Standort-Motor Koralmbahn: Die Steiermark wird zur europäischen Metropolregion
100 Tage nach der Eröffnung der Koralmbahn ziehen Politik, Industrie und ÖBB eine beeindruckende Bilanz. Doch der Erfolg der neuen Südstrecke ist für die steirischen Entscheidungsträger erst der Anfang: Um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern, stehen bereits die nächsten Milliarden-Investitionen und strategische Lückenschlüsse auf der Agenda.
Es ist eine historische Transformation: Die Steiermark rückt durch die Koralmbahn aus einer geografischen Randlage direkt in das Zentrum der wichtigsten europäischen Verkehrsachsen. Bei einem hochkarätigen Dialog in Graz diskutierten Vertreter der Landespolitik, der Industriellenvereinigung (IV) und der ÖBB über die nächsten Schritte für den Wirtschaftsstandort.
Koralmbahn: Ein Erfolg in Zahlen
Die Bilanz nach den ersten knapp 100 Tagen übertrifft die Erwartungen und unterstreicht die Bedeutung der Schiene für den Güter- und Personenverkehr:
• 7.000 Fahrgäste täglich nutzen bereits die neue Verbindung.
• Über 1.000 Güterzüge transportierten in diesem Zeitraum mehr als eine Million Tonnen Fracht.
• 1,1 Millionen Menschen und rund 150.000 Unternehmen profitieren direkt von den verkürzten Wegezeiten.
Die nächsten Meilensteine: 552 Millionen Euro für 2026
ÖBB-CEO Andreas Matthä stellte klar, dass der Investitionsfluss nicht abreißt. Allein im Jahr 2026 fließen 552 Millionen Euro in die steirische Infrastruktur.
Zu den Kernprojekten zählen die Elektrifizierung der Steirischen Westbahn, der zweigleisige Ausbau Werndorf–Spielfeld-Straß sowie erste Planungen für die Entlastung der Strecke zwischen Frohnleiten und Graz. Mit dem kommenden Semmering-Basistunnel wird zudem die Achse Wien–Graz zur leistungsfähigen „Flachbahn“.
„Die Industrie braucht die Schiene und die Schiene braucht die Industrie. Das gilt in der Steiermark, in Österreich und in Europa heute mehr denn je“.
Klare Forderungen von Politik und Industrie
Trotz der Euphorie mahnten die steirischen Vertreter weitere notwendige Schritte an, um das volle Potenzial der Investitionen auszuschöpfen.
Landesrätin Claudia Holzer betonte die Notwendigkeit, den regionalen Zusammenhalt durch Erreichbarkeit zu stärken:
„Leistungsfähige Verkehrswege sind zentral für die Lebensqualität und die wirtschaftlichen Chancen der Steiermark. Die Koralmbahn zeigt, dass große Infrastrukturprojekte nur im Schulterschluss zwischen Land, Bund und ÖBB gelingen“.
Neben dem Bahnausbau (Bosrucktunnel, Pyhrn-Schober-Achse) bekräftigte Holzer auch die Dringlichkeit des dreispurigen Ausbaus der Pyhrnautobahn (A9), um die Anbindung aller Regionen sicherzustellen.
IV-Präsident Kurt Maier fokussierte auf die internationale Erreichbarkeit und den Export:
„Eine direkte Anbindung des Flughafens Graz an die Koralmbahn kann gemeinsam mit einem großen Park-&-Ride-Standort eine neue Mobilitätsdrehscheibe für den Süden der Steiermark schaffen. Damit wird der Umstieg auf die Bahn attraktiver und die Region als Wirtschaftsstandort zusätzlich gestärkt“.
Maier forderte zudem eine massive Beschleunigung der Genehmigungsverfahren: Infrastruktur mit überregionaler Bedeutung müsse politisch priorisiert werden, um Investitionen nicht durch zu lange Verfahren zu verteuern.
| Key Facts: Wirtschaftsraum Steiermark 2026 |
| Kennzahl / Projekt | Details & Status |
| Investitionen 2026 | 552 Mio. Euro fließen in den Ausbau des steirischen Schienennetzes. |
| Fahrzeug-Offensive | 6,1 Mrd. Euro für modernste Züge (Railjet M, Doppelstock). |
| Logistik-Hub | Ausbau des Cargo Terminal Graz zur Absicherung der Warenströme. |
| Export-Achsen | Fokus auf Bosrucktunnel und Anbindung an den Hauptmarkt Deutschland. |
| Mobilitäts-Knoten | Diskussion um Flughafen-Halt und Park-&-Ride-Ausbau im Süden. |
| Zukunftsvision | Entwicklung zur bestangebundenen Region Europas. |
Fotocredit: Foto Fischer
