik treiben weltweit neue Märkte an. Clusterpartner entwickeln Schlüsseltechnologien und ermöglichen Innovation entlang der gesamten Lieferkette. Kooperation wird damit zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Projekte wie „Shared Charging“ zeigen, wie gemeinsame Technologieentwicklung neue Geschäftsmodelle eröffnet.
Die Schwerpunkte in diesem Jahr?
Der Fokus 2026 liegt auf resilienten Lieferketten, Internationalisierung, Cybersecurity und Start-up-Kooperationen. Formate wie „Lagebild Cybersecurity“, „Light Up the Alps“ mit unserem 10-Jahres-Jubiläum oder die EBSCON WEEK stärken den Austausch. International treiben wir die Vernetzung europäischer Halbleiterökosysteme voran, von der Business Mission nach Schweden bis zur SEMICON 2026 in München.
Lejla Pock
Geschäftsführerin
Human.technology Styria (HTS)
„Zentrales Zukunftsfeld mit stabiler Nachfrage“
Das Jahr begann voller Unsicherheiten: Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen für Ihre Mitgliedsbetriebe?
Unsere Mitgliedsbetriebe agieren aktuell in einem sehr fordernden Umfeld: geopolitische Spannungen, volatile Märkte, steigende Lohnkosten sowie ein zunehmend komplexer regulatorischer Rahmen prägen die Rahmenbedingungen. Gleichzeitig nehmen Wettbewerbs- und Innovationsdruck ebenso zu wie der Fachkräftebedarf. Diese Kombination verlangt strategische Klarheit, eine hohe Anpassungsfähigkeit und vor allem starke Partnerschaften.
Warum kann 2026 dennoch ein gutes Jahr für die Betriebe des HTS-Clusters werden?
Gerade in herausfordernden Zeiten werden die Stärken unserer Cluster Community und von Netzwerken im Allgemeinen besonders sichtbar. Die steirischen Life-Science-Unternehmen sind forschungsstark, international vernetzt und technologisch führend. Gesundheitsrelevante Themen bleiben ein zentrales Zukunftsfeld mit stabiler Nachfrage – ergänzt um neue Aspekte wie Standortresilienz und Versorgungssicherheit. Wer jetzt gezielt investiert, kooperiert und neue Märkte erschließt, schafft nachhaltige Perspektiven.
Wo liegen die Schwerpunkte für den HTS in diesem Jahr?
2026 setzen wir einen klaren Schwerpunkt auf Internationalisierung und Vernetzung. Ein Fokus liegt auf der Intensivierung unserer Kontakte in der GCC-Region – unter anderem mit einer starken steirischen und österreichischen Präsenz bei der WHX Dubai jetzt im Februar. Ein weiteres Highlight ist der Health Tech Hub Styria am 25. und 26. März, der Graz erneut zum Treffpunkt der europäischen Health-Tech-Community macht. Und wir freuen uns darauf, wieder gemeinsam mit BIOTECH AUSTRIA und dem Health Hub Tirol den Biotech Summit Austria in Innsbruck auszurichten – ein starkes Signal für den Life-Science-Standort Österreich.
Bernhard Puttinger
Geschäftsführer Green Tech Valley Cluster
„Stehen 2026 groß im Scheinwerferlicht …“
Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen für Ihre Mitgliedsbetriebe?
Diese ergeben sich aus geopolitischen Unsicherheiten, längeren Investitionsentscheidungen von globalen Kunden und unterschiedlich volatilen Märkten. Trotz dieser Rahmenbedingungen investieren die Unternehmen im Green Tech Valley weiter in Forschung, Infrastruktur und den Aufbau neuer Jobs. Strategisch rücken Europa sowie neue Chancen in Asien stärker in den Fokus. Abkommen wie Mercosur und der Indien-Deal eröffnen zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten für heimische Green-Tech-Lösungen.
Warum kann 2026 ein gutes Jahr für die Betriebe des Green Tech Valley werden?
2026 wird ein gutes Jahr werden, weil strategisch etwas mehr Rückenwind aus der EU und Österreich kommen kann. Mit der Industriestrategie Österreich rücken Umwelttechnologien als Schlüsseltechnologien sowie als gesonderte Handlungsfelder Energie und Kreislaufwirtschaft ins Zentrum einer – noch im Detail auszuarbeitenden – Offensive, um Innovationen schneller umzusetzen. Auf EU-Ebene können der Net Zero Industry Act und perspektivisch der Nachhaltigkeits-Fokus des kommenden Wettbewerbsfonds Investitionsimpulse und Verfahrensvereinfachungen für steirische Lösungen bringen.
Die Schwerpunkte und Highlights in diesem Jahr?
Inhaltlich setzen wir Schwerpunkte auf Wasserstoff, Energieinfrastruktur und Kreislaufwirtschaft. Das Hydrogen Valley nimmt weiter Fahrt auf, Highlight ist der Wasserstoffgipfel am 2. März in Klagenfurt. Im Green Tech Valley finden große Fachkonferenzen, etwa die ISEC International Sustainable Energy Conference der AEE INTEC von 14. bis 16. April in Graz und die Recy & DepoTech der MUL im November statt. Enorme Sichtbarkeit für Lösungen aus dem Green Tech Valley bringt zudem die Weltleitmesse IFAT in München Anfang Mai. Und das ganz große internationale Scheinwerferlicht dürfte 2026 auf das Green Tech Valley gerichtet werden, mehr folgt …
Alexander Pinter
Geschäftsführer
Holzcluster Steiermark
„Feiern 25 Jahre Holzcluster Steiermark“
Krisen, Konflikte und Unsicherheiten: Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen für Ihre Mitgliedsbetriebe?
2026 ist ein Jahr, in dem sich Rahmenbedingungen neu ordnen. Diskussionen über Regulierung, Märkte und Nachhaltigkeitsanforderungen prägen den wirtschaftlichen Kontext. Gleichzeitig bleibt die Baukonjunktur gedämpft: Investitionen werden verschoben, Projekte nicht umgesetzt, Planungssicherheit ist eingeschränkt. Globale Lieferketten befinden sich im Umbau und erhöhen die Anforderungen an Unternehmen.
Warum kann 2026 dennoch ein gutes Jahr für die Betriebe des Holzclusters werden?
Weil Holz strukturelle Antworten liefert. Als nachwachsender, regionaler Rohstoff bindet es CO₂ langfristig und ist ein zentraler Baustein für Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. Gleichzeitig entwickelt sich Holz rasant weiter – von klassischen Anwendungen hin zu Hightech-Lösungen in Automotive, Railway oder Aviation. Die Steiermark profitiert dabei vom engen Zusammenspiel von Forschung, Industrie und Umsetzung.
Die geplanten Schwerpunkte und Highlights in diesem Jahr?
2026 markiert 25 Jahre Holzcluster Steiermark. Der Fokus liegt auf Zusammenarbeit, Wirkung und Internationalisierung. Gemeinsam mit unseren Clusterpartnerbetrieben stärken wir Wertschöpfungsketten und treiben Kooperationen auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene voran. Als Netzwerk und Innovationstreiber verbindet der Holzcluster Steiermark strategische Fragestellungen mit konkreter Umsetzung. Das COMET-Projekt AutoForst adressiert zentrale Zukunftsfragen des Forst- und Holzsektors. Mit BIOCHARM prüfen wir die Anwendung von Biokohle. Unistrand bringt neue Holzarten in den Bausektor. Neue Marktmodelle für Kleinwaldbesitzer werden umgesetzt. Als Vorstandsmitglied von Bioeconomy Austria gestalten wir die Transformation mit, so findet etwa der Bioeconomy Austria Summit 2026 in der Steiermark statt.
Karl Hartleb
Geschäftsführer Internationalisierungscenter Steiermark (ICS)
„Fokusland 2026 Saudi Arabien“
Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen für exportorientierte Unternehmen
in der Steiermark?
Die USA bleibt aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und der Sprunghaftigkeit der US-Zoll- und Handelspolitik sicherlich der herausforderndste Markt. Allerdings gibt da doch der auf Einladung des ICS soeben erfolgte Antrittsbesuch des neuen US-Botschafters in der Steiermark Hoffnung, der sich im Ton konziliant und der Argumentation der steirischen Betriebe gegenüber aufgeschlossen gezeigt hat.
Warum kann 2026 für exportorientierte Betriebe dennoch ein gutes Jahr werden?
Das Freihandelsabkommen mit Indien eröffnet auf diesem wichtigen Wachstumsmarkt große Chancen – ich würde von einer Verdreifachung der Exporte in den kommenden zehn Jahren ausgehen. Und Indien wird damit auch eine wichtigere Rolle bei den internationalen Lieferketten für heimische Betriebe spielen können. Und vergessen wir MERCOSUR nicht, eine ganz wichtige Ansage seitens zweier großer Wirtschaftsräume in Richtung Freihandel und rules based order – etwas, das kleine Volkswirtschaften wie unsere dringend benötigen.
Wo liegen die Schwerpunkte des ICS in diesem Jahr?
Indien wird heuer weiterhin eine zentrale Rolle spielen: die automotive Zulieferreise gemeinsam mit dem ACstyria und dem Außenwirtschaftscenter New Delhi im März ist konkret in Vorbereitung – Anmeldungen sind dafür noch möglich. Wirtschaftsmissionen im Herbst zu den Themen Energie und Abfallwirtschaft stehen ebenfalls bereits auf dem Programm. Und das ICS Fokusland 2026, nämlich das Königreich Saudi Arabien, werden wir im Februar vorstellen und die für Anfang November geplante Reise auch mit weiteren Informationsveranstaltungen vorbereiten.
Fotos: KI-generiert mit Adobe firefly, Daniel Waschnig Photography, Oliver Wolf, beigestellt
