Im Zeich(n)en des Fortschritts
Digitalisierung, BIM und Co.: Die heimischen Zeichenbüros geben in vielen Zukunftsfeldern den Ton an, erklären Simon Aldrian, Bundessprecher der Zeichenbüros, sowie Günther Salzger, Ausschussmitglied in der Fachgruppe der gewerblichen Dienstleister der Wirtschaftskammer Steiermark.
Mit Ihnen beiden dürfen wir den ehemaligen und den neuen Bundesausschussvorsitzenden der Berufsgruppe der Zeichenbüros in der Wirtschaftskammer an einem Tisch begrüßen – die Steiermark scheint hier den Ton anzugeben.
Ich freue mich, dass mit Simon Aldrian wieder ein Interessenvertreter aus der Steiermark dem Bundesausschuss der Zeichenbüros vorsteht. Er ist jung, dynamisch, ambitioniert und engagiert – genau solche Menschen braucht es in Zeiten wie diesen. Ich betrachte diese Kontinuität aber auch als Bestätigung für die Arbeit, die wir in der letzten Funktionsperiode geleistet haben. Hervorheben möchte ich, dass wir heuer im Oktober nach den beiden erfolgreichen Events 2022 in Graz und 2024 in Linz bereits den dritten Bundeskongress der Zeichenbüros veranstalten, diesmal in Innsbruck. Eine Gelegenheit, sich innerhalb der Branche zu vernetzen und zu aktuellen Themen auszutauschen. Dazu gibt es spannende Keynotes. Schwerpunkt heuer: vom Laserscanning zum BIM-Modell. Insgesamt ist es uns in den vergangenen Jahren sehr gut gelungen, unsere Berufsgruppe vor den Vorhang zu holen. Auch interessenpolitisch konnten wir uns Gehör verschaffen, etwa durch unsere maßgebliche Mitarbeit im Komitee 273 der Austrian Standards International (ASI), wo es um die Weiterentwicklung der Digitalisierung im Bauwesen und speziell das Building Information Modeling (BIM) geht.
Hier müssen wir dranbleiben, um uns noch stärker als unverzichtbare Ansprechpartner zu positionieren. Das betrachte ich als meine Aufgabe. Wir erleben tiefgreifende Umwälzungen. Digitalisierung, BIM, immer mehr auch die künstliche Intelligenz – wenn wir uns an den Schnittstellen dieser Entwicklungen positionieren und mit unserem Know-how und unseren Tools unverzichtbar machen, dann sehe ich die Zukunft für uns Zeichenbüros sehr positiv. Und wir sind auf einem guten Weg. Wir haben in unserer eigenen Berufsgruppe einen Bereich, in dem Digitalisierung und Standardisierung bereits extrem weit fortgeschritten sind, nämlich jene Zeichenbüros, die sich auf technische Zeichnungen von Maschinen und Anlagen spezialisiert haben. Und diese Entwicklung schreitet nun auch in den anderen Bereichen voran. Im Auge dieses Digitalisierungs-Hurrikans können wir uns als Schnittstellen- und Plattform-Dienstleister positionieren; wenn es etwa darum geht, alle diese digitalen Informationen aus den unterschiedlichen Bereichen – Planung, Fachplanungen, Vermessung, aber zum Beispiel auch Brandschutzpläne – zusammenzubringen, zu hosten und zu warten.
„Die heimischen Zeichenbüros
geben in vielen Zukunftsfeldern
den Ton an.“
Es wird auch eine spannende Aufgabe werden, alle diese digitalisierten Informationen über zukünftige Hard- und Software-Systemwechsel hinweg zu pflegen und verfügbar zu halten. Wer weiß heute zum Beispiel noch, was eine Floppy Disk ist? Und auch unsere Speichermedien werden im Laufe der Zeit von anderen, leistungsfähigeren abgelöst werden. Hier sehe ich enormes Potenzial für uns. Ein weiterer Bereich sind Sanierungen. Ein riesiger, in die Jahre gekommener Bestand von Gebäuden und Bauwerken, der für die Zukunft fit gemacht werden muss, auch und gerade im Hinblick auf Klimaanpassung, Ressourcenmanagement und Kreislaufwirtschaft. Fast alle diese häufig mit Um- und Ausbauten verbundenen Sanierungen erfordern Genehmigungsverfahren. Damit diese gigantischen Aufgaben zu bewältigen sind, muss der Bestand erst einmal erfasst und nach modernsten Parametern abgebildet werden. Ich sehe in diesem Umfeld von Digitalisierung und Transformation sonst kaum jemanden, der diese Aufgaben übernehmen möchte. Voraussetzung dafür ist, dass man uns diese Aufgaben innerhalb unseres Gewerbeumfangs auch ausführen lässt. Wir unterliegen ja in Abgrenzung zu Planungsleistungen einem rigiden Reglement.
Unsere Kolleginnen und Kollegen in den Zeichenbüros verfügen über Wissen und Know-how sowie Hard- und Software, um in allen diesen zentralen Zukunftsfeldern wertvolle Dienstleistungen erbringen zu können. Seit Jahrzehnten wird mittlerweile – in Planung und Architektur sowie Maschinen- und Anlagenbau – auf unsere Fertigkeiten zurückgegriffen. Unsere Dienstleistungen haben sich deshalb so bewährt, weil sie durchwegs den letzten Stand des Wissens und der Technik repräsentieren. Auch bei diesem aktuellen Umbruch gehen wir mit unseren Fähigkeiten und Fertigkeiten voran.
Sind die vorwiegend kleinen Zeichenbüros, oft Ein-Personen-Unternehmen, bei dieser enormen Dynamik denn überhaupt in der Lage, mit der Entwicklung Schritt zu halten und die nötigen Ressourcen aufzubringen?
Cloudbasiertes Arbeiten eröffnet gänzlich neue Möglichkeiten der Kooperation, die bei größeren Projekten auch immer öfter genutzt werden. Und was das Know-how betrifft: In der Steiermark haben wir auf der Website www.zeichenbueros-stmk.at eine Suchfunktion etabliert, auf der unsere Kunden ganz gezielt nach Spezialisierungen und Softwareverfügbarkeit filtern können. Wir werden dieses Service auch bundesweit verankern. Mit dem „WKO Firmen A–Z“ (https://firmen.wko.at/) haben wir ein Arrangement getroffen, dass unsere Unternehmen dort auch ihre Zertifizierungen anzeigen können sowie aktiv nach bestimmten Fachbereichen gesucht werden kann. Wir ermuntern und unterstützen unsere Mitglieder auch dabei, Zertifizierungen zu erwerben und zu kommunizieren.
Das ist der richtige Weg, wir dürfen unser Licht nicht unter den Scheffel stellen.
DIENSTLEISTER – TABLE
Die gewerblichen Dienstleister repräsentieren mehrere besonders wirtschaftsaffine Berufsgruppen. Obmann der Fachgruppe der gewerblichen Dienstleister in der WKO Steiermark ist KR Mag. Gerd Zuschnig (Foto). In dieser Talk-Serie beleuchten namhafte Berufsgruppenvertreter aktuelle Trends in ihrem Berufsfeld. Im Fokus dieser Dienstleister-Table-Runde: die gewerblichen Zeichenbüros. Am Dienstleister-Table: Ing. Dipl.-Ing. (FH) Simon Aldrian, LL.B. oec. LL.M., Bundessprecher der Zeichenbüros in der Wirtschaftskammer Österreich, sowie Günther Salzger, Ausschussmitglied in der Fachgruppe der gewerblichen Dienstleister der WKO Steiermark, ehemaliger Bundessprecher.
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Fotos: Jürgen Fuchs, Oliver Wolf