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Eine Weltmacht auf Schiene

Der globale Rail-Markt boomt und eröffnet der steirischen Bahnindustrie enorme Chancen. Rechtzeitig vor der InnoTrans 2026 in Berlin machte sich „SPIRIT of Styria“ auf Spurensuche nach den wichtigsten Branchenplayern in der Steiermark: Markt- und Innovationsführer, die die Welt auf Schiene bringen.

Der Zug rollt. Man könnte meinen, die Welt entdeckt ein althergebrachtes Transport- und Verkehrsmittel gerade neu. Quer über den Globus feiert die Bahn eine Renaissance, auf allen Kontinenten wird kräftig in Schieneninfrastrukturprojekte investiert. Ein Milliardenmarkt mit enormen Chancen für die Steiermark. Das Land ist Hotspot für Weltmarktführer, Innovationstreiber und exportstarke Nischenplayer, die die Welt auf Schiene bringen. Konzerne, KMU und Forschungseinrichtungen bilden ein vitales Rail-Ökosystem, das auch innerhalb des steirischen Mobilitätsclusters ACsytria weiter an Bedeutung gewinnt.

voestalpine Railway Systems

Weltmarktführer für Bahnsysteme

Die Lokomotive für das steirische Rail-Business ist seit jeher der Stahlkonzern voestalpine. Die Bahnaktivitäten des Unternehmens sind heute unter dem Dach der voestalpine Railway Systems mit Hauptsitz in Leoben gebündelt und in der Metal Engineering Division angesiedelt. voestalpine Railway Systems ist weltweit führender Anbieter kompletter Bahninfrastruktursysteme. Das Produktportfolio umfasst sowohl die „Hardware“ – Schienen, Weichen und Befestigungen – als auch die dazugehörige „Software“ in Form von Signaltechnik und volldigitalen Überwachungseinrichtungen. Im jüngsten Geschäftsjahr erwirtschaftete der Bahnbereich an 70 Produktions- und Vertriebsstandorten weltweit einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro. Rund 8.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in diesem Segment beschäftigt, davon 1.900 in Österreich. „Wir können unseren Kunden ein allumfassendes Produktportfolio – von Planung und Design der Gleis- und Weichenanlagen bis hin zum Monitoring der fertigen Bahnstrecke – anbieten“, erklärt Franz Kainersdorfer, Mitglied des Vorstandes der voestalpine AG und Leiter der Metal Engineering Division.

Ein Mann in Anzug und Krawatte steht vor einem Fenster, durch das man Bäume und den Himmel sehen kann. Er hat kurzes graues Haar und trägt eine Brille.

„Wir bieten unseren Kunden ein allumfassendes Produktportfolio – von Planung und Design der Gleis- und Weichenanlagen bis hin zum Monitoring der fertigen Bahnstrecke“

Franz Kainersdorfer
Mitglied des Vorstandes der voestalpine AG und Leiter der Metal Engineering Division

Zu den Produkthighlights zählen neben wartungsarmen Schienen auch Hochgeschwindigkeitsweichen für bis zu 400 Stundenkilometer oder Schwerlastweichen für über 40 Tonnen Achslast. Intelligente voestalpine-Weichensysteme mit Diagnosefunktionen – quasi dem Bordcomputer der Weiche – erleichtern die Instandhaltung und beugen damit Ausfällen vor. In diesem Jahr sorgte voestalpine mit einer Reihe spektakulärer Neuaufträge für Furore. Darunter Aufträge der Deutschen Bahn und der Schweizerischen Bundesbahnen SBB im Gesamtwert von 500 Mio. Euro. So setzt die SBB im Rahmen eines bis zu 20 Jahre laufenden Vertrags auf digitale Signal- , Monitoring- und Sicherheitslösungen des steirischen Anbieters. Darüber hinaus konnte die voestalpine im Frühjahr 2026 für das Großprojekt Rail Baltica, das bedeutendste Hochgeschwindigkeits-Bahninfrastrukturprojekt in Europa, ihren bisher größten Coup an Land ziehen – einen Rahmenvertrag über rund 470 Mio. Euro für die Lieferung von bis zu 1.000 Hochgeschwindigkeits- und Normalgeschwindigkeitsweichen inklusive volldigitaler Überwachungstechnologie. Ganz aktuell: Soeben konnte voestalpine Railway Systems mit der Canadian National eine langfristige Liefervereinbarung für lokal produzierte Weichensysteme abschließen und wird eine neue Produktionsstätte für Weichen- und Schienenkomponenten in Thorold, Kanada, errichten. Darüber hinaus ist die Gruppe Ausstatterin von Metros in Porto, Barcelona und Hongkong und lieferte bereits Gesamtsysteme an die thailändische Staatsbahn sowie für Straßenbahnprojekte ins australische Newcastle und Canberra sowie nach Dublin, Nottingham oder Bergen. Kurzum: Steirisches Rail-Hightech in aller Welt.

Siemens Mobility

Fahrwerke und Pantografen für die Welt

Ein Global Player im Rail-Business ist auch Siemens Mobility. Das Unternehmen mit seinem Stammwerk in Graz, dem Weltkompetenzzentrum für Fahrwerke sowie Pantografen für Schienenfahrzeuge, eröffnete in diesem Jahr in Fürstenfeld seinen zweiten steirischen Standort. 40 Millionen Euro wurden investiert. „Fürstenfeld erweitert unsere Kapazitäten in der Wartung und Vormontage sowie der Werkslogistik. Das Zusammenspiel der beiden Standorte schafft die Basis für weiteres Wachstum unseres Unternehmens“, erklärt Tanja Kienegger, Geschäftsführerin von Siemens Mobility in Österreich. „Wir werden nun Marktchancen aktiver erschließen können, etwa in der Fertigung von Pantografen, also Stromabnehmern für Züge sowie verstärkt auch für E-Busse und E-Lkw.“ Aktuelle Großaufträge sorgen für hohe Auslastung. So rollt der Vectron, die erfolgreiche Lokomotivenplattform des Konzerns, auf Grazer Rädern. „Etwa 3.000 Loks wurden bereits verkauft, die Nachfrage ist weiter groß“, so Kienegger. „Auch die Leichtbau-Fahrwerke für die Railjets der neuen Generation bei den ÖBB und auch jene für die 100 Mireo Nah- und Regionalzüge stammen aus Graz.“ Zuletzt konnte auch ein Auftrag der Serbija Voz, der serbischen Eisenbahngesellschaft, fixiert werden. Die Exportquote beträgt mehr als 90 Prozent.

Eine Frau in einem marineblauen Kostüm steht lächelnd mit verschränkten Armen neben Industrieanlagen auf Bahngleisen in einer modernen Anlage.

„Bei Siemens Mobility Österreich forschen rund 250 Ingenieurinnen und Ingenieure an der Zukunft der Bahn“

Tanja Kienegger
Geschäftsführerin von Siemens Mobility Austria

„Viele Innovationen unseres Unternehmens haben ihre Anfänge in der Steiermark – etwa die Leichtbau-Fahrwerke für die Railjets der neuen Generation. Stolz sind wir auch auf unsere innovativen e-Line-Pantografen, mit denen E-Busse und E-Lkw platzsparend geladen werden können. Eine stark nachgefragte Innovation, die wir in Fürstenfeld fertigen“, so die gebürtige Steirerin. „In vielen Bereichen sind wir Pioniere, etwa bei der Digitalisierung der Bahn. Gleise werden zu Hightech-Assets, Züge werden smarter. Dennoch steht klassische Ingenieurkunst bei uns hoch im Kurs“, so die Managerin. „Bei Siemens Mobility forschen etwa 250 Ingenieurinnen und Ingenieure in Österreich an der Zukunft der Bahn.“ Die größten Herausforderungen derzeit? „Wir glauben an den Standort Österreich, unterstützen die Bundesregierung bei ihrer Industriestrategie und gehen mit gutem Beispiel voran: In diesem Jahr investiert Siemens Mobility mehr als 100 Mio. Euro in Österreich. Dennoch sind die hohen Kosten und umfangreiche Bürokratie hemmend, vor allem im für uns so wichtigen Exportgeschäft.“

Mosdorfer Rail

Auf Expansionskurs mit Oberleitungen

Ebenso weltweit tätig ist Mosdorfer Rail, führender Hersteller und Anbieter von Komponenten und Lösungen für die globale Bahnindustrie. Das Unternehmen, Teil der Knill Gruppe, entwickelt, produziert und vertreibt an seinen drei Standorten in Spanien, Italien und England hochwertige Systeme für Oberleitungsanlagen im Bahn- und Straßenbahnbereich, Spann- und Nachspannsysteme, Isolatoren, Klemmen, Halterungen, Sicherheits- und Erdungssysteme. „Wir verzeichnen weiterhin ein starkes, nachhaltiges Wachstum und können bedeutende Schieneninfrastrukturprojekte erfolgreich umsetzen. Beispielsweise erhielten wir jüngst den Zuschlag für mehrere Großprojekte auf dem türkischen Markt“, betont Christian Knill, CEO der Knill Energy Holding. „Zuletzt wurden auch strategische Partnerschaften in China ausgebaut und Gebietsverkaufsleiter in Asien, Nord- und Südamerika sowie Deutschland eingesetzt, um die Expansion voranzutreiben“, so Knill. „Schließlich wollen wir allen Kunden auf unseren Märkten den gleichen hohen Standard an Service und Support bieten.“ 

Ein lächelnder Mann in einem dunklen Anzug und einem weißen Hemd steht in einem Raum, im Hintergrund sind verschwommene Fenster und Grünpflanzen zu sehen.

„Die größten Wachstumschancen für Mosdorfer Rail sehen wir in der Türkei, in Nordamerika, in Indien und im Nahen Osten“

Christian Knill
CEO der Knill Energy Holding

Die größten Wachstumschancen sieht er in der Türkei, in Nordamerika, in Indien und im Nahen Osten. „Dort werden voraussichtlich mehrere bedeutende Eisenbahninfrastrukturprojekte die Nachfrage weiter ankurbeln“, so Knill und nennt den „Maya-Zug“ in Mexiko und das Hochgeschwindigkeitsbahnprojekt Ankara-Izmir in der Türkei als Beispiele. Die größte Herausforderung für das Unternehmen derzeit? „Angesichts der zunehmenden Präsenz von Billiganbietern auf dem Markt müssen wir wachsam bleiben und sicherstellen, dass wir uns durch überragenden Service, Qualität und Kundennutzen weiterhin von der Konkurrenz abheben.“

Hexagon

Hochpräzise Messsysteme für Räder und Schienen

Ein Hidden Champion am Rail-Sektor ist das in Graz ansässige Unternehmen Hexagon – bis 2026 als Nextsense firmierend (siehe Bericht S. 32). Das Spin-off der Joanneum Research entwickelt optische Messsysteme zur hochpräzisen Profilmessung in der Automobil-, Eisenbahn- und Luftfahrtindustrie, die unter dem Markennamen CALIPRI vertrieben werden. Im Rail-Bereich kommen die Systeme zur Verschleißmessung von Eisenbahnradsätzen sowie zur präzisen Messung von Rad- und Schienenprofilen zum Einsatz. Der Clou: CALIPRI ermöglicht eine berührungslose Messung und liefert objektive, reproduzierbare Messdaten. Zum internationalen Kundenkreis zählen große Eisenbahngesellschaften wie die Deutsche Bahn, die ÖBB, die SNCF, die SBB oder China Railway sowie Hersteller wie Alstom. 

Eine Frau mit langen braunen Haaren, die eine durchsichtige grüne Bluse und große Ohrringe trägt und vor einem hellen, unscharfen Hintergrund lächelt.

„Sind mit CALIPRI heute in über 50 Ländern weltweit vertreten“

Renate Grabler-Gussmagg
Geschäftsführerin von Hexagon in Graz

„Heute sind wir in über 50 Ländern weltweit vertreten“, so Renate Grabler-Gussmagg, die Geschäftsführerin des Standorts Graz. „Immer wieder hören wir von Kunden: ,Fast nirgendwo auf der Welt findet man noch eine Werkstätte, in der es kein Messgerät von euch gibt‘“, sagt sie nicht ohne Stolz. „Derzeit entwickeln wir uns zunehmend in Richtung automatisierter Messung und Zustandsüberwachung“, so Grabler-Gussmagg. „Der nächste Schritt ist die Verbindung von Messung, Daten und Entscheidung. Die Daten sollen unseren Kunden helfen, bessere Wartungs- und Instandhaltungsentscheidungen zu treffen. Dementsprechend positiv sehen wir derzeit die deutlich zunehmende Nachfrage nach automatisierten Messsystemen wie CALIPRI X.“ Auch der weitere Ausblick fällt positiv aus. „Rail wird weltweit wichtiger – und damit steigen auch die Anforderungen an Sicherheit, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit.“

Hidden Champion am Rail-Sektor: Hexagon (vormals Nextsense). Das System CALIPRI ermöglicht hochpräzise Messungen von Rad- und Schienenprofilen.

PJM

Den digitalen Güterzug auf Schiene bringen

Ebenso ein innovationsstarker Nischenplayer im Rail-Bereich ist das Grazer Unternehmen PJM. Das Spin-off der TU Graz, das heuer sein 20. Firmenjubiläum feiert, ist spezialisiert auf Systemlösungen für den Schienenverkehr und die Digitalisierung des Schienengüterverkehrs. Seit der Wohnzimmer-Gründung mit Messgeräten hinter dem Sofa hat sich PJM zu einem international gefragten Partner in der Bahnbranche und einer Gruppe mit sieben spezialisierten Unternehmen mit über 90 Mitarbeitern entwickelt. Soeben wurde mit der PJM Swiss in Thalwil die erste Auslandsniederlassung eröffnet. Ebenso neu gegründet: INFRATRACK Solutions, Österreichs einzigartiges Testgelände in Mellach, das gemeinsam mit BOOM Software betrieben wird. Zudem wurde im Frühjahr am Grazer Standort eine neue digitale Produktion in Betrieb genommen. „Damit wurde die Fertigung des digitalen Systems ,WaggonTracker‘, das Sensorik und Stromversorgung für intelligente Güterzüge beinhaltet, auf ein neues Level gehoben“, erklären die beiden Unternehmensgründer Martin Joch und Günter Petschnig. 

Der weitere Ausblick? „Anders als der Personenverkehr in Europa steht der Schienengüterverkehr spürbar unter Druck. Der Wettbewerb ist in allen Segmenten hart. Um am Markt erfolgreich zu sein, muss man hinsichtlich Technologie, Innovation und Effizienz permanent am Ball bleiben und eine hohe Flexibilität in der Projektabwicklung mitbringen.“ Dass die Transformation im Güterverkehr dennoch gelinge, zeigen Pionier-Logistiker wie die italienische FS LogistiX oder die SBB Cargo. „Wir unterstützen diese Modernisierung maßgeblich: Dank unserer einzigartigen Plattform, die den digitalen und intelligenten Güterzug auf die Schiene bringt, behaupten wir unsere Position als Technologieführer und stärken die umweltfreundlichste Form des Gütertransports in Europa.“

ESTET

Schienenfahrzeugbau aus einer Hand

Auch spezialisierte mittelständische Unternehmen sind ein zentraler Bestandteil des steirischen Rail-Business – wie das Familienunternehmen ESTET Stahl- und Behälterbau mit Sitz in St. Michael zeigt. Das Unternehmen ist auf sicherheitsrelevante Bauteile für Schienenfahrzeuge sowie auf tragende Schweißkonstruktionen für die Bahninfrastruktur spezialisiert (siehe Bericht S. 30). „Der Schienenfahrzeugbau ist für uns ein wichtiges und zugleich sehr anspruchsvolles Geschäftsfeld. Dort, wo hohe Qualitätsanforderungen, komplexe Schweißkonstruktionen und flexible Fertigung gefragt sind, können wir unsere Stärken besonders gut einbringen“, erklärt die geschäftsführende Gesellschafterin Helga Stadler. Das Leistungsspektrum umfasst Komponenten und Schweißbaugruppen für Lokomotiven und Waggons, insbesondere für die Instandhaltung bestehender Schienenfahrzeuge – vom Prototyp über Einzelanfertigungen bis zur Kleinserie. „Durch unsere hohe Fertigungstiefe können wir unseren Kunden komplexe Baugruppen aus einer Hand anbieten und gleichzeitig flexibel auf Änderungen reagieren.“ Darüber hinaus ist ESTET in der Bahninfrastruktur tätig, unter anderem mit Stahlkonstruktionen für Brückenprojekte. Zu den Kunden zählen namhafte Unternehmen der Bahnindustrie, darunter Siemens Mobility und die ÖBB. „Der Schienenverkehr gewinnt europaweit weiter an Bedeutung. Damit steigt auch der Bedarf an modernen Fahrzeugen sowie an Komponenten für die Instandhaltung“, so Stadler. 

Eine Frau mit welligem braunem Haar und einem grünen Blazer steht drinnen, die Arme verschränkt, und lächelt sanft vor großen Fenstern.

„Unsere hohe Fertigungstiefe ermöglicht es uns, komplexe Baugruppen aus einer Hand anzubieten“

Helga Stadler
Geschäftsführende Gesellschafterin von ESTET

„Gleichzeitig ist der Markt sehr anspruchsvoll. Investitionsentscheidungen haben lange Vorlaufzeiten und der internationale Preis- und Wettbewerbsdruck nimmt deutlich zu. Umso wichtiger ist für uns eine klare Positionierung.“ Die größte Herausforderung derzeit? „Als österreichischer Fertigungsbetrieb tragen wir hohe Arbeitskosten und erfüllen umfassende Umwelt- und Sozialstandards. Gleichzeitig stehen wir im internationalen Wettbewerb mit Unternehmen, die teilweise unter völlig anderen Rahmenbedingungen produzieren. Hinzu kommt, dass es zunehmend schwieriger wird, qualifizierte Fachkräfte zu finden.“ Als geschäftsführende Gesellschafterin des Schwesterunternehmens ESTET Personal, das auf die Überlassung von Fachkräften spezialisiert ist, kennt Stadler auch die Herausforderungen des Arbeitsmarktes aus erster Hand. „Wir müssen unser Netzwerk laufend ausbauen und verstärkt über die Grenzen Österreichs hinaus rekrutieren, um unseren Kunden genügend Fachkräfte mit der erforderlichen Qualifikation bieten zu können.“

In einer Industriehalle mit Betonboden und heller Deckenbeleuchtung sind mehrere große, schwarze Metallrahmen in Reihen gestapelt.
ESTET ist Spezialist für anspruchsvolle Schweißbaugruppen für Lokomotiven und Waggons, insbesondere für die Instandhaltung bestehender Schienenfahrzeuge – vom Einzelstück bis zur Kleinserie.

Kneitz GmbH

Das sitzt! Mobilität komfortabel machen

Auch im Interieur von Schienenfahrzeugen mischt die Steiermark international mit – allen voran die Kneitz GmbH in Bad Mitterndorf, traditionsreicher Hersteller von Mobilitäts-textili-en.
Neben den Geschäftsfeldern Automotive und Bus liegt ein Schwerpunkt des Unternehmens mit seinen rund 120 Beschäftigen im Bereich Rail. Das Unternehmen fertigt textile Systemlösungen für Sitzbezüge im Nah- und Fernverkehr – unter anderem für die ÖBB, die Deutsche Bahn sowie Sitzhersteller in Europa bzw. weltweit. 

Ein Mann in einem marineblauen Blazer und einem hellblauen Hemd steht in einem Raum und blickt mit ausdruckslosem Gesicht in die Kamera.

„Sehen großes Wachstumspotenzial im Rail-Bereich“

Marco Kröll
Geschäftsführer der Kneitz GmbH in Bad Mitterndorf

„Durch den stetigen Ausbau des öffentlichen Verkehrs bietet uns dieser Markt Wachstumspotenzial und ermöglicht uns, auch in Zukunft in Mitteleuropa zu produzieren“, so Marco Kröll, Geschäftsführer des Unternehmens. „Damit sichern wir Arbeitsplätze und schaffen langfristige Perspektiven für unseren Standort“, betont Kröll. „Die in den vergangenen Monaten gewonnenen Projekte bestätigen, dass wir mit unseren Lösungen gut im Markt positioniert sind. Insgesamt sehen wir die Entwicklung positiv und blicken zuversichtlich auf die kommenden Jahre“, so Kröll, der die größte Stärke des Unternehmens in der Flexibilität, Schnelligkeit und Zuverlässigkeit sieht. Die größten Herausforderungen? „Die geopolitischen Entwicklungen und die gestiegenen Kosten, die die wirtschaftliche Produktion an einem Standort in Mitteleuropa anspruchsvoller machen. Gleichzeitig steigt insbesondere für KMU der Aufwand, neuen regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden. Hinzu kommt der internationale Wettbewerbsdruck, da viele Mitbewerber in Niedriglohnländern produzieren und die steigenden Lohnkosten den Wettbewerb verschärfen.“

Wood Vision Lab

Revolutionäre Rail-Komponenten aus Holz

Den Begriff Eisenbahn künftig ins Wanken bringen könnte eine Materialrevolution aus heimischer Forschungskraft. Das Holzpionierzentrum Wood Vision Lab forscht an Holz und Holz-Hybrid-Anwendungen für die Mobilität von morgen. „Die Anforderungen an neue Mobilitätslösungen sind klar: Sie müssen leichter, energieeffizienter, ressourcenschonender und gleichzeitig leistungsfähig sein. Holz vereint genau diese Eigenschaften. Als nachwachsender Rohstoff bietet es ein hervorragendes Verhältnis von Gewicht zu Festigkeit, speichert CO₂ über seine gesamte Nutzungsdauer und kann in Hybridlösungen optimal mit anderen Werkstoffen kombiniert werden“, erklärt Bernadette Karner, Geschäftsführerin des Zentrums, das derzeit in Weiz errichtet wird.

Eine Frau mit langen braunen Haaren und Brille lächelt, während sie ein Holzbrett in der Hand hält; sie trägt ein gelbes Oberteil und steht neben einem grün-weißen Schild.

„Holz und Holz-Hybrid-Anwendungen werden wesentlicher Bestandteil der Mobilität von morgen sein, auch im Rail-Bereich“

Bernadette Karner
Geschäftsführerin Wood Vision Lab

„Besonders im Schienenverkehr sehen wir großes Potenzial. Im Rail-Bereich zählt jedes eingesparte Kilogramm.“ Holz-Hybrid-Komponenten könnten daher beispielsweise im Innenausbau, bei Boden- und Wandkonstruktionen, Dach- und Deckensystemen oder bei modularen Bauteilen eingesetzt werden. „Gerade im Rail-Sektor bietet die Kombination aus Leichtbau, Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und industrieller Fertigung ein erhebliches Innovations- und Marktpotenzial. Unser Ziel im Wood Vision Lab ist es, gemeinsam mit OEMs aus dem Rail-Bereich und Partnern aus der Zuliefererindustrie neue Holz- und Holz-Hybridlösungen zur Serienreife zu entwickeln und damit die Mobilität von morgen nachhaltiger zu gestalten.“

Steiermärkische Landesbahnen

Spezialist für Wartung, Instandhaltung und Reparatur

Ein wichtiger Teil der Rail-Wertschöpfungskette ist auch die Anwendung vor Ort. Eine zentrale Rolle als Infrastrukturbetreiber nehmen die Steiermärkischen Landesbahnen ein – das Unternehmen erhält und betreibt 124 km eigene Bahninfrastruktur und wickelt als Betreiber des Cargo Terminal Graz bahnseitig alle Eisenbahn- und Umschlagtätigkeiten ab. An vier Standorten verfügen die Steiermärkischen Landesbahnen über eigene Bahnwerkstätten und damit über ein breites technisches Know-how im Bereich Wartung, Instandhaltung und Reparatur von Schienenfahrzeugen. „Unsere Werkstätten sichern die Verfügbarkeit der Fahrzeuge und sind gleichzeitig ein wichtiger Servicepartner für unsere Kunden“, erklärt Christian Seidl, Head of Commercial Rail Services der Steiermärkischen Landesbahnen. Mit dem jüngsten Ausbau wurden die Voraussetzungen geschaffen, um den steigenden Anforderungen des Marktes gerecht zu werden. „In der bestehenden Werkstätte sind wir an Grenzen gestoßen. Die neue Infrastruktur ermöglicht zusätzliche Kapazitäten, effizientere Arbeitsabläufe und eine Weiterentwicklung des Werkstättengeschäfts.“ 

Ein lächelnder Mann im Anzug steht mit verschränkten Armen an einem geschäftigen Hafen; im Hintergrund sind große Kräne, Lastwagen und Schiffscontainer zu sehen.

„Durch die Kombination aus Terminalbetrieb, Bahnbetrieb und Werkstättenleistungen können wir unseren Kunden Lösungen aus einer Hand anbieten“

Christian Seidl
Head of Commercial Rail Services der Steiermärkischen Landesbahnen

Auch am Standort am Cargo Terminal Graz betreibt man eine Werkstätte. „Der Cargo Terminal Graz ist ein bedeutender Logistikstandort und ein zentraler Knotenpunkt im europäischen Güterverkehr. Durch die direkte Anbindung an die Koralmbahn, die Südbahn und die Baltisch-Adriatische Achse bietet der Standort ideale Voraussetzungen für den Terminalbetrieb und unsere Werkstätte. Fahrzeuge können rasch übernommen, serviciert und wieder in den Betrieb integriert werden“, so Seidl. „Für uns ergeben sich dadurch zusätzliche Möglichkeiten, die Leistungen am Standort noch enger miteinander zu verknüpfen. Durch die Kombination aus Terminalbetrieb, Bahnbetrieb und Werkstättenleistungen können wir unseren Kunden Lösungen aus einer Hand anbieten.“

Die Steiermärkischen Landesbahnen sind zentraler Infrastrukturanbieter und Betreiber des Cargo Terminal Graz.

Railway and Infrastructure Laboratory (RaIL) an der TU Graz

Europaweit einzigartiger Eisenbahnprüfstand an der TU Graz

Zentraler Erfolgsfaktor für das heimische Rail-Business ist die enge Verzahnung aus Industrie und Forschung. So bildet die TU Graz seit vielen Jahren einen Hotspot im Bereich Eisenbahnforschung. „Für uns ein Kernforschungsbereich, mit dem wir europaweit zu den Top-3-Universitäten gehören“, betont Horst Bischof, Rektor der TU Graz, die im Research Cluster Railway Systems eng mit der Industrie zusammenarbeitet. Forschungspartner sind ÖBB, Siemens, voest­alpine, Plasser & Theurer sowie das Virtual Vehicle. „In diesem Cluster sowie mit unseren Eisenbahn-Instituten und hochmodernen Prüfständen betreiben wir international anerkannte Forschung auf höchstem Niveau.“ Aktueller Meilenstein in diesem Bereich: die Eröffnung des Railway and Infrastructure Laboratory an der TU Graz. „Damit nahm ein europaweit einzigartiger Eisenbahnprüfstand seinen Betrieb auf“, betont Bischof. In diesem Labor können vollständige Eisenbahn-Fahrwegsysteme auf ihre Belastbarkeit und Haltbarkeit während des simulierten Realbetriebs geprüft werden – von Schiene und Schwelle über Schotter und Unterbau bis in den Untergrund.“

Drei Männer in Anzügen stehen auf einer Eisenbahn-Prüfplattform in einem Gebäude, vor ihnen befinden sich Maschinen, Gleise und ein Schild mit der Aufschrift „GLEISSCHOTTER“.

Rail-Business

Österreich ist das weltweit viertgrößte Exportland in der Bahnindustrie, die Steiermark hat daran mit einer Reihe spezialisierter Anbieter, darunter Weltmarkführer, einen sehr großen Anteil.

Die Bahnindustrie in Österreich beschäftigt 34.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (plus 22 % gegenüber 2023) und erzielt drei Milliarden Euro Bruttowertschöpfung. Die Exportquote beträgt 68 %.
(Quelle: Austrian Rail Report 2025)

Rail Systems

Rail Systems ist – seit dem Jahr 2013 – neben Automotive und Aerospace ein großer Schwerpunkt des steirischen Mobilitätsclusters ACstyria. Mitgliedsbetriebe sind Systemlieferanten, Nischenspezialisten und weltweit führende Forschungseinrichtungen. Der ACstyria vernetzt Partnerunternehmen in den Schwerpunkten Rolling Stock, Fahrweg und Signaltechnik.

Der weltweite Railmarkt boomt. Die globale Bahnzulieferindustrie soll laut UNIFE World Rail Market Study bis 2029 ein jährliches Marktvolumen von über 240 Mrd.Euro erreichen – ein Zuwachs von 19 % gegenüber dem aktuellen Niveau.

Öko-Bilanz: Ein Güterzug ersetzt 40 Lkw. Die Bahn ist um den Faktor 17 klimaverträglicher als der Straßentransport, ein Lkw Sattelzug verbraucht 69 Gramm CO2, ein Güterzug lediglich 4 Gramm.
(Quelle: VCÖ)

InnoTrans 2026

Die InnoTrans findet vom 22. bis 25. September 2026 auf dem Messegelände in Berlin statt. Die internationale Leitmesse für Verkehrstechnik feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum.

Zahlreiche Unternehmen aus der Steiermark sind dabei vertreten, darunter: voestalpine Railway Systems, Siemens Mobility, Mosdorfer, Steiermärkische Landesbahnen, PJ Messtechnik, Weitzer Woodsolutions, Baier GmbH, Boom Software AG, BHM INGENIEURE – Engineering & Consulting, DPB Rail Infra Service, DPB Rail Technical Service, Kneitz GmbH, Hexagon, ITEC Tontechnik und Industrieelektronik, Maschinenfabrik Liezen und Gießerei, NET-Automation GmbH, PENGG KABEL, Stirtec, TCM International Tool Consulting & Management.

Fotos: voestalpine, Siemens Mobility, Mosdorfer, PJM, Hexagon, ESTET, Kneitz, Wood Vision Lab, Steiermärkische Landesbahnen, TU Graz, KK

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