KMU-Studie 2026: Steirische Unternehmen investieren trotz Standortfrust
60 Prozent der steirischen KMU blicken optimistisch auf die Entwicklung ihres Unternehmens, 55 Prozent planen Investitionen. Gleichzeitig beurteilt eine Mehrheit die Rahmenbedingungen am Wirtschaftsstandort Österreich kritisch. Die aktuelle KMU-Studie 2026 von Erste Bank und Sparkassen zeigt: Die Zuversicht ist zurück – allerdings mit Bodenhaftung.
Von Aufbruchsstimmung kann noch keine Rede sein. Von Resignation allerdings ebenso wenig. Die steirischen Klein- und Mittelbetriebe haben gelernt, mit einem wirtschaftlichen Umfeld umzugehen, in dem Unsicherheit längst keine Ausnahme mehr ist.
Laut der aktuellen KMU-Studie 2026 von Erste Bank und Sparkassen blicken 60 Prozent der befragten Unternehmen in der Steiermark optimistisch auf ihre eigene Entwicklung in den kommenden zwei bis drei Jahren. Damit hat sich die Zuversicht gegenüber der Erhebung von 2024 leicht stabilisiert. Das Niveau früherer Jahre ist allerdings noch nicht erreicht.
Gleichzeitig empfindet beinahe jedes zweite steirische KMU das Marktumfeld heute als schwieriger als noch vor wenigen Jahren. Steigende Kosten, schwächere Nachfrage und zunehmender Wettbewerbsdruck belasten die Betriebe weiterhin.
„Die Unternehmerinnen und Unternehmer gehen nicht ins Tal der Tränen und in die Depression. Sie versuchen, aus dem, was da ist, das Beste zu machen“, brachte Oliver Kröpfl, Vorstandsmitglied der Steiermärkischen Sparkasse, die Stimmung bei der Präsentation der Studie auf den Punkt..
Steirische KMU bewältigen mehrere Krisen gleichzeitig
Es ist nicht die eine große Herausforderung, die den Unternehmen zu schaffen macht. Es sind viele Belastungen, die gleichzeitig auf sie einwirken: hohe Personal- und Energiekosten, Bürokratie, geopolitische Spannungen, unsichere Lieferketten, der schwache deutsche Markt und wachsender Wettbewerbsdruck.
Man kann nicht einfach eine Krise aussitzen und warten, bis sie vorüberzieht“
Unternehmen müssten heute mit mehreren Herausforderungen parallel umgehen und entsprechend beweglich bleiben.Wie weit internationale Entwicklungen bereits in den betrieblichen Alltag hineinreichen, zeigt ein weiteres Ergebnis: 95 Prozent der befragten Unternehmen sind nach eigenen Angaben von geopolitischen Spannungen und handelspolitischen Veränderungen betroffen.
Unsichere Energiepreise, Veränderungen der Lieferketten und die schwer kalkulierbare US-Handelspolitik erschweren verlässliche Planungen.
Wirtschaftsstandort Österreich wird kritisch beurteilt
Deutlich skeptischer als die eigene Zukunft bewerten die steirischen KMU den Wirtschaftsstandort Österreich. 57 Prozent beurteilen die heimischen Rahmenbedingungen schlechter als jene in anderen EU-Ländern. 74 Prozent halten die bestehenden Regulierungen und Vorschriften für zu umfangreich.
Der Wunsch der Unternehmen lässt sich daher in einem Begriff zusammenfassen: Entlastung. Gefordert werden weniger Bürokratie, einfachere Vorschriften, niedrigere Abgaben und berechenbarere Energiekosten.
Die KMU-Studie macht damit einen bemerkenswerten Unterschied sichtbar: Die steirischen Betriebe vertrauen stärker auf ihre eigene Leistungsfähigkeit als auf die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.
55 Prozent der steirischen KMU planen Investitionen
Trotz aller Unsicherheiten wollen 55 Prozent der steirischen Klein- und Mittelbetriebe in den kommenden zwei bis drei Jahren investieren. Im Zentrum stehen Digitalisierung und Automatisierung, Forschung und technologische Weiterentwicklung sowie Nachhaltigkeit und Energieeffizienz.
Dass diese Investitionsbereitschaft nicht nur auf dem Papier besteht, zeigt auch die Entwicklung im Firmenkundengeschäft der Steiermärkischen Sparkasse. Kröpfl berichtete von einer deutlich höheren Finanzierungsdynamik bei Unternehmen als in der privaten Wohnbaufinanzierung.
Investitionen fließen derzeit verstärkt in Projekte rund um Energiewende und Batteriespeicher sowie in Sicherheits- und Verteidigungstechnologien. Gerade in spezialisierten Nischen seien steirische Unternehmen teilweise sehr erfolgreich unterwegs.
Weiterhin stark unter Druck steht hingegen die Automobilzulieferindustrie. Positive Entwicklungen im Bereich der E-Mobilität seien bei vielen steirischen Zulieferbetrieben bislang nur teilweise angekommen. Zusätzlich trifft die schwache Konjunktur in Deutschland jene Unternehmen besonders, die eng mit dem deutschen Markt verbunden sind.
Künstliche Intelligenz: große Bedeutung, begrenzte Nutzung
Besonders dynamisch entwickelt sich das Thema künstliche Intelligenz. Innerhalb von zwei Jahren ist KI für die steirischen Unternehmen deutlich stärker in den Mittelpunkt gerückt. Im betrieblichen Alltag wird sie allerdings noch längst nicht in allen Bereichen genutzt.
Andreas Leskosek, Leiter Firmenkunden der Steiermärkischen Sparkasse, zeigte sich bei der Präsentation überrascht, dass laut Studie erst rund ein Drittel der befragten Unternehmen KI aktiv einsetzt. Dort, wo sie bereits verwendet wird, liegt der Schwerpunkt vor allem auf Marketing und Werbung. In Beschaffung, Logistik, Einkauf oder Vertrieb spielt künstliche Intelligenz bislang eine wesentlich kleinere Rolle.
Gerade darin liegt erhebliches Potenzial. Digitalisierung, Automatisierung sowie Forschung und Entwicklung werden von den Unternehmen nicht nur als zusätzlicher Druck, sondern auch als wichtigste Chancen für ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit betrachtet.
Zuversicht ist kein Schönreden der Lage
Kröpfl warnte davor, die leichte Aufhellung der Stimmung mit einer raschen wirtschaftlichen Erholung gleichzusetzen. Auch in den kommenden Jahren werde die Wirtschaft mit unterschiedlichen Krisen und Unsicherheiten umgehen müssen. Entscheidend sei daher, dass die Unternehmen ihre Investitionen nicht dauerhaft aufschieben, sondern ihre Stabilität und Widerstandskraft weiter ausbauen.
Der Optimismus der steirischen KMU speist sich somit nicht aus deutlich verbesserten Rahmenbedingungen. Er gründet vielmehr auf der Überzeugung, die eigene Zukunft trotz schwieriger Voraussetzungen gestalten zu können.
Oder anders gesagt: Die Unternehmen warten nicht darauf, dass der Gegenwind nachlässt. Sie haben gelernt, auch unter schwierigen Bedingungen Kurs zu halten.
Fotocredit: Thomas Luef
