Ein Mann mit weißem Haar und Brille, der einen marineblauen Blazer und eine helle Hose trägt, steht mit verschränkten Armen auf einem Gehweg.
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„Go, do something!“

Er ist einer der erfolgreichsten Tech-Unternehmer Österreichs, europäischer Star-Investor und prägende Figur im britischen Silicon Valley: Hermann Hauser. Auf Einladung der SFG gastierte Hauser mit seinem Start-up-Programm Frontier Lab erstmals in Graz. Im Interview mit „SPIRIT of Styria“ spricht er über das steirische Ökosystem, Europas notwendige Scale-up-Offensive und die Frage, wer bei KI am Ende die Nase vorne haben wird.

Herr Hauser, welchen Spirit braucht ein Ökosystem, damit daraus erfolgreiche Deep-Tech-Unternehmen entstehen?

Einen Risk Spirit. Man muss bereit sein, etwas zu wagen. Gerade bei Deep Tech geht es um Dinge, deren Ergebnis man nicht von vornherein kennt. Sieht man aber ein Potenzial, muss man bereit sein, Risiko einzugehen.

Schauen wir auf die Steiermark: Wo steht das hiesige Ökosystem?

Was mich schon immer beeindruckt hat, ist Graz mit der Technischen Universität und dem universitären Umfeld. Wir hatten schon früh eine gute Verbindung zur TU Graz. Auch mit eQventure rund um Herbert Gartner haben wir gemeinsame Investments gemacht. Ein Beispiel ist USound, ein wirklich spannendes Unternehmen. Auch bei Easelink von Hermann Stockinger sind wir investiert.

Ist die Steiermark schon ein Deep-Tech-Hotspot?

Nun, das Ökosystem ist noch klein – die Voraussetzungen sind zwar hervorragend, aber es muss noch wachsen. Graz hat ein starkes Universitätsumfeld und eine gute Start-up-Kultur. Die Zusammenarbeit zwischen Universitäten, Gründern, Venture Capital und großen Unternehmen wird künftig noch wichtiger. Wir brauchen mehr Scale-ups – nicht nur in der Steiermark, in ganz Europa.

ZUR PERSON
Ein Mann mit grauen Haaren und Brille, der einen marineblauen Blazer und ein hellblaues Hemd mit Knöpfen trägt, steht mit verschränkten Armen da.
„Bei Quantencomputing hat Europa noch nicht verloren“, so Hermann Hauser, Tech-Unternehmer und Investor, oft auch als „europäischer Bill Gates“ bezeichnet.

Hermann Hauser

  • Geboren 1948 in Wien, aufgewachsen in Tirol, österreichisch-britischer Physiker, Tech-Unternehmer und Risikokapitalgeber, gründete über 100 Firmen, darunter den Mikroprozessor-Pionier Acorn Computers, aus dem der Chip-Designer ARM hervorging – heute eines der wertvollsten Tech-Unternehmen Europas (Börsenwert rund 270 Mrd. Euro).
  • Prägende Persönlichkeit im „britischen Silicon Valley“ rund um Cambridge und Co-Gründer der Risikokapitalgesellschaft Amadeus Capital Partners, spezialisiert auf Deep-Tech-Firmen
  • Hauser ist an den steirischen Start-ups USound und Easelink beteiligt.

 

Scale-ups als gesamteuropäische Herausforderung?

Genau, denn wir haben in Europa keinen Mangel an wissenschaftlicher Qualität. Der Output unserer Universitäten ist vergleichbar mit jenem amerikanischer Universitäten. Wir haben viele Patente und sogar mehr Start-ups als die USA. Aber der Weg zum Scale-up gelingt uns zu selten. Der Hauptgrund: In Europa fehlen die großen Finanzierungsrunden. Alle zwölf Unicorns, an denen ich beteiligt war, sind letztlich in Amerika gelandet. Dort gibt es die großen Kapitalrunden und einen riesigen Kapitalmarkt. Wenn ein europäisches Technologieunternehmen mehrere hundert Millionen oder mehr braucht, muss es meist in die USA gehen.

Sie wollen das mit dem „Scaleup Europe Fund“ ändern. Die Idee dahinter?

Wir brauchen einfach europäisches Kapital für unsere Technologieunternehmen. Deshalb haben wir den Scaleup Europe Fund geschaffen. Der erste Schritt sind fünf Milliarden Euro – langfristig soll das Volumen deutlich größer werden. Entscheidend ist: Der Großteil des Geldes soll vom Markt kommen. Wir wollen den Markt nicht verdrängen, sondern privates Kapital hereinholen. Jedes europäische Technologieunternehmen kann sich bewerben. Das Kriterium ist Exzellenz. Das gilt genauso für österreichische und steirische Start-ups.

Welche Rolle spielt das Frontier Lab in diesem Bereich?

Ich hoffe, eine katalytische. Wir wollen die richtigen Menschen zusammenbringen. Deshalb freut es uns besonders, heuer in Graz zu sein. Ein Ökosystem funktioniert nur, wenn alle Teile zusammenkommen: Universitäten, Unternehmer, Venture Capital, Rechtsanwälte, Inkubatoren und die Industrie. Besonders wichtig sind die großen Unternehmen. Sie verfügen über Marktkenntnis und können jungen Unternehmen helfen, ihre Technologie in reale Märkte zu bringen. Diese Symbiose funktioniert im Silicon Valley besonders gut. In Europa müssen wir hier noch aufholen.

Ein älterer Mann in einem marineblauen Blazer gestikuliert, während er sich mit jemandem über einen weißen Tisch hinweg unterhält; hinter ihm ist ein Schild mit der Aufschrift „Warte nicht auf die Zukunft. Gestalte sie.“ zu sehen.

„It’s the technology, stupid! Technologie ist der Ort, an dem künftig Wachstum entsteht. Daher müssen wir handeln.“

Hermann Hauser
Tech-Unternehmer und Investor

Warum braucht Europa Deep Tech?

Ich erzähle dazu gerne die Geschichte von Chip-Designer ARM, an dem ich beteiligt war. Das Unternehmen wurde nach dem Verkauf 2023 wieder an die Börse gebracht. Einige europäische Fonds hatten mit ARM davor bereits sehr viel Geld verdient. Als das Unternehmen mit einer Bewertung von 50 Milliarden Dollar erneut an die Börse kam, wollten diese Investoren nicht mehr einsteigen. Sie haben nicht daran geglaubt. Heute liegt die Bewertung um ein Vielfaches höher. Bei rund 270 Milliarden Euro – eine Steigerung von mehr als 200 Milliarden in drei Jahren! Und damit mehr, als allen deutschen Autoherstellern zusammen in 100 Jahren gelang.

Was lehrt uns die Geschichte?

„It’s the technology, stupid!“ Technologie ist der Ort, an dem Wachstum entsteht. Europa muss verstehen, dass die großen Wertsteigerungen der Zukunft nicht aus den traditionellen Industrien kommen. Technologie wird eine immer größere Rolle spielen. Wir dürfen nicht nur darüber reden, sondern müssen investieren.

Hat Europa bei KI den Anschluss verloren?

Mir gefällt die Analogie zur Elektrifizierung. Dort entstand der Mehrwert nicht unbedingt bei den Herstellern, sondern bei all jenen Unternehmen, die Elektrizität eingesetzt haben. Genauso wird es bei KI sein. Wertschöpfung werden vor allem jene Unternehmen generieren, die KI sinnvoll anwenden. Nicht nur die großen Sprachmodelle werden profitieren, sondern auch kleinere, domänenspezifische Modelle.

Hermann Hauser Frontier Lab

  • Coaching-, Mentoring- und Networking-Programm für die vielversprechendsten Deep-Tech-Start-ups Europas in der Frühphase. Seit 2015 unterstützte das Programm – vormals I.E.C.T. Summer School – mehr als 300 Deep-Tech-Unternehmen.
  • Ende September erstmals in Graz veranstaltet – auf Einladung der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG, Hauptsponsor des Events. Dabei trafen 21 europäische Start-ups auf internationale Mentoren und Investoren.

Welche Technologien werden das 21. Jahrhundert prägen?

Natürlich Künstliche Intelligenz, aber dann kommt gleich Quantencomputing. Auch die synthetische Biologie wird eine große Rolle spielen. Bei Quantencomputing hat Europa noch nicht verloren. Wir haben hier spannende Unternehmen und eine starke wissenschaftliche Basis. Eine Chance, die wir nutzen müssen.

Bei aller Wichtigkeit, gesamteuropäisch zu denken – warum braucht es regionale Ökosysteme wie hier in der Steiermark?

Europa braucht tatsächlich beides: ein großes europäisches Finanzierungssystem und starke regionale Ökosysteme. Denn wenn wir nicht genügend Start-ups haben, bekommen wir auch keine Scale-ups. Das ist ein bisschen wie im Sport: Man braucht viele gute Fußballer, damit irgendwann ein Star darunter ist.

Beim Blick auf ein Start-up: Was entscheidet darüber, ob Sie investieren?

Ich habe drei Kriterien: Nummer eins betrifft die Größe und die Wachstumsrate des Marktes. Wenn es keinen großen Markt gibt, macht es keinen Sinn. Aber nicht nur die Größe entscheidet, sondern auch das Wachstum. Das Zweite ist die Qualität des Teams. Wir suchen mindestens einen Star im Team – also jemanden mit herausragenden Fähigkeiten. Und drittens geht es um die Defensibility der Technologie: Kann ich die Technologie verteidigen?

Ihre wichtigste Botschaft an Gründerinnen und Gründer?

Go, do something! Das gilt auch für die Politik. Wir sind sehr gut im Analysieren und wissen meistens, was das Problem ist. Aber wir müssen auch handeln. „Im Anfang war die Tat“, sagte schon Goethe. (lacht)

Fotos: Oliver Wolf

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