Für drei Steirerinnen begann im Jahr 1987 sozusagen die Fahrt ihres Lebens. Maria und Sonja Gaberszik in Graz wurden nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters Firmeninhaberinnen, Elisabeth Kröpfl aus einem Kfz-Betrieb in Hartberg begann 1987 ihre Mechanikerlehre. Die 80er-Jahre markierten für die Kfz-Industrie einen Aufschwung, technische Innovationen ließen das Herz vieler Männer und mancher Frauen höherschlagen. In dieser Zeit kam der Audi Quattro mit seinem leistungsstarken, permanenten Allradantrieb auf den Markt, der bis dahin nur Nutzfahrzeugen vorbehalten war. Autofahren wurde nicht nur als Fortbewegung angesehen, es wurde mehr und mehr zum Sport, der Airbag machte zudem das Autofahren sicherer.
Und es kamen die großen Automarken nach Österreich, um diesen kleinen, aber starken Markt zu erobern. 1987 waren hierzulande bereits vier Millionen Fahrzeuge registriert, jeder dritte Österreicher besaß ein solches, 308.000 Autos, Motorräder und Lkw kamen in diesem Jahr neu hinzu. Für die drei zuvor erwähnten Damen war es durchaus der Beginn einer Fahrt in eine gute Zukunft, wenn auch die Umstände tragisch waren, wie bei den Schwestern Gaberszik.
Groß machten den Betrieb die Töchter
Maria Gaberszik lädt zum Gespräch ein, sie ist mitten in den Vorbereitungen zur 100-Jahr-Feier. 1925 hat ihr Großvater einen Mechanikerbetrieb gegründet, in dem sich alles um Fahrtenschreiber und Tachometer drehte. Der Vater führte das Unternehmen weiter, zum Zeitpunkt seines plötzlichen Todes beschäftigte er vier Angestellte. Tochter Sonja hatte zu diesem Zeitpunkt einen fertigen Wirtschaftsabschluss in der Tasche, Maria studierte mit großer Begeisterung Jus. Die Schwestern sind sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits in einer Unternehmerfamilie groß geworden und entsprechend geprägt, nichts sprach also dagegen, des Vaters Werk fortzuführen. Nur anders.
Damals sprach sich herum, dass Ford einen Händler suche, kurzerhand bewarb man sich. Dass zwei Frauen das Unternehmen führen sollten, war beim deutschen Autobauer kein Hindernis. Sie hätten nur die Auflage, 270 Fahrzeuge pro Jahr zu verkaufen, erfüllen müssen, sagt Maria Gaberszik. Das Verhältnis mit dem Vertragspartner sei stets von Vertrauen geprägt gewesen, noch heute unterhalte man ein freundschaftliches Verhältnis zu dem damaligen Verkaufsleiter. Im Herbst 1987 wurde das Unternehmen zur Ford-Vertragswerkstätte, 1993 zum Vertragshändler. Die Schwestern ließen einen Schauraum errichten, das Bürogebäude wurde erneuert, die Verkaufsauflage hätten sie rasch überschreiten können, „in den stärksten Zeiten haben wir tausend Autos pro Jahr verkauft“, sagt Maria Gaberszik.
Verschiedenheit gibt Rollen vor
Sie ist meist das Gesicht nach außen, verantwortet die Buchhaltung und das Marketing, während Sonja Gaberszik sich um die technischen Agenden kümmert. Nach dem Einstieg in den Betrieb lernte sie den Beruf der Kfz-Technikerin und schloss die Meisterprüfung ab. In den knapp vier Jahrzehnten, in denen die Schwestern das Geschäft führen, hat Maria zwei Kinder geboren, und daraus ist eine Anekdote überliefert, die in der Branche gern erzählt wird: Ein Vertragshändler wollte ein Fahrzeug abholen und fragte, ob die Geschäftsführerin am Nachmittag zugegen sei. Maria Gaberszik antwortete mit einem: „Nein, da bekomme ich mein Kind.“ Eine Woche später sei sie schon wieder im Büro gesessen und habe weitergearbeitet, erzählt sie. Im Gespräch läutet immer wieder das Telefon, „Entschuldigung, das muss ich entgegennehmen“, sagt Maria Gaberszik. Es ist der Lehrling, der meldet, dass er krankheitsbedingt von der Schule heimfahren müsse, die Chefin wünscht ihm alles Gute und fügt noch hinzu: „Werden Sie bitte bis Freitag gesund und kommen zu unserer Feier. Nehmen Sie auch Ihre Freundin mit!“ Dass die zwei Schwestern Chefinnen sind, war nie ein Problem für die männlichen Mitarbeiter, zumal erst sie den Betrieb groß gemacht haben. 40 Personen sind beschäftigt, ihre Mitarbeiter kommen aus vielen Regionen der Welt. Pro Jahr werden zwischen 800 und 1.000 Autos verkauft, auch wenn die Zeiten schwierig sind, scheint Maria Gaberszik nicht ihre positive Einstellung zu verlieren. „Höhen und Tiefen durchleben wir seit mittlerweile 38 Jahren. Aber so lange durch die Talsohle gehen wie dieses Mal mussten wir noch nie.“ Dass die Branche in den vergangenen Jahrzehnten weiblicher wurde, freut die Unternehmerin. Dennoch ist sie überzeugt, dass es letzten Endes um Vertrauen, Fachkompetenz, Ehrlichkeit und Beständigkeit gehe, die den Geschäftserfolg ausmachten. Und das sind bekanntlich universelle Charaktereigenschaften. „Was ich aber merke ist, dass wir und auch meine Kolleginnen einen anderen Kontakt zu den Mitarbeitern pflegen, einen respektvollen und höflichen Umgang.“
Mit 17 Jahren in die Männerdomäne
Für den Termin mit SPIRIT of Styria hat sich Elisabeth Kröpfl Zeit freigeschaufelt. Mit ihrem Vater führt sie den gleichnamigen Neu- und Gebrauchtwagenhandel in Hartberg, das Unternehmen beschäftigt 40 Mitarbeiter. Durch die Eröffnung des neuen Schauraums ist Arbeit liegengeblieben, die es aufzuarbeiten gilt. Doch für einen Ausflug an den Beginn ihrer Karriere nimmt sie sich Zeit. Elisabeth Kröpfl war 1987 gerade einmal 17 Jahre jung, als sie den Beruf der Kfz-Mechanikerin, wie er damals noch hieß, gewählt hat. Ihr Vater hatte im selben Jahr eine Kfz-Werkstätte in Hartberg eröffnet, ein Jahr später erhielt er einen Werkstättenvertrag von Mercedes. In der Berufsschule saß die Tochter als einziges Mädchen. Probleme in der Männerdomäne hatte sie dennoch nicht. „Ich war immer offen für Themen und Menschen und ich glaube, die Burschen haben sich mehr vor mir gefürchtet als ich mich vor ihnen“, sagt Elisabeth Kröpfl und lacht. „Es mag sein, dass wir Frauen uns mehr durchkämpfen müssen, um akzeptiert zu werden“, sagt sie. Dennoch hält sie nicht viel von Geschlechterklischees: „Gewisse Dinge konnte ich als Frau besser, woanders waren Männer geschickter. Das war damals so und ist es heute auch noch. Gemeinsam haben wir uns immer gut ergänzt.“
Der Markt bestimmt die Strategie
Egal, ob männliche oder weibliche Geschäftsführung: Letzten Endes gilt es, sich auf die Marktgegebenheiten einzustellen. Und hier zeichnet sich inmitten der Multikrisenzeit eine leichte Entspannung ab. Im Vorjahr wurden in der Steiermark 50.525 Kraftfahrzeuge neu zugelassen, um 6,5 Prozent mehr als 2023, knapp 35.000 davon waren PKW (plus 7,2 Prozent). Außer in Murau und in Weiz sind die Neuzulassungen gestiegen. Die beliebtesten Marken waren Volkswagen, Audi und Skoda, gut jedes dritte Neufahrzeug in der Steiermark ist aus dem deutschen Autokonzern. Dieselbetriebene Fahrzeuge machen von den Neuzulassungen nur mehr 17,7 Prozent aus, 36 Prozent sind benzinbetrieben, 27 Prozent entfallen auf die Hybridtechnologie (und hier vor allem Benzin-Elektro), 13,7 Prozent waren reine Elektroautos. Der Wegfall von Förderungen ließ im Vorjahr den E-Auto-Absatz um 11,6 Prozent sinken. Trotzdem ist das E-Auto keine Randerscheinung mehr, sagt Peter Jagersberger, Obmann des steirischen Kfz-Handels. Im ersten Halbjahr 2025 waren 58 Prozent aller neu zugelassenen Fahrzeuge elektrisch (17 Prozent) bzw. hybridbetrieben (41 Prozent).
144 Geschäftsführerinnen im Autohandel
In der Steiermark sind 2.800 Personen berechtigt, einen Kfz-Handel zu führen, 1.200 betreiben ihr Unternehmen allein. In 144 Autohäusern sind Frauen in der Geschäftsführung. Es hat sich also viel getan in den vergangenen Jahrzehnten. Peter Jagersberger erinnert sich noch an die erste Autoverkäuferin, die vor rund 30 Jahren im Familienbetrieb gearbeitet hatte. „Was mich damals schon erstaunt hat, dass sich viele Männer zielgerichtet von ihr haben beraten lassen und bei ihr auch gekauft haben. Eigentlich wäre ich überzeugt gewesen, dass sich eher Frauen an sie wenden würden“, erinnert sich der Obmann. „Persönlich bin ich überzeugt, dass es sich wie in anderen Branchen verhält und erst eine gute Durchmischung der Geschlechter zu Erfolgen führt.“
Eine junge Powerfrau im steirischen Kfz-Handel ist Anna Rockenbauer-Paier vom gleichnamigen Autohaus in Gleinstätten. Auf die Frage nach der Rolle von Frauen in ihrer Branche antwortet sie bestimmt: „Es ist doch egal, ob Mann oder Frau, entscheidend ist die Leistung. Respekt und Wertschätzung entstehen durch Können und Einsatz“, sagt sie. Es sei ein „großes Privileg und Glück“ für sie gewesen, in einem Unternehmen aufgewachsen zu sein, sagt sie.
„Der Faktor Mensch bleibt“
1980 wurde der Betrieb vom Großvater gegründet und von den Eltern weitergeführt. Mit Anna und ihrer Schwester ist die dritte Generation am Start. Ihr späteres Unternehmerinnensein verbriefte Anna schon mit fünf Jahren schriftlich, indem sie in einem Freundebuch bekanntgab, später Autohändlerin werden zu wollen. Zielgerichtet habe sie darauf hingearbeitet, und als einziges Mädchen die HTBLA in Kaindorf, Fachrichtung Mechatronik, absolviert. „Dort habe ich gelernt: Erfolg ist keine Frage des Geschlechts, sondern eine Frage des Könnens und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.“ Nach der Matura im Jahr 2016 stieg Anna Rockenbauer-Paier im elterlichen Betrieb ein. Ihr Herz schlägt vor allem für den Vertrieb, ihre Schwester Lisa verantwortet vor allem die Digitalisierung. „Natürlich ändern sich die Rahmenbedingungen, vieles läuft heute schneller und digitaler. Aber eines bleibt: der Faktor Mensch. Jeder bringt seine Stärken ein – und gemeinsam sind wir unglaublich stark“, sagt die Autohändlerin. „Ich habe von meiner Vorgängergeneration ein großartiges Wertesystem mitbekommen.“
Das Auto ist ihre Leidenschaft
Und dennoch geht es auch um Lust. Und die hat Leonie Tieber gespürt, als sie im Kindesalter schon an Fahrzeugen schrauben durfte. Als sie fünf war, zog im Nachbarshaus eine neue Familie ein, die Männer fuhren Autocrash und verbrachten viel Zeit damit, an ihren Autos zu schrauben. Leonie Tieber tat es gleich. Die Faszination für diesen Autosport ist nicht verschwunden, doch im Gegensatz zu früher könnten die Crasher heute von ihr lernen, sagt die 24-Jährige und lacht. Sie hat vor wenigen Jahren beim ÖAMTC ihre Lehre zur Kfz-Technikerin begonnen und konnte heuer bei der Euroskills-Meisterschaft in Dänemark Gold für die Branche holen. Die Paldauerin hängte mit großem Vorsprung den Zweitplatzierten ab und setzte sich gegen die männlichen Konkurrenten durch. Ihren beruflichen Alltag verbringt sie als Pannenhelferin beim ÖAMTC in Graz. Auch für sie ist die Geschlechterfrage nichts, worauf sie festgelegt werden möchte. „Egal, ob Mann oder Frau, man muss auf dem Laufenden bleiben, schauen, dass man sich weiterbildet, lösungsorientiert sein und den Job gut machen“, sagt sie. Nur so viel lässt sie sich in puncto Klischees entlocken: Im Gegensatz zu Frauen, die bei Panneneinsätzen am Telefon selten eine Ursache für das Stehenbleiben ihres Autos nennen würden, kämen Männer am Telefon oft gleich mit Diagnosen. Nicht selten ist es dann Leonie Tieber, die diese eines Besseren belehren muss.
Fotos: Daniela Müller, beigestellt, iStock
INFO
- 1,16 Millionen Fahrzeuge sind in der Steiermark zugelassen.
- 2.800 haben eine Kfz-Werkstätten-Berechtigung.
- 1.200 davon sind EPUs
- 144 Frauen sind in der Geschäftsführung .
