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Der Klima-Champion von nebenan

Wie geht nachhaltige Stahlproduktion mitten im Stadtgebiet? Das zeigt das Stahl- und Walzwerk Marienhütte in Graz, der aktuelle Weltrekordhalter bei klimaschonender Stahlproduktion. Marienhütte-CEO Markus Ritter im großen Cover-Interview mit „SPIRIT of Styria“ über das Stahlwerk von nebenan, die „Bio-Banane“ unter den Betonstählen, die nächste Investitionsoffensive, die Zukunftssorge „heranrückender Wohnbau“ und den nötigen Turnaround für den Industriestandort Österreich.

Im Büro von Markus Ritter herrscht Gedränge. Hund, Schwein, Krokodil, Skorpion, Geier, Esel und Eule – stramm aufgereiht machen die Kunstwerke aus Eisenschrott das Chefbüro im ersten Stock zur Galerie. „Faszinierend, welche Skulpturen ein steirischer Künstler aus dem anfallenden Schrott immer wieder hervorbringt“, so der Firmenchef über die kreative Zweitverwertung des Altmetalls. Auch die primäre Verwendung von Eisenschrott hier am Standort der Marienhütte in Graz macht staunen: Aus dem Sekundärrohstoff entstehen im Stahlwerk – gemeinsam mit Kalk, Kohlenstoff und Sauerstoff – pro Jahr nicht weniger als 400.000 Tonnen Betonstahl für die Bauindustrie. Die Marienhütte ist Österreichs letzter und einziger Produzent des wichtigen Baumaterials und deckt rund die Hälfte des heimischen Bedarfs – jedes zweite Bauwerk in Österreich trägt damit ein stählernes Skelett aus der Grazer Südbahnstraße. Betonstahl dient zur Bewehrung von Beton und macht diesen erst stabil, langlebig und vielseitig einsetzbar – für sämtliche Bauaufgaben. Aber nicht nur für die Bauindustrie ist das Stahlwerk systemrelevant, sondern auch für die Grazer Energieversorgung. Industrielle Abwärme aus dem Werk versorgt rund 50.000 Grazerinnen und Grazer mit CO2-freier Energie. Alles paletti also im Stahlwerk von nebenan? Nicht ganz – die Marienhütte stehe vor großen Herausforderungen, wie Markus Ritter im großen Interview mit „SPIRIT of Styria“ berichtet.

„Heranrückender Wohnbau? Die Fehler sind in der Vergangenheit passiert – lange vor der aktuellen Stadtregierung. Man hat fahrlässigerweise in Kauf genommen, dass hier zwei Parteien in einen Konflikt gedrängt werden“, so Markus Ritter.

Die Marienhütte ist Österreichs einziger Hersteller von Betonstahl. Eine bequeme Ausgangsposition, oder?

Betonstahl hat den Vorteil, dass es auf absehbare Zeit nichts geben wird, wodurch man ihn ersetzen könnte. Hier sehe ich weit und breit keine Disrupting-Technology – im Hoch- und Tiefbau wird man an Stahlbeton auch künftig nicht vorbeikommen. Doch einziger Hersteller in Österreich zu sein, heißt nicht, dass wir der Einzige sind, der nach Österreich liefert. Der Wettbewerb ist hart und wir müssen uns sehr anstrengen, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Zudem wollen wir nicht nur wirtschaftlich erfolgreich sein, sondern unseren Stahl auch auf eine möglichst klimaverträgliche Weise produzieren.

Was beschäftigen Sie derzeit am meisten?

Im Wesentlich sind es zwei Themen – zum einen betrifft es unseren unmittelbaren Standort hier in Graz und zum anderen den Wirtschaftsstandort Österreich. Die Personal- und Energiekosten sind im Vergleich viel höher als bei unserem Mitbewerb, der vor allem aus Italien und Deutschland, aber auch aus Ungarn, Bulgarien Bosnien, Serbien, Tschechien und der Türkei, kommt. Viele Werke haben in den vergangenen Jahren enorme Kapazitäten hochgezogen, die sie jetzt mit aller Gewalt auslasten wollen. Dadurch ist der Wettbewerb sehr intensiv.

Wie können Sie sich behaupten?

Mit rund 400.000 Tonnen Stahl im Jahr sind wir im internationalen Vergleich ein kleines Werk – diese Größe bietet uns den Vorteil, sehr flexibel agieren zu können, das bringt auch Kostenvorteile. Große Werke produzieren zwei Millionen Tonnen im Jahr – und karren diese quer durch Europa. Wir sind regional aufgestellt – sowohl in der Schrottanlieferung als auch in der Stahlauslieferung bewegen wir uns im Umkreis von 500 Kilometern, und dies fast ausschließlich mit der Bahn. Alles andere wäre weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll.

„Gewissermaßen  produzieren wir die Bio-Banane unter den Betonstählen – auch wenn der ökologische Mehrwert vom Markt noch nicht honoriert wird.“

Markus Ritter
CEO Marienhütte

Die Baukonjunktur leidet – wie sehr ist die Nachfrage nach Betonstahl betroffen?

Grundsätzlich ist die Nachfrage in einer entwickelten Volkswirtschaft relativ konstant. Gewisse Schwankungen gibt es immer – etwa durch den Bauboom im Zuge der EU-Osterweiterung oder zuletzt durch den Wohnbau-Boom in den Jahren 2021 und 2022. Das war natürlich überschießend – den gegenteiligen Effekt erleben wir heute. In der Marienhütte liegen wir schon seit vielen Jahren konstant bei 400.000 Tonnen Stahl und das wird auch künftig so bleiben. Auch in einem schwächeren Markt können wir unsere Kapazitäten gut unterbringen. Mengenwachstum ist bei uns kein Thema, wir wollen weiter in der Produktions- und Prozessqualität wachsen – und in der Enkelgerechtigkeit.

Ein roter Industrietriebwagen steht in einer dunklen, unübersichtlichen Lagerhalle voller Metallschrotthaufen und Schutt unter einem teilweise offenen Dach, das natürliches Licht hereinlässt.
Das Grazer Stahl- und Walzwerk liefert den grünsten Stahl der Welt. 400.000 Tonnen Betonstahl mit geringem CO2-Fußabdruck verlassen das Werksgelände – per Bahn – jedes Jahr.

Die Marienhütte als „Stahlwerk von nebenan“ – wie gut funktioniert das Miteinander von Industrie und Wohnen?

Wir pflegen mit dem Stadtteil Reininghaus ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis. Das kommt nicht von ungefähr – denn wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und im Vorfeld acht Millionen Euro in eine moderne Entstaubungsanlage investiert. Damit sind wir in Vorleistung getreten und haben gegenüber Stadt und Bevölkerung ein Zeichen gesetzt: Wir tun, was wir können, um Emissionen zu reduzieren. Zudem beliefern wir Haushalte in Reininghaus mit Niedrigtemperatur-Nahwärme. Bislang gab es keine größeren Konflikte mit den Anrainern. Wenn Probleme auftauchen, kann man mich jederzeit anrufen. Ich lade auch jeden gerne zu uns ins Werk ein. Wir haben nichts zu verbergen und kommunizieren offen und transparent. Unsere Überzeugung: Wohnen, Urbanität und Industrie schließen sich nicht aus. Das haben wir schon damals, als der Flächenwidmungsplan beschlossen wurde, klar zum Ausdruck gebracht. Probleme könnten sich künftig allerdings ergeben, wenn der Wohnbau allzu nahe an uns heranrückt.

Tatsächlich plant die ARE, Tochter der Bundesimmobiliengesellschaft BIG, nun einen Wohnbau direkt vor Ihrer Haustür. Der aktuelle Stand der Dinge?

Es gibt ein laufendes Genehmigungsverfahren betreffend den ersten Wohnblock der ARE im Bereich der neuen Schule in Reininghaus. Dagegen mussten wir verständlicherweise Einspruch einlegen. Es gibt im steirischen Baugesetz einen Rechtsanspruch gegen „Heranrückende Wohnbebauung“, weil im Falle der Errichtung die zulässigen Emissionen unseres Betriebs in Frage gestellt werden können. Es geht also um ein existenzielles Grundanliegen unseres Betriebs. Denn unsere Position der Stadt gegenüber war immer klar: Bitte widmet, was ihr wollt, aber jede Widmung unmittelbar vor unserer Haustür muss Wohnnutzung explizit ausschließen. Warum? Weil Wohnnutzung bedeutet, dass Leute in der Nacht schlafen wollen und in der Nacht gibt es andere Lärmtoleranzen als untertags. Schule, Büro, Sport, alles kein Problem – aber Wohnen in unmittelbarer Nähe eines Stahlwerks kann für Konflikte sorgen.

Wie kam es dazu, dass Wohnbau so nahe an einen Industriebetrieb heranrückt?

Man kann es überall übertreiben und meiner Ansicht nach hat es die Stadtplanung vor 13, 14 Jahren übertrieben, als eine Kerngebietswidmung auch auf unserer Seite der Alten Poststraße beschlossen wurde. Die natürliche und logische Grenze wäre die Alte Poststraße gewesen. Wir haben schon damals lautstark unsere Bedenken gegen diese Planungen geäußert. Leider wurden diese ignoriert. Klar ist auch: Wenn ein Investor auf Grundlage dieser Planung kommt und ein Projekt startet, kann man ihm das schwer zum Vorwurf machen – da er ja im Einklang mit einer rechtlich aufrechten Planung der Stadt agiert. Daher sind hier die Fehler klar in der Vergangenheit passiert – lange vor der Zeit der aktuellen Stadtregierung. Man hat damals sehr kurzsichtig gedacht und fahrlässigerweise in Kauf genommen, dass hier zwei Parteien in einen Konflikt gedrängt werden.

Wie kam es dazu, dass Wohnbau so nahe an einen Industriebetrieb heranrückt?

Man kann es überall übertreiben und meiner Ansicht nach hat es die Stadtplanung vor 13, 14 Jahren übertrieben, als eine Kerngebietswidmung auch auf unserer Seite der Alten Poststraße beschlossen wurde. Die natürliche und logische Grenze wäre die Alte Poststraße gewesen. Wir haben schon damals lautstark unsere Bedenken gegen diese Planungen geäußert. Leider wurden diese ignoriert. Klar ist auch: Wenn ein Investor auf Grundlage dieser Planung kommt und ein Projekt startet, kann man ihm das schwer zum Vorwurf machen – da er ja im Einklang mit einer rechtlich aufrechten Planung der Stadt agiert. Daher sind hier die Fehler klar in der Vergangenheit passiert – lange vor der Zeit der aktuellen Stadtregierung. Man hat damals sehr kurzsichtig gedacht und fahrlässigerweise in Kauf genommen, dass hier zwei Parteien in einen Konflikt gedrängt werden.

Große Flammen und dichter Rauch verschlingen Industriemaschinen in einer Fabrik und schaffen eine intensive und gefährliche Szene. Das Bild fängt die Hitze und die Gefahr eines Brandes in einer industriellen Umgebung ein.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir sind in intensiven Gesprächen, wie wir das Thema lösen können. Und ich bin auch zuversichtlich, dass wir zu einer Lösung kommen. (Anm.: Das Interview fand Anfang Oktober statt.) Schon allein, um den Zeitplan für die geplante Unterführung Josef-Huber-Gasse nicht zu gefährden. Denn diese ist im Interesse aller Beteiligten. Konkret: Es gibt einen eisenbahn- und UVP-rechtlichen Bescheid für die Errichtung der Unterführung – und dieser muss bis 2028 in Anspruch genommen werden. Das heißt, bis dahin muss die Unterführung in Betrieb sein. Daraus folgt: Es muss spätestens 2027 gebaut werden können. Da das Bürogebäude, in dem wir gerade sitzen, der Unterführung weichen muss, brauchen wir bis 2027 ein anderes Bürogebäude. Und damit dieses bis 2027 fertig ist, muss ich im Herbst 2025, also sehr zeitnah, zu bauen beginnen. Und dafür brauche ich möglichst rasch eine Baugenehmigung. Das bedeutet: Wir können uns hier allesamt keine Verzögerung leisten, damit die Stadt ihren Zeitplan für die Unterführung einhalten kann. Denn sonst würden die Investoren, die die Unterführung von der Stadtregierung vertraglich zugesichert bekommen haben, wohl auf die Barrikaden steigen.

Ihr Resümee?

Wie gesagt: Wir sind in Gesprächen und ich bin sicher, dass wir das lösen werden. Aber es bleibt ein schaler Nachgeschmack, weil wir künftig – trotz strengster Lärmschutzmaßnahmen und trotz gegenseitiger Duldungsverpflichtung – wohl einem Restrisiko ausgesetzt sein werden. Und das ist schade. Schließlich dürfen wir für uns in Anspruch nehmen, dass wir als Industriebetrieb seit über 50 Jahren hier an diesem Standort produzieren. Und damit einen wichtigen Beitrag für Beschäftigung und Wertschöpfung für die Stadt Graz leisten. Zudem sind wir ein zentraler und CO2-freier Energielieferant für die Stadt. Seit Kurzem dürfen wir uns auch über einen „Weltmeistertitel“ als klimafreundlichster Stahlerzeuger freuen.

Die Umweltdeklaration EPD bescheinigt der Marienhütte den weltweit geringsten CO₂-Fußabdruck pro Tonne Stahl. Wie kam es dazu?

Hinter EPD steht ein genormtes Verfahren, das europaweit angewendet wird und sehr verlässlich die Gesamtökobilanz einer Produktion evaluiert – es misst den CO2-Verbrauch des gesamten Produktionsprozesses inklusive aller vor- und nachgelagerten Bereiche, also auch Energieeinsatz und Transporte. Dabei erzielte die Marienhütte einen CO₂-Fußabdruck von 293 Kilogramm pro produzierter Tonne Stahl – ein neuer Rekordwert. Damit sind wir nun gewissermaßen Weltrekordhalter in der Kategorie niedrigster CO2-Verbrauch in der Stahlerzeugung. Zum Vergleich: Klassische Hochöfen liegen zwischen eineinhalb und zwei Tonnen CO2 pro Tonne Stahl und europäische Elektrostahlwerke etwa bei einer halben bis dreiviertel Tonne – ein Wert, den wir deutlich unterschreiten.

„Unsere Überzeugung: Wohnen, Urbanität und Industrie schließen sich nicht aus.“

Markus Ritter
CEO Marienhütte

Die wesentlichen Gründe für diesen Erfolg?

Wir haben das Thema Nachhaltigkeit bereits vor über fünfzehn Jahren auf unsere Agenda genommen und viel investiert. Unsere Produktion zeichnet eine kompakte Werksstruktur mit kurzen Wegen aus, dadurch können wir den noch frisch gegossenen Stahl direkt weiterverarbeiten, statt ihn – wie in anderen Stahlwerken üblich – für den Weitertransport abzukühlen und erneut aufzuheizen. Zweitens stammt der gesamte Strom im Unternehmen zu 100 % aus erneuerbarer Energie. Zusätzlich reduziert der eigene Bahnanschluss die Emissionen beim Materialtransport erheblich.

Ist das Maximum bereits erreicht oder geht da nach mehr?

Wir wollen weiter investieren und als nächstes das Walzwerk dekarbonisieren. Das wird derzeit noch mit Gas beheizt. Eine Großinvestition, die den Fußabdruck noch ein gutes Stück nach unten bringen würde. Wir planen, die in den Knüppeln vorhandene Wärme durch einen smarten Prozess künftig so zu nutzen, dass wir uns die Wiedererwärmung sparen. Dieser Prozess würde einen massiven Umbau des ganzen Werks bedeuten und eine sehr hohe Investition bedingen, die wir gerade prüfen. Zudem wollen wir rund um den Jahreswechsel eine Schrottreinigungsanlage installieren. Theoretisch gäbe es dann noch die Möglichkeit, die derzeit eingesetzte fossile Blaskohle durch Biokohle zu ersetzen – hier wären die zusätzlichen Kosten enorm. Das rentiert sich aber derzeit noch nicht. In Summe könnten wir künftig irgendwo im niedrigen 200 Kilo-Bereich pro Tonne liegen. Dann wäre alles optimiert – mehr ginge nicht. Denn zu 100 % CO2-freier Stahl ist eine Illusion – irgendwo fallen immer Emissionen an.

Die Gretchenfrage: Zahlt sich Nachhaltigkeit aus? Ist dem Kunden „grüner“ Stahl auch etwas wert?

Wir haben uns klar als nachhaltiger Anbieter positioniert – ich sage halb im Scherz oft, wir sind die Bio-Banane unter den Betonstählen. Gleichzeitig müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass der Mehrwert theoretisch zwar begrüßt wird, aber extra dafür zahlen will noch niemand so recht. Alle sind für Umwelt- und Klimaschutz, aber bitte nur, wenn es keine Mehrkosten verursacht. Gleichzeitig deuten die Zeichen klar darauf hin, dass Geld- und Investitionsflüsse – auch unionsrechtlich gewollt – gezielt in Richtung Nachhaltigkeit gelenkt werden. Gerade deshalb sehe ich auch die Politik in der Pflicht. Ausschreibungen müssten künftig so gestaltet sein, dass Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung tatsächlich zählen. Denn wenn man schon auf Klimaschutz setzt, sollte man dies in der öffentlichen Beschaffung als Kriterium verankern. Das heißt, bei öffentlichen Ausschreibungen könnte man sehr wohl die „Bio-Banane“ vorschreiben.

Industriestandort Österreich in Schieflage. Wie kriegen wir den Karren wieder flott?

Die aktuelle Lage ist tatsächlich ernst. Zu lange wurden Entwicklungen ignoriert und auch Warnungen – gerade von Seiten der Industrie – nicht gehört. Die Verantwortlichen haben lange gebraucht, um darauf zu reagieren. Es scheint, dass der Ernst der Lage langsam erkannt wird und wir nun anfangen, Maßnahmen zu ergreifen – siehe das Ergebnis der heurigen KV-Verhandlungen. Ein Zeichen, dass die handelnden Personen verstanden haben, worum es geht, und auch bereit sind, gegenzusteuern. Auch bei der Strompreiskompensation gibt es zumindest eine Teillösung – auch wenn diese noch nicht ausreicht. Denn die anderen EU-Mitgliedsstaaten machen diese Kompensation zu 100 Prozent, wir nur zu maximal 50 Prozent. Ein klarer Nachteil gegenüber unserem Mitbewerb. Generell müssen wir über das Thema Industriestrompreis diskutieren, wenn wir wieder wettbewerbsfähig werden wollen. Denn wir können Nachteile vielleicht eine Zeit lang tragen, aber nicht zu lange – vor allem die energieintensive Industrie nicht. Und die Steiermark ist besonders energieintensiv. Zu all dem kommen gewaltige Zukunftsaufgaben wie das Thema grüne Transformation. Denn selbst wenn das alles technologisch gelöst ist und sich Zahler gefunden haben, dann muss die Infrastruktur erst einmal gebaut werden und davor genehmigt werden. Im Moment brauchen wir für ein Windrad sechs oder sieben Jahre – so wird es nicht funktionieren. Wir müssen hier in die Gänge kommen.

Stahl- und Walzwerk Marienhütte

  • Errichtet im Jahr 1970 in der Grazer Südbahnstraße.
  • Österreichs letzter und einziger Hersteller von Betonstahl ist zentraler Lieferant der heimischen Bauwirtschaft – rund die Hälfte des Bedarfs wird von Graz gedeckt.
  • Jahresproduktion: über 400.000 Tonnen.
  • Ein Elektrolichtbogenofen verwandelt Eisenschrott gemeinsam mit Kalk, Kohlenstoff und Sauerstoff in Betonstahl.
  • Großer Fokus auf Nachhaltigkeit: Die Marienhütte war eines der ersten Unternehmen, dem das SUSTEEL-Kennzeichen verliehen wurde.
  • Laut Umweltdeklaration EPD ist die Marienhütte mit 293 kg CO2 pro Tonne Stahl Rekordhalter bei klimafreundlicher Stahlproduktion weltweit.
  • 75 % der elektrischen Energie, die für das Schmelzen benötigt wird, wird in das Fernwärmenetz der Energie Graz ausgekoppelt. Auf diese Weise werden 50.000 Grazerinnen und Grazer mit CO2-freier Wärme versorgt.
  • Anlieferung des Schrotts und Auslieferung des Betonstahls in einem Umkreis von 500 Kilometern.
  • 97 % des Schrotts werden per Bahn transportiert.
  • Investition von über 8 Mio. Euro in neue Entstaubungsanlage.
  • Rund 300 Mitarbeiter.
    Die Marienhütte ist Teil der M+ S Maschinen und Stahl Holding GmbH mit Sitz in Raaba. Zu ihr zählen auch AVI, EVG, Stahlform und BSTG.
  • CEO Markus Ritter ist seit 20 Jahren im Vorstand der Industriellenvereinigung Steiermark, seit dem Vorjahr fungiert er als deren Vizepräsident.

www.marienhuette.at

Fotos: Michaela Pfleger

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