Grüne Investitionsoffensive als steirischer Konjunkturmotor
Masterplan Grüne Energie 2.0: IV-Steiermark und Energie Steiermark setzen in Kooperation mit 24 namhaften steirischen Industriebetrieben den bereits 2024 initiierten Masterplan für die grüne Transformation der Industrie fort. Die absehbare Verdoppelung des steirischen Strombedarfs bis 2040 erfordert den Ausbau von heimischer Erzeugung, Netzinfrastruktur und Speicherlösungen. Die damit verbundenen Investitionen gehen mit bedeutenden regionalökonomischen Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekten einher. Für das Gelingen der Energiewende braucht es weiterhin hohe Umsetzungsgeschwindigkeit. Dafür wurden 5 Top-Umsetzungsschritte jeweils auf Bundes- und Landesebene erarbeitet.
Der Masterplan Grüne Energie 2.0 setzt einen klaren Fokus auf das Themenfeld der „Finanzierung der Dekarbonisierung der industriellen Energieversorgung“. Ein zentrales Merkmal der Kooperation ist die konsequente bottom-up-Orientierung: Die beteiligten Unternehmen, die große Teile des industriellen Energieverbrauchs der Steiermark repräsentieren, und die Energie Steiermark brachten ihre Planungen und konkreten Investitionsvorhaben ein. Im intensiven Dialog mit Forschungseinrichtungen und wirtschaftspolitischen Akteur:innen wurden diesbezügliche Daten erhoben, relevante Rahmenbedingungen diskutiert und mögliche Szenarien skizziert und mit Zahlen hinterlegt. Die fundierte Basis macht die Folgeinitiative des „Masterplan Grüne Energie“ zu einem realistischen, praxisorientierten Fahrplan und liefert konkrete Aussagen zu folgenden Schwerpunkten: Kosten der Transformation von Produktionsprozessen, Investitionen in Ausbau/Umbau des Energiesystems, Berechnung des ökonomischen Fußabdrucks der Investitionen, Kosten des Emissionshandels, Aufzeigen von Finanzierungsoptionen sowie Top-5 Umsetzungsschritte jeweils für Bund und Land.
Die zentralen Fragen lauten: Welche wirtschaftlichen Chancen entstehen? Wo gibt es Finanzierungslücken, die der Markt aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen nicht schließt? Und welche Kooperationen könnten hier ansetzen? Begleitet wurde der Prozess vom „Economica Institut für Wirtschaftsforschung“ (Quantifizierung volkswirtschaftlicher Effekte) und dem internationalen Beratungshaus „Compass Lexecon“ (Analyse energiewirtschaftlicher Entwicklungen).
TOP 5 – Landesebene
1. Substanzielle Ausweitung von Vorrangzonen (rund 250 Windkraftanlagen & rund 2.000 ha für PV) und Durchführung von Sonderstandort-Verordnungen bzw. bestehende Vorrangzonen nach dem SAPRO Wind – wo möglich – auch für PV nutzen.
2. Aufstockung der Anzahl erforderlicher Gutachter:innen zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren in der Steiermark
3. Unterstützung von langfristig tragfähigen Finanzierungslösungen
4. Amts- und Verwaltungswege durchgängig digitalisieren, um Effizienz und Transparenz in der Verwaltung zu steigern und Unternehmen von bürokratischen Hürden zu entlasten.
5. Ein Pilotprojekt für die digitale Abwicklung von Verfahren starten, um den gesamten Prozess – von der Antragstellung über die Prüfung bis hin zur Genehmigung – effizienter, transparenter und nutzerfreundlicher zu gestalten.
Bis 2040 verdoppelt sich der steirische Strombedarf auf 20 TWh
Die steirische Energiebilanz weist aktuell einen Endverbrauch von Strom von rund 10 TWh aus (Referenzjahr 2023). Dieser Bedarf wurde zu rd. 67 % durch erneuerbare Energie, zu 15 % aus fossilen Energieträgern und zu 18 % durch Importe abgedeckt. Unter Berücksichtigung einer Analyse der österreichischen Energieagentur, die im Auftrag des Landes Steiermark bereits im Jahr 2023 erarbeitet wurde, wird durch die Elektrifizierung von Verkehr und der industriellen Produktion ein Anstieg um 4 TWh bis 2030 und weiteren 6 TWh bis 2040 erwartet. Der steirische Strombedarf verdoppelt sich somit innerhalb von 15 Jahren von 10 auf 20 TWh. Orientiert an den Zielen der Klima- und Energiestrategie des Landes Steiermark (KESS-2030-plus), die bis 2030 einen Ausbau der PV auf 2,8 TWh, der Windkraft auf 2,1 TWh und der Wasserkraft auf 4,1 TWh festlegt, ergibt sich dennoch weiterhin eine Lücke, die durch Importe zu schließen wäre. Der Abfluss von regionaler Wertschöpfung in benachbarte Bundesländer und Staaten ist neben verpassten heimischen Beschäftigungseffekten eine vertane Chance für den Standort.
Geplante Investitionen und volkswirtschaftliche Effekte
Die Energie Steiermark und die beteiligten 24 Industrieunternehmen haben im Zuge von Workshops ihre jeweils energiebezogenen Investitionen eingebracht, diskutiert und durch das Economica Institut für Wirtschaftsforschung (Prof. Helmenstein) wissenschaftlich abgesichert bewerten lassen. Im Zeitraum 2025-2029 beläuft sich das gesamte Volumen an geplanten energiebezogenen Investitionen auf 3,5 Mrd. Euro. Jährlich werden somit rund 700 Mio. Euro Investitionen in die Stärkung des steirischen Standorts getätigt. Diese Investitionen gehen mit enormen regionalwirtschaftlichen Effekten einher. Die direkten, indirekten und induzierten Effekte belaufen sich im Auswertungszeitraum 2025-2029 auf einen unmittelbaren regionalen Wertschöpfungseffekt von 1,3 Mrd. Euro. Damit verbunden werden rund 16.000 heimische Beschäftigungsverhältnisse geschaffen bzw. abgesichert. Darüber hinaus führen die Jobeffekte zur inländischen Auszahlung von rund 580 Mio. Euro Löhnen und Gehältern, sowie der Abführung an Steuern und Abgaben von rund 460 Mio. Euro – ein wesentlicher Beitrag auch für die angespannte Situation bei den öffentlichen Haushalten.
Umsetzungsschritte
Energiepolitik ist zentraler Teil der Standortpolitik, weshalb eine ehrliche praxisnahe Bestandsaufnahme wesentlicher Hürden bei der Umsetzung der grünen Transformation vorgenommen werden muss. Für die zur Umsetzung notwendigen Rahmenbedingungen haben der Bund und das Land Steiermark bereits erste Schritte in wesentlichen Teilbereichen gesetzt. Ergänzend dazu liefern die Ergebnisse der vorliegenden Folgeinitiative „Masterplan Grüne Energie 2.0“ entsprechende Handlungsfelder für die Bundes- und Landesebene, v.a. im Bereich der Finanzierbarkeit. Angesichts der tiefgreifenden Veränderungen im Energie- und Industriesektor sind rasche und koordinierte Umsetzungsschritte auf Bundes- und Landesebene von zentraler Bedeutung.
TOP 5 – Bundesebene
1. Zweckbindung von ETS-Einnahmen für die Industrie-Transformation und weitere Anreize zur Dekarbonisierung für Industrieunternehmen setzen
2. Verlängerung des SAG bis 2030 (wie in vielen anderen Mitgliedsländern der EU)
3. Vertiefung der Kapitalmarktunion zur Mobilisierung privaten Kapitals
4. Vermeidung von ad-hoc Gesetzgebungen wie branchenspezifischen Gewinnabschöpfungen
5. Rechtssicherheit durch zügige Umsetzung der relevanten Gesetze
„Die Fortsetzung der konstruktiven Partnerschaft zwischen Politik und Gesellschaft sowie Energie- und Industrieunternehmen ist entscheidend, um die Herausforderungen der Energiewende erfolgreich zu bewältigen. Das vertrauensvolle und kooperative Miteinander aller Beteiligten in der Steiermark trägt maßgeblich dazu bei, dass das Bundesland in vielen Bereichen österreichweit eine Vorreiterrolle einnimmt und dadurch auch die entsprechende Wertschöpfung und Beschäftigung im Land gelingen kann.“
Werner Ressi,
Vorstand der Energie Steiermark AG
„Bis 2029 müssen rund 1,5 Milliarden Euro allein in die grüne Umstellung zentraler Produktionsprozesse auf klimaneutrale Technologien investiert werden. Zusätzlich sind erhebliche Mittel für den Ausbau erneuerbarer Energiequellen und die Modernisierung der Netzinfrastruktur erforderlich. Investitionen, die für unseren Standort entscheidend sind. Ein wichtiger Schritt in diesem Zusammenhang ist die gezielte Verwendung der ETS-Einnahmen, um Unternehmen in dieser Transformation zu unterstützen.“
Franz Kainersdorfer,
Vorstandsmitglied voestalpine AG,Vorstandsmitglied IV-Steiermark
„Die Umgestaltung des Energiesystems erfordert auch in der Steiermark Investitionen in Milliardenhöhe. Die derzeitigen gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen reichen für den notwendigen Investitionsschub aber nicht mehr aus. Es braucht dringend tragfähige finanzielle und regulatorische Grundlagen, damit Kapitalmarkt, Energiemarkt sowie Politik gemeinsam den Erfolg der Energiewende sichern können.“
Martin Graf,
Vorstand der Energie Steiermark AG:
„Derzeit arbeiten rund 28 Prozent der steirischen Industriebeschäftigten in energieintensiven Betrieben – deutlich mehr als im österreichweiten Schnitt von etwa 20 Prozent. Eine leistbare und verlässliche Energieversorgung, die von einer gut abgestimmten Energie- und Industriepolitik getragen wird und die eine wirtschaftlich erfolgreiche Entwicklung der Steiermark ermöglicht, ist für uns entscheidend. Der Masterplan Grüne Energie 2.0 setzt genau hier an und ist ein wichtiger Schulterschluss von Energieerzeugern und -verbrauchern.“
Markus Ritter,
Vizepräsident IV-Steiermark; Geschäftsführender Gesellschafter Stahl- und Walzwerk Marienhütte, Vorsitzender des Industrieforums Energie & Umwelt der IV-Steiermark
In Kooperation mit der IV-Steiermark; Foto: beigestellt