Schloss, Fisch, Urlaub und Wein
Das Gut Hornegg in Preding ist in vierter Generation im Besitz der Familie Holler. Das Zentrum des Guts bildet ein denkmalgeschütztes Schloss, das von vier Geschwistern bewohnt und laufend restauriert wird. Marie-Theres Holler führte „SPIRIT of Styria“ durch das Gut und erklärte dabei, wie der Musterhof inklusive Fischzucht, Weinanbau und Tourismus altes Wissen sowie das Erbe mehrerer Jahrhunderte in die Zukunft führen will.
In Preding, etwa 30 Kilometer von Graz entfernt, zwischen den Weinbaugebieten des Sausal und dem Stainzer Schilcherland, liegt das Gut Hornegg. Der aus dem 13. Jahrhundert stammende Gutshof besteht heute aus einer Teichanlage zur nachhaltigen Zucht von Süßwasserfischen, betreibt Forstwirtschaft und Weinbau und ist ein touristisch beliebtes Feriendomizil. Seit mehr als zehn Jahren bewohnen und restaurieren die vier Geschwister Marie-Theres, Heinrich, Christiane und zeitweise Meinhard das Schloss und hauchen den Räumen wieder neues Leben ein. Marie-Theres Holler nimmt uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit, als wir durch den Schlosspark spazieren: „Die Familie Holler sind Nachfahren einer wohlhabenden Südtiroler Industriellen-Familie namens Brigl, die das Gut vor 90 Jahren als Wertanlage gekauft hatten. Ursprünglich wurde der Hof landwirtschaftlich als Musterhof gegründet, beherbergte neben der Viehzucht und einer Gärtnerei, in der Gemüse angebaut und Leuten aus dem Ort verkauft wurde, ebenfalls zuarbeitende Gewerke wie Schmiede, Wagnerei oder Fassbinderei.“ Viele Strukturen veralteten, die Pflege des Gutes blieb aus, dessen Glanz erlosch. „Mein Vater, Jörg Holler, stellte 1964 von Vieh- auf Fischzucht um. Was bis heute erhalten blieb, ist das Gut als Musterhof weiterzuführen. „Früher stand ‚Musterhof‘ für Fortschritt, den Menschen Wissen über die Landwirtschaft zu vermitteln und ihnen Kenntnisse zu geben, um sich selbst zu ermächtigen. Heute heißt es für uns: Im Einklang mit der Natur wirtschaften – das ist das Musterhafte“, so Marie-Theres Holler.
„Nach dem Vorbild eines Musterguts wollen wir altes, praktisches Wissen wiederbeleben. Bei uns lernt man wieder, wie die Dinge wirklich funktionieren.“
Der Hornegger Biofisch als Marke
Der überwiegende Teil der heute 30 Teiche mit 30 Hektar Fläche wurde von Jörg und Marie-Theres Holler angelegt. Seit zwanzig Jahren führt deren Sohn, Fischereimeister Heinrich Holler, den Betrieb und konzentriert sich auf die Produktion alter Fischarten, darunter u.a. Giebel, Rotauge, Rotfeder oder der chinesische Amur, auch Goldkarpfen genannt. „Früher verkaufte mein Vater nur an den Großhandel. Erst, als mein Bruder Heinrich auf biologische Teichwirtschaft und Direktvertrieb umstieg, bekamen wir ein öffentliches Profil und der ‚Hornegger Biofisch‘ eine Identität als Unternehmen“, sagt Marie-Theres Holler. Die Fische werden im gutseigenen Hofladen, auf Wochenmärkten und über einen Webshop verkauft. Die Fischzucht, bisher eines der Hauptstandbeine des Betriebes, gerät jedoch zunehmend unter Druck: „Durch den Klimawandel werden unsere Wasserreserven knapper. Wir rechnen mit etwa Zweidrittel weniger Produktion, wodurch sich auch unser Sortiment aus derzeit 11 Fischarten verkleinern wird.“ Die Geschwister Holler setzen daher zunehmend auf Tourismus: „Zusätzlich zur Fischzucht wollen wir Gästen zukünftig ein nachhaltiges Angelerlebnis bieten, aber anders als ‚Catch&Release‘-Betriebe, wo Fische mehrmals täglich am Haken gefangen und wieder ausgesetzt werden. Bei uns sollen die gefangenen Fische auch geschlachtet werden – als echte Nahrungsgewinnung.“ Daneben werden Betriebsführungen angeboten, in denen dem Vorbild eines Musterguts folgend altes praktisches Wissen wiederbelebt wird.
Das Gut Hornegg als Feriendomizil
Beim Spaziergang kommen wir am alten Gärtnerhaus vorbei – eines von fünf vermieteten Feriendomizilen. „In meiner Jugend war das unsere Rauch- und Saufbude“, schmunzelt die Gutsbesitzerin, und wird kurz nachdenklich: „Hier war der Verfall am deutlichsten, die Glasfassade war eingedroschen, und es tat weh, dem länger zuzusehen.“ So beschlossen Heinrich und Marie-Theres vor fünfzehn Jahren, das Gärtnerhaus zur Zweitwohnung auszubauen. Marie-Theres Hollers Hintergrund als Architektin kam ihr dabei zugute. „Ich leitete damals ein eigenes Architekturbüro in Wien, plante abends für das Gut und kam nur am Wochenende hierher. Ich berechnete alles so, dass ich den Kredit allein von meinem Gehalt zurückzahlen könnte – für den Fall, dass niemand hier Urlaub machen will. Das erste Jahr war zäh, aber dann kam die Welle, als Ferienwohnungsurlaub modern geworden ist.“
Kreativität und Durchhaltevermögen mit Hausverstand
Marie-Theres Holler führt uns in das Schloss – einen dreigeschossigen Vierflügelbau mit insgesamt 50 Zimmern. Wir gehen durch einen der beiden Arkadengänge des Innenhofes in eine große Küche, in der die Gastgeberin Kaffee kocht. Wie kam es zum Wechsel vom Architektenjob zur Schloss-Restaurateurin? „Es zeichnete sich ab, dass der Betrieb mit den vielen Immobilien zu komplex war, um rein aus landwirtschaftlicher Sicht bewirtschaftet zu werden. Heinrich ist Teichwirt und handwerklich versiert, was ein unbedingtes Erfordernis ist. Aber die organisatorischen Aufgaben lassen sich nicht von ein und derselben Person bewältigen. Ich kam her, um Ordnung zu schaffen, Strukturen einzuführen und Aufzeichnungen zu machen, wie sich die Umsätze entwickeln etc.“
Zehn Jahre später wurde damit begonnen, das Schloss zu renovieren. Zunächst wurden über 20 Tonnen Müll aus den Gebäuden geräumt. Holler: „Es war praktisch, als Architektin vieles planen zu können, nur ein Schloss zu renovieren ist etwas völlig anderes. Ich musste mich von meinem bisherigen Geschmacksempfinden als Architektin verabschieden, lernen, das Unvollkommene zu akzeptieren. Geldmangel und Denkmalschutz waren gute Lehrmeister, auch zu wissen, was ich alles nicht renovieren muss, weil es technisch nicht notwendig ist. Und Gottseidank verkauft Shabby Chic sich mittlerweile gut!“ In den Lehrwerkstätten des Bundesdenkmalamts hat sie sich, selbst Tischlergesellin, in verschiedenen Handwerken weitergebildet: „Wer ein Handwerk beherrscht, versteht die Prinzipien dahinter – egal ob, man eine Bluse näht oder einen Tisch baut. Alles ist geometrisch, physikalisch, logisch. Aber erst jetzt verstehe ich, welche Qualität alte Materialien haben und auch dass sie in Würde altern können“, sagt Marie-Theres Holler. Während der Kaffee kocht, führt sie uns zu einem der fünf geschmackvoll eingerichteten Apartments im Schloss: „Als die ersten Investitionen notwendig wurden, war klar, dass man mit dem vielen Leerraum etwas machen muss. Wir wollten Ferienwohnungen vermieten aus dem Wunsch heraus, dass wieder Leben ins Schloss reinkommt!“
Besonders stolz ist Marie-Theres Holler darauf, „das Schloss und die Ferienwohnungen ausschließlich mit natürlichen Baustoffen renoviert zu haben. Im ganzen Haus gibt es kein Plastik, die Wände sind mit Kalk oder Leimfarbe gestrichen. Materialien, die atmen – das spürt man.“ Marie-Theres Holler schenkt Kaffee ein, währenddessen streicht man mit der Hand über die Wand – die sich warm anfühlt. Holler: „Wir haben im Erdgeschoss eine Wandheizung, die gleichmäßige Strahlungswärme abgibt. Dadurch bleibt das Raumklima angenehm. Ebenfalls wichtig ist ein gutes Lüftungskonzept, vor allem im Keller, den ich so nach fünf Jahren völlig trocken bekam.“
Kammermusik und Literatur auf Gut Hornegg
Das Erdgeschoss und der erste Stock des Schlosses sind fertig renoviert. „Der Rest ist leer und wird für Musikprojekte genutzt“, erklärt Holler, die nicht nur in ihrer Freizeit kulturaffin ist: In ihrem zweiten Beruf ist die Schlossbesitzerin als Vizerektorin für Infrastruktur, Digitalisierung und Marketing an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz tätig. Ihr Bruder, der Münchner Cellist und Musikpädagoge Meinhard Holler, der auf Gut Hornegg aufwuchs, lädt jährlich zehn junge Nachwuchstalente aus Europa zum Musikprojekt „Colluvio“ ins Schloss – einem zehntägigen Intensivkurs für Kammermusik für Violine, Cello und Klavier. „Zum Premierenkonzert kamen zuletzt 300 Gäste zu uns. Die Akustik hier ist traumhaft“, sagt die Gastgeberin. Am Weg zurück zum Auto gehen wir an Weinreben vorbei. „Heuer ist die erste Ernte unseres Schlossweines geplant, nicht primär aus wirtschaftlichen Gründen, sondern im Sinne des Musterhofes, den Menschen weiterhin gesamtheitlich unsere Geschichte zu vermitteln. Denn im Unterschied zu anderen Schlössern ist Gut Hornegg kein museales Objekt. Alles ist lebendig, was den Ort und dessen Erzeugnisse so besonders macht.“
Marie-Theres Holler
- geboren 1968 in Graz
- Architekturstudium, Technische Universität Wien
Ausgewählte berufliche Stationen:
- seit 2003
eigenes Ziviltechnikerbüro / freischaffende Architektin - 2005–2011
Projektentwicklung und Gebäudemanagement, Wien Museum - 2013–2016
Abteilungsleitung Infrastruktur (Facilitymanagement & IT), Österreichische Akademie der Wissenschaften - 2006–2020
Kulturmanagement & Regionalentwicklung für die Steirische Landesregierung - seit 2006
Unternehmensführung Gut Hornegg (Bio-Fischzucht, Weinbau, Tourismus, Immobilienbewirtschaftung) - seit 2020
Vizerektorin für Infrastruktur und Digitalisierung an der Kunstuniversität Graz
Gut Hornegg
- Schloss Hornegg wurde um 1200 vom Rittergeschlecht der Hornecker gegründet.
- Name Horneck – später Hornegg – stammt von der mittelhochdeutschen Bezeichnung hore für Sumpf.
- Das Geschlecht der Saurauer (Nachfahren der Hornecker) erwarb das Gut im Jahr 1373, machte die Fischzucht zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig und gab der alten Ritterburg ab 1505 das heutige Ausmaß eines Renaissanceschlosses.
- Über 150 Jahre diente Hornegg als Sommerresidenz der Mönche des Augustiner Chorherrn Stiftes in Stainz.
- Der deutsche Eisenbahnpionier Daniel von Lapp baute das Gut zu einem bekannten Mustergut aus und gab dem Schloss durch Umbauten ab 1875 sein heutiges Aussehen.
- 1937 erwarb die Südtiroler Industriellenfamilie Brigl das Gut Hornegg. Die Familie Holler, Nachfahren der Familie Brigl, betreibt heute Gut Hornegg als Biofischzucht und Feriendomizil.
Fotos: Oliver Wolf, beigestellt
