Ein Mann interviewt eine lächelnde Frau, die in einem Büro sitzt, hinter dem österreichische, regionale und EU-Fahnen wehen. Sie sitzen auf Sesseln neben einem Glastisch mit Zeitschriften, Papieren, einer Wasserkaraffe und einer Kaffeetasse.
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„Gut am Weg,aber noch nicht am Ziel“

Schirmherrin unseres Science-Awards: Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom im Interview über die Bedeutung von Vorbildern für die Ermutigung junger Forscherinnen, das Matching von „MINT und Mädchen“, das Potenzial internationaler Kooperationen und den Mehrwert des „SPIRIT-Award for Women in Science“.

In der Landesregierung verantworten Sie unter anderem das Ressort Gesellschaft. Warum ist das Thema Frauen in der Forschung eine gesellschaftspolitische Frage?

Manuela Khom: Es ist schon allein deshalb eine gesellschaftlich relevante Frage, weil die Hälfte der Bevölkerung Frauen sind – daher sollte es selbstverständlich sein, dass Frauen auch in angemessener Zahl in der Forschung repräsentiert sind. Schließlich haben wir ganz viele tolle Frauen in der Steiermark – und es wäre unklug, deren Wissen und Potenzial nicht in allen Bereichen voll zu nutzen.

Inwiefern sehen Sie hier noch alte Geschlechterstereotypen vorherrschend?

Sicherlich gibt es immer noch traditionelle Rollenbilder, aber ich würde nicht sagen, dass sie vorherrschend sind. Wir sehen, dass immer mehr Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen relevante Positionen besetzen – auch in der Forschung. Das fällt mir auch immer wieder bei Preisverleihungen auf, wenn es um Wirtschaft und Innovation geht. Daher glaube ich, dass wir insgesamt auf einem guten Weg sind – aber wir sind noch nicht am Ziel.

Eine Frau in einem blauen Kleid steht lächelnd vor drei Fahnen: Österreich, Steiermark und die Europäische Union. Sie steht in einem Innenraum auf einem Parkettboden mit weiß getäfelten Wänden.
Schirmherrin des SPIRIT-Award for Women in Science: Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom, unter anderem ressortzuständig für „Gesellschaft“ und „Europa & Internationales“

Mädchen und MINT-Fächer. Wie gut passt das zusammen?

Sehr gut – das ist meine persönliche Überzeugung. Aktuelle Beispiele beweisen das – wie zuletzt unsere steirische Gewinnerin bei den EuroSkills im Bereich Kfz-Technik. Auf Ebene der Landespolitik sind wir dabei, diese Themen verstärkt zu forcieren. So haben wir in der Steiermark eigene MINT-Schulen, die den Schwerpunkt auf naturwissenschaftliche Fächer legen. Ich bin überzeugt, dass Mädchen genauso wie Burschen Talente in technischen Fächern besitzen – wir müssen diese Neigungen bereits früh in der Bildungskarriere fördern.

Welche weiteren Maßnahmen und Initiativen des Landes gibt es hier sonst noch?

Wir setzen im Rahmen der MINT-Strategie des Landes Steiermark eine Reihe von Initiativen um – etwa den Science Garden der innoregio Styria, die den Entdeckergeist junger Menschen in spielerischer Weise ansprechen. Solche Maßnahmen sind ganz wichtig. Denn die Steiermark ist bei Forschung und Entwicklung vorne dabei in Europa – und das wollen wir natürlich bleiben. Denn wie heißt es so schön: Wirtschaft sichert den Wohlstand heute und F&E jenen von morgen. Forschung zu stärken, bedeutet, gezielt die Stärken der Steiermark weiterzuentwickeln.

Bei höheren Positionen in der Forschung wird die Luft für Frauen oft dünner. Symptomatisch?

Wir haben viele junge Frauen, die im Bereich Forschung und Entwicklung exzellent sind. Und ich bin sicher, dass auch viele die gläserne Decke durchstoßen werden – schneller, als man glaubt. In der Politik müssen wir die Rahmenbedingungen setzen, dass solche Karrieren möglich sind. Dazu gehört natürlich ein flächendeckendes Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen. Von Regierungsseite haben wir hierzu gerade unser neues Konzept vorgestellt, das sicherstellen soll, dass Kinderbetreuungseinrichtungen künftig schneller und einfacher ausgebaut werden können. Wir schaffen allein in diesem Jahr 92 neue Gruppen – ein wichtiges Signal. Wobei ich immer dazu sage: Kinderbetreuung ist kein Frauenthema, sondern ein Familienthema.

„Frauen brauchen Vorbilder und mit diesem Award werden sie sichtbar gemacht.“

 

Manuela Khom
Landeshauptmann-Stellvertreterin

Generell gesprochen: Warum brauchen wir mehr Frauen in der Forschung?

Frauen haben oft andere Zugänge – einen anderen Blick. Meine Erfahrung ist: Ein gutes Ergebnis kommt immer dann zustande, wenn man ein Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Schon deshalb macht es Sinn, wenn Frauen und Männer gemeinsam an einer Sache arbeiten, weil es dann mit hoher Wahrscheinlichkeit bessere Lösungen gibt – wie auch Studien bestätigen.

Welchen Stellenwert haben Wissenschaft und Forschung in Ihrem (Berufs-)Leben?

Beruflich hat die Wissenschaft für mich einen ganz hohen Stellenwert. In der Steiermark können wir uns nur weiterentwickeln und unseren Wirtschaftsstandort festigen, wenn wir bei Forschung und Entwicklung voll draufbleiben. Und persönlich: Da wir gerade in der Steiermark im Bereich Pharma eine hohe Expertise haben, wünsche ich mir hier noch mehr weibliche Perspektive in der medizinischen Forschung etwa bei der Diagnose und Behandlung von Herzinfarkten, um nur ein Beispiel zu nennen. Lange gab es hier nur den „männlichen Blick“ auf Gesundheitsthemen – hier ändert sich zum Glück gerade viel.

Welche Forschungsgebiete sehen Sie für die Steiermark als besonders zukunftsrelevant?

Es sind eine Fülle an Themen, in denen die Steiermark international vorne dabei ist. Viele Impulse dürfen wir uns künftig im Bereich Mikroelektronik erwarten, wo die Steiermark gemeinsam mit Kärnten führend ist. Aber auch klimafitter Obst- und Gemüsebau sind Bereiche, die für die Steiermark zentrale Bedeutung haben. Generell: Alle Bereiche, mit denen wir die Innovation im Land vorantreiben können, stärken die Steiermark.

Sie verantworten auch das Ressort „Europa & Internationales“: Wie wichtig sind Forschungskooperationen auf internationaler Ebene?

Hier gibt es viele Verbindungen. Unsere Universitäten haben mit zahlreichen internationalen Hochschulen Kooperationen, die im regen Austausch miteinander stehen. Zudem beherbergt die Steiermark eine Reihe internationaler Firmen, die stark auf Forschung und Entwicklung setzen. Wir brauchen diesen Austausch über die Grenzen hinaus. Es ist entscheidend, Europa als Ganzes zu sehen, um Wirtschaft und Wohlstand zu sichern. Gerade bei Forschung und Entwicklung können wir nicht alles alleine schaffen.

Warum unterstützen Sie den „SPIRIT-Award for Women in Science“?

Ich habe in meinem Leben eines gelernt: Man kann Dinge nur glaubwürdig vermitteln, wenn man sie vorlebt. Es braucht Vorbilder und mit diesem Award werden diese Vorbilder sichtbar gemacht. Wir müssen jene Frauen vor den Vorhang holen, die den Weg schon gegangen sind, den wir uns auch für andere wünschen. Wenn wir zeigen, dass die Tür für alle offen ist, können sich diese auch bewusst für diesen Weg entscheiden.

Manuela Khom

  • Geboren 1963 in Eisenstadt
  • Wohnort: Steirisch Lassnitz, Murau
  • Familie: verheiratet, zwei Kinder
  • Seit 2024 Landeshauptmann-Stellvertreterin in der Steiermark, zuständig für die Ressorts Gemeinden, Regionen, Europa&Internationales und Gesellschaft
  • Zudem ist Khom Landesparteiobfrau der Steirischen Volkspartei sowie Bezirkspartei­obfrau ÖVP Murau
  • Ausbildung: Nach Absolvierung der Handelsakademie Eisenstadt war sie einige Jahre als kaufmännische Angestellte tätig, ehe sie die Unternehmerprüfung in der Wirtschaftskammer abschloss und die Ausbildung zur Trainerin in der Erwachsenen­bildung absolvierte.

 

Fotos: Daniel Gaberle

Banner mit dem Text "trinkvergnügen" und "Über 450 Weine & Champagner einfach online bestellen." Rechts zeigt ein Foto zwei Gläser Rotwein auf einem Holztisch im Freien bei Sonnenuntergang.