Der Boss und seine (junge) Chefpartie
Vom Lehrling zum Chef: Logistikunternehmer Rolf Hadolt, geschäftsführender Gesellschafter der Hadolt Group mit Sitz in Kalsdorf, setzt mit einer jungen Truppe an Führungskräften ein Zeichen für moderne Unternehmenskultur und für die Lehre als Karriereturbo. Der Unternehmer und sein sendungsbewusstes Nachwuchsteam im großen Cover-Interview mit „SPIRIT of Styria“ über Erfolgsfaktoren, People’s Business, das Faszinierende an der Logistik und den Versand von Schlangen.
Ordentlich was los im Firmengebäude der Hadolt Group in der Kalsdorfer Industriezeile. Dynamik herrscht nicht nur am Fuhrpark zu ebener Erd’, sondern auch rund ums Chefbüro im zweiten Stock. Doch wer ist hier der Chef? Nicht nur Big Boss Rolf Hadolt sowie Sohn und Betriebsnachfolger Felix Hadolt sind anwesend, sondern auch drei Führungskräfte des Unternehmens. Ihnen gemeinsam: Sie sind jung, smart, anpackend – und allesamt Absolventen des Lehrberufs Speditionskaufmann. Nicht ohne Stolz präsentiert der Logistikunternehmer seine „Eigenbauspieler“, die nach Lehrabschluss eine Blitzkarriere im Betrieb hinlegten. Wie viel Methode dahinter steckt, welche HR-Strategie das Unternehmen verfolgt und wie die drei Fachkräfte die Zukunft der Logistik sehen, besprach „SPIRIT of Styria“ mit Rolf Hadolt, Sebastian Mosler, Nikola Hasanec sowie Andreas Puregger.
geschäftsführender Gesellschafter Hadolt Group
Abteilungsleiter Stückgut
Werdegang: Abschluss Handelsschule, danach HAK-Aufbaulehrgang mit Matura abgeschlossen. Start als Angestellter bei Hadolt, danach Beginn einer Lehre als Speditionskaufmann. Seit 2020 Abteilungsleiter Stückgut.
Abteilungsleiter Overnight/Express
Werdegang: Gymnasium bis zur siebten Klasse, danach diverse Jobs, im Jahr 2018 Beginn einer Lehre als Speditionskaufmann bei Hadolt. Seit 2024 Abteilungsleiter Overnight/Express, gemeinsam mit Nikola Hasanec.
Abteilungsleiter Overnight/Express
Werdegang: Abschluss Handelsschule sowie Ausbildung im Bereich Buchhaltung und Personalverrechnung. Lehre als Speditionskaufmann bei Hadolt. Seit 2024 Abteilungsleiter Overnight/Express, gemeinsam mit Sebastian Mosler.
Vorweg die Frage an den Unternehmer: Die Wirtschaft segelt durch raue konjunkturelle Gewässer. Wie geht es der Logistikbranche, wie schlägt sich die Hadolt Group?
Die Krise geht auch an unserer Branche nicht spurlos vorbei, keine Frage, aber wir in der Hadolt Group dürfen nicht klagen. Wir haben einen exzellenten Ruf und gewinnen immer wieder neue Kunden und neue Projekte dazu. Dank stets neuer Betätigungsfelder wächst unser Portfolio. Das kommt uns in der Krise zugute.
„Ich würde mir wünschen, dass der Staat Lehrlinge so gut unterstützt wie Studierende. So könnte er z.B. zum Lohn noch etwas drauflegen und die Lehre damit attraktiver machen.“
Wie können Sie sich vom Mitbewerb differenzieren?
Einerseits durch unser Geschäftsmodell – wir stehen für Systemlösungen mit Fokus auf Expresslogistik. Und zudem durch unseren hohen Service-Level. Wir tun alles, um näher am Kunden zu sein. Dazu gehört ein erstklassiges Team mit motivierten Mitarbeitern. Entscheidend ist die Kombination aus guten Produkten und gutem Personal.
Was zeichnet die HR-Strategie des Unternehmens aus?
Wir sind ein Familienunternehmen und das macht einen Riesenunterschied. Wer in einem internationalen Konzern arbeitet, hat den Chef meistens noch nie gesehen. Ganz anders bei uns – man kennt sich und ist nicht bloß eine Nummer. Es gibt einen echten Teamspirit – und das merkt auch der Kunde. Die Kunden wollen Kontinuität bei den Ansprechpartnern. Schließlich ist Logistik ein People’s Business. Bei uns gibt es kein Hire & Fire wie bei den Großen. Wir tun sehr viel, um Mitarbeiter zu binden – denn das Finden guter, neuer Leute wird immer schwieriger.
Welche Rolle spielt die Lehrlingsausbildung im Unternehmen?
Bei Hadolt ist die Lehrlingsausbildung ganz entscheidend für die Teamentwicklung. Der große Vorteil: Du kannst die jungen Menschen genau auf die Firma und ihre Produkte hin ausbilden. Wenn ein „Fertiger“ ins Unternehmen kommt, mag er zwar gut sein, aber muss sich immer erst integrieren. Pro Jahr nehmen wir zwei bis drei Lehrlinge auf, jeweils im Lehrberuf Speditionskaufmann. Meistens junge Burschen, aber immer wieder auch Lehrmädchen. Und in manchen Fällen gelingt es dann auch, dass diese sehr schnell in Führungspositionen kommen – siehe die drei jungen Männer hier am Tisch. Ein echter Glücksfall, dass fast zur gleichen Zeit drei so tolle Jungs bei uns gestartet haben, die auch gewillt waren, Verantwortung übernehmen.
Gleich die Frage an die junge Chefpartie: Was hat Sie zur Logistik gebracht? Zufall oder eine bewusste Entscheidung?
Ein bisschen Zufall war schon dabei. Ein Freund meines Nachbarn hat in der Logistik gearbeitet und mir immer wieder Geschichten erzählt. Ich habe drei Jahre Handelsschule abgeschlossen und eine Ausbildung im Bereich Buchhaltung und Personalverrechnung absolviert. Ich wollte danach unbedingt gleich arbeiten gehen und habe mich bei der Firma Hadolt als Buchhalter beworben. Aber Rolf hat mich überredet …
… überzeugt … (lacht)
… ja, überzeugt, eine Lehre als Speditionskaufmann zu machen. Zum Glück! Es war übrigens eine verkürzte Lehre – nur zwei Jahre statt drei.
Bei mir war es ähnlich. Erst drei Jahre Handelsschule, danach habe ich den Aufbaulehrgang mit HAK-Matura abgeschlossen. Dann wollte ich ebenso gleich arbeiten und habe zuerst als Buchhalter bei einer Grazer Firma angefangen. Das war nichts für mich – zu langweilig. (lacht) Daraufhin habe ich mich bei Hadolt beworben und die Chance bekommen – erst ganz normal als Angestellter. Doch schon bald hat mir Rolf nahegelegt, eine Lehre zu machen. Im Endeffekt hat es perfekt gepasst.
Mein Werdegang war ein bisschen anders. Ich habe das Gymnasium nach der siebten Klasse abgebrochen, danach ein bisschen rumgejobbt und erst eine handwerkliche Lehre begonnen. Dabei ist mir klar geworden, was mir wirklich liegt. Ich habe gesehen, dass ich Kundenkontakt brauche und gerne mit Leuten zusammenarbeite. Danach habe ich bewusst geschaut, was es in dieser Richtung gibt. Dabei ist mir das Berufsprofil des Speditionskaufmanns aufgefallen – es braucht viel Kommunikation und lösungsorientiertes Arbeiten, das hat mir zugesagt. Ich habe mich schließlich – mit Anfang 20 – bei Hadolt als Lehrling beworben. Rückblickend die beste Entscheidung.
Es ist ein Riesenunterschied, ob jemand mit 19 oder 20 eine Lehre beginnt oder mit 15 oder 16. Mit 19 oder 20 ist man bereits erwachsen. Bei den drei Burschen haben wir von Anfang an gesehen, dass sie etwas bewegen wollen – und haben sie entsprechend gefördert.
„In der Schule wird viel zu wenig für Lehrberufe geworben. Man erfährt nicht, welche tollen Möglichkeiten man dadurch hat. Da gibt es sicher Verbesserungspotenzial.“
Wie ging es dann weiter im Betrieb?
Ich habe bei der GO, der General Overnight, gelernt, das war damals noch eine eigenständige Firma in der Hadolt Group. Ich habe durch unterschiedliche Abteilungen rotiert und in mehreren Bereichen Erfahrungen sammeln können. Schließlich wurde innerbetrieblich unstrukturiert – und ungefähr vier Jahre nach der Lehre hatte ich plötzlich die Chance, Leiter der Overnight-Abteilung zu werden. Ich habe gleich Ja gesagt, denn ich bringe mich gerne in die Firma ein mit meinen Ideen. Das Team ist spitze. Wir sind bereits zehn Leute und wachsen weiter.
Ich habe in der Express-Abteilung gelernt. Und vier Jahre später, im Jahr 2024, bin ich dann ebenso Abteilungsleiter geworden – in der Abteilung vom Nikola. Wir führen diese gemeinsam als Doppelspitze – es ist die größte Abteilung im Haus. Das Team war mir schon vorher gut bekannt, daher ist mir die Entscheidung leichtgefallen.
Ich habe nach der Lehre in der Stückgut-Abteilung angefangen. Nach fünf oder sechs Monaten hat der Abteilungsleiter das Unternehmen verlassen und ich habe das Angebot bekommen, die Leitung zu übernehmen. Das war im Sommer 2020. Es ging alles blitzschnell – so schnell, dass ich gar nicht lange nachdenken konnte und die Chance sofort ergriffen habe. Danach habe ich mich ohnehin beweisen müssen.
In sechs Monaten vom Lehrling zum Chef – viel schneller geht’s wohl nicht, oder?
Da hat einfach alles zusammengepasst. Klar, Mitarbeiterverantwortung muss man erst lernen und in die Rolle des Chefs hineinwachsen. Das ging Zug um Zug mit dem Mitarbeiterwachstum. Denn am Anfang waren wir noch zu zweit – jetzt sind wir schon sechs im Team.
Das ist das Tolle an solchen Burschen! Dass sie sich gegenseitig motivieren und auch andere mitziehen. Sie kriegen mit, dass man mit Leistung Karriere machen kann. Klar, das ist ein Erfolgsmodell, das man nicht jedes Jahr wiederholen kann – aber natürlich sind wir auch künftig bestrebt, Karrieren dieser Art zu fördern. Wir brauchen motivierte Mitarbeiter – das sind die Leistungsträger von morgen. Diese wissen, wie sie Kunden aufbauen und optimal betreuen. Sobald jemand Personalverantwortung hat, ist das eine andere Liga. Ein guter Operateur heißt nicht zwangsläufig, dass er auch ein guter Abteilungsleiter ist.
Hadolt Group
- Gegründet 1959
- Rolf Hadolt führt das Unternehmen in zweiter Generation. Er übernahm es im Jahr 1985 und baute es zu einem führenden Logistikunternehmen aus.
- Die Hadolt Group bietet heute ein umfassendes Lösungsportfolio an, das die gesamte Bandbreite logistischer Dienstleistungen abbildet.
- Wichtigstes Standbein ist die Expresslogistik („Overnight“ und „Express-Kurier“), in diesem Segment gilt „Hadolt Global Express“ als Marktführer in der Steiermark.
- Grundlage dafür ist ein weltumspannendes Netzwerk an Logistikpartnern.
- Hadolt legt Wert auf individuelle Lösungen, maximale Termintreue sowie größtmögliche Flexibilität und Schnelligkeit.
- Mit Hadolt I-Log sorgt ein eigenes Software-Unternehmen innerhalb der Gruppe für maßgeschneiderte Digitalisierungslösungen.
- Rolf Hadolt, verheiratet mit einer Japanerin, hat drei Töchter sowie Sohn Felix, der seit Jahren im Betrieb mitarbeitet und das Unternehmen in der Zukunft übernehmen wird.
- Derzeit rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
- Rund 70 Mio. Jahresumsatz
- www.hadolt-group.at
Wie schaut Ihr Arbeitsalltag aus? Was sind Ihre Agenden?
Ich kümmere mich um die Tagesanfragen von Kunden in unserem Stückgut-Netzwerk. Stückgut betrifft mittelgroße Sendungen, also Palettenware. Stückgut hat eine längere Laufzeit als Express – nämlich 2-3 Werktage. Der Kunde fragt bei uns beispielsweise den Preis einer Sendung nach Deutschland an. Wenn der Kunde bestätigt, holen wir die Sendung zu uns ins Lager und am Abend wird sie mit dem Sammel-Lkw nach Deutschland verschickt. Dort wird sie umgeschlagen und von unseren Partnern weitertransportiert.
Bei uns ist es ähnlich, nur dass die Sendung bei Overnight schon am nächsten Werktag bis 12 Uhr zugestellt sein muss. 90% der Sendungen gehen nach Deutschland. Das Hauptgeschäft liegt im Paketbereich bis 50 Kilogramm. Fixkunden buchen bei uns in der Plattform ein, wir holen die Pakete ab und verschicken sie dann an den Empfänger – in der Regel an die Kunden unserer Kunden oder an eine Tochterfirma oder ein Montage-Team, das gerade im Ausland ist und auf Ersatzteile wartet.
Das heißt, bei uns muss alles blitzschnell gehen. Bis Mittag am nächsten Tag ist sportlich. Am wichtigsten für uns ist die Zustellqualität, das heißt die Termintreue. Es gibt auch Kunden, die brauchen eine Zustellung bereits bis 9 Uhr am nächsten Tag. In unserer Abteilung machen wir auch medizinische Sendungen für das LKH Graz. Und es werden auch immer mehr Privatpersonen, die über uns verschicken bzw. über uns angeliefert werden. Die Menschen wollen alles immer schneller haben. Am liebsten sofort. Das heißt, die Anforderungen steigen.
Wir haben auch Sendungen, die auf Trockeneis transportiert werden, wie z.B. Lebensmittel oder medizinische Proben. Auch Tierversand machen wir – z.B. Fische, Spinnen, Schlangen, wirbellose Tiere, keine Säugetiere. Und nein – es ist noch nie ein Tier entkommen. (lacht)
„Logistik wird immer größer, schneller und besser vernetzt. Die Anforderungen steigen. Dadurch sind auch unsere Jobs in der Branche krisensicher.“
Was ist das Spannende an der Arbeit als Speditionskaufmann?
Mir taugt, dass die Arbeit extrem abwechslungsreich ist. Man weiß in der Früh nicht, was im Lauf des Tages auf einen zukommt – auch wenn vieles bereits digitalisiert ist, braucht es noch immer viel Kommunikation mit Kunden, den Empfängern, mit der Dispo oder dem Fahrer.
Kein Tag ist wie der andere?
Die Abwechslung macht es aus. Es sind immer wieder Lösungen gefragt, die erst gefunden werden müssen. Langweilig wird uns nie. Vieles ist mit Routine zu bewältigen, aber es gibt genug Fälle, wo man improvisieren muss. Einen komplett routinierten, standardisierten Ablauf, wo du immer nur Dienst nach Vorschrift machst, das spielt es in der Logistik nicht. Positiv finde ich auch Erfolgserlebnisse wie den Ausbau von Kunden. Das erreichen wir durch gute Arbeit und hohe Servicequalität. Wenn einmal ein Fehler passiert, dann ist es wichtig, proaktiv zu agieren und dem Kunden zu vermitteln, dass man dahinter ist.
Unser tägliches Ziel lautet: Die Linien müssen voll sein. Wenn die Arbeit gemacht ist und nichts offen ist, haben wir das Tagwerk vollbracht und können zufrieden sein.
„Digitale Tools sind heute wichtige Arbeitsbegleiter. Aber bei aller Digitalisierung und KI wird es in der Logistik immer auch den Menschen brauchen.“
Wie stark digitalisiert ist der Arbeitsalltag bereits?
Wir verwenden viele digitale Tools, sie sind tolle Arbeitsbegleiter – von der Sendungsverfolgung über die Routenplanung bis zu Chat-GPT bei heiklen Kunden-Emails. (lacht) Den Menschen in der Logistik wird es aber trotzdem immer brauchen. Trotz Digitalisierung und KI sehen wir ihr unsere Jobs in Zukunft nicht gefährdet.
Das Analoge macht vielfach sogar den Unterschied aus, vor allem gegenüber großen Logistikdienstleistern. Wer bei einem Konzern anruft, kommt oft zuerst einmal in eine automatische Warteschleife oder spricht mit einer KI-Stimme. Bei uns gibt es noch den direkten Kontakt – die Lösungsfindung geht dann einfach schneller.
Was ist das Faszinierende an der Logistik allgemein?
Ich finde es einfach faszinierend, wie viel Kilometer so ein Paket meist zurücklegt und wie viele Storys es erzählen könnte. Logistik bewegt die Welt.
Und es wird von Jahr zu Jahr immer mehr. Immer größer, immer schneller. Und immer besser vernetzt. Das ist eine spannende Sache. Wie schon gesagt: Es kann jederzeit alles passieren und du musst jederzeit bereit sein, eine Situation zu lösen. Toll ist auch, dass die Jobs krisensicher sind.
Wo seht ihr eure Zukunft im Unternehmen?
Wir geben weiter Gas. Und wir wollen unsere Abteilungen und die Menschen darin weiterentwickeln. Alles andere ergibt sich dann von selbst.
Herr Hadolt, wie bewerten Sie das Image der Lehre in der Gesellschaft?
Die Lehre ist im Vergleich zu anderen Ausbildungen immer noch schlechter gestellt. Man kennt die Sprüche wie „Wer nix lernt, macht eine Lehre“. Absolventen von Lehrberufen sind gegenüber Akademikern vielfach benachteiligt – auch von der Politik her. Das müssen wir ändern.
Meine persönliche Erfahrung war: Es wird in der Schule zu wenig für Lehrberufe geworben. Man erfährt nicht, welche tollen Möglichkeiten man dadurch hat. Das Einzige, was ich gemacht habe, war ein AMS-Job-Check. Und dabei ist für mich Hundefriseur als Empfehlung rausgekommen. (lacht) Da gibt es sicher Verbesserungspotenzial.
Die Berufsausbildung gehört meiner Ansicht nach aufgewertet und die Lehre schon ab dem ersten Lehrjahr ordentlich entlohnt. Im zweiten und im dritten sollte man schon richtig gut verdienen. Das wäre ein Anreiz für viele, sich für einen Lehrberuf zu entscheiden. Wir benötigen auch Akademiker, keine Frage – aber wir brauchen künftig gute Fachkräfte in allen Bereichen. Am besten sollte man schon bei der Begrifflichkeit anfangen, „Lehrlingsentschädigung“ etwa klingt ja so, als wäre ein Schaden entstanden, den man ausgleichen muss. Das ist nicht imagefördernd. Das Image der Lehre zu verbessern, ist ein Auftrag für Politik und Gesellschaft.
Ihre konkrete Forderung an die Politik?
Ich würde mir wünschen, dass der Staat Lehrlinge genauso unterstützt wie Studierende. Die universitäre Ausbildung wird vom Staat hoch subventioniert, die Lehrlingsausbildung zahlen allein die Betriebe. Konkret könnte ich mir vorstellen, dass zum Lohn von 1.500 Euro im dritten Lehrjahr der Staat noch 500 Euro dazuzahlt – nur als Beispiel. Oder man bekommt in der Lehrzeit eine Summe von 10.000 Euro an zusätzlichem Ausbildungspaket. Auf diese Weise würde der Staat ein Zeichen setzen und wichtige Anreize schaffen.
Fotos: Oliver Wolf
