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Wenn die Zukunft von außen kommt

Immer mehr Unternehmen haben keine Nachfolger in der Familie – das macht Management-Buy-ins (MBI) als alternative Form der Betriebsnachfolge besonders attraktiv. Dabei steigen externe Manager in ein Unternehmen ein und führen es in die Zukunft. Worauf es bei einem MBI ankommt und wie es gelingen kann, beweisen drei Best-Practice-Beispiele aus der Steiermark. Teil 4 unserer großen Serie zum Thema Unternehmensnachfolge.

Eine Nachfolge innerhalb eines Familienunternehmens? Hat ihre Tücken. Eine Übernahme im Zuge eines Management-Buyouts? Ebenso knifflig. Und eine Nachfolge durch einen Externen? Vermutlich die Königsdisziplin der Betriebsnachfolge. Sogenannte Management-Buy-ins (MBI) sind aus zweierlei Gründen komplex: Zum einen verfügen die Neueinsteiger über keinerlei Insiderwissen über das Unternehmen, das schon bald ihnen gehören soll, zum anderen braucht es zumeist Dritte, die übernahmewillige Manager und verkaufsbereite Unternehmen zusammenbringen – gleichsam ein „Tinder der Unternehmensnachfolge“.„SPIRIT of Styria“ fragte bei drei erfolgreichen steirischen MBIs nach.

Wie man Unternehmertum gebacken bekommt

Vom Angestellten zum Serienunternehmer? Manchmal geht es schneller als gedacht. Zumindest im Fall von Michael Sack. Der Techniker mit Schwerpunkt Informatik und Maschinenbau war erst im Pharmaunternehmen des Schwiegervaters in Wien tätig, wo er die Instandhaltung und Optimierung der Produktionsanlagen verantwortete. Allein, die Rolle als „Schwiegersohn“ im Betrieb behagte ihm nicht. „Eine schwierige Konstellation – daher habe ich mich entschieden, eigene Wege zu gehen“, erinnert sich Sack. Kurz spekulierte er mit der Möglichkeit, ein Start-up im Bereich Maschinenbau zu gründen – eine Idee, die der vierfache Familienvater aufgrund des erhöhten finanziellen Risikos wieder ad acta legte. Zu dieser Zeit kam er im Rahmen einer Netzwerkveranstaltung erstmals mit der Möglichkeit eines Management-Buy-ins in Berührung.

Vom Angestellten zum Serienunternehmer:
Michael Sack übernahm den Bäckereimaschinen-Spezialisten RH technik in Ganztal bei Mürzzuschlag

„Eine Option, die mir, offen gestanden, davor gar nicht bewusst war. Aber ein bestehendes Unternehmen inklusive Personal, Produktportfolio und vorhandenen Kunden zu übernehmen, erschien mir vom ersten Moment an einleuchtend“, so Sack, der sich sogleich auf die Suche machte und sich dafür an M&A-Makler und Steuerberater wandte. In Mürzzuschlag wurde er schließlich fündig. Die Firma RH technik, spezialisiert auf die Produktion von Maschinen, Anlagen und Sonderlösungen für Bäckereien, war auf Nachfolgersuche. Der bisherige Eigentümer ging in Pension – ohne einen Nachfolgekandidaten in der Familie zu haben. „Für mich ein Volltreffer. Ein gut eingeführter Maschinenbauer mit ausreichend Optimierungspotenzial – genau das, was ich gesucht habe. Zudem ist Brot ein sympathisches, sinnstiftendes Produkt und die Branche ein echter Wachstumsmarkt, da die Notwendigkeit zur Automatisierung in der Bäckereibranche weiter zunehmen wird“, fasst Sack zusammen. Ziemlich genau ein Jahr nach dem Entschluss, selbstständig zu werden, übernahm er die RH technik. „Es war eigentlich nie mein Lebensziel, Unternehmer zu werden“, gesteht er, „aber ich gebe zu, ich bin auf den Geschmack gekommen. Natürlich vergeht kein Tag ohne neue Herausforderungen – aber in Summe bin ich froh, die Entscheidung getroffen zu haben.“ Mittlerweile hat Sack bereits ein zweites Unternehmen erworben, einen Zulieferbetrieb aus dem Bereich Elektrotechnik. „Auch an einem dritten Unternehmen, einen Maschinenbauer, bin ich dran und führe derzeit intensive Gespräche“, so Sack, der die RH technik erfolgreich weiterentwickelte. „Wir konnten einige neue Kunden gewinnen und die Mitarbeiterzahl mittlerweile verdoppeln. Derzeit haben wir 20 Beschäftigte. Ohne unser tolles Team wäre der Erfolg nicht möglich.“ Grund dafür ist auch die verstärkte Internationalisierung über den DACH-Raum hinaus. Neben Norwegen, der Slowakei und Frankreich gehen erste Maschinen auch bereits nach Panama und Mexiko. Das weitere Ziel? Sack: „Wir wollen weiter wachsen und uns in den nächsten Jahren verdoppeln oder verdreifachen. Die Vorzeichen stehen gut.“

Automatische Ofenbe- und -entlader, Transportsysteme & Co.: Bäckereimaschinen der Firma RH technik von Michael Sack

Vom Quereinsteiger zum Branchenprimus

Auch Siegfried Wurzinger wollte eigentlich nie Unternehmer werden. „Das Ziel stand nicht auf meiner Lebensagenda“, erklärt der einstige Geschäftsführer der Wochenzeitung „Der Grazer“, heute Inhaber des größten steirischen Steinmetzunternehmens „Steintechnik Reinisch“ mit Sitz in Wolfsberg in Schwarzautal. Dazwischen liegen Zufall, Instinkt und eine goldrichtige Entscheidung. „Ich habe den langjährigen Eigentümer Franz Reinisch bei einer Veranstaltung in Graz kennen gelernt – irgendwann hat er mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die Geschäftsführung seines Unternehmens zu übernehmen.“ Nach etwas Bedenkzeit sowie dem Abschluss eines parallel begonnenen MBA-Studiums in Krems ergriff Wurzinger die Gelegenheit beim Schopf – zwei Jahre führten die beiden den Betrieb gemeinsam, ehe der Quereinsteiger Anfang 2019 hundert Prozent der Anteile übernahm.

Siegfried Wurzinger, Inhaber von Steintechnik Reinisch, des größten steirischen Steinmetzunternehmens

„Es hat mich gereizt, die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens zu verantworten. Zudem habe ich rasch eine unglaubliche Leidenschaft für das Thema Naturstein entwickelt“, so Wurzinger. „Dafür habe ich mich binnen kurzer Zeit komplett in die Materie hineingearbeitet. Ansonsten würde man von seinem Team auch nicht als Leader akzeptiert. Ich sage immer: Erst habe ich den MBA gemacht und danach den Lkw-Führerschein“, lacht er. Seine wichtigsten Kriterien auf der Checkliste vor dem Einstieg? „Erstens die Prüfung der maschinellen Ausstattung – denn viele Betriebe der Branche haben einen Investitionsrückstand. Zweitens die Loyalität der Mitarbeiter – ohne diese kannst du nicht erfolgreich sein. Und drittens: Bleibt der Alteigentümer für eine Übergangszeit an Bord? Bei allen Punkten gab es ein grünes Häkchen“, so Wurzinger rückblickend, der im Prozess auch von Experten der RLB Steiermark beraten wurde. „Ein wertvoller Tipp war, die Insignien der Macht, sprich den Firmenschlüssel, im Rahmen einer offiziellen Feier zu übergeben. Das haben wir gemacht – ein sehr sinnvolles Ritual“, so Wurzinger. Entscheidend für seinen Einstieg war auch das Potenzial, das er von Anfang an im Bereich Küchenarbeitsplatten aus Hochleistungskeramik gesehen hat. „Das Geschäftsfeld hat sich enorm entwickelt – wir haben hier unsere Umsätze seit meinem Einstieg vor zehn Jahren vervierfacht.“ Auch der Gesamtumsatz der Firma hat sich seither verdoppelt, die Mitarbeiterzahl ist auf 43 geklettert. „Ich bekomme dauernd Anfragen, Betriebe aus der Branche zu übernehmen. Viele Unternehmen haben keinen Nachfolger, aber leider auch nie in die Zukunft investiert. Ein moderner Maschinenpark ist das Um und Auf für einen Steintechnikbetrieb. Wir arbeiten mit Hightech-CNC-Anlagen, die Steine im Zehntelmillimeter-Bereich schneiden“, so Wurzinger. „Daher verwenden wir auch den Begriff Steintechnik – und nicht die veraltete Bezeichnung Steinmetz. Der Bereich Grabdenkmäler ist bei uns längst nicht mehr der Hauptumsatzbringer, wie bei den meisten Steinmetzbetrieben.  Der Großteil entfällt auf Küchenarbeitsplatten und den Bereich Bau im Innen- und Außenbereich.“

Was zählt? „Mut und Verrücktheit“

„Man muss mutig sein und ein bisschen verrückt“, erklärt Eva Harnig lachend. „Wer nur auf Sicherheit aus ist, steht still – das kommt für mich nicht in Frage. Ich will mich ständig weiterentwickeln“, so die Deutschlandsbergerin, die in ihrem Leben schon vieles war: Köchin, Verkäuferin, Druckereimitarbeiterin, Schichtleiterin in der Autoindustrie – seit knapp zwei Jahren ist Harnig Unternehmerin. Am 1. November 2024 übernahm die ehemalige Stammkundin das Reformhaus in Deutschlandsberg von ihrem Vorgänger Klaus Dotzauer. Erst drei Tage später kam die Zusage für den Jungunternehmer-Förderkredit von ihrer Hausbank. „Zum Glück habe ich auch eine energetische Ausbildung und hatte ausreichend Vertrauen, dass sich das alles ausgehen wird.“

Eine Frau mit lockigem rotem Haar und Brille lächelt, während sie ein Produkt in einem Ladenregal in der Hand hält, das mit Kräutern, Gewürzen und Flaschen gefüllt ist.

Von der Stammkundin zur Unternehmerin: Eva Harnig, die neue Inhaberin des Reformhaus Deutschlandsberg. Harnig war auch „Follow me“-Finalistin 2025.

Worauf sie ebenso vertrauen konnte: ein funktionierendes Netzwerk an Experten. „Als Quereinsteigerin hatte ich ja keine Ahnung von der Geschäftsführung eines Betriebs. Aber ich hatte das Glück, gerade in der Übergangsphase ganz tolle Menschen an meiner Seite zu haben, die mich extrem gut unterstützt haben – ob Steuerberater, Rechtsanwalt oder IT-Fachmann“, so Harnig. Schließlich galt es, den Betrieb zukunftsfit aufzustellen – und dafür einiges umzukrempeln, etwa organisatorische Abläufe, Sortimentsanpassung oder die Neuregelung der Stammkundenrabatte. „Ein Unternehmen zu führen ist eine reizvolle Aufgabe, man lernt täglich Neues dazu. Und auch wenn die Herausforderungen groß sind, genieße ich die Freiheiten, die das Unternehmerdasein mit sich bringt. Ich kann es nur empfehlen!“

Fotos: Strametz, beigestellt

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