Windkraft als Standortfaktor
Josef Plank, Präsident des österreichischen Windenergieverbands IG Windkraft, über die Rolle von Windenergie für den Wirtschaftsstandort, Planbarkeit als Wettbewerbsvorteil, das noch unausgeschöpfte Potenzial in der Steiermark und den Umgang mit Gegenwind.
Exakt 122 Windräder versorgen in der Steiermark derzeit 200.000 Haushalte mit Strom. Die Ausbauoffensive läuft: Der aktuelle Stand von 324 Megawatt an Leistung wird durch bereits genehmigte Projekte künftig auf 800 Megawatt ansteigen. 18 neue Vorrangs- und Eignungszonen im „Sachprogramm Windenergie 2026“ des Landes Steiermark sollen in den neu ausgewiesenen Zonen 150 weitere Windräder ermöglichen. Beschlüsse zur neuen Verordnung sind zeitnah geplant, derzeit werden die eingebrachten kritischen Stellungnahmen begutachtet. Josef Plank, Präsident von IG Windkraft, benennt die Handlungsnotwendigkeiten und plädiert für Aufklärung wie Akzeptanz. Denn steigende Energiekosten, geopolitische Krisen und der wachsende Strombedarf stellen gerade auch Betriebe vor große Herausforderungen.
Welche Bedeutung hat die Energiefrage mittlerweile für Unternehmen?
Sie ist zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor geworden, gerade auch im produzierenden Sektor. Mit der Energiekrise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine hat sich einmal mehr die starke Abhängigkeit von Öl- und Gaspreisen gezeigt. Explodierende Energiekosten haben viele Industriebetriebe massiv unter Druck gesetzt. Wer langfristig Standorte sichern will, braucht planbare Kosten.
Welche Rolle spielt Windkraft in diesem Setting?
Windkraft ist eine ausgereifte Technologie mit enormem Potenzial. Über das Jahr betrachtet zählt Strom aus Windkraft zu den günstigsten Bezugsquellen. Ein Windrad kann fast 5.000 Haushalte mit Strom versorgen. Können Industrie- und Gewerbebetriebe direkt in der Umgebung erzeugten Strom nutzen, sichert das Arbeitsplätze und stärkt den Wirtschaftsstandort. In der Steiermark liefern die Windparks Hochpürschtling und Stanglalm beispielsweise 125 Gigawattstunden an sauberem und sicheren Strom im Direktvertrag an die Voest.
Wie viel Potenzial steckt im Ausbau?
Österreichweit stammen derzeit gut 16 Prozent des Stroms in Österreich aus Windkraft. Dieser Anteil ließe sich relativ leicht verdoppeln, ohne dass gleich das Land flächendeckend mit Windrädern verbaut werden muss. Moderne Anlagen leisten wesentlich mehr als frühere Generationen. Gleichzeitig profitiert die Industrie: Viele Unternehmen zählen zu internationalen Zulieferern der Windkraftbranche – etwa im Stahl-, Elektro- oder Steuerungsbereich.
Windenergie geht es laut Josef Plank, Präsident von IG Windkraft, weniger um technische Fragen als um Genehmigungen, Netzanschlüsse und die Akzeptanz in den Regionen.
Welche Faktoren bremsen die Entwicklung?
Technisch ist vieles längst gelöst. Entscheidend sind heute Genehmigungen, Netzanschlüsse und die Akzeptanz in den Regionen. Deshalb braucht es frühzeitige Information und einen offenen Dialog mit der Bevölkerung. Die meisten Fragen – etwa zu Natur- oder Artenschutz – lassen sich beantworten. Schwieriger wird es dort, wo es ausschließlich um persönliche Ablehnung geht. Diese Haltung muss man respektieren, gleichzeitig darf man aber die übergeordneten Herausforderungen des Klimawandels nicht aus den Augen verlieren.
Wie sehen Sie den aktuellen Status quo in der Steiermark?
Wir begrüßen das „Sachprogramm Wind 2026“, das auch von der Industriellenvereinigung Steiermark positiv bewertet wird. Es setzt ein wichtiges Signal, dass das Land Steiermark den Ausbau der Windenergie aktiv vorantreiben will. Politische Leitentscheidungen schaffen Planungssicherheit für Wirtschaft, Gemeinden und Investoren. Die Steiermark verfolgt das Ziel, die Windkraftleistung bis 2030 zu verdreifachen. Grundsätzlich wären 250 weitere Windräder möglich, rein technisch und vom Windpotenzial her noch weit mehr. Seit dem ersten Windrad am Plankogel im Jahr 1999 ist der Stromverbrauch im Bundesland übrigens um rund ein Viertel gestiegen.
Was wird sich in diesem Jahr noch tun?
Aktuell sind in der Steiermark rund 320 Megawatt Windkraftleistung installiert. Mehr als 100 Megawatt werden heuer hinzukommen, weitere Projekte befinden sich in Genehmigung. Die österreichweit auf Platz drei liegende Steiermark entwickelt sich dynamisch, auch wenn Niederösterreich und das Burgenland aufgrund ihres früheren Starts noch deutlich voran liegen. Genehmigungsverfahren dauern oft viele Jahre. Umso wichtiger sind verbindliche Planungen. Nur wenn Erzeugung, Netzausbau, Speicher und Digitalisierung gemeinsam gedacht werden, lassen sich unnötige Kosten vermeiden und das Energiesystem effizient weiterentwickeln.
„Derzeit stammen gut 16 Prozent des Stroms in Österreich aus Windkraft. Dieser Anteil ließe sich relativ leicht verdoppeln.“
Warum ist speziell Ostösterreich Vorreiter bei der Windkraft?
Zum einen sind die Windverhältnisse besonders gut. Zum anderen spielt die Siedlungsstruktur eine Rolle. In vielen westlichen Regionen erschweren Einzelhöfe und Streusiedlungen den Ausbau aufgrund vorgeschriebener Abstandsregelungen. Die Steiermark hat erfolgreich den Weg in höher gelegene Regionen eingeschlagen. Dort liefern die Anlagen hervorragende Erträge und zeigen, dass Windkraft im alpinen Raum über das gesamte Jahr hinweg verlässlich funktionieren kann. Würden eineinhalb bis zwei Prozent der österreichischen Landesfläche für Windkraft genutzt, ließe sich der gesamte heimische Strombedarf decken.
Was bedeutet es für eine Gemeinde, sich für diesen Weg zu entscheiden?
Windkraft bringt Wertschöpfung in die Region. Wichtig ist, dass die Bevölkerung von Anfang an eingebunden wird. Nur eine transparente Information schafft das nötige Vertrauen, die Gemeinden brauchen dabei Rückhalt durch die Landespolitik. Dort, wo Windkraft seit Jahren genutzt wird, zeigt sich meist eine hohe Akzeptanz, weil die Menschen eigene Erfahrungen gesammelt haben.
Es macht allerdings einen Unterschied, ob man Windkraft grundsätzlich befürwortet oder ein Windrad vor der eigenen Haustür errichtet wird …
Entscheidend ist es, Fragen und mögliche Sorgen ernst zu nehmen. Spannungsfelder gibt es bei vielen Infrastrukturprojekten – ob Bahnstrecken, Umfahrungen oder Mobilfunkmasten. Denkt man an Windmühlen, haben wir es ja mit keiner neuen Erfindung zu tun, nur die Dimensionen haben sich geändert. In Nordeuropa gehören Windräder längst zum Landschaftsbild. Am Ende braucht es ein‚ gemeinsames Verständnis, wie wir unsere Zukunft gestalten wollen.
Foto: Astrid Knie