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Wundertüte & Wanderzirkus

Vorhang auf für eine steirische Bühnen-Innovation: Der Kleinkunstkeller bietet als „Open-Stage“ jeden Monat allen Formen der Bühnenkunst ein Zuhause. Als Sprungbrett für Bühnenneulinge und Plattform für Arrivierte begeistert das neue Format Zuschauer aus ganz Österreich. Im Gespräch mit „SPIRIT of Styria“ erzählt das Künstler- und Veranstalterpaar Andreas Tauser und Anna Maria Tauser-Fürpaß, warum der Kleinkunstkeller Wundertüte und Wanderzirkus in einem ist, was sie zur Gründung inspirierte und warum auf ihrer Bühne eine Nonne eine Dragqueen treffen darf.

Ein Abend, eine Bühne, ein Mikrofon, ein Spotlight. Ein steirisches Varieté in reinster Form. Etwas, das es so in Österreich sonst nicht gibt“, beschreiben Andreas Tauser und Anna Maria Tauser-Fürpaß ihre offene Bühne namens „Kleinkunstkeller“. Die monatliche Reihe an Open-Stage-Varietés bietet allen Formen der Bühnenkunst ein Zuhause. Kabarett, Comedy, Schauspiel, Zauberei, Pantomime, Musik, Liedermacherei, Figurentheater, Poetry Slam, alpenländische Volksweisen, Jodler und vieles mehr umfasst das Programm, das einer Wundertüte gleicht: „Es ist alles erlaubt, es gibt keine Regeln, außer der einen: Alles, was passiert, passiert im Moment – ungeschminkt, authentisch, echt“, erklärt Andreas Tauser.

Kleinkunstkeller
Drei Personen in Kostümen und Hüten im Vintage-Stil posieren dramatisch auf einem Schwarz-Weiß-Foto mit ausdrucksstarken Gesichtern und theatralischen Gesten.
Andreas Tauser (M.) ist nicht nur Veranstalter. Er musiziert auch, moderiert und tritt selbst als Kabarettist auf die Bühne.

Das Projekt Kleinkunstkeller – Open Stage Varieté ist eine offene Bühne für alle Bereiche der Bühnenkunst und tourt einmal im Monat durch Lokale in der Steiermark. Ob Kabarett, Comedy, Schauspiel, Zauberei, Pantomime, Musik, Figurentheater, Poetry Slam, alpenländische Volksweisen oder Jodler – der Kleinkunstkeller ist ein Refugium für alle, die das Abenteuer auf der Bühne suchen. Eine Plattform für Newcomer ebenso wie für Profis. Eine Aufführung dauert zwischen fünf und 15 Minuten.

Eine Frau und ein Mann in Vintage-Kleidung halten ein buntes Veranstaltungsplakat und Aufkleber auf einer Straße in der Stadt und lächeln in die Kamera.

„Es ist alles erlaubt, es gibt keine Regeln, außer der einen: Alles, was passiert, passiert im Moment –
ungeschminkt, authentisch, echt.“

Andreas Tauser
Veranstalter des Kleinkunstkeller

Artenschutztheater Berlin als Vorbild

So bunt wie das „Nicht-Programm“ des Kleinkunstkellers sind auch dessen Veranstalter: Multitalent Andreas Tauser ist nicht nur Musiker, Autor, Journalist, Veranstalter und Pressefotograf, sondern trat als Kabarettist unter anderem beim vorletzten Grazer Kleinkunstvogel auf die Bühne. Begleitet im Leben und in der Kunst wird er von Anna Maria Tauser-Fürpaß, die als Grafikerin, Musikerin und Malerin – Mitglied der „Styrian Art Foundation“ – sich ebenso vielfältig begabt zeigt. Zusammen musiziert das Paar als Teil von „Ensemble Liedschatten“, „Dixie Factory“ und der „Kremser Musi“. Waren es diese facettenreichen Hintergründe, die die beiden zur Gründungsidee des Kleinkunstkellers führte, oder doch etwas anderes? Anna Maria Tauser-Fürpaß schmunzelt: „Wir waren zu Gast im Artenschutztheater in Berlin, einem Varietétheater, das Zuschauer aus ganz Europa anzieht, und wir wussten sofort, dass es so ein Konzept auch in der Steiermark braucht. Wir möchten das Flair und den Geist von legendären Orten wie dem ‚Gaslight Café‘ in New York oder dem ‚Holländer‘ in Wien der 1920er-Jahre wieder heraufbeschwören. Und: Der Kleinkunstkeller soll zu einer Plattform für den freien Austausch unterschiedlicher Weltanschauungen werden. Ein Ort, wo man leben und sein kann, wie man ist und dafür respektiert wird. Wo es ganz natürlich ist, dass an einem Abend beispielsweise sowohl eine 83-jährige Nonne als auch eine Dragqueen auf der Bühne stehen“, verrät Anna Maria Tauser-Fürpaß.

Einmal im Monat heißt es: ein Abend, eine Bühne, ein Mikro, ein Spotlight. Steirisches Varieté in Reinform!

Kunst muss sich ausprobieren

Der Kleinkunstkeller versteht sich als Versuchslabor und Sprungbrett für Anfänger und zugleich als Podest für die Profis. „Wir sind eine Versuchsbühne für Leute, die zum ersten Mal auf der Bühne stehen, oder dann regelmäßig – denn nicht jeder möchte gleich größer werden. Ich finde, Kunst muss sich ausprobieren, in der Kunst muss man auch scheitern dürfen“, erklärt das Künstlerduo, obwohl das Wort „Scheitern“ nicht wirklich zum Repertoire des Kleinkunstkellers gehört. „Es findet eher ein Handschlag als Schlagabtausch zwischen den einzelnen Kunstformen, verschiedenen Generationen und ein lebhafter Austausch zwischen Darbietenden und Zuschauern statt“, so Tauser-Fürpaß. Die einzelnen Kleinkunstkeller-Abende werden von Andreas Tauser und weiteren Gast-Hosts moderiert, die einzelnen Akteure so kurz vorgestellt. Zwischen den Acts gibt es Live-Musik. Bis zu acht Künstler treten pro Abend auf und dürfen im zeitlichen Rahmen von 15 Minuten ihr Programm zum Besten geben.

ZU DEN PERSONEN
Eine Frau und ein Mann stehen an einem sonnigen Tag im Freien, halten ein buntes Veranstaltungsplakat und lächeln in die Kamera.
Die Künstler und Veranstalter des Kleinkunstkellers Andreas Tauser und Anna Maria Tauser-Fürpaß sind ein erfolgreiches Duo in der Kunst und auch privat.

Andreas P. Tauser
ist Musiker, Autor, Journalist und Pressefotograf (u.a. Kleine Zeitung, Regionalmedien Austria), Gründer und Mitherausgeber des Souffleurs: Magazin (online/Print) Plattform für (Wort-)Kunst und Austausch unterschiedlicher Weltanschauungen, Satiriker/Kabarettist (Finalist beim Grazer Kleinkunstvogel 2025). Durch die Arbeit im Bereich Musik, Literatur und Medien verfügt er über ein Netzwerk in Kunst und Kultur. Im Bereich Open Mic hat er Erfahrung sowohl als Teilnehmer als auch Veranstalter.

Anna Maria Tauser-Fürpaß ist neben ihrer Arbeit als Masseurin als Kunstmalerin und Grafikerin (Meisterklasse für Malerei, u. a Styrian Art Foundation) sowie als Musikerin tätig. Sie ist Tochter des Künstlers, Musikers und Kunstlehrers Josef Fürpaß (Ortweinschule, Meisterklasse für Kunst und Gestaltung) und so seit ihrer Jugend in Kontakt mit ostösterreichischen Kulturschaffenden.

Neuzugänge und Profis treffen sich auf der Bühne

Obendrein zieht der Kleinkunstkeller wiederholt große Namen der Kabarett- und Unterhaltungsszene an. Die Profis treten als fixes Line-up an und dürfen zeitlich überziehen, weshalb ein Abend auch gerne einmal zweieinhalb Stunden dauert: „Fixstarter bei uns waren bereits etwa Puppenspielerin Elfi Scharf, der Kabarettist und Kleinkunstvogel-Gewinner Alexander Hechtl, der Organisator des Kleinkunstvogels und Kabarett-Urgestein Simon Pichler oder Dragqueen Jodie Fox.“ Angekündigt haben sich weiters Chrissi Buchmasser, Sonja Minar, Jörg-Martin Willnauer und die aktuelle Kleinkunstvogelgewinnerin Eichberger und Niemand. „Die bekannteren Künstler werden von uns eingeladen und mit Gagen bedacht, um nicht selten neues Material an den Zuschauern zu testen.“ Das soll sowohl Publikum als auch Kunstanfänger in den Kleinkunstkeller ziehen. Und ein weiterer Effekt: „Die Anfänger können auf diese Weise von den Profis lernen, was wiederum die freie Szene belebt und erweitert“, weiß Andreas Tauser. Das Konzept des Kleinkunstkellers geht voll auf: „Wir erhalten immer mehr Anfragen von Künstlern, und Besucher kommen mittlerweile aus ganz Österreich zu uns, teilweise in so hoher Zahl, dass wir Zuschauer bei den ersten Kleinkunstkeller-Abenden – wie im Café Stockwerk und im Club Gourmet – an der Abendkasse schon wegschicken mussten“, sagt Andreas Tauser.

Wanderzirkus für kulturelle Artenvielfalt

Einmal im Monat findet der Kleinkunstkeller in bestehenden Cafés, Bars oder Pubs in Graz und anderen steirischen Gemeinden statt. Damit ähnelt er einem Wanderzirkus. Das hat auch Vorteile, weiß Andreas Tauser: „Es wird die Gastronomie gefördert, wir erreichen jedes Mal ein anderes Publikum und erlangen dadurch größere Bekanntheit!“ Diese Bekanntheit ist für den Kleinkunstkeller wichtig: „Wir finanzieren uns einerseits durch Einnahmen aus Eintritt bzw. freiwilliger Spende und andererseits aus öffentlichen Förderungen. Bis der Kleinkunstkeller als Fixpunkt in der steirischen Kulturlandschaft etabliert ist, so unser Ziel, wird es noch Zeit und Geld brauchen, weshalb wir gezielt Sponsoren und Partner ansprechen wollen, damit sich unsere Veranstaltungsreihe irgendwann selbst trägt“, so das Künstlerehepaar, das in dieser Sache als Kunstarbeit Veranstaltungsverein gemeinnützig agiert. Die große Vision des Kleinkunstkellers steht für die beiden ebenfalls schon fest: „Dass der Kleinkunstkeller wächst, vielleicht sogar international bekannt wird, sodass Menschen extra dafür anreisen und unsere Veranstaltungsreihe noch stärker zur kulturellen Artenvielfalt der Steiermark beiträgt.“

Die nächsten Kleinkunst­keller-Termine:

  • 24. April in der Grazer Bar „Der weiße Elefant“
  • 29. Mai, 19. Juni und 31. Juli – die Veranstaltungsorte werden noch
    bekanntgegeben.

 

Fotos: Samira Joy Frauwallner, Kleinkunstkeller

Banner mit dem Text "trinkvergnügen" und "Über 450 Weine & Champagner einfach online bestellen." Rechts zeigt ein Foto zwei Gläser Rotwein auf einem Holztisch im Freien bei Sonnenuntergang.