„Gestaltungskraft ist groß – wenn es Mut zu Reformen gibt“
Starke Verwaltung, starker Standort: In unserer Serie holt „SPIRIT of Styria“ Repräsentant:innen der Verwaltung in Stadt und Land vor den Vorhang und gibt Einblick in den Spirit der steirischen Verwaltung. Diesmal: Wolfgang Wlattnig, Leiter Abteilung 7 Gemeinden, Wahlen und ländlicher Wegebau
Die wichtigste(n) Aufgabe(n) meiner Abteilung:
Beratung und Kontrolle von Gemeinden, Durchführung von Gebarungsprüfungen, Durchführung der Wahlen, Abwicklung der Ertragsanteile für die Gemeinden, dienstrechtliche Fragen in Gemeinden, Förderung und Sanierung von Gemeindestraßen, Begleitung von Breitbandprojekten
Meine zentrale Aufgabe als Abteilungsleiter:
Leitende Verwaltung ist eine Managementaufgabe, wo an der Schnittstelle zur Politik die strategischen Themen in Form von Regierungsvorlagen, Gesetzesentwürfen oder Stellungnahmen an den Landtag aufbereitet werden; dazu kommen Personal- und Budgetfragen sowie die interne und externe Kommunikation.
Was mir an meinem Job besonders gefällt: Die Möglichkeit, mitzugestalten.
Wie viel Gestaltung darf Verwaltung?
Gemeinsam mit einem exzellenten Team in der A7 durfte ich an der größten Gebietsreform seit 1945 in der Steiermark mitwirken: Die rechtliche Umsetzung der Gemeindestrukturreform 2015 mit der Reduzierung der Gemeinden von 542 auf aktuell 285 wurde federführend von der A7 abgewickelt. Bei ausreichendem Mut zu Reformen ist die Gestaltungskraft der Verwaltung groß.
ZUR PERSON
Wolfgang Wlattnig
- Geboren: 1966
- Ausbildung: Studium der Rechtswissenschaften
- Werdegang: Landesdienst seit 1993, diverse Bezirkshauptmannschaften, VP-Landtagsklub, Büro LH Klasnic, Büro LH-Stv. Schützenhöfer, seit 2012 Leiter der A7, seit 2020 auch zusätzlich Landesamtsdirektor-Stellvertreter
Die aktuell größte Herausforderung für meine Organisation:
Die allgemeine Wirtschaftslage und die Abschaffung der kalten Progression bei den Steuereinnahmen führen bei steigenden Kosten zu einer schwierigen Finanzlage in den Gemeinden. Hier ist meine Abteilung permanent gefordert, Lösungen für die Gemeinden zu erarbeiten. Wichtige Infrastrukturprojekte wie z.B. die Generalsanierung von Schulen, der Neubau von Kindergärten und -krippen oder die Sanierung von Straßen und die Breitbandverlegung sollen weiterhin mit den Bedarfszuweisungen ermöglicht werden.
Ist Vorschrift immer Vorschrift?
Gerade im Wahlrecht kann jede Abweichung vom Gesetzeswortlaut zu einer Wahlaufhebung durch den VfGH führen; das Legalitätsprinzip in Art 18 der Bundesverfassung, wonach die gesamte staatliche Verwaltung nur auf Grund der Gesetze ausgeübt werden darf, gibt der Verwaltung die Richtung vor. Wir sind also so gut wie unsere Gesetze.
Von meinen Mitarbeiter:innen erwarte ich:
Engagement für die Sache, Fokussierung auf das Wesentliche, Kompetenz, Widerspruchsgeist und Loyalität. Dabei ist mir ein freundlicher, wertschätzender Umgang wichtig.
Digitalisierung in der Verwaltung ist … eine Notwendigkeit und hinsichtlich der KI ein Hoffnungsraum.
Was ich mir vom Gesetzgeber wünschen würde:
Der Gesetzgeber ist der Souverän, der seine Wünsche in Gesetze gießen kann, nicht die Verwaltung.
Ein Satz, den ich nicht mehr hören kann: Mit „Schau ma mal“ wird typisch österreichisch und durchaus freundlich die Lösung eines Problems verschoben.
Was ich mir von der Wirtschaft wünsche:
Erfolg. Denn Erfolg führt zu zusätzlichen Arbeitsplätzen, in der Folge zu mehr Steuereinnahmen und letztlich zu mehr Ertragsanteilen – auch für die Gemeinden.
Mein größtes Ziel:
Die Gemeinden bleiben finanziell stabil und können für die Daseinsvorsorge in bewährter Weise sorgen.
Die Zukunftsfrage Nummer eins für die Gesellschaft:
Wie gehen wir so miteinander – und mit unseren Ressourcen – um, dass wir und unsere Nachkommen eine gute gemeinsame Zukunft haben?
Meine wichtigsten Werte: Aufrichtigkeit, Authentizität, Loyalität, Vertrauen
Soziale Netzwerke: WhatsApp
Entspannung in der Freizeit finde ich … bei guter Lektüre und Wanderungen mit meiner Frau.
Lieblingsbuch: Sprachlich beeindrucken mich Franz Kafka, Franz Werfel, Josef Roth.
Lieblingsmusik: aktuell die englische Band London Grammar
Sehnsuchtsort: am Meer
Fotos: Oliver Wolf