Solidarität zahlt sich aus
Im Diskurs um Investitionen und Budgets im Sozialbereich dominieren oft Emotionen. Das größere Ganze wird dabei oft außer Acht gelassen. Was bedeutet die Förderung von sozialer Arbeit für eine Gesellschaft? Welche Rendite haben Investitionen in diesem Bereich? Kurz: Zahlt sich Solidarität aus?
Wer diese Fragen stellt, wird schnell feststellen, dass soziale Arbeit weit mehr ist als individuelle, fachliche Unterstützung für Menschen in verschiedenen Lebenslagen. Sie ist Teil der kritischen Infrastruktur und trägt dazu bei, unsere Gesellschaft chancengerechter und inklusiver zu machen. Gleichzeitig bringt sie aber auch vielfältigen wirtschaftlichen Mehrwert in die steirischen Regionen. Ein aktuelles Beispiel: Bei Jugend am Werk Steiermark begleiten wir jährlich rund 2.600 Menschen auf der Suche nach Ausbildung und Arbeit. Darunter viele junge Menschen, wie etwa in der Überbetrieblichen Lehrausbildung, aber auch Langzeitarbeitsuchende in der gemeinnützigen Beschäftigung. Diese Projekte haben zunächst eine hochgradige Wirkung auf die Teilnehmenden selbst. Das zeigt etwa eine kürzlich erschienene Analyse des Forschungsinstituts Synthesis, die unsere Vermittlungszahlen sowie jene des bfi Steiermark mit den Datenquellen des Dachverbands der Sozialversicherungen und des AMS Österreich verknüpft hat: Nach einer Überbetrieblichen Lehrausbildung sind 70 Prozent der Teilnehmer*innen beschäftigt, ohne wären es durchschnittlich gerade einmal 40. Mit gemeinnütziger Beschäftigung schaffen etwa doppelt so viele Personen den Wiedereinstieg auf den Arbeitsmarkt wie ohne. Diese Angebote wirken aber auch auf die regionale Wirtschaft. So profitieren regionale Betriebe von der Vermittlung passender Kandidat*innen für ihre freien Lehrstellen oder von Mitarbeiter*innen. Anrainer*innen, Vereine und Gemeinden wiederrum profitieren von den Services, die über unsere Gemeinnützigen Beschäftigungsprojekte entstehen.
Grünraumpflege, Reinigungsservice, Entrümpelung – das sind nur einige der Leistungen, mit denen Jugend am Werk Steiermark die Regionen bereichert. Gleichzeitig sind wir als eines der größten sozialen Unternehmen der Steiermark ein wichtiger Arbeitgeber. Wir begleiten nicht nur Menschen auf der Suche nach Ausbildung und Arbeit, sondern auch Menschen mit Behinderung, Kinder, Jugendliche und Familien. Dafür setzen wir auf gut ausgebildete Fachkräfte, die an rund 170 Standorten steiermarkweit einen stabilen Arbeitgeber vorfinden. Soziale Arbeit schafft vielfältige Synergien, von Arbeitsplätzen bis hin zu Angeboten in der Region. Jeder Euro, der hier investiert wird, kommt also mehrfach zurück. Ganz abgesehen davon finanzieren sich gerade Angebote im arbeitsmarktpolitischen Bereich selbst, wie Synthesis in seinem Bericht schließt. Schon im ersten Jahr nachdem die Teilnehmenden aus den arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen ausgestiegen sind, decken ihre Steuern, Sozialversicherungsbeiträge und Nettoeinkommen mehr als die Hälfte der Kosten für die öffentliche Hand ab. Ab dem zweiten Jahr ist das Angebot refinanziert. Das bei gleichzeitigen Vorteilen für das Gemeinwohl. Soziale Arbeit ist also eigentlich keine Frage der Emotionen, sondern nüchtern betrachtet eine Investition in eine zukunftsfähigere Gesellschaft – mit mehrfacher Rendite.
Fotos: Jugend am Werk Steiermark / koco